mini|Instrument Panel einer Beechcraft King Air 100 mini|Cockpit einer Hawker Beechcraft 350 King Air (B300) mit Pro-Line-21-Avionikausstattung

Die King Air der Beech Aircraft Corporation ist ein zweimotoriges Hochleistungs-Turbopropflugzeug mit Druckkabine. Sie ist ein Geschäftsreiseflugzeug und für bis zu 17 Personen zugelassen, hat aber üblicherweise nur 7 bis 11 Sitzplätze.

Die Versionen der 90- und 100-Serien bezeichnet man als "King Air"; die größeren und auch leistungsstärkeren Versionen der Modellreihen 200 und 300 wurden von Beechcraft bis 1994 "Super King Air" genannt.

Geschichte mini|King Air 90 der US Air Force (mittlerweile im USAF Museum)Die King Air VC-6A im Museum der United States Air Force

Die Beech Aircraft Corporation (zwischenzeitlich Hawker Beechcraft), seit 2012 im Besitz des Textron-Mischkonzerns, begann am 15. Mai 1963 mit Testflügen ihres neuen Flugzeugtyps King Air. Im Mai 1964 bekam dieser die Zulassung durch die US-amerikanische Luftfahrtbehörde FAA, am 9. September 1964 wurde die erste Serienmaschine des Typs King Air 90 produziert und Ende 1968 waren schon mehr als 400 Flugzeuge dieses Typs ausgeliefert. Damaliger Kaufpreis: 320.000 US-Dollar.

Im Herbst 1966 bestellte die US Army 48 King Air 90 im Wert von 10 Millionen US-Dollar als Trainingsflugzeuge.

Am 12. August 1970 wurde an einen kanadischen Händler die 500. King Air ausgeliefert. Im April 1972 folgte ein weiterer Großauftrag der US Army über 12 Millionen US-Dollar. Unter anderem unterhielt die Trainingsgesellschaft der Lufthansa, die Lufthansa Flight Training in Bremen, Maschinen dieses Typs zur Pilotenschulung, bevor sie Ende der Neunzigerjahre von der Piper PA-42 Cheyenne abgelöst wurden.

Bis 1996 wurden 5000 Flugzeuge vom Typ King Air ausgeliefert, mehr als 1000 davon an Regierungen. Flugzeuge dieses Typs in allen Varianten sind rund um den Globus zu finden.

90er-Serie Im Laufe der Zeit wurde die King Air weiter verbessert und so entstanden die gegenüber ihren Vorgängerversionen weiter verbesserten Varianten: A90, B90, C90, E90, F90-I, F90-II, C90A, C90B, später C90GT und C90GTi (ab da mit Pro Line 21-Avionik). Im Gegensatz zur übrigen Reihe der King Air 90 verfügt die Version F90 über ein T-Leitwerk.

Anfang 2010 hat die C90GTx den Vorgängertyp C90GTi abgelöst. Bei der neuen GTx-Version wurde die maximale Startmasse um 175 kg erhöht, was eine wesentliche Steigerung der Zuladung ermöglicht. Ferner ist die C90GTx serienmäßig mit Winglets ausgestattet, dadurch erhöht sich die Spannweite von 15,32 m auf 16,36 m. Der Listenpreis einer C90GTx liegt bei 3,9 Millionen Dollar.https://www.flyradius.com/beechcraft-king-air-c90gtx/price

Am 11. November 2010 rollte die 2000. King Air C90 (eine C90GTx) aus der Fertigungshalle in Wichita. Im März 2021 wurde die Produktion der C90GTx eingestellt.

Militärische Versionen Von der King Air 90 wurden durch die USA verschiedene militärische Varianten eingesetzt. Dazu zählen die nur einmal gebaute VC-6A (später VC-6B), die T-44 "Pegasus" und vor allem die U-21 "Ute". Japan betrieb 27 TC-90, von denen die Philippinen fünf übernahmenPhilippines to lease five Japanese King Airs for maritime patrol, Flightglobal, 10. März 2016.

100er-Serie mini|King Air 100 Die leistungsgesteigerte Version King Air 100 hatte ihren Erstflug am 17. März 1969 und wurde am 26. Mai 1969 öffentlich eingeführt. Sie hatte ein größeres Ladevolumen und stärkere Triebwerke, wodurch sie eine größere Nutzlast transportieren konnte. Der Rumpf wurde um 1,27 Meter verlängert und auf jeder Seite mit 2 zusätzlichen Fenstern versehen,Simpson 2005, S. 52. die Spannweite reduziert, die Steuerflächen am Heck vergrößert und das Hauptfahrwerk mit je zwei Rädern ausgestattet. Sie wurde mit der gleichen elektrischen Trimmung der Höhenflosse ausgestattet wie die Beechcraft 99, verfügte jedoch im Gegensatz dazu über eine Druckkabine und hatte in der Version als Zubringerflugzeug Sitzplätze für 15 Passagiere.Pelletier 1995, S. 150. Sie war durch die Federal Aviation Administration für Anflüge nach Kategorie II zugelassen. Das Höchstabfluggewicht stieg auf 4808 kg (100) über 5216 kg (A100) auf 5352 kg (B200).

Die ersten Auslieferungen der King Air 100 erfolgten im August 1969; es wurden 89 Exemplare gebaut.

Mit der King Air A100 wurde ihr Erstflug 20. März 1970 durchgeführt; sie löste die Vorgängerversion im Jahr 1971 ab. Bis 1979 wurden 162 Stück gebaut.

Die King Air B100 flog erstmals am 20. März 1975 und wurde ab 1976 ausgeliefert. Sie wurde als einzige der gesamten Baureihe mit Garrett-Triebwerken anstelle der Triebwerke von Pratt & Whitney gebaut, was der einzige Unterschied zur A100 war.John W.R. Taylor: Jane’s All The World’s Aircraft, 1980–81. Jane’s Publishing, London 1980, ISBN 0 7106-0705-9, Seite 275. Bis 1983 wurden 137 Stück produziert, womit die Produktion der insgesamt 388 King Air 100 endete.

Militärische Versionen Die United States Army kaufte 5 King Air A100 und bezeichnete sie als U-21F. Alle wurden 1971 ausgeliefert und vom Military District Washington betrieben.Pelletier 1995, S. 151. Eine in 3 Exemplaren für die USA als King Air A100-1 gebaute Version war eigentlich eine King Air 200 und wurde als RU-2J bezeichnet und später in C-12L umbenannt.Simpson 2005, S. 52. Militärische Betreiber im Ausland beinhalteten Argentinien, Chile, Indonesien, Jamaica, Marokko und Spanien.Pelletier 1995, S. 151.

200er-Serie mini|Beechcraft King Air B200 mini|King Air 200

Am 27. Oktober 1972 wurde dann die deutlich größere und auch leistungsstärkere Version King Air 200 eingeführt, die 1984 durch die in Details verbesserte Version B200 (Triebwerk PT6A-42) abgelöst wurde. Diese Maschinen wurden bis 1996 zusammen mit der B300 auch als Super King Air bezeichnet. Der Zusatz Super wurde danach aber wieder gestrichen.

In den Jahren 1989 und 1990 wurden insgesamt 14 Stück B200 in einer 13-sitzigen High-Density-Konfiguration mit einem belly Cargo Pod hergestellt. Diese wurden von Beechcraft als Zubringerflugzeug unter der Bezeichnung Modell 1300 vermarktet.Beech 1300 Lucky Thirteen aeroressourcesinc.com, englisch; PDF; abgerufen am 10. April 2023

Ende 2007 erhielt die verbesserte Version King Air B200GT (neues und stärkeres Triebwerk PT6A-52, Preis 5,3 Millionen US-Dollar) ihre Zulassung durch die FAA.

Im Herbst 2010 stellte der Hersteller auf der NBAA den Nachfolger King Air 250 (ebenfalls Triebwerk PT6A-52) vor: Sie ist besonders für große Höhenlagen und hohe Temperaturen (Hot & High) optimiert. Zu den technischen Neuerungen der King Air 250 gehören Winglets, Komposit-Propeller und ein Ram Air Recovery System von Raisbeck (für die Verbesserung von Startstrecke, Steigleistung und maximaler Geschwindigkeit). Bis 2020 waren die King Air B200GT und 250 in Produktion.

Am 2. Dezember 2020 wurde die King Air 260 vorgestellt. Diese Version ist mit einem neuen Wetter-Radar-System und einer neuen automatischen Schubkontrolle ausgestattet. Bis zu neun Passagiere können transportiert werden.King Air 260 Textron Aviation, (englisch), abgerufen am 3. Dezember 2020.

Militärische und Special Mission Versionen Auf der King Air 200 basieren etliche Militärversionen mit der Grundbezeichnung C-12 Huron, die durch die verschiedenen US-Teilstreitkräfte beschafft wurden. Bei den kanadischen Streitkräften wurden zwei gemietete Maschinen unter der Bezeichnung CT-145 eingesetzt.

Von der Super King Air wurden auch die Seeaufklärer-Varianten Model 200T (23 Maschinen) und Model B200T (8 Maschinen) produziert. Zwei Exemplare der 200T übernahm 1977 das französische Institut Géographique National und setzte sie als Vermessungsflugzeuge ein.A. J. Pelletier: Beech Aircraft and their Predecessors, Putnam Aeronautical, 1995, S. 155–157, 202

Die T-54A "Marlin II" ist eine Variante der King Air 260 zur Schulung von zukünftigen Besatzungen für mehrmotorige Einsatztypen der United States Navy, deren Auslieferung 2024 begann. Insgesamt sind 64 Exemplare bestellt.Die US Navy hat ihren ersten beiden King Air 260 übernommen. AeroBuzz, 23. April 2024

300er-Serie Eine gegenüber der King Air 200 leistungsgesteigerte Variante, die King Air 300, machte ihren Erstflug am 3. September 1983 und wurde 1988 von der bis heute größten und leistungsstärksten Version der King Air Familie, der King Air 350 (PT6A-60A Turbine), abgelöst.

mini|B300 King Air 350 Ende 2007 wurde die verbesserte Version King Air 350ER (Reichweite auf 4760 km gesteigert) eingeführt. Anfang 2010 folgte die Zulassung der King Air 350i durch die EASA und FAA. Die King Air 350i unterscheidet sich von der Basisversion durch eine verbesserte Kabinenausstattung (Multimedia-, Erfrischungs- und flexible Sitzoptionen).

Im August 2020 wurden die King Air 360King Air 360 Textron Aviation, (englisch), abgerufen am 3. Dezember 2020. und King Air 360ERKing Air 360er Textron Aviation, (englisch), abgerufen am 3. Dezember 2020. vorgestellt. Neuerungen sind das Autothrottle-System Automatische Steuerung der Triebwerksleistung von der Startphase über die Steig-, Reise- und Sinkflugphase bis hin zur Umkehrphase des Fluges und ein digitaler Druckregler, der den Kabinendruck regelt. Die erste Maschine wurde im November 2020 ausgeliefert.

Militärische Versionen mini|MC-12 Liberty

Auch die größere King Air 350 wird von den Streitkräften der USA genutzt. Zu nennen sind hier die C-12S und UC-12W, Verbindungsflugzeuge der US Army bzw. US Navy, sowie die MC-12W, ein Aufklärungsflugzeug, das auch intensiv in Afghanistan eingesetzt wurde.

Am 10. Juni 2009 hatte die Militärversion MC-12W "Liberty" der King Air 350 ihren ersten Einsatz im Irak. Bei der Maschine handelt es sich um ein bemanntes Überwachungsflugzeug mit SIGINT-Elektronik, einem Wescam-MX-15 Sensorbehälter unter dem Rumpf und zwei Bedienkonsolen in der Kabine. Es wurden 37 Stück für die US-Streitkräfte angeschafftFlug Revue August 2009, S. 16, MC-12W fliegt im Irak, die bis 2025 in Dienst standen.Last Special Operations MC-12W Surveillance Planes Retired. The War Zone, 15. September 2025

Technische Weiterentwicklung alternativtext=Collins-Pro-Line-Fusion-Avionik (King Air 360)|mini|Collins-Pro-Line-Fusion-Avionik (King Air 360)

Die US-amerikanische Federal Aviation Administration hat 2016, die europäische EASA 2018 mit dem Rockwell Collins Pro Line Fusion ein neues Glascockpit mit drei Bildschirmen für bisher mit dem Pro Line 21 ausgerüsteten Maschinen für B200 und B33 zugelassen, wodurch sich mehr Informationen deutlicher im Cockpit darstellen lassen als bisher.

mini|RC-12P

Militärische Nutzer

Aufklärungs- und Spionageflugzeug für die deutschen Spezialkräfte. In: CPM Verlag (Hrsg.): Defence-Network.com, 4. April 2025.

First French light reconnaissance aircraft to be operational in 2021, Janes,20. Oktober 2020

Canadian National Defence orders three King Air 350ERs for special ops recon, Flightglobal, 2. November 2020

(Air Wing)

(Servicio Nacional Aeronaval (Marineflieger)Panama receives King Air 350 aircraft, Janes, 12. Dezember 2018)

Zwischenfälle Am 22. September 1967 verunglückte eine Beechcraft King Air A90 der Hamburger General Air (Luftfahrzeugkennzeichen D-ILNI). Auf einem Flug von Frankfurt nach Nizza fiel die Bordelektronik komplett aus. Die Maschine kollidierte bei Saluzzo (Italien) mit Bergen. Alle sechs Insassen kamen ums Leben, der Pilot sowie die fünf Passagiere, darunter der Großindustrielle Harald Quandt.Unfallbericht King Air A90 D-ILNI, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 3. Juli 2021.