mini|Titelblatt - Der Trompeter von Säkkingen : ein Sang vom Oberrhein, Stuttgart : Metzler, 1863, 3. Aufl. Der Trompeter von Säkkingen (modernisiert: Der Trompeter von Säckingen, vollständiger Titel: Der Trompeter von Säkkingen. Ein Sang vom Oberrhein) ist ein Versepos von Joseph Victor Scheffel, das er 1853 als Erstlingswerk in der Metzlerschen Buchhandlung in Stuttgart publizierte. Ein bürgerlicher Student verdingt sich als der titelgebende Trompeter und verliebt sich in die adelige Margareta, darf sie zwar wegen des Standesunterschiedes nicht heiraten, aber Jahre später wird die Liebe doch noch erfüllt und es kommt zu einem märchenhaften happy end.
Seit etwa 1870 fand die Dichtung, die auf einer Begebenheit aus dem 17. Jahrhundert aufbaut und überdies autobiographische Züge trägt, großen Anklang beim Publikum und war zeitweise eines der meistgelesenen Bücher Deutschlands. Dies führte bis 1921 zu 322 Auflagen und noch zu Lebzeiten des Verfassers zu Übersetzungen in mehrere europäische Sprachen.Übersetzungen des Trompeters auf der Website der Scheffel-Freunde Zudem wurde das Thema in andere Kunstformen übernommen. Hingegen äußerte sich die Literaturkritik teilweise distanziert zu dem Werk. So schrieb der Literaturhistoriker Eduard Engel: „Dass der Trompeter kein Werk hoher Dichtkunst ist, darüber herrscht heute wohl Übereinstimmung.“Eduard Engel: Geschichte der deutschen Literatur des Neunzehnten Jahrhunderts und der Gegenwart. G. Freytag, Leipzig, 5. Auflage 1913, S. 234.
Entstehungsgeschichte mini|hochkant|Grabmal des Trompeters von Säckingen
Joseph Victor von Scheffel kam am 30. Dezember 1849 nach Säckingen, wo er – gerade zum Doktor der Rechte promoviert – zu Beginn des Jahres 1850 beim badischen Bezirksamt Säckingen unter Oberamtmann Adolf Leiber seinen Dienst als Rechtspraktikant antrat.Joseph Victor von Scheffel: Säckinger Episteln. In: Joseph Victor von Scheffel, Johannes Franke (Hrsg.): Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u. a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I), S. 7–58 Digitalisat der UB Freiburg Bei einem Besuch auf dem Säckinger Friedhof fiel Scheffel das Grabmal des Franz Werner Kirchhofer auf und regte ihn zu Nachforschungen an. Scheffel hatte sich mit dem Säckinger Bürgermeister Anton LeoAnton Leo (* 1821, † 1879) war von 1850 bis 1879 Bürgermeister in Säckingen. Eintrag auf der Homepage der Anton-Leo-Schule in Bad Säckingen angefreundet, und in dessen Familie war die zur lokalen Sage weiterentwickelte Erzählung über den historischen Kirchhofer noch präsent.Siehe Johannes Proelß: Scheffel’s Leben und Dichten. Mit vielen Original-Briefen des Dichters und 10 Abbildungen. IV. In Säckingen, Freund & Jeckel, Berlin 1887, S. 182–184 (). Aus diesem Stoff entstand das 1854 erschienene Erstlingswerk Scheffels „Der Trompeter von Säkkingen. Ein Sang vom Oberrhein.“ Dies wurde nicht nur für Scheffel zum Erfolg, sondern auch für den Komponisten Nessler. Der Stadt Säckingen bescherte das Epos europaweite Bekanntheit, die noch heute touristisch ausgewertet wird.
Scheffel war in seine Cousine Emma Koch-Heim (1835–1910) verliebt. Diese Verliebtheit inspirierte ihn während seiner Italienreise 1852/53 auf Capri zu dem Versepos. Nach Offenburg zurückgekehrt, hielt Scheffel vergebens um Emmas Hand an. Scheffel blieb zeitlebens seiner Cousine zugeneigt.
In dem in 16 „Stücken“ aufgeteilten Werk verarbeitete Scheffel in humoristischer Weise zahlreiche autobiographische Details, so seiner Studienzeit in Heidelberg, seiner Tätigkeit in Säckingen und seines Romaufenthalts.Eugen Herford: Entstehungsgeschichte von Scheffel’s Trompeter von Säckingen. (Nach einem Vortrag des Verfassers im Copernikus-Verein zu Thorn.) Zürich, Schröter & Meyer 1889 digitalisat Als Versmaß ist der Trochäus verwendet.
Der Titel des Werkes „Der Trompeter von Säkkingen. Ein Sang vom Oberrhein.“ wirft Fragen auf. Die merkwürdige Schreibweise des Ortsnamens „Säkkingen“ bedarf einer Erklärung. Die offizielle Schreibweise gemäß badischem Staatshandbuch war schon zu Scheffels Zeit „Säckingen“ und seine Schreibweise „Säkkingen“ ist auch in den Urkunden zur Stadt nicht zu finden.Siehe Albert Krieger: Topographisches Wörterbuch des Großherzogtums Baden. 2. Band, Heidelberg 1904, Spalte 707–719Digitalisat der UB Freiburg Säkkingen ist keine altertümliche Schreibweise für den Ortsnamen wie dies Johannes Proelß in seiner Scheffel Biografie schreibt.Siehe Johannes Proelß: Scheffel’s Leben und Dichten. Mit vielen Original-Briefen des Dichters und 10 Abbildungen. IV. In Säckingen, Freund & Jeckel, Berlin 1887, S. 143 Internet Archive Bernd Crössmann belegte in der Ausstellung „Der Trompeter von SÄK“ im Sommer 2022 akribisch, dass die Schreibweise Säkkingen letztlich auf einen Produktionsfehler bei der Erstellung des Buches zurückzuführen ist. Scheffel verwendete in vielen Schriftstücken selbst vor und nach der Publikation des Trompeters die Schreibweise mit „ck“, aber auf einem Abzug einer Lithografie mit der Abbildung des Säckinger Schlosses Schönau hatte er einmal die Schreibweise „kk“ verwendet. „Wenn der junge Scheffel 1850 eine Lithografie von Schloss Schönau mit dem Doppelbuchstaben beschriftete, dann tat er dies vielleicht, um auf eine – nicht zutreffende – Herkunft des Namens aus dem Lateinischen hinzuweisen.“Der Trompeter auf der Homepage des Vereins Scheffel-Freunde Bad Säckingen e. V. Diese Zeichnung wurde für den Einbanddeckel des Buches verwendet und der Name Säkkingen wurde auf den Buchrücken übernommen. Nachdem die Diskrepanz zwischen dem Ortsnamen auf dem Buchrücken und dem im Buchtext verwendeten festgestellt wurde, änderte man den Namen im Buchtext, da diese Änderung einfacher und billiger war, als ein Neudruck des Einbanddeckels.Literatursommer 2022. Rückblick auf die Ausstellung. „Der Trompeter von SÄK“ in Schloss Schönau, Bad Säckingen (Mai – Sept. 2022)
Der Germanist Friedrich Panzer korrigierte die Schreibweise in seinen 1919 herausgegeben Scheffels Werke von Säkkingen auf Säckingen und in der Folgezeit passten auch andere Herausgeber und Verlage die Schreibweise an.
Auch der Untertitel „Ein Sang vom Oberrhein.“ erscheint aus heutiger Sicht merkwürdig, da Bad Säckingen am Hochrhein und nicht am Oberrhein liegt. Diese Einteilung der Rheinabschnitte ist jedoch neueren Datums und Scheffel folgte den Bezeichnungen seiner Zeit.
Historischer Hintergrund Franz Werner Kirchhofer war ein deutscher Kaufmann und Ratsherr. Aus seiner in der lokalen mündlichen Erzählung weiterlebenden Geschichte entwickelte Joseph Victor von Scheffel eine fiktive Figur jung Werner den „Trompeter von Säkkingen“.
Die historischen Fakten
Um 1657 heiratete der bürgerliche Säckinger Kaufmann Franz Werner Kirchhofer die aus dem Niederadelsgeschlecht derer von Schönau stammende Maria Ursula von Schönau-Oeschgen gegen den Widerstand ihrer Brüder, die befürchteten eine morganatische Ehe könnte für ihre Ambitionen in den Freiherrenstand aufzusteigen hinderlich sein. Sie versuchen das Paar aus der Gegend zu vertreiben und halten das Erbe der Schwester zurück. Nach einer Intervention von Erzherzog Ferdinand Karl und der späteren Erhebung der Brüder in den Freiherrenstand lassen die Spannungen nach. Außen an der Nordwestseite des Fridolinsmünsters in Bad Säckingen erinnert ein Epitaph an Franz Werner Kirchhofer und Maria Ursula von Schönau.Adelheid Enderle: Maria Ursula von Schönau und die Geschichte des „Trompeters von Säckingen“. In: Wernher von Schönau-Wehr, Katharina Frings (Herausgeber): Adel an Ober- und Hochrhein. Beiträge zur Geschichte der Freiherren von Schönau, Freiburg im Breisgau: Rombach, 2001, S. 247–256, ISBN 3-7930-9282-8
Die lokale Sage In der lokalen Sage ist Werner Kirchhofer ein begnadeter Musiker, der mit seinem Ensemble öfter im Säckinger Schloss der Freiherren von Schönau spielt. So lernen sich Werner und die Tochter des Freiherren kennen und lieben. Als der Vater gewahr wird, was sich da anbahnt, erteilt er dem Musiker Hausverbot und verschafft der Tochter eine Stellung als Hoffräulein am kaiserlichen Hof in Wien. Werner beabsichtigt seinerseits Säckingen zu verlassen und auf Wanderschaft zu gehen, da er seine Geliebte nicht mehr sehen darf. Dies gelingt jedoch noch einmal heimlich, wobei die Freiin ihrem Geliebten mitteilt, dass sie nach Wien müsse und ihn bittet ebenfalls dorthin zu kommen. Sie vereinbaren auch, wie sie sich dort wieder treffen könnten. Werner begibt sich mit einem Musiker-Ensemble auf die Wanderschaft, die ihn letztlich auch nach Wien führt. In Wien wird sein musikalisches Talent erkannt, das ihm die Stelle eines Hofkapellmeisters eröffnet. Eines Tages erkennt er das vereinbarte Zeichen seiner Geliebten am Portal des Doms und wartet dort auf sie. Als die Freiin in den Reihen der Hoffräulein aus dem Dom kommt und Werner erkennt, fällt sie in Ohnmacht, wodurch sie auch die Aufmerksamkeit des Kaisers erlangt. Als diesem die Geschichte der beiden offenbart wird, erhebt er Werner in den Adelsstand und vermittelt beim Vater die Verbindung der Verliebten.Siehe Eugen Herford: Entstehungsgeschichte von Scheffel's Trompeter von Säckingen. (Nach einem Vortrag des Verfassers im Copernikus-Verein zu Thorn.) Zürich : Schröter & Meyer, 1889, S. 46–47 UB Eichstätt-Ingolstadt
Handlung 1. Stück: Wie jung Werner in den Schwarzwald einreitet
Der Protagonist des Epos, der Heidelberger Jura-Student Werner Kirchhof, reitet durch den noch winterlichen Schwarzwald, wo er, nach einem Lied auf der Trompete, oberhalb von Säckingen mit dem Pfarrer eines Dorfes zusammentrifft, der ihn in sein Pfarrhaus einlädt.
2. Stück: Jung Werner beim Schwarzwälder Pfarrherrn
Werner erzählt dem Pfarrherrn, dass er der Kurfürstin vor dem Heidelberger Schloss betrunken ein Ständchen gebracht habe und wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses von der Universität Heidelberg relegiert worden sei. Eingeflochten ist das Lied Alt-Heidelberg, du feine.
3. Stück: Der Fridolinustag
Am 6. März, dem Festtag des Heiligen Fridolin, des Schutzpatrons von Säckingen, erblickt Werner bei der Prozession vor dem Fridolinsmünster erstmals Margareta und verliebt sich spontan in sie.
4. Stück: Jung Werners Rheinfahrt
Werner entwendet zu einer nächtlichen Rheinfahrt ein Fischerboot und bringt von einer Kiesbank im Rhein aus seiner Angebeteten in Schloss Schönau ein Ständchen auf der Trompete.
5. Stück: Der Freiherr und seine Tochter
Der Freiherr, der während des Dreißigjährigen Kriegs als Reiter-Obrist unter Johann von Werth gedient hatte, erzählt seiner Tochter von seinem Soldatenleben und seiner Gefangenschaft auf Schloss Vincennes, wo er seine spätere Frau und Mutter Margaretas, Leanor Montfort du Plessys, kennengelernt hatte. Das Gespräch wird durch das über den Rhein herüberklingende Trompetenspiel Werners unterbrochen, das die Aufmerksamkeit des Freiherrn weckt.
6. Stück: Wie jung Werner beim Freiherrn Trompeter ward
Das entwendete und am Ufer liegengelassene Boot führt auf die Spur Werners, der nach dem Trompetenstück des Vorabends auf das Schloss geladen und anstelle des zuvor im Rhein ertrunkenen Stabstrompeters Raßmann als Trompeter eingestellt wird.
7. Stück: Der Ausritt zum Bergsee
Freiherr und Bewohner Säckingens brechen zum Bergsee auf, um dort das jährliche Maifest mit einem Fischzug und anschließendem Festmahl im Freien zu begehen. Begleitet von Werner auf der Trompete trägt der Schulmeister ein selbstverfasstes Mailied vor. Während der Schulmeister zum Lohn den Rest des Fischfangs erhält, flicht Margareta dem Trompeter einen Kranz.
8. Stück: Das Konzert im Gartenpavillon
Zum bevorstehenden Geburtstagsfest ihres Vaters lässt Margareta durch den Maler Fludribus, der in Rom die Frescotechnik erlernt hat, die Kuppel des Pavillons im Schlossgarten ausmalen. Zur Eröffnung dirigiert Werner mit örtlichen Laienmusikern ein Madrigal von Claudio Monteverdi.
9. Stück: Lehren und Lernen