Jugendopposition.de ist ein Internetportal, das seit 2004 multimedial über den Protest von Jugendlichen informiert, wie er sich in der sog. sowjetischen Besatzungszone und der DDR bis zur Wende mit dem Mauerfall und der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 entfaltete. Das Webangebot entstand in Zusammenarbeit der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) mit der Robert-Havemann-Gesellschaft (RHG) und wurde für Redaktion, Konzept und Idee mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Es ist kostenlos und steht ohne Zugangsbeschränkungen zur Verfügung.

Geschichte Die Website ging 2004 ans Netz, der Grimme Online Award wurde 2005 verliehen. Anfang 2017 erfuhr das optische Erscheinungsbild eine Erneuerung. Zugleich wurde die Zugänglichkeit für mobile Endgeräte verbessert. Ein Eindruck des alten Webdesigns wird mit zehn Bildern auf gesonderter Unterseite vermittelt. Dabei ist zu erfahren, mit u. a. welchem Teaser die Besucher der Seite zum Weiterlesen angeregt wurden:

Die Betreiber der Website

Die Robert-Havemann-Gesellschaft (RHG) sammelt, bewahrt und erschließt in ihrem 1994 eröffneten und aus dem „Zusammenschluss von drei Archiven der ostdeutschen Oppositions- und Bürgerbewegung“ entstandenen Archiv Datenmaterial zum Thema Opposition und Widerstand in der DDR, und macht das Material der Öffentlichkeit zugänglich. Das Archiv entwickelte sich mit seinen auf über 1500 Regalmeter angewachsenen Archivalien – etwa zur Hälfte bereits voll erschlossen (Stand 2023) – zum umfangreichsten Archiv für die Geschichte der DDR-Opposition. Die Website des Archivs wird auch in leichter Sprache angeboten, daneben gibt es Videos zu Inhalt und Navigation in Gebärdensprache. Auf gesonderter Unterseite wird über die Website der Jugendopposition berichtet. Eine Gedenkseite für verstorbene Protagonisten ist ebenso eingerichtet, wie ein Bericht über die Instrumentalisierung der Friedlichen Revolution, beispielsweise für den Wahlkampf der AfD im Jahr 2019. Überdies veröffentlichte die Gesellschaft einen „Sammlungsaufruf“, mit dem sie darum bittet, persönliches Schriftgut wie „Prozessakten, Urteile, Verhörprotokolle, Dokumente zu Enteignung, Berufsverbot, Ausbürgerung, Exmatrikulation, Kopien aus Akten des Ministeriums für Staatssicherheit und aus Akten anderer Behörden“ zur Verfügung zu stellen.

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) wirft für den Begriff der Jugendopposition 60 Treffer aus (Stand 2023), angefangen von einer Pressemitteilung aus dem Jahr 2005, über die Mitteilung fünf Jahre später, dass das Projekt der Jugendopposition nun auch als DVD vorliegt, über eine Seite vom April 2021 zum bis heute rätselhaften Tod von Matthias Domaschk, bis zu einem Interview mit Heinz Grünhagen vom Januar 2023, der als 20-jähriger Brigadier in Strausberg bei Berlin in die Streikleitung beim Aufstand vom 17. Juni 1953 gewählt worden war.

Struktur und Aufbau der Website Dem Risiko, sich in der Vielfalt des Angebots zu verlaufen und den Überblick zu verlieren, wirken zahlreiche Steuerelemente entgegen. Die Kopfzeile bietet Links zu sechs eingebundenen Unterseiten: Über Jugendopposition Material Personen Sachbegriffe Sitemap Kontakt Insbesondere die Sitemap (Seitenübersicht) hilft mit ihrer Gliederung gezielt suchenden Nutzern, sich in der umfangreichen Website mit ihren insgesamt 201 Seiten (Stand 2023) zurechtzufinden. Das Menü hat fünf Bedienelemente: Startseite Zeitzeugen Themen Chronik Orte Einzig für die Themen gibt es ein Dropout-Menü, ansonsten werden sie auf der Sitemap gelistet. In der Fußzeile finden sich drei Links aus der Kopfzeile wieder und daneben zwei weitere: Lexikon Impressum Das Lexikon enthält Links zu zwei Unterseiten, einerseits zu einem Glossar, das bereits in der Kopfzeile verlinkt ist, alphabetisch geordnete Sachbegriffe listet und sie mit erklärenden Seiten verlinkt, und andererseits zu einem Personenlexikon, das – in ebenfalls alphabetischer Reihenfolge – zahlreiche Persönlichkeiten nennt, die in der Zeit der Jugendopposition in der DDR eine Rolle spielten. Über all dies hinaus gibt es auf gesonderter Unterseite die Möglichkeit einer Volltextsuche.

Das multimediale Material ordnet sich acht Themenschwerpunkten unter, die – Kapiteln vergleichbar – Titel mit politischen Schlagworten, Slogans oder Forderungen tragen. Es sind dies (Stand 2023): Freie Wahlen! Volksaufstand Die Mauer muss weg! Hände weg von Prag! Holt Biermann zurück! Schwerter zu Pflugscharen! Menschenrechte Revolution Die meisten Seiten bieten Literaturhinweise und Links zu weiteren Unterseiten oder zu externen Webseiten an. Eine gesonderte Bibliografie listet sowohl Belletristik als auch Sachbücher – jeweils themenbezogen, ergänzt um themenübergreifende Werke und jeweils mit kurzer Inhaltsangabe versehen.

Über Jugendopposition in der DDR mini|Magazinsaal des Stasi-Unterlagen-Archivs in Berlin-Lichtenberg Betreiber des Webauftritts sind die beiden beteiligten Kooperationspartner (bpb/RHG), es gibt ein Lektorat, die wissenschaftliche Beratung liegt bei Falco Werkentin. „Kernstück“ des Projekts, so die Betreiber, seien die Zeitzeugen mit „Biografien junger Menschen, die aktiv gegen die politischen Verhältnisse in der DDR protestiert haben“.

Zu allen Themen, die auf der Website behandelt werden, gibt es reichlich multimediales Material einschließlich zahlreicher Faksimiles von Originaldokumenten, „sodass man sich anhand von verschiedenen Quellen ein eigenes Bild von den historischen Geschehnissen machen“ könne. Außerdem werden „ergänzende Unterrichtsmaterialien“ für den Einsatz an Schulen und Einrichtungen der außerschulischen politischen Bildung zur Verfügung gestellt, die zum Teil von Trägern anderer Einrichtungen erarbeitet wurden – wie beispielsweise vom Stasi-Unterlagen-Archiv, der Bundesstiftung Aufarbeitung oder der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Chronik und Orte Die Chronik von Opposition und Widerstand in der DDR reicht zurück bis in das Jahr 1945 und endet mit dem Jahr 1991. Über eine Zeitleiste können die 47 dokumentierten Jahre in der Chronik einzeln abgerufen werden. Für jeden Monat eines jeden Jahres informieren kurze Zusammenfassungen jenseits der Jugendopposition über weltpolitische Ereignisse oder bedeutsames Geschehen in der Bundesrepublik und der DDR. Dies ermöglicht eine Einordnung der jugendoppositionellen Vorgänge in zeitgeschichtliche Zusammenhänge.

Unter der Überschrift Orte findet sich eine interaktive Karte Deutschlands, die einen Wechsel zwischen der Anzeige von Stasi- und Oppositionsobjekten in Berlin Prenzlauer Berg und anderen Orten der Jugendopposition in der DDR zulässt. Eine Veränderung des Kartenmaßstabs durch zoomen macht Details der mit Sticker gekennzeichneten Orte kenntlich. Ein Klick auf die Sticker öffnet eine Infobox mit Inhalten und Links zu Seiten mit ausführlicheren Informationen.

Zeitzeugen Als Zeitzeugen wurden 28 ehemalige Oppositionelle aufgenommen (Stand 2023). Es sind dies Thomas Ammer, Hildegart Becker, Achim Beyer, Till Böttcher, Roland Bude, Frank Ebert, Kai Feller, Dorothea Fischer, Andreas Friedrich, Peter Grimm, Heinz Grünhagen, Christian Halbrock, Katrin Hattenhauer, Michael Heinisch-Kirch, Uta Ihlow, Roland Jahn, Johanna Kalex, Christian Kunert, Doris Liebermann, Kathrin Mahler Walther, Joachim Marckstadt, Rainer Müller, Aram Radomski, Johannes Rink, Reinhard Schult, Uwe Schwabe, Bettina Wegner und Evelyn Zupke. Ihren Geschichten ließen sich die Vielfalt der Gründe für ihre „oppositionelle Haltung“ und die Konsequenzen ihres Tuns entnehmen, so die Seitenbetreiber.

Material Das zur Verfügung gestellte Material bezieht sich im Wesentlichen auf die Jahre 1945 bis 1991. Teils wurde älteres Material eingestellt, wenn der Rückgriff auf die Zeit vor 1945 nötig schien. Das Material stammt aus verschiedenen Quellen. Die Liste der beisteuernden individuellen und institutionellen Unterstützer ist lang. Angeboten werden Zeitzeugeninterviews neben Video- und Audiosequenzen, zahlreiche Texte, historische Aufnahmen und eine Fülle von Originaldokumenten – je im Faksimile. Das Material wurde sieben Rubriken mit je einer zugehörigen Übersicht zugeordnet (Stand 2023): Filme Literatur Didaktisches Material Bildergalerien Audio-Video-Galerien Digitale Angebote Leih- und Wanderausstellungen Das Material findet sich in acht Themen wieder, die ausführlich vorgestellt werden und den Kern der Website ausmachen. Zum Teil wird übergreifendes Material ergänzt.

Themen Im Lauf der Zeit hat sich nicht nur der Umfang der Website insgesamt, sondern auch die Anzahl der dokumentierten Themen erweitert. Entsprechend der verschiedenen Motive für das politische Aufbegehren der Jugendlichen gegen das Regime sind die Dokumente acht Kapiteln mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten – teils ergänzt durch Übergreifendes – zugeordnet (Stand 2023). Jede Seite beginnt mit einer Bilderstrecke, jedem Bild kann eine Infobox mit der Bildlegende zugeschaltet werden. Einem einleitenden Text können bebilderte und verlinkte Teaser folgen, wenn verschiedene Aspekte eines Themas in gesonderten Abschnitten ausführlicher beleuchtet wurden. Mitunter findet sich am Seitenende eine Linkbox unter der Überschrift Siehe auch mit Verweisen zu verwandten Themen.

Freie Wahlen! Ein Teil der jugendlichen Oppositionellen erhob lautstark die Forderung nach freien Wahlen. Diesem Kapitel sind elf Abschnitte untergeordnet, einleitend mit einer Seite, die den historischen Kontext herstellt. Anschließend werden die Volkskammerwahlen von 1950 beleuchtet, gefolgt von einem ausführlichen Blick auf die „Vereinnahmung der Jugend durch die FDJ“. Ein Abschnitt befasst sich mit dem deutschen Gulag, ein weiterer mit der jungen Gemeinde. Der Widerstand der Berliner Falken wird beschrieben und das Wirken der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit thematisiert. Der Werdauer Oberschülerprozess steht im Fokus eines weiteren Abschnitts. Auch werden die Todesurteile gegen junge Männer und Frauen aus Werder an der Havel dokumentiert. Je ein Abschnitt ist den Studenten und Schülern im Widerstand gewidmet, darunter den Schülern der ehemaligen Karl-Marx-Schule in Altenburg, die heute den Namen Friedrichgymnasium trägt. Sie waren Ende der 1950er Jahre an der Widerstandsbewegung der Jugendlichen mit Aktionen nach dem Vorbild der Weißen Rose beteiligt. Im Nachgang wurden zwei junge Lehrer und ihr Schüler Hans-Joachim Näther zum Tode verurteilt und hingerichtet, acht Personen erhielten „Strafen bis zu 25 Jahren Arbeitslager“. Dem Schüler Ludwig Hayne gelang die Flucht nach West-Berlin, wo er sich an Aktionen der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit beteiligte, bis er auf dem Potsdamer Platz verhaftet und nach Auslieferung an die sowjetische Besatzungsmacht ebenfalls zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde.

Volksaufstand Das Kapitel Volksaufstand befasst sich mit dem Aufstand vom 17. Juni 1953. Elf Abschnitte sind zugeordnet, die u. a. den Geschehnissen an sechs verschiedenen Orten in der DDR gewidmet sind. Dem beigegebenen Kontext folgt ein Abschnitt, der über den Arbeiteralltag aufklärt. Der zentrale Abschnitt über den 17. Juni beschreibt, wie sich der Arbeiterprotest zum Volksaufstand entwickelte. Es folgen Informationen über die Geschehnisse in Magdeburg, Jena, Bitterfeld, Halle, Strausberg und Görlitz. Ein Abschnitt klärt über den Aufstand von Workuta auf. Das Kapitel schließt mit einer Betrachtung der Zeit bis zum Mauerbau.

Die Mauer muss weg!