mini|hochkant|Elena Fortún, 1935 mini|Gedenktafel am Haus der Eltern von Encarnación Aragoneses Urquijo, in der Calle de Huertas in Madrid
Elena Fortún, eigentlicher Name María de la Encarnación Gertrudis Jacoba Aragoneses y de Urquijo (* 18. November 1886 in Madrid; † 8. Mai 1952 ebenda) war eine spanische Schriftstellerin, die vor allem für ihre Werke der Kinder- und Jugendliteratur und als Erfinderin der berühmten Figur Celia bekannt ist.
Leben María de la Encarnación Gertrudis Jacoba Aragoneses y de Urquijo war die einzige Tochter von Leocadio Aragoneses y Esteban, einem in Abades geborenen Hellebardier der Guardia Real, und Manuela de Urquijo y Ribacova, die aus baskischem Adel stammte und in Álava geboren wurde. Sie wurde von einer Kinderfrau erzogen und verbrachte die Sommer im Haus des Großvaters väterlicherseits, Isidro Aragoneses, im segovianischen Dorf Abades. Um ihre schwache Gesundheit zu schützen, erlaubte ihre Mutter ihr nicht, mit anderen Kindern zu spielen. Dies führte dazu, dass sie eine einsame, verträumte und überempfindliche Persönlichkeit entwickelte. Im Jahr 1904 starb ihr Vater, und die Finanzen der Familie wurden knapper.
Im Alter von 19 Jahren heiratete sie am 8. Mai 1906 in Madrid einen Cousin zweiten Grades, Eusebio de Gorbea y Lemmi, einen Militär und Schriftsteller, mit dem sie zwei Söhne hatte: Luis (1908) und Manuel (1909). Ihr Mann war häufig außerhalb Madrids stationiert und sie begleitete ihn nicht immer. Im Jahr 1919 zogen sie in die Calle Ponzano und hatten Santiago Regidor, einen Professor für Zeichnen und Mitarbeiter der Zeitschrift Blanco y Negro, als Nachbarn. Bei Zusammenkünften in dessen Haus lernte sie wichtige intellektuelle Persönlichkeiten, unter anderem María Rodrigo, María Martos oder María de la O Lejárraga kennen. 1920 starb ihr jüngster Sohn im Alter von zehn Jahren. 1922 wurde ihr Mann nach Teneriffa geschickt, und die Familie begleitete ihn während seines zweijährigen Aufenthalts. Dort schloss sie mit Mercedes Hernández, der Frau von Eduardo Díez del Corral, einem Freund ihres Mannes, eine enge Freundschaft, die bis zu ihrem Tod andauerte. Die Familie inspirierte Fortún zu ihren Figuren. Auf Teneriffa veröffentlichte sie auch einen ersten Artikel in der Zeitung La Prensa.
Im Jahr 1924 kehrte sie nach Madrid zurück. Sie wurde zur Sekretärin der Vereinigung Mujeres Amigas de los Ciegos („Freundinnen der Blinden“) ernannt und lernte Brailleschrift, um ihre Arbeit zu verbessern. Sie wurde Mitglied der Theosophischen Gesellschaft von Madrid. In der Residencia de Señoritas, die von María de Maeztu geleitet wurde, studierte sie Bibliothekswissenschaft in der Bibliothek der Residencia, die durch Enriqueta Martín geleitet wurde und die auch das Studium organisierte. Aus diesen Kursen ging die Asociación Libros hervor, die eine gleichnamige Zeitschrift herausgab, in der Fortún unter anderen zusammen mit Martín, Carmen Conde, Ernestina de Champourcín und der Illustratorin Viera Sparza zusammenarbeitete. Sie wurde Mitglied des Lyceum Club Femenino, einem Treffpunkt für Intellektuelle in Madrid, wo sie elf Jahre lang jeden Nachmittag las. In ihren in La Prensa veröffentlichten Artikeln setzte sie sich mit aktuellen gesellschaftlichen Themen von Frauen auseinander. Sie befürwortete zum Beispiel die Ächtung der Prostitution und widersprach der Vorstellung, dass diese ein notwendiges und damit zu tolerierendes Übel sei.
Die ersten als „Elena Fortún“ signierten Werke erschienen als journalistische Beiträge in der Zeitschrift La Moda Práctica. Lejárraga ermutigte sie, ihre Geschichten zu veröffentlichen, anstatt Electrolux-Staubsauger zu verkaufen, was sie tat, um finanziell von ihrem Mann unabhängig zu werden. Sie machte Fortún mit Torcuato Luca de Tena, dem Gründer von ABC, bekannt. Fortún begann zusammen mit anderen Autoren wie Magda Donato und Salvador Bartolozzi in Gente Menuda, der Kinderbeilage der Sonntagszeitung Blanco y Negro, zu veröffentlichen begann. Das Pseudonym „Elena Fortún“ wurde aus dem Titel des 1922 veröffentlichten Romans ihres Mannes, Los mil años de Elena Fortún, übernommen. Die erste Geschichte Celia dice a su madre… wurde am 24. Juni 1928 veröffentlicht, in der die Figur der Celia eingeführt wurde:
Ihre Beiträge erschienen jeden Sonntag, dazu schrieb sie Kurzgeschichten und veröffentlichte sie in Cosmópolis, Crónica, Estampa, Semana und anderen Kinderzeitschriften. In kürzester Zeit machten diese Geschichten sie berühmt, während ihr Mann im Hintergrund blieb. Das Ehepaar kaufte ein Haus im Madrider Stadtbezirk Chamartín, das in der Geschichte Celia en la revolución vorkommt.
Der Verlag Aguilar erwarb die Verlagsrechte und veröffentlichte die verschiedenen Titel in der Reihe Celia y su mundo („Celia und ihre Welt“). Zur Buchmesse 1935 legte Aguilar vier Bücher auf: Celia y sus amigos (Celia und ihre Freunde), mit Illustrationen von Gory Muñoz; Cuchifritín, el hermano de Celia („Cuchifritín, Celias Bruder“), das dem Sohn ihrer Freundin Mercedes Hernández gewidmet war; El bazar de todas las cosas („Der Basar aller Dinge“); und eine Kinderkomödie, Teatro para niños („Theater für Kinder“). 1936 erschien in der Reihe Cuchifritín y Matonkiki. Zusammen mit María Rodrigo veröffentlichte sie 1934 Canciones infantiles („Kinderlieder“) und 1935 betreute sie in der Zeitschrift Crónica eine Ratgeberspalte unter dem Titel La Quiromancia al alcance de todos („Hellsehen für alle“).
In dieser Zeit lernte sie Matilde Ras kennen, die Begründerin der Graphologie in Spanien, mit der sie bis zu ihrem Tod korrespondieren sollte. Beide gehörten zur ersten Generation spanischer Feministinnen. Sie hatten eine intensive Beziehung, die als lesbisch bezeichnet wurde, da sie beide dem Círculo Sáfico angehörten, der in jenen Jahren in Madrid von der Bühnenbildnerin Victorina Durán gegründet wurde.
Bei Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs bat ihr Mann, der sich inzwischen im Ruhestand befand, um die Rückkehr in den aktiven Dienst und erhielt die Leitung der Escuela de Automobilismo de Aviación in Barcelona. Elena blieb in Madrid und setzte ihre Beiträge für Crónica fort. In ihren Artikeln schrieb sie über die Auswirkungen des Konflikts auf den Alltag im Hinterland, auf Kinder und auf Haustiere. Auch der Verlag publizierte weiter Bücher von ihr aus der Celia-Reihe.
Während sie sich 1939 in Madrid aufhielt, um die Veröffentlichung ihres Buches Celia madrecita („Celia, die kleine Mutter“) abzuschließen, gelang es Francos Truppen, den Widerstand in der Hauptstadt zu brechen. Fortún musste ins Exil gehen, wenige Monate nach ihrem Mann. Beide hatten sich stark für in der Frente Popular engagiert. Am Ende ließen sie sich in Buenos Aires nieder. In Argentinien konnte sie dank der Hilfe von Durán, die als Bühnenbildnerin von Margarita Xirgu arbeitete, ein neues Leben beginnen. Xirgu war es auch, die den Kontakt zum Herausgeber der Zeitung Crítica herstellte, in der Fortún Artikel über Spaniens Einfluss in Amerika schrieb. Sie schrieb auch in El Sol über große Persönlichkeiten der Welt, vor allem über Frauen, und in La Prensa Kurzgeschichten. Ihr Buch Celia en la revolución stammt aus dem Jahr 1943, wurde aber erst 1987 veröffentlicht. Darin schildert „Celia“ aus der Sicht eines Teenagers ihre schreckliche Erfahrung des Bürgerkriegs, die keine andere ist als die der Autorin selbst. Das junge Mädchen, das größtenteils in Madrid lebt, erlebt die Ereignisse in der Hauptstadt hautnah mit: die erste revolutionäre Welle, die repressive Gewalt in der Nachhut, die Schlacht um Madrid und schließlich die Knappheit, den Hunger und die Verwirrung in der letzten Phase des Konflikts.
1944 veröffentlichte sie das Buch Celia, institutriz en América („Celia, Gouvernante in Amerika“), das von den Schwierigkeiten der Anpassung an das Leben im Exil erzählt, in das „Celia“ ihren Vater, einen republikanischen Soldaten, auf seiner Flucht begleitet. Dieses Buch wurde von Francos Zensoren verboten. In Buenos Aires lernt sie Inés Field kennen, eine tief religiöse Frau, die einen großen Einfluss auf sie haben sollte. Aus dieser Zeit stammt auch Cuaderno de Celia („Celias Notizbuch“), das von der Erstkommunion der Protagonistin handelt. Im Jahr 1948 beschloss sie, nach Spanien zurückzukehren und sich in Madrid niederzulassen. Während Fortún sich um ihre Rückkehr und die ihres Mannes kümmerte, beging dieser am 16. Dezember 1948 in Buenos Aires Selbstmord. Sie kehrte nach Argentinien zurück, um das Testament zu regeln, und veröffentlichte in der Zwischenzeit La hermana de Celia (Mila y Piolín); Mila, Piolín y el burro und Celia se casa (cuenta Mila) über die Schwester der „Celia“. Sie zog mit ihrem Sohn nach New York, aber das Zusammenleben war nicht gut, und sie beschloss, nach Spanien zurückzukehren und sich in Barcelona niederzulassen. Dort lernte sie Carmen Laforet kennen und sie begannen eine Briefbeziehung, die bis zu Fortúns Tod andauerte. Sie korrespondierte auch mit Carmen Conde und Esther Tusquets. Sie schrieb weiter und veröffentlichte 1950 Los cuentos que Celia cuenta a las niñas und Los cuentos que Celia cuenta a los niños („Geschichten, die Celia den Kindern erzählt“). Ihr letztes im selben Jahr veröffentlichtes Buch, Patita y Mila, estudiantes, war kein Kinderbuch mehr, sondern eher ein Buch für Jugendliche, und war ein durchschlagender Erfolg.
Sie war nicht in der Lage, die Serie fortzusetzen, weil ihr Verleger Manuel Aguilar wollte, dass sie ein Buch über Celia y Miguelín schrieb, das sie als Entwurf zurückließ und das das erste Buch einer Reihe über Kindererziehung sein sollte. Doch schwer an Lungenkrebs erkrankt, kehrte sie nach Madrid zurück, wo sie im Alter von fünfundsechzig Jahren starb.
Zu ihrem Gedenken wurde 1957 auf Betreiben ihrer Freundin María Martos im Madrider Parque del Oeste eine Statue von José Planes aufgestellt.
In Madrid sind eine öffentliche Bibliothek (im Stadtteil Retiro) und eine Straße nach ihr benannt, in Segovia eine Kinder- und Grundschule und in Córdoba ein Park und ein Garten.
Im Jahr 2023 wurde ein Porträt von ihr der spanischen Malerin Carmen Mansilla in die Porträtgalerie des Ateneo de Madrid aufgenommen.
Literarischer Werdegang 1928 begann Fortún in der Zeitschrift Blanco y Negro in der Rubrik Gente menuda unter ihrem Pseudonym für Kinder Geschichten des Madrider Mädchens „Celia Gálvez de Montalbán“ zu schreiben. Diese Geschichten, die die Welt der Erwachsenen in Frage stellten, waren bei den Kindern so beliebt, dass sich der Verlag Aguilar für sie interessierte. Es erschienen die Titel Celia, lo que dice, Celia en el colegio, Celia y sus amigos, Celia novelista und Celia madrecita. Celia en la revolución blieb bis 1987 unveröffentlicht, wobei der erste Entwurf aus dem Jahr 1943 stammte.
Sie arbeitete für die Zeitschriften Blanco y Negro, Cosmópolis, Crónica und Semana sowie für die Kinderzeitschriften Macaco, El Perro, el Ratón y el Gato und andere in Spanien und Amerika.
Neben „Celia“, ihrer populärsten Figur, schuf sie weitere Figuren wie „Cuchifritín“ und „Matonkiki“, ebenfalls Protagonisten von Romanzyklen, und andere wie „Mila“, „Roenueces“, den Zauberer „Pirulo“, „Professor Bismuth“, „Lita und Lito“ und „La Madrina“. Elena Fortún verstand die Kinderpsychologie wie keine andere bis dahin und gewann die Sympathie der Kinder, die sich leicht mit ihren rebellischen und erkennbaren Figuren auf der Straße identifizieren konnten.
Ihre Romanzyklen haben ihre zahlreichen Kurzgeschichten in Vergessenheit geraten lassen. Die meisten dieser Geschichten wurden in Zeitschriften veröffentlicht, und viele von ihnen wurden später in zwei Bänden mit dem Titel Los cuentos que Celia cuenta a las niñas (1951) und Los cuentos que Celia cuenta a los niños (1952) gesammelt veröffentlicht. Ihre Zeitungsartikel und das von ihrer Schwiegertochter aufbewahrte unveröffentlichte Material, wurde 2015 zusammen mit Schriften von Matilde Ras und den zwischen ihnen ausgetauschten Briefen veröffentlicht.