Als Ova [Deutsch Plur.: Ovas; Türkisch Sing.: Ova; Plur.: Ovalar; Genitiv (Genitivus possessivus) jeweils: Ovası bzw. Ovaları] wird in der Türkei ein Landschaftstyp bezeichnet, der im türkischen Sprachgebrauch in seiner Hauptbedeutung im Zusammenhang mit dem Begriff der „Ebene“ verwendet und auch entsprechend übersetzt wird [Beispiel: Konya Ovası = Ebene von Konya (Konya-Ebene)]. Die Ova ist somit ein geographischer Terminus, der meist auch – je nach landschaftspezifischer Ausprägung – in den Bedeutungen „Becken“ oder „Senke“ („Becken von Konya“ oder „Senke von Konya“) gebräuchlich ist.

Herkunft des Begriffs „Ova“ Die Herkunft des Wortes „Ova“ ist umstritten. So wird der Begriff in der entsprechenden ältesten schriftlichen Geschichtsquelle (Meninski’s Thesaurus) von 1680 als „flaches und fruchtbares Land“ angegeben. Nach dem türkischen etymologischen Online-Wörterbuch etimolojiturkce.com stammt der Begriff aus dem Kurdischen (Kurmandschi) „ava“ bzw. Persischen (Fārsī) „ābād“ (= Bauernplatz, bebauter und kultivierten Ort). Bilal Aksoy beschreibt den Terminus als „weites und flaches Gelände“, gibt seine Herkunft allerdings als ungeklärt an: Demnach ist der Begriff im Wörterbuch des türkischen Gelehrten und Lexikographen Mahmud von Kashgar (Maḥmūd al-Kāšġarī) aus dem 11. Jahrhundert nicht zu finden, und Aksoy ist sich nicht sicher, ob er aus dem persischen Wort „ābād“ (bayındır yer = blühender Ort) kommt. Er ist auch nicht verwandt mit dem türkischen Wort "oba" (= nomadisches Zelt). Das Wort Ova ist in Sprachen, die dem Türkischen nahestehen, nicht gebräuchlich. Eine Verwandtschaft mit -uwa in altanatolischen Sprachen ist zudem unklar. In der wissenschaftlichen Länderkunde der Türkei wird der Begriff der Ova wie folgt charakterisiert: „Das Wort fehlt in den zentralasiatischen Turksprachen. Es ist eine Schöpfung der anatolischen Türken, die damit ein für sie wesentliches Landschaftselement mit einem Namen versahen. Die großen Ebenen Arabiens oder Turkestans werden volkssprachlich nie als Ova bezeichnet. Der volkssprachliche Gebrauch des südslawischen Polje kommt dem Ovabegriff nahe, ist durch eingebürgerte Bindung an Karstprozesse aber keine geeignete Übersetzung.“ „Die Ova ist ein Flachrelief, das wenigstens teilweise von höherem Gelände umrahmt ist. Sie hat somit Beckencharakter und ist nicht Ebene schlechthin. Ihre randliche Begrenzung ist Türken bei Verwendung des Begriffes bewusst.“

Generelle Verbreitung und Beschreibung links|mini|500x500px|In der Karte ist die Verbreitung der wichtigsten Ova-Landschaften in der Türkei dargestellt, die sich nicht selten entlang bedeutender tektonischer Störungen aufreihen oder sich in deren Umfeld häufen (Nordanatolische Verwerfung, Ostanatolische Störungszone, Graben-Horst-System Westanatoliens). Der Landschaftstyp der Ova ist in der gesamten Türkei von türkischen Teil Thrakiens bis zum östlichen Taurus in Ostanatolien verbreitet. Seine Dimensionen reichen von kleinen Talweitungen von der Größe einer Dorfgemarkung bis hin zu Becken mit einer Ausdehnung von mehreren Landkreisen. Man kann die Ova allgemein als Landschaftstypus bezeichnen, darüber hinaus aber regionaltypische Varianten unterscheiden. Alle diese Becken sind als Kernräume der landwirtschaftlichen Nutzung und Leitlinien des Verkehrs eines der markantesten Kennzeichen des Reliefs in der Türkei, und ihre Vielzahl bewirkt die charakteristische Kammerung des Landes, die dort bis in die Gegenwart kulturhistorisch immer bedeutend war.

Entstehung und Entwicklung Die Entstehung und Entwicklung der türkischen Ovas wurde von vielen einheimischen und ausländischen Geowissenschaftlern untersucht, einige detailliert, andere im allgemeinen Erscheinungsbild, sowohl in geologischer als auch in geomorphologischer Hinsicht. Seit dem späten 20. Jahrhundert sind mit Einzug fortschrittlicher Technologisierung in der Türkei Entstehung und Entwicklung der Beckenebenen durch Bohrungen sowie Leitfähigkeitsstudien von Institutionen wie D.S.I (Staatswasserbauamt), T.P.A.O. (Türkische Erdölgesellschaft), T.K.I. (Türkische Kohleunternehmen), M.T.A. (Mineralforschung und -exploration) klarer geworden. Geologen, Hydrologen, Geomorphologen, Geophysiker und Bergbauingenieure spielten dabei eine wichtige Rolle. Entsprechende Forschungen zur Geomorphologie der Türkei haben dabei gezeigt, dass die Neotektonik eine wichtige Rolle bei der Bildung eines großen Teils dieser Ovas spielte.

Für die Hintergründe der anatolischen Becken- und Grabenstrukturen bietet die Plattentektonik einleuchtende Erklärungen: So drückt die afro-arabische Kontinentalplatte aus Süd-Südosten die anatolische Teilplatte zwischen nordanatolischer Hauptverwerfung im Norden und Jordan-Maraş-Graben im Osten gegen das stabile Widerlager der eurasischen Platte im Norden und Nordosten, während sie in Südost-Anatolien unter Kleinasien abtaucht. Dabei wird der anatolischen Block kräftig nach Westen „gequetscht“. Bereits vor dem und während des Tertiärs war diese Druckbewegung verantwortlich für die Auffaltung von Pontus und Taurus im Norden bzw. Süden und der iranischen Faltengebirge im Osten. Mit Übergang zum Quartär ließ die Flexibilität des anatolischen Blocks nach, wobei er auf den ungebrochenen Plattendruck immer weniger mit Flexuren, sondern mit Bruchtektonik und Verwerfungen eher „starr“ reagierte, sodass große Teile Kleinasien in Gräben, Senken und Horste zerlegt wurde. mini|Die Gürpınar Ovası ist ein Teil des Vansee-Beckens im Bereich des unteren Dönemeç Çayı südlich von Van beim Cavuştepe in Ostanatolien links|mini|Blick vom Caldera-Rand des Nemrut Dağı auf die südwestlichen Partien des Vansee-Beckens und die Kavuşşahap Dağları in Ostanatolien. Kennzeichnend ist deshalb in den Berglandbereichen die Zerstückelung des Landes in verkehrsbehindernde Gebirge sowie in flachbödige Senken und Becken. Größere Flüsse müssen auf ihrem Weg aus dem Hochland zum Meer in oft spektakulären Engtalstrecken von Senke zu Senke durchbrechen, oder sie enden in einem der zahlreichen abflusslosen, salzigen Flachseen im Landesinnern. Ähnlich gliedern sich die westanatolischen Bergländer fast parallel angeordnet in mehrere markante Horste und tiefe Grabenbrüche, und im Osten verzahnen sich Gebirgsbarrieren um das Großbecken des Vansees. Ein weiteres Indiz für derartige tektonischen Prozesse ist die Aufreihung zahlloser Thermal- und Mineralquellen entlang tektonischer Schwächelinien gepaart mit auffälligem Vulkanismus und heftigen Erdbeben mit auffälligen Horizontalverschiebungen. Die Bewohner der Türkei sind mit Erdbeben und ihren katastrophalen Begleiterscheinungen äußerst häufig konfrontiert, denn 95 % der türkischen Bevölkerung lebt in Erdbebenzonen. links|mini|Schotterbett des tief eingeschnittenen Demre Çayı zwischen den Becken der Kasaba Ovası und Demre Ovası (Südwest-Taurus, Türkei). mini|Das Bild zeigt das enge Durchbruchstal des Kelkit Çayı bei Niksar zwischen Erbaa und Reşadiye Ovasi im Pobtischen Gebirge im Verlauf der Nordanatolischen Hauptverwerfung. Dabei handelt es sich bei diesem teils in Reihe, teils verstreut liegenden Landschaftstyp um Ebenen und Becken in unterschiedlichsten Höhenlagen. Und sie sind im Regelfall nicht besonders stark und tief durch Gewässer zerschnitten. Betrachtet man topographische oder geologische Karten der Türkei, so wird klar, dass es sowohl in den Gebirgen als auch innerhalb der Hochebenen im Landesinneren sowie an den Küsten große und kleine Ovas gibt. Im Gegensatz zu den Tiefebenen auf Meereshöhe gibt es z. B. im Osten Anatoliens derartige Becken auf 1500 m Höhe und darüber hinaus. Einige von ihnen sind völlig geschlossene Becken, an deren tiefsten Stellen sich entweder permanente oder temporäre Seen und Sümpfe gebildet haben, während andere für die externe Entwässerung offen sind oder durch enge Schluchten oder normale Täler (zumeist Durchbruchstäler) miteinander verbunden sind. Die meisten dieser Arten von Ebenen hängen mit der Tektonik zusammen und sind entweder durch Verwerfungen begrenzt oder bilden sich innerhalb großräumiger Geosynklinalen. Die verschiedenen Erscheinungs- und Landschaftsformen der Ovas sind unterschiedlichen Ursprungs und lassen sich entsprechend ihrer Entstehung und Entwicklung in 4 Typen gruppieren:

Ovas tektonischen Ursprungs, Ovas fluvialer Entstehung, Ovas in Karstlandschaften, Küsten-Ovas.

Ovas tektonischen Ursprungs links|mini|Blick nach Westen in die Geyve Ovası bei Pamukovası und auf den Samanlı Dağı; in der Bildmitte der Sakarya Nehri. mini|Blick auf den Göksu Nehri im tektonischen Becken der Mut Ovası im Mittleren Kilikischen Taurus nördlich von Silifke in der Südtürkei. links|mini|Ausblick von der Höhe des İrmasan-Passes bei Cevizli in das Becken der Suğla Ovası (Seydişehir Ovası) mit dem partiell ausgetrockneten Suğla Gölü bei Çatmakaya im mittleren Taurus. mini|Blick über die Senke der Eber Ovası bei Çay nach längeren Regenfällen im Frühjahr 1984. links|mini|Das Bild zeigt die Erzincan Ovası bei Altıntepe mit Blick auf die Esence Dağları. mini|Sicht auf die Ruinen von Hierapolis/Pamukkale und über die Denizli Ovası auf die Kette des Akdağ in der Südwest-Türkei. links|mini|Aussicht von Becin Kalesi in das Becken von Milas. Die Milas Ovası liegt in der südlichen Verlängerung des Bafa Gölü-Beckens. mini|In der teilweise versumpften Ebene der Koruköy Ovası bei Milas befindet sich auch der türkische Flughafen Bodrum/Milas.