mini|Die Region Laleia in Osttimor (2005)

Der Krieg von Laleia (1878–1880) war ein militärischer Konflikt zwischen dem timoresischen Reich von Laleia und der portugiesischen Kolonialmacht. Seine Folgen führten zu einer politischen Krise zwischen Kolonialverwaltung und der römisch-katholischen Mission in Portugiesisch-Timor.Ricardo Roque 2010, S. 259. In den Krieg verwickelt war auch der Missionar António Joaquim de Medeiros, der später von 1884 bis 1897 Bischof von Macau wurde.Ricardo Roque: O arquivo, a coleção e o caçador: autobiografia de uma etnografia histórica, Etnográfica [Online], Artigos em pré-publicação, 24. Januar 2022, S. 13–15, abgerufen am 9. Mai 2023.

Dom Manuel Salvador da Costa dos Remédios, der Liurai von Laleia, musste schließlich sich den Portugiesen ergeben, wurde aber vor Gericht vom Vorwurf der Rebellion freigesprochen, während die Missionare beschuldigt wurden, den Konflikt verursacht zu haben. Sie nutzten den Krieg auch dafür, Köpfe von Timoresen für ihre anthropologische Sammlung zu sammeln. Diese Schädel befinden sich noch heute in der Universität Coimbra in Portugal.

Der Krieg fiel in eine Zeit mehrerer Aufstände der Timoresen gegen die portugiesische Vormachtstellung. Portugal erhob seit dem 16. Jahrhundert Ansprüche auf Gebiete auf Timor, die Vasallenschaft der timoresischen Herrscher war meist aber nur nominell und der Einfluss der Kolonialmacht nur gering. Mitte des 19. Jahrhunderts versuchte Portugal seine Macht auszudehnen und auch Steuerabgaben durchzusetzen.

Der Krieg mini|Der Ort Laclubar (2023)

Remédios führte ab 1878 einen Aufstand gegen den portugiesischen Gouverneur Hugo Goodair de Lacerda Castelo Branco (1873–1876, 1878–1880) und die Missionare in Laleia an. Remédios galt unter den portugiesischen Militärs als „intelligenter“ und „gebildeter“ Mann, der die europäischen Umgangsformen kannte. Zudem hatte er noch immer großen Einfluss in seiner Region. Die Meinung der elf katholischen Missionare, die das gewaltsame Vorgehen von Gouverneur Branco unterstützt hatten, stand dem deutlich entgegen. Sie bezeichneten Remédios als „Schläger“, „Aufwiegler“ und „abergläubisch“.Ricardo Roque 2010, S. 262–264.

Pater António Joaquim de Medeiros wurde 1874 zum obersten Missionar in Timor (Padre Superior dos Timorenses) ernannt und reiste 1877 mit acht Missionaren (Sieben Portugiesen und einem Chinesen) in die Kolonie. Dort gab es laut einem Bericht von Medeiros zuvor nur vier Priester, drei aus Goa und einen Timoresen, wobei laut Medeiros die Inder alle noch heidnische Bräuche praktiziertenDavidson 1994, S. 152. und sich nicht durch einen besonderen apostolischen Eifer auszeichneten. Sie wurden von Medeiros umgehend nach Goa zurückgeschickt.Sebastião Aparício da Silva Project: About Sebastião Aparício da Silva SJ, abgerufen am 20. November 2007.

Die neuen Missionare sollten nach den Plänen von Medeiros die lokalen Sprachen studieren, um den Katechismus zu lehren und die Beichte abnehmen zu können und Schulen für die timoresischen Kinder zu eröffnen. Nach ihrer Ausbildung am Seminar von Sernache de Bonjardim (Colégio Real das Missões Ultramarinas) waren die neuen Missionare durchdrungen von patriotisch-imperialistischen Idealen und dem Ehrgeiz, die „dekadente“ Missionierung durch ein aggressives Evangelisierungs- und zivilisatorisches Programm zu reformieren. Barbarei, Aberglaube und Sittenverfall sollten ausgerottet werden. Für sie war Remédios ein Krimineller, Ketzer und Antichrist. Die Feindseligkeiten zwischen dem Liurai und den Priestern reichten bis zum Beginn der Gründung der Mission in Laleia Mitte 1870 zurück, nahmen immer weiter zu und führten schließlich in der kriegerischen Auseinandersetzung.Ricardo Roque 2010, S. 264–266.

Unmittelbarer Auslöser des Konflikts war ein Streit zwischen Remédios und seinem untergeordneten Adligen MajorTimoresischen Adligen wurden von den Portugiesen je nach Rang militärische Offizierstitel verliehen. Pedro de Gusmão da Costa. Gusmão da Costa beschuldigte andere Adlige drei der suanguice beschuldigte Frauen getötet zu haben, darunter Buino, die zur Familie eines Angestellten der Kolonialverwaltung gehörte. Dieser timoresische Begriff wird in Dokumenten der Kolonialverwaltung oft verwendet, um Hexerei zu bezeichnen. Sie wird spirituellen Wesen, den „suangues“ nachgesagt, die menschliche Gestalt annehmen können, indem sie durch Inkarnation als gewöhnliche Menschen in der Gemeinschaft leben.Davidson 1994, S. 154.Davidson 1994, S. 159. Infolgedessen verhängte Gouverneur Branco am 17. Mai 1876 eine Geldstrafe von fünfhundert Rupien gegen die Mörder und verurteilte sie zu acht Monaten bis einem Jahr Gefängnis. Außerdem musste Remédios als ihr Liurai eine Geldstrafe von zweihundertfünfzig Rupien zahlen, weil er die Tötungen zugelassen hatte, die nach portugiesischem Recht verboten waren. Remédios verlangte daraufhin von Gusmão da Costa als Strafe eine große Anzahl von Wasserbüffeln. Als Costa sich weigerte, schickte Remédios Krieger, die 79 Büffel erbeuteten. Der Gouverneur forderte daraufhin die Rückgabe der Büffel und vom Liurai nun eine Geldstrafe von 2000 Rupien und sein persönliches Erscheinen am Amtssitz, um die Angelegenheit zu untersuchen.

Allerdings wurde Branco noch im selben Jahr von Joaquim António da Silva Ferrão abgelöst und kehrte nach Lissabon zurück. Ferrão stellte sich nun hinter Liurai Remédios und bestätigte die Strafzahlung in Form der Büffel von Gusmão da Costa als rechtens. Das vorherige Urteil wurde aber wieder in Kraft gesetzt, als Branco 1878 als Gouverneur zurückkehrte (unsicheren Quellen nach war Ferrão auf Timor verstorben).World Statesmen: East Timor, abgerufen am 5. Dezember 2020. Die erneute Forderung nach Erscheinen des Liurais und Zahlung von 2000 Rupien führten letztendlich zum Krieg. Branco entsandte zunächst eine timoresische Hilfstruppe, dann einen Offizier mit hundert Kriegern, doch beide Mal desertierten die Einheiten. Selbst der Offizier floh.Davidson 1994, S. 155.

Als Nächstes wurde Alferes Candido da Silva, der Militärkommandant von Manatuto, mit einer kleinen Einheit europäischer Soldaten und Moradores entsandt, die Major Pedro de Gusmão da Costa und Dom João Ximenes nach Dili eskortieren sollten. Der Gouverneur hatte Dom João Ximenes, Liurai von Cairui, als Ersatz für Remédios als Liurai von Laleia vorgesehen gehabt. Nun standen sein und das Dorf von Gusmão da Costa unter dem Angriff von Remédios. Auch Dom Domingos de Freitas Soares, Liurai von Vemasse und einer der mächtigsten Herrscher im Osten der Insel, wurde vom Gouverneur aufgefordert, die beiden Flüchtenden auf dem Weg nach Dili zu schützen. Doch als die Gruppe einen Fluss überquerte, griff sie eine große Anzahl von Kriegern an. Dom Domingos und seine Krieger verschwanden sofort und der kleinen portugiesischen Truppe drohte durch die Übermacht nun die Vernichtung. Nachdem die Angreifer aber Pedro de Gusmão da Costa und João Ximenes getötet hatten, zogen sie sich sofort wieder zurück.

Gouverneur Branco erklärte nach der Ermordung der Männer unter seiner Obhut in einem Edikt vom Oktober 1878 nun Remédios als „schuldig der Gräueltaten, Raubüberfälle, Befehlsverweigerung, Macht- und Privilegienmissbrauchs“ und erklärte ihn praktisch als vogelfrei. Danach zog der Gouverneur Truppen aus den mit Portugal verbündeten timoresischen Reichen zusammen.Davidson 1994, S. 156. Noch 1878 musste Remédios Laleia verlassen und errichtete sein neues Hauptquartier bei Verbündeten in den Bergen zwischen Laclubar und Tequinaumata,Ricardo Roque 2010, S. 273–277. von wo aus er weitere Angriffe koordinierte. Es kam zu Gefechten in Vemasse, Ossuquelli und Bucoli. Die Portugiesen mussten dabei herbe Rückschläge hinnehmen. Erst als der Dampfer D. João I. mit Nachschub und zusätzlichen Soldaten ankam, darunter afrikanische Truppen, mussten die Timoresen unter Remédios sich wieder nach Laclubar zurückziehen. Der Gouverneur konnte nun eine 2000 Mann starke Armee aufstellen. Ihr gehörten 60 Soldaten der ersten Linie (also europäisch ausgerüstete Soldaten) aus Macau, 140 Moradores und drei Feldgeschütze an. Den Rest bildeten einheimische Hilfstruppen. Im Juni 1879 fiel die Armee im Reich von Laclubar ein. Branco berichtete, dass die befestigten Stützpunkte der Rebellen in den Bergen zwischen dem 18. und 20. Juni 1879 dank der Geschütze komplett zerstört wurden. Der Liurai von Laclubar und zwölf seiner Adligen wurden gefangen genommen und für die Unterstützung Remédios bestraft. Branco wollte so ein Exempel statuieren.Davidson 1994, S. 157.

Erst im April 1880 kam Remédios in die Kolonialhauptstadt Dili, eskortiert von portugiesischen Soldaten, um sich zu ergeben. Er hatte das Ende der Amtszeit und die Abreise von Gouverneur Branco abgewartet, um unter Vermittlung einiger portugiesischer Offiziere Verhandlungen über seine friedliche Kapitulation im Gegenzug für eine Amnestie und die offizielle Wiederherstellung seiner Titel und Ehren als Herrscher aufzunehmen.Davidson 1994, S. 158.

Augusto César Cardoso de Carvalho (1880–1881), der neue Gouverneur, hatte die Order erhalten die Rebellion zu beenden, die Vergeltungsmaßnahmen zu verbieten und mit sanften Mitteln „die Menschen zur Anerkennung der portugiesischen Autorität zu bringen.“

Gerichtsverhandlung mini|Gouverneur Augusto César Cardoso de Carvalho

Carvalho ordnete an, Remédios respektvoll zu behandeln, auch wenn er ihn zunächst in das Gefängnis von Dili bringen ließ, um ihn noch im selben Monat vor Gericht die Möglichkeit zu geben, sich den Anschuldigungen der Priester entgegenzustellen. Berichte über das Verfahren werden heute im Arquivo Histórico Ultramarino in Lissabon aufbewahrt, vor allem Korrespondenz zwischen Carvalho und seinem Vorgesetzten, dem Gouverneur von Macau, Joaquim José da Graça, dem Ministerium für Marine und Überseeangelegenheiten sowie zwischen den Missionaren und dem Bischof von Macau. Im Verfahren standen dem Liurai von Laleia eine Gruppe von Armeeoffizieren, timoresische Verbündete und der Gouverneur zur Seite, während die Pater Medeiros und Pater João Gomes Ferreira, der Pfarrer von Dili, die Anklage erhoben. Das Gericht sollte die Verantwortung für den Krieg klären, zu dessen Ursachen es zwei verschiedene Ansichten gab. Gouverneur Joaquim José da Graça hatte bereits zuvor seine Zweifel über die wahren Hintergründe des Aufstands vermerkt:

Auch kritisierte Graça die harten Maßnahmen Brancos, um die Disziplin innerhalb seiner Streitkräfte aufrechtzuerhalten. Die Gefängnisse hätten sich mit Soldaten gefüllt und man habe fast alle jungen Offiziere verloren. Auch die Brutalität im Umgang mit gefangenen Timoresen wurde kritisiert und hier besonders das Verhalten von Joaquim da Silva Pimenta und Francisco Ferreira. Sie wurden 1881 vor ein Gericht in Macau gestellt, beriefen sich aber beide auf den Befehl von Branco, rigoros gegen die Rebellen vorzugehen. Die beiden Unterleutnants wurden freigesprochen.Davidson 1994, S. 161–164.

Die Missionare sahen die Schuld in moralischen und religiösen Verbrechen von Remédios. Medeiros warf ihm im Prozess im Februar 1881 vor, Rebellen hätten im Ort Laleia die Kirche geplündert, alle Altarbilder zerschlagen und Kirche und Dorf in Brand gesteckt. Die Angreifer hätten unter dem Befehl von Remédios gestanden, weswegen er die Verantwortung für den Überfall trüge.

Der portugiesische Feldzug gegen Laleia sei als eine Art Kreuzzug gegen das Heidentum ein Krieg, der nach portugiesischem Recht legitim sei und aus Sicht Gottes tugendhaft. Die Anwendung von Gewalt durch den Gouverneur sei die Bestrafung für die Übertretung der „heiligen Grundsätze der katholischen Religion.“ Auch die aktive Beteiligung der Priester am Krieg sei notwendig gewesen, so Pater Ferreira in einen Brief an den Minister für Marine und Überseeangelegenheiten.