mini|Die Vilsbrücke mit der Stadtpfarrkirche Vilshofen an der Donau [] ist die größte Stadt im Landkreis Passau. Die Stadt war bis 1972 Kreisstadt des Landkreises Vilshofen.

Geographie Lage Vilshofen an der Donau liegt an den Einmündungen der Nebenflüsse Vils, Pfudrach und Wolfach, südlich des Bayerischen Waldes, gut 20 Kilometer flussaufwärts von Passau. Durch diese Zuflüsse in die Donau nennt man die Stadt auch die kleine Drei-Flüsse-Stadt, während die Dreiflüssestadt Passau als Vorbild dient. Die Nord-Süd-Ausdehnung des Stadtgebiets beträgt etwa 6 km und die Ost-West-Ausdehnung etwa 10 km. Die Höhe über dem Meeresspiegel reicht von 309 bis .

Geomorphologie und Geologie Der Ort liegt direkt an der Mündung der Vils in die Donau. Die Donau hat sich hier während der Hebung des bayerischen Waldes im Spät-Tertiär und Quartär in das kristalline Grundgebirge eingeschnitten. Die Folge war die Ausbildung eines antezedenten Durchbruchstals. In diesem Fall schneidet sich der Fluss aktiv, mit der tektonischen Hebung Schritt haltend, in den aufsteigenden Gebirgskörper ein. Die Donau schuf dadurch ab Vilshofen bis weit über Passau hinaus ein beeindruckendes Flusstal. Die Tiefe des Durchbruchtals beträgt im Passauer Raum etwa 100 Meter und steigt auf bis zu 180 Meter an (Schlögener Schlinge, Oberösterreich). Im Naturschutzgebiet Vils-Engtal wurde Granit abgebaut, was Mitte des 20. Jahrhunderts aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt wurde. Die Abbaustätten wurden der Natur überlassen und zum Teil überflutet, so entstand beispielsweise der Taferlsee, welcher heutzutage in einer naturbelassenen Umgebung zu finden ist und ein beeindruckendes Beispiel für anthropogenetische Geomorphologie darstellt.

Klima Das Stadtgebiet liegt auf 48° nördlicher Breite. Dadurch befindet sich die Stadt überwiegend im Einfluss von Luftströmungen aus westlicher Himmelsrichtung. Wie aus dem Klimadiagramm ersichtlich wird, kann Vilshofen dem kühlgemäßigten Klima zugeordnet werden. Ein kontinentaler Einschlag ist zusätzlich gegeben und ist gekennzeichnet durch zum Teil sehr kalte und schneereiche Winter und heiße und trockene Sommer. Auch das Auftreten von Wärmegewittern ist in der Sommerzeit gegeben.

Die niederschlagsärmsten Monate sind Oktober und November mit etwa 50 mm Niederschlag. Das Auftreten eines Altweibersommers ist somit jährlich gegeben und führt zu milden Temperaturen im Spätjahr.

Durch die Lage in der Donauebene am Zusammenfluss der beiden Flüsse Donau und Vils bildet sich häufig Nebel und Hochnebel, vor allem in Frühling und Herbst. Auch der ausgleichende Einfluss auf Klimaschwankungen vor allem im Winter macht sich in Vilshofen dadurch bemerkbar, dass es im Stadtgebiet aufgrund der Flüsse Donau und Vils stets um 1–2 °C wärmer ist, als in Stadtteilen, die weiter von den Flüssen entfernt liegen.

Nachbargemeinden Direkt an das Stadtgebiet grenzen die Gemeinden Aidenbach, Aldersbach, Beutelsbach, Künzing, Windorf, Ortenburg, Hofkirchen und Fürstenzell und die kreisfreie Stadt Passau.

Gemeindegliederung

Die Stadtgemeinde Vilshofen hat 135 Gemeindeteile:

Geschichte mini|Historisches Ortsblatt aus dem Jahr 1826 Bis zum 18. Jahrhundert Das Jahr 776 war der Anfang der urkundlich belegbaren Geschichte von Vilshofen. Bei einer Schenkung eines Hofs an das Kloster Mondsee (Salzkammergut) wird Vilusa (Name des Bauerngutes) bereits erstmals erwähnt. Im 12. Jahrhundert bestand die Namensform Vilshouen. Zu dieser Zeit war der Bischof von Passau Grundherr an Donau und Vils. Vilshofen hatte der Graf von Ortenburg als Lehen inne. 1206 wurde Vilshofen von Graf Heinrich I. von Ortenburg zur Stadt erhoben. 1220 wird bereits von einer Brücke über die Vils berichtet, die den neuen Stadtbereich mit der Altsiedlung am rechten Vilsufer (heute Vilsvorstadt) verbindet. 1236 wird Hainricus Plebanus de Vilshouen als Pfarrer mit Pfarrkirche erwähnt.

1241 wird die Stadt von Herzog Otto II. von Bayern nach Erbstreitigkeiten im Hause Ortenburg gewaltsam in Besitz genommen und somit zur Grenzstadt zwischen dem Herzogtum Bayern und dem Hochstift Passau. Hiervon zeugt auch heute noch das „Vilshofener Zollhaus“, das gleich am Donauufer zu finden ist. 1258 wurde Vilshofen Mittelpunkt eines herzöglichen Pflegegerichts. 1262 ging die Stadt endgültig an Bayern über, nachdem Herzog Heinrich von Niederbayern, der Nachfolger von Otto II., nach langwierigen Verhandlungen einen Vertrag mit Bischof Rüdiger von Passau ausgehandelt hatte. 1345 bestätigte Kaiser Ludwig der Bayer das Stadtrecht. 1376 wurde das Kollegiatstift Vilshofen gegründet. 1434 entstand das älteste Stadtsiegel mit hochgezogenem Vierpass mit Engel als Schildhalter und mit Stadtwappen im Halbrundschild. 1504 wurde die Stadt im Landshuter Erbfolgekrieg gegen anstürmende Pfälzer und Böhmen erfolgreich verteidigt. 1536 wurden durch einen großen Stadtbrand 36 Häuser zerstört.

Im Jahr 1572 bewilligte Herzog Wilhelm V. von Bayern die Errichtung einer Salzniederlage in Vilshofen, die noch im gleichen Jahr den Bau der neuen Donaubrücke und die Einrichtung einer Weißbierbrauerei nach sich zog. Hierbei wird der „Goldene Steig“ oder auch „Gulden Straß“ genannte Salzhandelsweg von Vilshofen nach Bergreichenstein (Böhmen) erwähnt. Von hier aus wurde das „weiße Gold“, das Salz, bis nach Prag verbracht. 1642 wurde das Kapuzinerkloster Vilshofen errichtet. Ebenso wurde mit dem Bau des Stadtturms begonnen.

1706 wurde durch die Besetzung weiter Teile des Kurfürstentums Bayerns durch die Kaiserlich Österreichischen Truppen auch Vilshofen betroffen. Auch Söhne der Stadt kämpften im nahen Aidenbach um die Freiheit, wobei 4000 Menschen in der Schlacht von Aidenbach starben. Am 12. Mai 1794 zerstörte einer der vielen Brände nahezu die ganze Stadt, nur ganz wenige Häuser am Stadtplatz blieben unversehrt.Augspurgische Ordinari Postzeitung vom 21. Mai 1794 zum Stadtbrand 1794, Digitale Sammlungen Der größte Teil des Stadtplatzes trägt noch heute das Kleid des damaligen Wiederaufbaues.

19. Jahrhundert Im Jahr 1802 wurde das Kapuzinerkloster wieder aufgehoben. 1805 erfolgte die erste Straßenbeleuchtung mit Öllampen. Am 13. April 1813 ereignete sich ein weiterer Stadtbrand an der oberen Zeile des Stadtplatzes.Münchener Politische Zeitung vom 10. Mai 1813 zum Stadtbrand 1813, Digitale Sammlungen

mini|hochkant|Stadtturm Vilshofen mini|Schiffsanleger in Vilshofen a.d. Donau mit Flusskreuzfahrtschiff Im Jahr 1842 zapfte ein großer Sohn der Stadt Vilshofen, der Braumeister Josef Groll, das erste Pilsener Bier im böhmischen Pilsen, und ging damit als dessen Erfinder in die Geschichte ein. 1860 wurde die Bahnstrecke Regensburg–Passau eröffnet und verband so auch Vilshofen mit den anderen Städten Ostbayerns. 1872 wurde eine neue Donaubrücke mit fünf parallelgurtigen Eisenfachwerk-Trägern und einer Gesamtlänge von rund 270 Metern erbaut.Georg Mehrtens: Der deutsche Brückenbau im XIX. Jahrhundert. Julius Springer, Berlin 1900, S. 60 f. In den Jahren 1886 und 1887 unterhielt der Vilshofener Unternehmer Felix Wieninger in der Danubiamühle einen Stromgenerator, mit dem er mittels einer 100-kV-Gleichstrom-Leitung zwei Häuser in der Stadt mit elektrischer Energie versorgen konnte. Damit war Vilshofen einer der ersten Orte Niederbayerns mit elektrischem Licht.

20. Jahrhundert Im Januar 1905 ließen sich der Gründer und spätere Abt Cölestin Maier sowie fünf weitere Mönche auf dem Schweiklberg nieder. Am 12. März 1914 erfolgte bereits die Erhebung zur Benediktinerabtei Schweiklberg. 1909 war der Baubeginn der Abteikirche Schweiklberg im Jugendstil. Die Fertigstellung der gesamten Klosteranlage war im Jahr 1925. Am 1. Mai 1945 erfolgte die kampflose Übergabe der Stadt an die U.S. Army. Vollzogen wurde die Kapitulation durch den 2. Bürgermeister Georg Huber, Stadtpfarrer Carl Boeckl und dem Salvatorianer-Pater Theotimus Eisele, indem sie sich mit einer weißen Fahne den US-Soldaten am Stadtplatz näherten. Vor dem Einrücken der US-Einheiten wurde am 29. April 1945 die Donaubrücke von Einheiten der Waffen-SS gesprengt.Stadtgeschichte auf www.vilshofen.de Bis zur Eröffnung der neuen Donaubrücke am 17. August 1950, wurde das Übersetzen des Flusses durch mehrere Fähren gewährleistet.

In den Jahren von 1957 bis 1959 und 1968 wurden die ersten Dämme an Donau und Vils errichtet, die den häufigen Überschwemmungen ein Ende setzen. Mit Wirkung vom 1. Juli 1972 wurde der Landkreis Vilshofen aufgelöst. Das Gebiet wurde den Landkreisen Deggendorf und Passau zugeschlagen. Bis zur Auflösung zählte der Landkreis Vilshofen zu den „reichsten“ Landkreisen Bayerns, was vor allem auf die Steuereinnahmen durch das Kraftwerk Pleinting zurückzuführen war. mini|Das Mauer-Denkmal im Bürgerpark Bleiche Vilshofen rückte im September 1989 in den internationalen medialen Fokus, als eine große Zahl von DDR-Flüchtlingen über Ungarn in den „Westen“ flohen. Etwa 1400 Menschen kamen in Vilshofen an, dem damals größten Erstaufnahmelager für Übersiedler im Regierungsbezirk Niederbayern. Der Flüchtlingsstrom löste eine bemerkenswerte Welle der Hilfsbereitschaft seitens der Bevölkerung aus. Dem Ereignis wurde am 11. September 2009 mit dem Fest „20 Jahre Tor zur Freiheit“ gedacht.

1994 erhielt Vilshofen den Status eines Mittelzentrums. Im Jahr 1995 wurde die Umgestaltung und Überdachung des Atriums des Gymnasiums abgeschlossen. Es bietet rund 800 Gästen Platz und ist Ort zahlreicher kultureller Veranstaltungen.

21. Jahrhundert Im Jahr 2002 wurde der Bau der neuen Marienbrücke über die Donau vollendet, ebenso wurde durch die neu angelegte Donaupromenade sowohl eine Park- als auch Spaziermöglichkeit geschaffen. Die dadurch entstandene Anlegemöglichkeit für Donau-Kreuzfahrtschiffe verschaffte Vilshofen viele Touristen. Am 7. Juli 2004 wurde eine Bombardier CRJ700 der Lufthansa (D-ACPD) auf den Namen Vilshofen an der Donau getauft. Die Maschine war bis 2013 im Dienst bei der Lufthansa und wurde anschließend weiter verkauft. Am 9. November 2004 wurde Vilshofen in „Vilshofen an der Donau“ umbenannt.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2004 Des Weiteren wurde eine zweite Schiffsanlegestelle in der Donau gebaut. 2006 feierte Vilshofen das 800. Jahr seiner Stadterhebung. Seit 2017 sind die Stadt Vilshofen an der Donau und die niederösterreichische Gemeinde Spitz sogenannte „Donau.Partner.Gemeinden“.vilshofen.de

Eingemeindungen Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern wurde Aunkirchen am 1. Januar 1972 in die Stadt eingegliedert. Am 1. Mai 1978 kamen Alkofen, der Markt Pleinting und Zeitlarn sowie Gebietsteile der aufgelösten Gemeinden Albersdorf und Sandbach hinzu.

Demografie und Einwohnerentwicklung Im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert verzeichnete Vilshofen eine moderate Bevölkerungszunahme, obwohl die Entwicklung des produzierenden Sektors in der Donaustadt insgesamt etwas schwächer ausfiel, als im bayerischen Durchschnitt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die 10.000er-Marke geknackt. Zwei signifikante Bevölkerungsanstiege ereignete sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. So trafen unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg mehrere Tausend Flüchtlinge aus Böhmen und Osteuropa in Vilshofen ein. Eine Vielzahl dieser Menschen verblieb in der Stadt. Ein weiterer Anstieg erfolgte durch das Öffnen des Eisernen Vorhanges. Zum einen trafen 1989 etwa 1400 DDR-Bürger aus Ungarn in Vilshofen ein, zum anderen viele deutschstämmige Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion. Seit den 1990er Jahren pendelte sich die Einwohnerzahl auf etwa 16.000 Menschen ein.Stadt Vilshofen an der Donau 09 275 154 In: Bayerisches Landesamt für Statistik (Hrsg.): Statistik kommunal 2015 (PDF)

Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Stadt von 15.231 auf 16.703 um 1472 Einwohner bzw. um 9,7 %.