Rebana, auch rabana, rebano, redep, umfasst in Indonesien und Malaysia eine Gruppe von unterschiedlich großen einfelligen Rahmentrommeln, die von muslimischen Bevölkerungsgruppen hauptsächlich in Ensembles zur Begleitung religiöser Gesänge (Zikir, Hadrah, Kasidah), Prozessionen und in einigen religiösen Tanzformen (wie Zapin in Malaysia) verwendet werden. In regionalen Genres islamischer Ritualmusik gespielte Rahmentrommeln dieses Typs heißen etwa terbang in West- und Zentraljava, kompang in Malaysia sowie rapa’i in Aceh und indang bei den Minangkabau auf Sumatra. Für Muslime in Malaysia und Indonesien gilt die Rahmentrommel als ein identitätsstiftender Bestandteil der eigenen Glaubenstradition, sie ist auch für Strenggläubige als Begleitinstrument in der islamischen Musik akzeptabel.

Name und Form des Rahmentrommeltyps kamen wahrscheinlich Anfang des 2. Jahrtausends zunächst mit muslimischen Händlern und Siedlern aus Persien und Indien nach Südostasien, wo die Rahmentrommeln außerdem in Brunei (rebana), Thailand (rammana, ramana) und Kambodscha (roumanea) vorkommen. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich ferner über Sri Lanka (rabana) bis nach Mauritius und zu weiteren Inseln im Indischen Ozean (ravanne). mini|Rebana mit aufgenagelter Membran und zwei Schellenpaaren. Indonesien, vor 1936

Herkunft mini|Aus Arabien stammende kleine flache Zylindertrommel marwas (auch mirwas) Die ältesten Darstellungen von Rahmentrommeln stammen aus Mesopotamien, wo aus der Ur-III-Zeit (um 2000 v. Chr.) weibliche Terrakottafiguren mutmaßlich mit runden Rahmentrommeln in den Händen überliefert sind.James Blades, Janet K. Page, Edmund A. Bowles: Drums. 2. Drums struck directly. (vi) Frame drums. In: Grove Music Online, 2001 Im Nahen Osten sind von Frauen gespielte Rahmentrommeln mit dem biblischen Namen tof und in der späteren persischen Kultur als daira bekannt. Die vorderasiatische Rahmentrommel und der Name daira (arabisch, „Kreis“) verbreiteten sich unter anderem mit den muslimischen Eroberern aus dem Iranischen Hochland und Zentralasien, die Anfang des 13. Jahrhunderts das Sultanat von Delhi gründeten, nach Nordindien (Hindi und verwandte nordindische Sprachen: dara, dair, daerah).Curt Sachs, 1923, S. 62f Zur großen Verbreitungsregion des von hebräisch tof abgeleiteten Namens daff gehört ebenfalls Indien. Dort sind Sprachformen wie daph und dampha geläufig. Der in Nordindien lebende persischsprachige Dichter Amir Chusrau (1253–1325) erwähnt die eingeführte Rahmentrommel, die in der höfischen Musik der Moguln in Indien nach alter Herkunftstradition üblicherweise von Frauen gespielt wurde, während in der indischen Volksmusik beim Spiel der Rahmentrommel kein Unterschied zwischen Männern und Frauen besteht.Alastair Dick: Ḍaph. In: Grove Music Online, 22. September 2015

Rahmentrommeln gab es bereits um die Zeitenwende in der Region Gandhara und im zentralen Nordindien (Relief am Stupa von Bharhut, 2./1. Jahrhundert v. Chr.; Stupa von Sanchi, 1. Jahrhundert v. Chr.), von wo sie nachfolgend bis nach Südindien gelangten. Die altindischen Rahmentrommeln besaßen eine an der Unterseite verschnürte Membran und wurden mit gebogenen Stöcken geschlagen. Auf Wandmalereien in Ajanta (Höhle 10) aus dem 6. Jahrhundert sind Rahmentrommeln schlagende Frauen abgebildet.Walter Kaufmann: Altindien. Musikgeschichte in Bildern. Band 2. Musik des Altertums. Lieferung 8. Hrsg. Werner Bachmann. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1981, S. 33, 48, 66, 172

Muslimische Händler aus Persien und Indien richteten die erste Handelsniederlassung in Südostasien wahrscheinlich im 9. Jahrhundert in „Kalah“ (nach arabischen Quellen) ein, unsicher lokalisiert im malaysischen Bundesstaat Kedah.Geoff Wade: An Early Age of Commerce in Southeast Asia, 900–1300 CE. In: Journal of Southeast Asian Studies, Band 40, Nr. 2, Juni 2009, S. 221–265, hier S. 260 Ende des 13. Jahrhunderts gründeten Muslime aus Indien das Sultanat Pasai im Norden von Sumatra. Spätestens ab dieser Zeit könnte von arabischen Händlern aus Südarabien die Schalenhalslaute gambus und möglicherweise parallel über Indien die persische Laute barbat zunächst nach Sumatra eingeführt worden sein, bevor im 15. Jahrhundert die allgemeine Islamisierung der Malaiischen Inseln begann.Larry Francis Hilarian: The gambus (lutes) of the Malay world: its origins and significance in zapin Music. Paper presented at the UNESCO Regional Expert Symposium on Arts Education in Asia, Hongkong 2004, S. 1–25, hier S. 6

Eine vorgeschlagene Etymologie für rabana ist im Zusammenhang mit der Verbreitung der Rahmentrommel durch muslimische Händler die Herleitung vom arabischen Wort rabbana, „unser Herr“, mit dem viele muslimische Gebete und Preislieder eingeleitet werden.Jaap Kunst, 1973, S. 218 Der sprachliche und kulturelle Einfluss von Indien auf Südostasien ist älter und geht auf eine indische Einwanderung in der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends zurück, die zur Gründung der buddhistischen Reiche Srivijaya auf Sumatra und im 8. Jahrhundert Sailendra auf Java führte. Die größte Auswahl an Musikinstrumenten jener Zeit ist auf den Reliefs am buddhistischen Tempel Borobudur abgebildet, der während der Herrschaft der Sailendra entstand. Darunter sind einige heute in Indonesien verschwundene Instrumente wie Kesseltrommeln aus Ton, gezupfte Lauten und Bogenharfen, die auch in Indien vorkamen oder noch vorkommen.Jaap Kunst, 1973, S. 107 In den frühen indonesischen Quellen (Inschriften seit dem 9. Jahrhundert) sind viele Musikinstrumente mit aus Sanskrit abgeleiteten Namen im Altjavanischen überliefert, darunter mrdangga (zweifellige Doppelkonustrommel mridangam in Indien), mardala (zweifellige Doppelkonustrommel maddale in Indien), padahi und kendang (asymmetrische Fasstrommeln), murawa (Trommel, möglicherweise eine Kriegstrommel) sowie dundubhi (Trommel seit der vedischen Zeit, altjavanisch im 10. Jahrhundert nachgewiesen).Jaap Kunst, 1973, S. 214; Jaap Kunst, 1968, S. 38–41 Damit sind diese Trommelnamen seit vorislamischer Zeit überliefert.

Die rebana, in mehreren Regionen in Indonesien mit dem javanischen Wort terbang (terbana) bezeichnet, ist in der typischen Bauweise eine einfellige Trommel mit einer Holzschale, die am Boden ein kreisrundes Loch besitzt.Margaret J. Kartomi, Andrew C. McGraw: Terbana. In: Grove Music Online, 28. Mai 2015 Die in dieser Beschreibung zur Sonderform einer Kesseltrommel klassifizierte terbang besteht bei anderer Betrachtung aus einem hohen, an der Unterseite einwärts gebogenen (konischen) Rahmen, gehört also zu den Rahmentrommeln. Curt Sachs (1923) beschreibt diesen einheimischen Trommeltyp als eine „merkwürdige Verschmelzung“ von (indischen) Rahmentrommeln und Kesseltrommeln, für den er wie für die anderen Rahmentrommeln den malaiischen Namen rabana sowie redep (auf Sumatra) und ravana (auf den Molukken) angibt.Curt Sachs, 1923, S. 65f Radap ist ein weiteres Synonym in der Provinz Bengkulu.Jaap Kunst, 1968, S. 39

mini|Alte indonesische Methode, um die Membran mit Keilen außen am Korpus zu spannen: Keilringspannung, für die Röhrentrommeln tifa üblich. Flores, vor 1994 Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die terbang, die in Indonesien nicht zum höfischen Gamelan gehört, in mehreren Größen in kleineren Ensembles auf Java zusammen mit der Bambusrassel angklung und der Fasstrommel kendang eingesetzt. Ein solches Ensemble hieß sintir und spielte arabisch anmutende Kompositionen gending terbang; ein Teil des Repertoires war aus manchen Gamelan übernommen. Anfang des 20. Jahrhunderts war die terbang zu einem Instrument der Straßenmusiker und Bettler herabgesunken. Ansonsten wurde sie in der islamischen Musik zur Begleitung von poetischen Liedern zum Lobpreis des Propheten Mohammed, Slawatan (javanisch, auch terbangan oder jedoran), eingesetzt.Jaap Kunst, 1973, S. 216f, Abb. 121 auf S. 440

Terbang für in islamischen Musikstilen verwendete Rahmentrommeln entspricht dem Wort tabang-tabang, das im altjavanischen Werk Ghatotkacacraya (um 1190) erstmals erwähnt wird. Jaap Kunst (1968) zufolge stammt dieser Rahmentrommeltyp deshalb ebenfalls aus vorislamischer Zeit. Einige ins 14. Jahrhundert datierte Terrakottafiguren aus der Zeit des ostjavanischen Hindureiches von Majapahit (Ende 13. bis Anfang 16. Jahrhundert) halten entweder diesen Typ von Rahmentrommel oder einen Betelbehälter in den Händen. Für die Darstellung als Rahmentrommel spricht eine am Rand des runden Gegenstandes umlaufende Kerbe, die eine Rattanschnur zur Fixierung der Trommelmembran abbilden könnte.Jaap Kunst, 1968, S. 37 Ein bei Jaap Kunst an dieser Stelle nicht erwähntes Wort für eine kleine einfellige Rahmentrommel ist derendeng, das möglicherweise auch von tabang abgeleitet ist. Damit wäre die derendeng mit ihrer durch eine Rattanschnur befestigten Membran eine ebenso alte javanische Trommel.Margaret J. Kartomi: Music and Trance in Central Java. In: Ethnomusicology, Band 17, Nr. 2, Mai 1973, S. 163–208, hier S. 196

Die auf javanischen Tempelreliefs (darunter Borobudur und Prambanan) dargestellten Doppelkonustrommeln und Fasstrommeln zeigen die aus Indien bekannte Schnurverspannung der Membranen. Eine weitere, typisch indonesische Methode ist, die Membran mit einer am Rand umgebundenen Rattanschnur und teilweise mit unter der Schnur eingeklemmten Keilen zu verspannen. Die bei Rahmentrommeln heute übliche Membranbefestigung mit Rundkopfnägeln ist von chinesischen Trommeln und bereits im Vorderen Orient von assyrischen Reliefs bekannt.Curt Sachs, 1923, S. 64 Am Korpusrand angenagelte Trommelmembranen sind allgemein selten und kommen außer bei der rebana und der im Indischen Ozean gespielten ravanne etwa bei einigen japanischen Fasstrommeln taiko und gelegentlich bei afrikanischen Trommeln wie der langen Röhrentrommel engalabi in Uganda vor. Anstelle der Nägel werden bei großen Fasstrommeln wie der bedug, die in indonesischen Moscheen für den Ruf zum Gebet und im Gamelan verwendet wird, Holzdübel eingeschlagen. Die Rattanverschnürung ist aus der Zeit des Majapahit-Reiches außer an Terrakottafiguren auch von einem Relief am ostjavanischen Candi Penataran bei Blitar bekannt und kommt bis heute auf Java an einigen Rahmentrommeln terbang und an der Zylindertrommel dogdog vor.Jaap Kunst, 1968, S. 35f Weit verbreitet ist diese Verschnürung jedoch auf den Molukken bei der Röhrentrommel tifa.

Bauform mini|Rahmentrommel redep oder redap aus Palembang, Südsumatra. Gehörte in ein Ensemble mit der Buckelgongreihe kelintang, der Zylindertrommel gendang panjang und einem großen Buckelgong. Die Besetzung erscheint als „arabisch-indonesischer Eklektizismus“.Geoffrey Benjamin: Music and the cline of Malayness. In: Nathan Porath (Hrsg.): Hearing South East Asia: Sounds of Hierarchy and Power in Context. (Studies in Asian Topics Nr. 69) Nordic Institute of Asian Studies, Kopenhagen 2019, S. 87–116, hier S. 106f Vor 1940 In Malaysia und Indonesien sind Trommeln (allgemein gendang oder kendang) in zahlreichen regionalen Formen bekannt. Regionale Namen der Rahmentrommeln werden häufig synonym zu rebana als der malaysisch/indonesischen Bezeichnung für „Rahmentrommel“ verwendet.

Rahmentrommeln:

Die meisten rebana oder ähnlich genannten Trommeln sind Rahmentrommeln. Allgemeine Merkmale von Rahmentrommeln in beiden Ländern sind eine Membran aus Ziegenhaut, die am Rahmen entweder mit Nägeln befestigt oder mit Rattanschnüren über die Unterseite verspannt ist. Die sichtbaren Nägel sind Rundkopf-Ziernägel, die eng nebeneinander nahe am Korpusrand eingeschlagen werden. Auf der Malaiischen Halbinsel heißt dieser Typ mit in Schlitzen eingesetzten Schellen auch hadrah (nach dem Sufi-Gesang), rebana kercing (nach dem Volkstanz) oder tar (nach der arabischen Rahmentrommel tar). Der flache oder hohe Korpus ist schalenförmig gerundet, wobei die Öffnung an der Unterseite kleiner ist als die Membran.