Literarische Adaption der Andromeda ist eine Auflistung literarischer Werke, die sich mit der griechisch-mythologischen Sage der Andromeda beschäftigen und über bloße Namensnennung hinausgehen; ausgenommen davon ist wissenschaftliche Literatur.
Die Liste folgt dem chronologischen Ablauf nach Jahreszahl der Erscheinung des Werkes und fasst Handlung und wesentlichen Beschreibungen bzw. Verwendungen des Andromeda-Mythos in einzelnen Werken komprimiert zusammen sowie Erscheinungsjahr (sofern nicht bekannt, ungefährer Zeitraum), Name des Autors, Genre, Originalsprache und Herkunft/Erstaufführungsort des Werks.
Antike Werke Andromeda des Euripides (412 v. Chr., Theatertragödie)
Euripides, altgriechisch, Athen, Griechenland
Da der Großteil des Textes von Euripides Andromeda-Tragödie verloren gegangen ist, lassen sich aus den erhaltenen FragmentenEuripides, Fragmente 114–156+2; Übersetzung nach Euripides: Sämtliche Tragödien und Fragmente. Band 6, Artemis Verlag, München 1981, S. 51–67. nur einige Bruchteile der Inhalte des Stücks rekonstruieren. Am Anfang steht eine ausführliche Klage der an den Felsen geketteten Andromeda. Auch deutet sich an, dass sie sich ihrem Schicksal nicht freiwillig gefügt hat.„Warum fiel doch vor allem so herbes Los, Mir, Andromeda, zu? O ich Arme, des Todes soll ich sein! (F 115) […] Nimm teil an meinem Schmerz; denn wer im Leid andere mitweinen lässt, findet Erleichterung.“ (F 119) […] „Miteidlos ist dein Vater, der dich, die leidensreichste unter den Menschen, dem Hades preisgab, um für das Land zu sterben.“ (F 120) […] „Beklagt mich, Fraun, die Traurige. Die Trauriges erduldete – O ich armes, armes Kind! – Und von Verwandten Gesetzloses litt“ (F 122)Euripides, Fragmente; Übersetzung nach Euripides: Sämtliche Tragödien und Fragmente. Band 6, Artemis Verlag, München 1981, S. 53–55.Es folgt das Eintreffen des Perseus aus dem Land der Medusa, der die wohl entblößte Andromeda erblickt: „Halt, was für einen Fels sehe ich hier vom Meer umschäumt und das Bild eines Mädchens aus natürlichem Steinwerk, Zierstück einer Meisterhand?“Euripides, Fragmente 125; Übersetzung nach Euripides: Sämtliche Tragödien und Fragmente. Band 6, Artemis Verlag, München 1981, S. 57. Perseus fragt Andromeda, wer sie sei, woraufhin sie ihn anfleht, sie zu retten: „O fremder Mann, erbarme dich meines Jammers, löse meine Fesseln!“Euripides, Fragmente 128; Übersetzung nach Euripides: Sämtliche Tragödien und Fragmente. Band 6, Artemis Verlag, München 1981, S. 57. Perseus erwidert, ob Andromeda ihm Dank erweisen werde, wenn er sie befreit, woraufhin sie ihn anfleht, sie als Dienerin, Gattin oder Sklavin mitzunehmen.Euripides, Fragmente 129, 132; Übersetzung nach Euripides: Sämtliche Tragödien und Fragmente. Band 6, Artemis Verlag, München 1981, S. 59. Die nachfolgenden Fragmente geben kaum noch eine Handlung wieder, doch wird offensichtlich, dass Perseus das Ketos besiegt und Andromeda zur Frau nimmt – offensichtlich gegen den Willen von Kepheus: „Ich lasse nicht zu, dass mein Kind einen Bastard bekommt.“Euripides, Fragmente 141; Übersetzung nach Euripides: Sämtliche Tragödien und Fragmente. Band 6, Artemis Verlag, München 1981, S. 61. Es folgen wohl das Hochzeitsmahl im Palast und die Auseinandersetzung mit Phineus.
Elegien des Propertius (spätes 1. Jhdt. v. Chr.)
Propertius, Latein, Römisches Reich
Propertius vergleicht die Figur der schlafenden Cynthia unter anderem mit Andromeda, als sie sich zum ersten Schlaf hinlegt, nachdem sie vom Felsen befreit wurde.Propertius, Elegien, 1,3,3-4.
Metamorphosen (frühes 1. Jahrhundert n. Chr., mythologisches Dichtwerk)
Ovid, Latein, Römisches Reich
Ovid erzählt die Geschichte von Andromedas Opferung in ausgeschmückter Dichtung in seinen Metamorphosen, wobei er sich auf Perseus und den Kampf mit dem Ketos fokussiert.Ovid, Metamorphosen 4, 665–735. Nachdem Perseus Medusa enthauptet und Atlas mit ihrem Haupt zu Stein hat erstarren lassen, fliegt er mit seinen Flügelschuhen über Äthiopien, das Land des Kepheus. Perseus entdeckt die jungfräuliche Andromeda, die schuldlos für das Frevelwort der Mutter büßend an das harte Gestein gefesselt ist, hält sie jedoch zuerst für eine Marmorstatue, ehe er bemerkt, dass ihr Haar weht. Perseus entbrennt in Liebe beim Anblick der Andromeda und vergisst fast, mit den Flügeln zu schlagen. Perseus bittet Andromeda, ihm ihre Identität zu offenbaren. Andromeda weint und schweigt zunächst, scheut sich, den ihr unbekannten Mann anzureden und will das Gesicht mit den Händen verbergen, wird von ihren Fesseln jedoch daran gehindert. Schließlich beginnt sie zu erzählen, auch von der Hybris ihrer Mutter, doch noch bevor sie enden kann, schreit sie vor Angst auf, als das Ketos aus dem Meer auftaucht. Andromedas Eltern stehen jammernd unweit ihrer Tochter, doch greifen nicht ein, worauf sich Perseus ihnen zuwendet und mit seinen Taten prahlend anbietet, Andromeda zu retten, wenn sie ihm als Braut zuerkannt wird. Andromedas Eltern zögern nicht und flehen Perseus an, ihre Tochter zu retten, und versprechen ihm ihr Reich als Mitgift. Perseus steigt in die Luft auf, stürzt sodann auf das Ketos hinab und durchbohrt es mit dem Schwert. Am Ufer ertönen Jubelschrei und Klatschen. Kassiopeia und Kepheus begrüßen Perseus, und auch Andromeda kommt ihrer Fesseln entledigt dazu. Die nachfolgende Handlung erwähnt Andromeda nicht mehr namentlich, es geht allein um den Konflikt zwischen Perseus und Phineus um sie.Ovid, Metamorphosen 5, 1–235.
Astronomica (frühes 1. Jahrhundert n. Chr., astronomisches Dichtwerk)
Marcus Manilius, Latein, Römisches Reich
Manilius stellt – im Gegensatz zu seinem Zeitgenossen Ovid, der sich auf Perseus als Hauptfigur in seiner Erzählung konzentriert – Andromeda ins Zentrum der Beschreibung in seiner Astronomica. Infolge der Schuld ihrer Eltern wird Andromeda weinend als Opfer geschmückt und „legt sich das nimmer für derlei Gelübde bereitete Kleid an, und noch lebendig schleppt man die Jungfrau zur eignen Bestattung.“Manilius, Astronomica 5, 547 f. Übersetzung von Wolfgang Fels. Marcus Manilius: Astronomica – Astrologie, Reclam, Stuttgart 1990. Anschließend werden ihr die Fesseln an die gespannten Arme gelegt, sodass sie am Kreuze am Fels hängt. „In dieser Pein noch weiß sie Gesicht und Keuschheit zu wahren. Selbst in der Qual liegt noch Liebreiz, den schneeweißen Nacken ergeben, rückwärts gebeugt schien sie selbst der Wächter zu sein ihrer Schönheit. Von den Schultern herab flossen Faltenkaskaden, die Arme zeigte das Kleid, und die wallenden Haare bedeckten den Rücken.“Manilius, Astronomica 5, 556 f. Übersetzung von Wolfgang Fels. Marcus Manilius: Astronomica – Astrologie, Reclam, Stuttgart 1990. Andromedas trauriger Anblick lässt selbst die Natur weinen. Dann entdeckt Perseus Andromeda „und ihm erscheinen die Ketten beglückt, die die Glieder umschließen; und nachdem er von ihr den Grund ihrer Marter erfahren, hat er die Absicht, dass Brautbett im Kampf mit dem Meer zu besteigen. […] Rasch jagt er hin durch die Lüfte und tröstet die weinenden Eltern, mit dem Versprechen zu retten und kehrt, sie als Frau mit sich bedingend, an das Gestade zurück.“Manilius, Astronomica 5, 573–579. Übersetzung von Wolfgang Fels. Marcus Manilius: Astronomica – Astrologie, Reclam, Stuttgart 1990. Es kommt zum Kampf mit dem Ketos, das Perseus letztlich mit dem Schwert tötet und Andromeda zur Braut nimmt, die sich in verliebt hat.Manilius, Astronomica 5, 579–615.
Bibliotheke des Apollodor (1. Jahrhundert n. Chr., mythologisches Handbuch)
Pseudo-Apollodor, altgriechisch, Römisches Reich
Pseudo-Apollodor berichtet im Rahmen seiner Wiedergabe der Perseus-Sage über die geplante Opferung Andromedas. Als Perseus nach dem Sieg über Medusa nach Äthiopien kommt, wo Kepheus herrscht, findet er Andromeda dem Ketos zum Fraß vorgeworfen vor, da ihre Mutter Kassiopeia behauptete, schöner als die Nereiden zu sein. Diese zürnten genauso wie Poseidon, der das Land mit einer Überschwemmung und dem Ketos straft. Auf den Orakelspruch des Ammon hin, der dem Land die Befreiung der Plage verspricht, wenn Andromeda dem Ketos geopfert wird, muss sich Kepheus von seinem Volk gedrängt dem Urteil beugen und lässt seine Tochter an einen Felsen binden. Perseus sieht Andromeda, verliebt sich in sie und verspricht Kepheus, das Ketos zu töten, wenn er Andromeda zur Gattin bekommt. Kepheus stimmt zu, und Perseus tötet das Ketos und erlöst Andromeda. Da Phineus, Andromedas Onkel und Verlobter, weiter Anspruch auf sie erhebt, will er Perseus aus dem Hinterhalt ermorden, wird mit seinen Mitstreitern jedoch durch das Haupt der Medusa in Stein verwandelt, woraufhin Perseus sich mit Andromeda nach Seriphos zu seiner Mutter Danae begibt.Bibliotheke des Apollodor 2, 43–46.
Hyginus Mythographus (1./2. Jahrhundert n. Chr., mythologisches Handbuch)
Hyginus, lateinisch, Römisches Reich
Im Hyginus Mythographus stellt Kassiopeia die Schönheit ihrer Tochter Andromeda über die der Nereiden, woraufhin Poseidon von Kepheus fordert, seine Tochter dem Ketos zu opfern, was geschieht. Perseus rettet daraufhin Andromeda und will sie mit sich führen, woraufhin Kepheus und Agenor versuchen, Perseus zu ermorden, der ihnen daraufhin das Haupt der Medusa entgegenstreckt und sie zu Stein erstarren lässt. Daraufhin kehrt Perseus mit Andromeda zurück in seine Heimat.Hyginus 64.
Meergöttergespräche – 2. Jahrhundert n. Chr.
Lukian von Samosata, altgriechisch, Römisches Reich
Lukian erzählt die Andromeda-Sage im Rahmen seines 14. Meergöttergespräches. Hier trifft der Meeresgott Triton auf Iphianassa, Doris und andere Nereiden und informiert sie über den Tod des Ketos und Andromedas Überleben. Auf die Frage, wer das Ketos getötet hat, ob es etwa Andromedas Vater Kepheus selbst war, entgegnet Triton Iphianassa, ob sie sich noch an Perseus, den Sohn der Danae, erinnere, den sie aus Mitleid am Leben erhielt, und erklärt, dass dieser das Ketos getötet habe. Iphianassa fragt, was Perseus dazu bewogen habe – immerhin habe er seine Dankbarkeit gegenüber den Nereiden hierdurch schlecht bewiesen. Triton erzählt nun die Geschichte von Perseus’ Tötung der Medusa und wie Perseus nach ihrer Enthauptung an der Küste Äthiopiens vorbeiflog, wo er die an einen weit ins Meer hinausragenden Felsen angeschmiedete Andromeda, mit aufgelösten Haaren und bis unter den Gürtel nackt, erblickt habe. Perseus habe sie als schön empfunden und Mitleid verspürt, woraufhin er sich nach dem Grund für ihr Schicksal erkundigt habe. Sein Mitleid habe sich in Liebe verwandelt, und er habe ihre Rettung beschlossen. Als das Ketos mit offenem Maul auf Andromeda zugestoßen sei und sie beinahe verschlungen habe, habe Perseus ihr das Haupt der Medusa entgegengehalten, woraufhin die vordere der Medusa zugewandte Seite des Ungeheuers zu Stein erstarrt und es selbst gestorben sei. Perseus habe die Fesseln Andromedas gelöst und sie auf spitzen Füßen den Felsen hinab geführt. Daraufhin habe Perseus Andromeda geheiratet und sie Argos zurückgeführt, sodass sie statt des Todes einen Gemahl „von nicht gemeinem Schlage“ gefunden habe. Iphianassa entgegnet auf Tritons Erzählung, dass ihr die Wendung nichts ausmache, immerhin habe Andromeda selbst keine Schuld getroffen, nur weil sich ihre Mutter als schöner als die Nereiden rühmte. Doris entgegnet, dass man Kassiopeia nicht schlimmer hätte strafen können als durch die Opferung ihrer Tochter. Iphianassa erwidert, was die Nereiden das Gerede einer unverständigen Frau schere, die unter Barbaren aufgewachsen ist. Durch die Angst um ihr Kind sei sie genug gestraft worden, und die Nereiden sollten lieber an der Freude über die Hochzeit teilhaben.Lukian von Samasota, Meergöttergespräche 14
Leukippe und Kleitomphon (2. Jahrhundert n. Chr., Roman)
Achilleus Tatios, Roman, altgriechisch, Römisches Reich