Ingeborg von Breitenbuch (* 27. Januar 1909 in Montigny b. Metz; † 1. Juli 1997 in St. Louis (USA)) wirkte als Hausdame im sogenannten „Zeugenhaus“ in Nürnberg, in welchem während der Nürnberger Prozesse Zeugen und Verteidiger einquartiert waren, und war somit eine Zeitzeugin.
Leben und Wirken Ingeborg von Breitenbuch wurde als älteste von vier Töchtern des Major a. D. Dietrich Ludwig von Breitenbuch (1871–1949), Herr auf Ranis, und der Herta geb. Raßmuß (Rassmuss) (1882–1966) gesch. von Stechow am 27. Januar 1909 in Montigny bei Metz geboren.Walter von Hueck, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1973. Band XII, Band 55 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1973, , S. 73. Sie hatte drei Schwestern, ihre zweitjüngste Schwester Ilse heiratete den Juristen Maximilian Freiherr von Du Prel. Die Mutter wirkte als Portraitmalerin
Am 28. Juni 1934 heiratete sie auf dem heimatlichen Familienbesitz Burg Ranis in Thüringen den aus der Nähe von Wien stammenden ungarischen Grafen Hugo Kálnoky von Kőröspatak (1900–1955), der als Journalist agierte. Anfang der 1940er Jahre lebte das Paar in Budapest.
Nach der Vertreibung aus deren Siebenbürger Heimat wurde sie im Herbst 1945, hochschwanger, von der US-amerikanischen Militärverwaltung in Nürnberg als Hausdame für die Zeugen und Verteidiger des Nürnberger Prozesses eingestellt, die im sogenannten Zeugenhaus wohnten.
Während dies bis in die 1990er Jahre nicht bekannt war, änderte sich dies durch die intensiven Recherchen von Christiane Kohl, die aufbauend auf den aufgefundenen Gästebüchern des Zeugenhauses und Interviews mit Ingeborg Kalnoky den Roman Das Zeugenhaus schrieb, Christiane Kohl: Das Zeugenhaus. Verlag Goldmann, ISBN 3-4-42310-66-0. der 2005 erschien und als Grundlage für den Film „Das Zeugenhaus“ mit u. a. Iris Berben und Matthias Brandt diente.Die Welt: Gräfin der Diplomatie, Stand 3. September 2026.
Bei den Bewohnern des Zeugenhauses handelte es sich um bekannte Persönlichkeiten wie zum Beispiel Gestapo-Chef Rudolf Diels, die Ehefrau von Baldur von Schirach, Gisela Limberger (ehemalige Privatsekretärin von Hermann Göring), Karl Haushofer sowie die Verteidiger der Angeklagten Hjalmar Schacht, Alfred Jodl, Karl Dönitz, Fritz Wiedemann (Hitlers Adjutant bis 1939) und Hitlers Leibfotograf Heinrich Hoffmann. Ebenfalls hielten sich aus Konzentrationslagern Befreite und von den Nationalsozialisten Verfolgte im Haus auf, darunter der letzte sozialdemokratische Innenminister Preußens, Carl Severing.
Nach ihrer Tätigkeit in Nürnberg wanderte Ingeborg Gräfin von Kálnoky von Kőröspatak geb. von Breitenbuch mit ihrem Mann und den drei Kindern in die USA aus, wo ihre Ehe am 4. Dezember 1953 in Washington, D.C. geschieden wurde.
Sie heiratete am 18. Dezember 1954 in Mobile (Alabama), USA, Hilmar Teubert, Scheidung 1956.Clementine von Breitenbuch, Asta von Breitenbuch, Matthias Donath, Lars-Arne Dannenberg: Rote Sparren auf blauem Grund. Die Familie von Breitenbuch (Breitenbauch) in Sachsen und Thüringen. In: Adel in Sachsen. Band 8, Redaktions- und Verlagsgesellschaft Elbland mbH, Meißen 2016. DNB
1974 veröffentlichte sie bei Bobbs-Merrill ihre Erinnerungen über ihre Zeit im „Zeugenhaus“.
Sie starb am 1. Juli 1997 in St. Louis (USA).Christoph Franke, Gottfried Graf Finck von Finckenstein: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1998. Band XXV, Band 117 der Gesamtreihe, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1998, , S. 120.
Sie führte zuletzt wieder den Geburtsnamen von Breitenbuch. Der Familiensitz Burg Ranis wurde 1942 verkauft, man behielt aber Wohnrecht.
Werke (Auswahl) The Guest House: A Nuremberg Memoir of Countess Kalnoky, mit Ilona Herisko, 1974, Bobbs-Merrill, ISBN 978-0-672518-27-0.
Film In dem Film Das Zeugenhaus (2014) wurde die Rolle der Gräfin Belavar von Iris Berben dargestellt, die ihrer Aufgabe in Nürnberg nachgebildet war.
Literatur Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft (DAG). Teil A (Uradel). 1942. Jahrgang 41, Justus Perthes, Gotha 1941, S. 49–50. Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1957. Band III, Band 15 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg an der Ostsee 1957, Walter von Hueck, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1973. Band XII, Band 55 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1973, , S. 73. Christoph Franke, Gottfried Graf Finck von Finckenstein, Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1998. Band XXV, Band 117 der Gesamtreihe, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1998, , S. 120–121. Clementine von Breitenbuch, Asta von Breitenbuch, Matthias Donath, Lars-Arne Dannenberg: Rote Sparren auf blauem Grund. Die Familie von Breitenbuch (Breitenbauch) in Sachsen und Thüringen. In: Adel in Sachsen. Band 8, Redaktions- und Verlagsgesellschaft Elbland mbH, Meißen 2016, , S. 323–329.
Weblinks Christiane Kohl: Gefängis für Gentlemen. In: Der Spiegel vom 5. Mai 1996.
Einzelnachweise
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