mini|Castel Casez, die zum Hauptplatz von Casez gewandte Westseite, rechts der in 1890er Jahren errichtete Neubau, an den links der ehemalige Wohnpalast anschließt Castel Casez ist ein Herrenhaus im Nonstal im Trentino, Italien. Er ist ein Paradebeispiel für einen Edelsitz des Nonstaler Landadels, der vom Bischof von Trient für seine Verdienste geadelt worden war. Nach Gorfer besitzt Castel Calsez im Gegensatz zu anderen Edelsitzen noch Bauelemente, die der Verteidigung dienten und an eine befestigte Burg erinnern.Aldo Gorfer: I Castelli del Trentino. S. 677.
Geschichte Das Gebäude wurde zu Beginn des 15. Jahrhunderts an der Stelle eines zweihundert Jahre älteren Vorgängerbaus in Casez errichtet. Er ist eng mit der Familie Concini verbunden, weshalb er gelegentlich auch als Palazzo Concini bezeichnet wird. Die vormals in Tuenno ansässige Familie spaltete sich in mehrere Zweige auf und wurde zwischen dem 14. und 15. Jahrhundert vom Fürstbischof von Trient geadelt,Carl Ausserer: Der Adel des Nonsberges: Sein Verhältnis zu den Bischöfen und zu den Landesfürsten, seine Schlösser, Burgen und Edelsitze, seine Organisation, Freiheiten und Rechte. Die „Nobili rurali“. S. 83. Ein Familienzweig war in der Mitte des 14. Jahrhunderts in den Besitz des befestigten Vorgängerbaus in Casez gekommen.Katia Lenzi: Castel Malosco. In: E. Possenti, G. Gentilini, W. Landi, M. Cunaccia (Hrsg.): Castra, castelli e domus murate. Corpus dei siti fortificati trentini tra tardoantico e basso medioevo. Apsat 4. SAP Società Archeologica s.r.l., Mantua 2013, ISBN 978-88-87115-77-2, S. 228. Die De Concini bauten das Anwesen nach ihren Wünschen mehrmals um. Zuletzt entstand im Laufe des 18. Jahrhunderts unter ihrer Regie der Ostflügel.Aldo Gorfer: I Castelli del Trentino. S. 678.
Um 1890 verkaufte Baron Raffaele de Concini den Besitz an Sisino Marinello. Letzterer baute Castel Casez ab 1893 um und veränderte dabei wesentlich das Äußere des Baus. Zu dieser Zeit entstand der südliche Anbau.Aldo Gorfer: I Castelli del Trentino. S. 677, 680.
Der Bau befindet sich in Privatbesitz. Im Nord- und Ostflügel sind ein Beherbergungs- und ein Gastbetrieb untergebracht.
Beschreibung Der auch als Casa Concini bezeichnete Bau liegt in der zur Gemeinde Sanzeno gehörenden Fraktion Casez. Er befindet sich am Hauptplatz des Ortes auf und wurde beispielhaft in die Landschaft und Bausubstanz der Umgebung integriert.Aldo Gorfer: I Castelli del Trentino. S. 676–677.
Das Anwesen besteht aus mehreren sich in Längsrichtung ausdehnenden Baukörpern,Umberto Raffaelli (Hrsg.): Castelli del Trentino. S. 137. die zu unterschiedlichen Zeitpunkten entstanden sind, mit zwei mit Mauern umschlossenen Innenhöfen. Der an der Westseite gelegene massive Turm mit seinem Holzdach und quadratischen Grundriss besitzt an der Turmkrone noch Schießscharten. Die Kanten des Turms weisen ein Bossenwerk aus Granit auf. Der zweite und nach Gorfer gekapte Turm besteht aus unverputzten Bruchstein und ist nur noch an seiner Nordseite teilweise freistehend.Aldo Gorfer: I Castelli del Trentino. S. 676–677.
Bis 1893 lag zwischen beiden Türmen der Wohnpalast und zentrale Baukörper der Anlage, wie aus historischen Bildern hervorgeht. Die nach Süden ausgerichtete Fassade des Wohnpalastes besaß einen Treppengiebel mit einer Sonnenuhr aus dem 18. Jahrhundert. An der Fassade befanden sich auch zwei gotische Biforien mit Kielbögen. Ein Biforium wurde später an der Westfassade, des 1893 von Sisino Marinelli in Auftrag gegebenen Neubaus eingesetzt. Letzterer wurde an der Stelle des ehemaligen mit Zinnen bestückten Ravelins errichtet, der bei den Umbauten in den 1890er Jahren abgetragen wurde. Das Spitzbogentor des Ravelins wurde wiederverwendet und an der Südfassade des Neubaus eingesetzt. Das zweite Biforium des Wohnpalastes befindet sich noch an der ursprünglichen Stelle, an der Ecke zur Westfassade des Neubaus.
Von dem vor der Westfassade des Neubaus liegenden Hof führt eine Außentreppe in den ersten Stock. Dort befindet sich ein Rundbogentor mit dem Eingang in den Wohnpalast. Der zweite zu Füßen des westlichen Turmes liegende Hof ist trotz Umbauten in seiner ursprünglichen Struktur aus dem 15. Jahrhundert weitgehend erhalten geblieben.Aldo Gorfer: I Castelli del Trentino. S. 677–679.
Literatur Carl Ausserer: Der Adel des Nonsberges: Sein Verhältnis zu den Bischöfen und zu den Landesfürsten, seine Schlösser, Burgen und Edelsitze, seine Organisation, Freiheiten und Rechte. Die „Nobili rurali“. In: Jahrbuch der k.k. heraldischen Gesellschaft „Adler“. Neue Folge – Neunter Band, Selbstverlag, Wien 1899, S. 82–86 (Digitalisat). Aldo Gorfer: I Castelli del Trentino. Saturnia, Trient 1967, S. 676–680. Gian Maria Tabarelli, Flavio Conti: Castelli del Trentino. De Agostini, Novara 1981, S. 156. Alessandra Bertoldi, Gianni Faustini, Augusto Giovannini: Castelli, Fortificazioni, Residenze Nobili. Trentino: Le valli del Noce. Publilux, Trient 2004, S. 71. Umberto Raffaelli (Hrsg.): Castelli del Trentino. Provincia autonoma di Trento. Soprintendenza per i beni architettonici, Trient 2007, S. 137.
Weblinks
Castel Casez auf castellideltrentino.it (italienisch)
Einzelnachweise
Casez Kategorie:Sanzeno Kategorie:Bauwerk der Gotik im Trentino Kategorie:Erbaut im 15. Jahrhundert