mini|Patrick während einer Sitzungspause in Tokio Rt. Hon. William Donald Patrick, Lord Patrick PC QC FRSE (* 24. Dezember 1889 in Dalry, Ayrshire; † 17. Februar 1967 in Edinburgh) war ein britischer Richter am schottischen Court of Session und am Internationalen Militärgerichtshof für den Fernen Osten, bekannt als Gericht der Tokioter Prozesse.

Leben William Donald Patrick wurde 1889 an Heiligabend als Sohn von William Smith Neill Patrick, einem Sheriff Clerk, im damaligen Königreich Großbritannien und Irland geboren. Eine andere Quelle nennt als Geburtsdatum den 29. Juni 1889. Nachdem er in Dalry aufgewachsen war und die High School of Glasgow abgeschlossen hatte, begann Patrick mit nur 16 Jahren an der Universität Glasgow zu studieren; nach sechs Jahren schloss er das Studium mit einem MA und einem LLB ab. Er bekam eine Goldmedaille in forensischer Medizin und den zweiten Preis in einem Wettbewerb für Völkerrecht. Sein Ziel war es, im zweigeteilten britischen Anwaltssystem – in Schottland solicitor und advocate – ein Advocate (vergleichbar mit dem englischen Barrister) zu werden. Der Advocate ist auf die Argumentation und Präsentation von Ansichten spezialisiert. 1913 wurde er in die Faculty of Advocates, die schottische Rechtsanwaltskammer, aufgenommen.

Im Ersten Weltkrieg absolvierte er eine Kadettenausbildung beim No. 9 Officer Cadet Batallion und wurde im Juli 1916 wurde er im temporären Rang eines Second Lieutenant zum Dienst im Royal Flying Corps übernommen und wurde ab Oktober 1916 als Flying Officer eingesetzt. Als Flieger soll er sich an Luftkämpfen über Flandern beteiligt und sieben Luftsiege erreicht haben; seine Siege rechtfertigen die Bezeichnung Fliegerass. Ab 1918 wurde er als Flight Commander (Staffelführer) eingesetzt und dazu in den kommissarischen Rang eines Captain befördert. Am 10. April 1918 wurde er nahe Messines abgeschossen und verbrachte die Zeit bis zum Ende des Krieges in einem deutschen Kriegsgefangenenlager, im Lager Holzminden.

Nach dem Krieg kehrte er zur Anwaltstätigkeit zurück. Die Universität von Glasgow beschreibt Patrick in einer Biografie als in dieser Zeit bekannt für seinen scharfen Verstand und seine Fähigkeiten. Im Jahr 1930 litt er an Tuberkulose, weshalb er mindestens ein Jahr in einem Sanatorium verbrachte. Am 31. Juli 1933 wurde er zum Kronanwalt ernannt. Der Lord Advocate nannte ihn „einen unserer besten Männer“. Nach Ansicht vieler hatte er das Potential, an das höchste Gericht im Vereinigten Königreich, das Judicial Comitee des House of Lords, berufen zu werden. Seine Zeit in Tokio, insbesondere seine Krankheit, hielten ihn jedoch später davon ab. Nach Ansicht einiger Historiker hätte eine Stellung wie die vieler seiner Kollegen im politisch bezogenen öffentlichen Dienst Patrick womöglich helfen können, die Auszeiten durch seine Krankheiten auszugleichen. Patrick hingegen habe auf seine Eignung als Anwalt und den Respekt seiner Kollegen vertraut.

Er diente als standing counsel für die Landwirtschaftsabteilung in Schottland und als Advocate Depute im Sheriff Court. Einige berühmte Fälle, in denen er zu dieser Zeit involviert war, waren der Bute right-of way case, der Inverailort deer-stalking case und der Clune Moord grouse case. Im Jahr 1936 wurde er zum Senior Legal Assessor für den Dekan des Guild and Borough Court in Edinburgh ernannt, als Nachfolger des verstorbenen Lord Robertson. Im selben Jahr folgte er Lord Robertson auch als Vorsitzender einer Konferenz über Schiffbau nach und wurde stellvertretender Vorsitzender des Road and Rail Traffic Appeal Tribunals.

1937 wurde er aufgrund seiner Fähigkeiten einstimmig zum Dekan der Faculty of Advocates als Nachfolger von James Keith gewählt, der zum Richter gewählt worden war. 1938 war er Mitglied eines Komitees, das das schottische Recht im Zusammenhang mit Geisteskrankheit überprüfen sollte.

Nach zwei Jahren als Dekan wurde er als Senator des College of Justice auf die Gerichtsbank nach Edinburg berufen, weshalb ihm James Gordon McIntyre, der spätere Lord Sorn, als Dekan folgte. 1939 wurde er zum Senator des College of Justice gemacht. Er wurde dabei Richter am Court of Session und nahm den richterlichen Titel Lord Patrick an.

Nominierung als Richter nach Tokio Die britische Regierung war an einem erfolgreichen Abschluss der Tokioter Prozesse interessiert und suchte nach einem geeigneten Kandidaten für den britischen Richterposten. Die Einladung der Nominierung eines Richters kam, als der Nürnberger Prozess bereits in vollem Gange war und zahlreiche der besten Mitglieder der britischen Justiz mit diesen Prozessen befasst waren. Die britische Regierung wollte jedoch die Möglichkeit nicht missen, in Tokio vertreten zu sein, um britische Interessen zu vertreten und die Stellung in Asien zu verteidigen. Der britische Chefankläger in Nürnberg, Shawcross, hoffte, dass die USA für Tokio einen Soldaten nominieren würden, sie nominierten aber John Patrick Higgins. Nachdem er erfahren hatte, dass Neuseeland einen Richter des Supreme Court, des heutigen High Court, und China den Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses nominierten, schrieb er nach London, dass die Regierung doch einen ähnlich prestigereichen Richter nominieren sollten. Lord Chancellor William Jowitt schlug vor, einen Richter vom Court of Session zu erwählen, und nannte drei Kandidaten: Patrick, McIntyre (den späteren Lord Sorn) und Lord Keith, von denen er annahm, dass sie die gleiche Funktion wie Lawrence bei den Nürnberger Prozessen ausfüllen könnten. Die Präferenz von Jowitt war dabei in der Reihenfolge zunächst McIntyre, dann Keith, dann Patrick. Diese Vorschläge unterbreitete er dem Lord President des Court of Session, Wilfrid Normand, mit der Erklärung, dass Schottland nun einen Richter senden sollte, nachdem England zwei Richter, Geoffrey Lawrence und Norman Birkett, nach Nürnberg gesendet hatte. Gerichtspräsident Normand entschied, dass Patrick der beste Kandidat sei, da er zum einen nicht verheiratet war und gut im Team arbeitete und zum anderen eine monatelange Abwesenheit für ihn vom Gericht besser zu vertreten sei als für die anderen Richter. Jowitt akzeptierte diese Entscheidung und nominierte Patrick. Darauf angesprochen akzeptierte Patrick den Vorschlag nur wenige Tage später. Hartley Shawcross, britischer Chefankläger in Nürnberg, reagierte begeistert auf die Idee, dass ein Schotte die Funktion ausfüllen würde, denn so werde die Kritik entkräftet, dass alle Tätigkeiten in den Händen von Engländern lägen. Die Tageszeitung Sunday Post nannte die Ernennung ein „Kompliment an die schottische Rechtsprechung“. Patrick wurde vor der Abreise von Ernest Bevin, dem Außenminister, nach London eingeladen und wurde dort intensiv unterrichtet, u. a. von Shawcross, und verließ das Vereinigte Königreich mit der Prämisse, dass das Tokioter Tribunal von der Richtigkeit der Entscheidungen in Nürnberg ausgehen müsse.

Patrick schrieb 1947 an Normand, der Kern der Charta des Tokioter Tribunals müsse sein, die Planung und Durchführung eines Angriffskrieges als Kriegsverbrechen zu verurteilen und zu erklären, dass es eine individuelle Verantwortlichkeit für das gebe, was vorher als Staatsangelegenheit galt, für die kein einzelner Mensch verantwortlich war. Zentral für die britische Regierung war zu zeigen, dass Verbrechen gegen den Frieden, was das Planen eines Angriffskrieges sei, durch Japan gezeigt werden und Teil der Charta sein sollen, denn wäre das nicht der Fall, würde das Gericht in Tokio sagen, dass das Nürnberger Gericht das grundlegende Prinzip der Justiz, Nulla poena sine lege, verletzt hätte. Eine Begründung für diese Argumentation waren die Konvention des Völkerbundes und der Pakt von Paris aus dem Jahr 1928.

Douglas MacArthur ernannte ihn zum Vizepräsidenten des Tokioter Tribunals.

Eintreffen in Tokio mini|Die bereits eingetroffenen neun Richter, Patrick vorne links

Am 11. März 1946 erreichte Patrick Tokio. Zu diesem Zeitpunkt hatte MacArthur bereits eine Charta entworfen, die neben einem Mehrheitsurteil neun Richter vorsah. Auf Druck der Vereinigten Staaten und des Vereinigten Königreiches wurden noch Richter aus Indien und den Philippinen, zu dieser Zeit jeweils abhängige Gebiete, hinzugefügt. Die Länge des Verfahrens, immerhin zweieinhalb Jahre, die nur geringe Qualität der Gerichtsräume und das Klima verursachten bei fast allen Richtern Gesundheitsprobleme, die jedoch bei Patrick besonders stark herausstachen. Alle Richter beschrieben die Situation in Tokio als chaotisch, wobei sie dies auf die Arbeit von Chefankläger Joseph B. Keenan zurückführten. Die Anklage wurde deshalb erst am 29. April 1946 verlesen.

Nach Ansicht der Commonwealth-Ankläger Comyns-Carr, Alan Mansfield und Ronald Henry Quillian war Joseph B. Keenan darauf aus, für sich selbst Aufmerksamkeit zu generieren. Als Konsequenz dieser Ansicht versuchten die Commonwealth-Richter in mindestens drei Situationen Keenan entlassen zu lassen.

Am 6. Mai versuchte die Verteidigung die Anklage für unzulässig erklären zu lassen, da nach Ansicht der Verteidigung die Anklagepunkte zum Zeitpunkt der japanischen Kapitulation kein Teil des internationalen Rechtes gewesen seien. Das Gericht verschob diese Frage und diskutierte sie später. Patrick beschrieb diese Diskussion als collieshangie, was etwa mit lautem Disput übersetzt werden kann. Zu diesem Zeitpunkt waren es immer noch nur neun Richter, da Radhabinod Pal und Delfín Jaranilla noch nicht angekommen waren. Diese neun Richter entschieden einstimmig, den Antrag der Verteidigung abzulehnen. Die Richter waren jedoch nur über die Ablehnung einig, nicht über die Gründe für die Entscheidung. Nach der Meinung von Patrick hätte es die Möglichkeit gegeben, dass alle Richter sich auf ein Urteil geeinigt hätten, wenn der Gerichtspräsident William F. Webb zu diesem Zeitpunkt bereits begonnen hätte, ein Urteil vorzubereiten. Webb wollte jedoch nicht damit beginnen, bevor er das Ergebnis aus Nürnberg erfahren hatte. Patrick hatte den Verdacht, dass Webb sich selbst nicht über seine Meinung bezüglich der Rechtsgrundlagen sicher war.