mini|Hexenschlaf (Gemälde von Albert von Keller, 1888) Als Hexenschlaf wurde zu Zeiten der Hexenverfolgungen ein lethargischer Zustand bezeichnet, in den eine als Hexe Angeklagte während der Folterung verfiel und in dem sie zu schlafen und für Schmerzen unempfindlich zu sein schien. Der Begriff erscheint in den Protokollen der Hexenverhöre relativ selten. Bekannt ist er vor allem als Titel eines Gemäldes von Albert von Keller von 1888.

Hexenschlaf im Kontext von Hexenverfolgung und Hexenwesen Man schrieb diesen Zustand der Wirkung des Teufels zu. Der Begriff erscheint in mehreren Protokollen von Hexenverhören, zum Beispiel:

Auch in den Verhörprotokollen der Bader-Ann ist vom Hexenschlaf die Rede. Im Protokoll des 8. Verhörs heißt es, dass sie nach der Folterung durch Aufziehen nach einer Weile ruhig geworden sei, die Augen geschlossen habe und eingeschlafen sei, wobei sie schnarchte. Weil das der durch den höllischen Verführer verhängte Hexenschlaf gewesen sei, hätte man sie dann mittels Beräucherung mit Weihrauch und schwarzem Kümmel, durch angezündeten, unter die Nase gehaltenen Schwefel und starke Erschütterung des Seiles [an dem sie aufgehängt war] wecken müssen.Sebastian Locher: Die Baderann von Veringenstadt. Mittheilungen aus einem Hexenprozesse vom Jahre 1680. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde in Hohenzollern Bd. 10 (1876/77), S. 23 (Digitalisat).

Eine ganz andere Bedeutung gibt Maximilian Perty 1861 dem Wort „Hexenschlaf“, nämlich in Zusammenhang mit den Hexen nachgesagten Praktiken, insbesondere dem Gebrauch der sogenannten Hexensalbe. Demnach ist der Hexenschlaf ein ekstatischer Zustand, in den sich die Hexen versetzten

Gemälde von Albert von Keller mini|Abbildung des Keller-Gemäldes in Die Gartenlaube mit Retusche Hexenschlaf ist der TitelDas betreffende Gemälde ist auch unter dem Titel Hexenverbrennung bekannt. und das Sujet eines Gemäldes von Albert von Keller von 1888. Es zeigt eine jugendliche Hexe an einen Pfahl auf dem Scheiterhaufen gefesselt mit geschlossenen Augen und beseligtem Lächeln. Das Werk wurde von Zeitgenossen allerdings wegen der mangelnden historischen Treue kritisiert. Es wurde darauf hingewiesen, dass jugendliche Hexen eine sehr seltene Ausnahme waren und auch nicht mit entblößtem Busen verbrannt worden seien, sondern zum Beispiel im 15. Jahrhundert graue Kleidung mit gelben Kreuzen getragen hätten.Albert von Schrenck-Notzing: Grundfragen der Parapsychologie. Severus Verlag, 2013, ISBN 978-3-86347-445-4, . Vgl. Carl Kiesewetter: Der Hexenschlaf. In: Sphinx, Jg. 8, Nr. 48 (1889), S. 325.

Diese Kritik ging möglicherweise an der Absicht des Künstlers vorbei, insofern es Keller nicht in erster Linie um historische Genauigkeit, sondern um die Darstellung eines spezifischen Trancezustandes ging. Nach Aussage von Albert von Schrenck-Notzing, der sich wie Keller sehr für Okkultismus, Parapsychologie und Hypnose interessierte, wurde als Vorlage für dieses wie auch einige andere Bilder Kellers ein Modell namens Lina Matzinger im Münchner Atelier Kellers hypnotisiert und von der Hypnotisierten wurden lang belichtete fotografische Ausdrucksstudien erstellt. Schrenck-Notzing schreibt:

Das eben fertiggestellte Gemälde wurde auf der III. Internationalen Kunstausstellung im Münchener Glaspalast gezeigt. Im Ausstellungskatalog war zu lesen:

Im folgenden Jahr 1889 erschien in der Zeitschrift Die Gartenlaube ein Artikel zum Thema ‚Hexenschlaf‘ mit einer Abbildung des Kellerschen Gemäldes. Mit Rücksicht auf das Publikum der Zeitschrift wurde allerdings der auf dem Gemälde entblößte Busen durch eine Retusche züchtig bedeckt.

Die von der Münchener Psychologischen Gesellschaft herausgegebene Zeitschrift Sphinx, die sich der Erforschung okkulter und parapsychologischer Phänomene widmete, veröffentlichte im gleichen Jahr unter Bezugnahme auf den Gartenlaube-Artikel einen Beitrag von Carl Kiesewetter, in dem dieser den Hexenschlaf als eine mit Unempfindlichkeit gepaarte Ekstase deutete und dies mit historischen Beispielen unterfütterte.Carl Kiesewetter: Der Hexenschlaf. In: Sphinx, Jg. 8, Nr. 48.

Kellers Gemälde war für das von Adolf Hitler geplante Führermuseum in Linz vorgesehen. Im Mai 1947 wurde das Gemälde aus dem Zwischendepot Schloss Thürnthal von der Roten Armee abtransportiert und gilt als verloren.Datenblatt Hexenschlaf, Deutsches Historisches Museum, abgerufen am 1. Mai 2023. Einige kleinere Fassungen und Studien sind jedoch erhalten.

Literatur Gian Casper Bott: Albert von Keller : Salons, Séancen, Secession. Hirmer, München 2009, ISBN 978-3-7774-9015-1. Carl Kiesewetter: Der Hexenschlaf. Eine kulturgeschichtliche Skizze zu dem beigegebenen Bilde des Professors Albert Keller. In: Sphinx, Jg. 8, Nr. 48 (Dezember 1889), S. 321–329 (Digitalisat)

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Hexenverfolgung Kategorie:Gemälde (19. Jahrhundert) Kategorie:Frauendarstellung (Gemälde)