mini|Blick vom Burgstall Alte Burg (2013) mini|Der Beerbach in Nieder-Beerbach (2026) Nieder-Beerbach (mundartlich: Beerwisch) ist ein Ortsteil der Gemeinde Mühltal im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg. Der Ort liegt im Osten des Frankensteinmassivs (Langenberg) im Tal des Beerbachs.

Geschichte Ortsgeschichte In historischen Dokumenten ist der Ort im Laufe der Jahrhunderte unter wechselnden Ortsnamen belegt. (In Klammern das Jahr der Erwähnung): Berbach (1318); Niedernbeerbach (1363); Berbach (1467); Nieddern Berbach (1485); Nyddern Berbach (1485); Berbach (1549); Bernbach, under (1553); Niedern Berbach; Unterbeerbach (1613). Die erste urkundliche Erwähnung Nieder-Beerbachs erfolgte im 14. Jahrhundert. 1402 verleiht König Ruprecht das Dorf Nieder-Beerbach und die Dorenbach Konrad von Frankenstein. 1442 belehnt König Friedrich III. Philipp von Frankenstein und seine Vettern Konrad und Hans mit Nieder-Beerbach und Zubehör. 1545 belehnt Landgraf Philipp von Hessen die von Wallbrunn mit ihrem Teil an den Gefällen zu Ober- und Niederbeerbach. 1662 verkaufen die Herren von Frankenstein Nieder-Beerbach als Zubehör des vom Kaiser zu Lehen rührenden Hauses Frankenstein. 1682 belehnt Kaiser Leopold I. Landgräfin Elisabeth Dorothea als Vormünderin des Landgrafen Ernst Ludwig von Hessen mit Nieder-Beerbach, wie es zuletzt die von Frankenstein als Reichslehen innehatten.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Nieder-Beerbach:

Hessische Gebietsreform 1970–1977

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden am 1. Januar 1977 die bis dahin selbstständige Gemeinde Nieder-Beerbach mit den Gemeinden Frankenhausen, Nieder-Ramstadt und Traisa kraft Landesgesetz zur neuen Gemeinde Mühltal zusammengeschlossen. Für Nieder-Beerbach wurde wie für die übrigen ehemals eigenständigen Gemeinden ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet. Sitz der Gemeindeverwaltung wurde Nieder-Ramstadt.

Erdbeben Am 17. Mai 2014 um 18:48 Uhr (MESZ) erschütterte ein Erdbeben mit dem Magnitudenwert von 4,2 auf der Richterskala Nieder-Beerbach. Das Epizentrum lag in einer Tiefe von ca. sechs Kilometern. Das Beben verursachte zahlreiche leichte Gebäudeschäden.Darmstädter Echo, 19. Mai 2014, S. 1 ff.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Nieder-Beerbach angehört(e):

vor 1662: Heiliges Römisches Reich, Herrschaft von Frankenstein ab 1662: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt (durch Kauf), Obergrafschaft Katzenelnbogen, (1787: Oberamt Darmstadt, Amt Pfungstadt) ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Pfungstadt ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Pfungstadt ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als Vorläufer des Deutschen Reichs., Provinz Starkenburg, Amt Pfungstadt ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk BensheimTrennung zwischen Justiz (Landgericht Zwingenberg) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Bensheim ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Heppenheim ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Bensheim ab 1853: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Darmstadt ab 1871: Deutsches Reich,Infolge des Deutsch-Französischen Krieges. Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Darmstadt ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen,Infolge des Ersten Weltkriegs. Provinz Starkenburg, Kreis Darmstadt ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis DarmstadtIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1949: Deutsches Reich, Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt, Gemeinde MühltalAm 1. Januar 1977 als Ortsbezirk zur Gemeinde Mühltal. ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Gemeinde Mühltal

Gerichtszugehörigkeit Nieder-Beerbach gehörte zur Zent Pfungstadt. In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Starkenburg wurde das Hofgericht Darmstadt eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen. Damit war das Amt Pfungstadt zuständig. Die Zentgerichte hatten damit ihre Funktion verloren.

Mit Bildung der Landgerichte im Großherzogtum Hessen war ab 1821 das Landgericht Zwingenberg das Gericht erster Instanz. Die zweite Instanz war weiter das Hofgericht Darmstadt. In der erstinstanzlichen gerichtlichen Zuständigkeit für Nieder-Beerbach folgten: 1853: Landgericht Darmstadt; zweite Instanz: Hofgericht Darmstadt 1879: Amtsgericht Darmstadt II; zweite Instanz: Landgericht Darmstadt 1932: Amtsgericht Darmstadt; zweite Instanz: Landgericht Darmstadt

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Nieder-Beerbach 1920 Einwohner. Darunter waren 99 (5,2 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 327 Einwohner unter 18 Jahren, 795 waren zwischen 18 und 49, 441 zwischen 96 und 64 und 357 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 857 Haushalten. Davon waren 276 Singlehaushalte, 264 Paare ohne Kinder und 240 Paare mit Kindern, sowie 72 Alleinerziehende und 15 Wohngemeinschaften. In 162 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 612 Haushaltungen leben keine Senioren.

Einwohnerentwicklung • 1629: 26 Hausgesesse • 1630: 7 Zweispännige, 1 Einspänniger, 11 Einläuftige • 1806: 421 Einwohner, 63 Häuser • 1829: 552 Einwohner, 79 Häuser • 1867: 692 Einwohner, 98 Häuser

Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 548 lutheranische (= 99,18 %), ein reformierter (= 0,18 %) und 3 katholische (= 0,54 %) Einwohner • 1961: 1156 evangelische (= 88,85 %), 125 katholische (= 9,61 %) Einwohner

Politik Ortsbeirat Für Nieder-Beerbach besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Nieder-Beerbach) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Seit den Kommunalwahlen 2021 ist Klaus Nolde (Beerwischer) Ortsvorsteher.

Wappen Das Wappen wurde am 17. Februar 1955 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

Sehenswürdigkeiten und Kultur Burg Frankenstein Die Burgruine Frankenstein, eine historische Trutz- oder Wehrburg mit zwei Türmen, Burgmauern und vorgelagertem Pulverturm, befindet sich in 370 m Höhe auf dem Schlossberg, südöstlich des Darmstädter Stadtteils Eberstadt, gelegen auf der Gemarkung von Nieder-Beerbach. Berühmtheit verdankte die Burg Frankenstein einer geschäftstüchtigen Vermarktung, wonach sie als Namensgeber für Mary Shelleys bekanntes Buch Frankenstein oder der moderne Prometheus dargestellt wurde. Freilich gibt es dafür keinen wissenschaftlich haltbaren Beleg. Und erst in den letzten Jahrzehnten zusätzlich auch dadurch, dass seit den 1970er Jahren (bis 2023) auf der Burg eines der größten Halloweenfeste Deutschlands stattfand.

Vereine Nieder-Beerbach verfügt, gemessen an seiner relativ geringen Einwohnerzahl, über ein sehr ausgeprägtes und buntes Vereinsleben, das die dörfliche Gemeinschaft fördert.

Neben verschiedenen Sportstätten und Vereinsheimen wird in Nieder-Beerbach auch ein Walderlebnispfad rund um die Burg Frankenstein unterhalten, der den Benutzern die Nähe zwischen Mensch und Wald näherbringen soll.

Unser Dorf Nieder-Beerbach nahm 2005 zum zweiten Mal am Wettbewerb des Landes Hessen „Unser Dorf“ teil (früher „Unser Dorf soll schöner werden“). Wie bereits bei der ersten Teilnahme, Anfang der 1990er, konnte Nieder-Beerbach hier den zweiten Platz belegen.

Kunststatt Nieder-Beerbach Kunststatt Nieder-Beerbach – dies meint nicht „Stadt“, sondern „Stätte“ der Kunst, oder auch: Arbeitsstätte, Werkstatt der Kunst. Auf Initiative der Künstlerin Erika Liefland fanden sich 10 Künstler aus Nieder-Beerbach im Sommer 2002 zu einer Ausstellung zusammen und bereichern seither das Dorfbild mit ihren Werken, die in Nieder-Beerbach allgegenwärtig sind. Seitdem wird sogar am Ortseingang auf eigenen Verkehrsschildern darauf hingewiesen, dass sich der Besucher einer Kunststätte nähert.

Regelmäßige Veranstaltungen Juni–August: Frankenstein-KulturfestivalDarmstädter Echo: Mittwoch, 5. Februar 2020, S. 17. September: KerbDarmstädter Echo, Mittwoch, 30. September 2015, S. 22 Oktober: OktoberfestDarmstädter Echo, Montag, 26. September 2016, S. 21 Oktober/November: Halloween-FestivalSabine Eisenmann. In: Darmstädter Echo, Donnerstag, 19. September 2019, S. 17. November: Theateraufführung KAF, Komödie am Frankenstein (SKG Nieder-Beerbach) Fastnacht: Zwei Herren- und Damen-Sitzungen (veranstaltet durch die SKG Nieder-Beerbach) und „Närrisch’im TV“ (veranstaltet durch den TV 1894 Nieder-Beerbach)

Frankenstein-Bergturnfest

Auf der Wald-Sportanlage (Felsing-Anlage des Turnvereins) in der Nähe der Burg Frankenstein findet seit dem Jahr 1902 alljährlich das Frankenstein-Bergturnfest des Turngaus Main-Rhein statt.

Naturdenkmale In der Gemarkung Nieder-Beerbach befinden sich auf dem westlich gelegenen Bergrücken die Magnetsteine, ein geologisches Naturdenkmal.

Wirtschaft und Infrastruktur Nieder-Beerbach ist durch seine Lage am Rande des Odenwalds eher ländlich geprägt. Aufgrund der Tatsache, dass die meisten Bewohner im nahe gelegenen Rhein-Main-Gebiet arbeiten, werden dort auch die meisten Geschäfte getätigt. Darunter leidet auch Nieder-Beerbachs Infrastruktur. Jedoch beginnt sich am nördlichen Ortsrand ein kleines Industriegebiet zu etablieren. Hier sind vor allem Unternehmen aus dem Handwerk und der IT-Branche angesiedelt. Seit Ende 2017 ist neben einem Getränkemarkt und einem Schreibwarengeschäft auch wieder ein Bäckerladen hinzugekommen, welcher von den Einwohnern sehr gut angenommen wird und so zur Stärkung des Einzelhandels innerhalb des Dorfes beiträgt. Verglichen mit den umliegenden Ortschaften ist Nieder-Beerbach wirtschaftlich gut aufgestellt.

Ein weiteres wichtiges Unternehmen für Nieder-Beerbach ist der im Osten liegende Steinbruch der Odenwälder Hartstein-Industrie (OHI). Die OHI wurde 1957 von der regionalen Konkurrenz, der Mitteldeutschen Hartstein-Industrie AG (MHI) erworben, die den Steinbruch noch heute betreibt. Der Nieder-Beerbacher Steinbruch ist der einzige Ort in Deutschland, an dem noch Silber gefördert wird. Ebenso wird in diesem und in einem weiteren, nur wenige hundert Meter entfernten, Steinbruch in Waschenbach Gabbro gewonnen.

Persönlichkeiten Wilhelm Gottlieb Friedrich Scriba (1767–1830), wurde hier geboren.

Weblinks

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

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