Nachruf, WAB 81a ist ein weltliches Chorwerk, das Anton Bruckner 1877 zum Gedenken an Joseph Seiberl komponierte. Das Stück ist besser bekannt als seine Neuauflage von 1886 als „Trösterin Musik“, WAB 81b.
Geschichte Bruckner komponierte Nachruf nach einem Text von Heinrich von der Mattig am 19. Oktober 1877 zum Gedenken an seinen am 10. Juni 1877 verstorbenen Freund Joseph Seiberl. Das Stück wurde neun Tage später von der Liedertafel Sängerbund im Stift St. Florian aufgeführt.C. van Zwol, S. 727. Das Werk, dessen Originalmanuskript in der Library of Congress in Washington aufbewahrt wird,U. Harten, S. 303. wurde erstmals in Band XXIII/2 veröffentlicht, Nr. 28a der Gesamtausgabe.Gesamtausgabe – Weltliche Chöre
1886 bat Rudolf Weinwurm August Seuffert, den Redakteur der Wiener Zeitung, einen weiteren Text zu Bruckners Nachruf zu schreiben. Am 11. April 1886 führte Weinwurm die revidierte Vertonung als Trösterin Musik mit dem Wiener Akademischen Gesangverein im Musikvereinsaal auf. Das Originalmanuskript ist verschollen. Eine Kopie davon befindet sich in der Österreichischen Nationalbibliothek. Die revidierte Vertonung, die erstmals 1911 von Viktor Keldorfer (Universal Edition) herausgegeben wurde,C. van Zwol, S. 727–728.U. Harten, S. 452. ist in Band XXIII/2, Nr. 28b der Gesamtausgabe.
Text Nachruf verwendet einen Text von Heinrich von der Mattig. Vereint bist, Töneheld und Meister, Mit jener hohen Schar der Geister, Die hier schon höh’res Dasein führen, Weil sie der Tonwelt Geist erspüren.
Du hast aus buntem Tongewühle Gar oft in freiem Orgelspiele Mit Kunst gelenkt die Melodien Zu andachtsvollen Harmonien.
Drum mag’s im Orgelstrome brausen Und heut in Sturmakkorden sausen: Vergessen bleibst du nie hienieden; Du gabst uns Kunst, nun ruh’ in Frieden!
Die zweite Vertonung als Trösterin Musik basiert auf einem Text von August Seuffert. Musik! Du herrliches Gebilde, Voll hoher Macht, voll süßer Milde, Wir fühlen doppelt tief dein Walten, Wenn uns ein Leid das Herz gespalten.
Der Schmerzenswogen wirres Drängen, Es glättet sich vor deinen Klängen, Besänftigt all die Fluten ziehen Ins weite Meer der Harmonien.
Wie Orgelton, wie Meereswogen Kommt dann der Trost ins Herz gezogen Und stillt der Seele wildes Sehnen Und löst das Weh in milden Tränen.
Musik Das 51 Takte lange Werk in c-Moll ist für Männerchor und Orgel besetzt. Die ersten 30 Takte werden a cappella gesungen. Die Orgel ist fortissimo, in organo pleno mit Fermate, auf Takt 31 durch den Text „Drum mag’s im Orgelstrome brausen“ gesetzt. Das Lied endet a cappella pianissimo auf „nun ruh’ in Frieden!“.
Diskografie
In der Originalversion als Nachruf ist die Orgelbegleitung ab Takt 31 wegen des Berufs des Verstorbenen bedeutsam. In der zweiten Version als Trösterin Musik, kann die Orgelbegleitung, wie es viele Interpreten tun, weggelassen werden, ohne die Aussage des Stückes zu verändern. Die zweite Strophe, die eine Variation der ersten ist, wird ebenfalls oft ausgelassen.Critical discography of Trösterin Musik
Nachruf Es gibt nur eine Aufnahme mit dem Originaltext als Nachruf: Łukasz Borowicz, Anton Bruckner: Requiem, RIAS Kammerchor Berlin, Akademie für Alte Musik Berlin – CD: Accentus ACC30474, 2019 – adaptiert für gemischten SATB Chor, gefolgt von Trösterin Musik
Trösterin Musik Die erste Aufnahme von Trösterin Musik stammt von Willi Schell mit dem Cronenberger Männerchor im Jahr 1956 – 45/min: Tonstudio Wolfgang Jakob (Dortmund)
Eine Auswahl aus etwa 30 Aufnahmen: Jörg-Peter Weigle, Männerchor des Leipziger Rundfunkchores, In einem kühlen Grunde – LP: Eterna 7 35 209, 1984; Neuauflage auf CD: Delta 18 331 – a cappella Robert Shewan, Roberts Wesleyan College Chorale; Thaddeus James Stuart (Orgel), Choral Works of Anton Bruckner – CD: Albany TROY 063, 1991 Michael Gläser, Chor des Bayerischen Rundfunks, Leise Töne der Brust – CD: Oehms Classics OC 589, 1993 – a cappella Martin L. Fiala, Männergesang-Verein Sängerlust, Festkonzert – CD: EE-004CD, 1994 – 1 strophe a cappella Guido Mancusi, Chorus Viennensis, Walter Lochmann (Orgel), Musik, du himmlisches Gebilde! – CD: ORF CD 73, 1995 Thomas Kerbl, Männerchorvereinigung Bruckner 08, Philipp Sonntag (Orgel), Anton Bruckner – Männerchöre – CD: LIVA027, 2008 – 1 strophe
Literatur Anton Bruckner – Sämtliche Werke, Band XXIII/2: Weltliche Chorwerke (1843–1893), Musikwissenschaftlicher Verlag der Internationalen Bruckner-Gesellschaft, Angela Pachovsky und Anton Reinthaler (Hrsg.), Wien 1989. Cornelis van Zwol: Anton Bruckner 1824–1896 – Leven en werken, ed. Thoth, Bussum 2012, ISBN 978-90-6868-590-9. Uwe Harten: Anton Bruckner. Ein Handbuch. Residenz Verlag, Salzburg 1996, ISBN 3-7017-1030-9.
Weblinks
Nachruf c-Moll, WAB 81 und Trösterin Musik c-Moll, WAB 88 – Kritische Diskografie von Hans Roelofs Aufführungen von Trösterin Musik auf YouTube: Männerchor der Wagner-Gesellschaft Japan, 11. Dezember 1988: Trösterin Musik Dresdner Kreuzchor: Trösterin Musik, 24. August 2013 – 1 Strophe gesungen a cappella Ensemble Amarcord: Trösterin Musik, 18. Juni 2015 – 1 strophe sung a cappella The Singing Statesmen: Trösterin Musik, 7. Mai 2016 - 1 Strophe mit Orgel : Trösterin Musik
Einzelnachweise
Kategorie:Weltliches Chorwerk von Anton Bruckner Kategorie:Musik 1877 Kategorie:Musik 1886