Die Leon-Trionfante-Klasse war ein Klasse von dreizehn Linienschiffen der Marine der Republik Venedig, die im 18. Jahrhundert in Dienst stand.

Geschichte Die venezianische Marine hatte Ende 1667 mit der Giove Fulminate (70 Kanonen) ihr erstes Linienschiff in Dienst gestellt. Bis zum Ausbruch des achten Osmanisch-Venezianischen Krieges im Dezember 1714 wurden weitere 45 Schiffe dieser Art in Dienst gestellt.

Die Marine hatte, ähnlich wie das englische Establishment-System, die Größe, Eigenschaften und Kampfkraft ihrer Schiffe in einzelnen Größenklassen standardisiert, um nach Möglichkeit einheitliche Flottenverbände zu erhalten. Dies waren die Navi di Primo Rango (1. Rang, 70 Kanonen), Navi di Secondo Rango (2. Rang, 56–60 Kanonen) und die Navi di Terzo Rango (3. Rang, 50–54 Kanonen). In Folge entwickelte die venezianische Marine ein System von "Typschiffen". Bei welchem sich die Schiffbauer im Arsenal von Venedig an bewährten Vorlagen orientierten und nur geringe Veränderungen zum Typschiff vornahmen. Führten diese Änderungen bei einem Schiff aber zu einer Verbesserung innerhalb des Typs, konnte dieses Schiff zum neuen "Typschiff" werden.

Im Verlauf des Krieges von 1714 bis 1718 wurden für die venezianische Marine 23 neue Linienschiffe in Dienst gestellt, darunter das von Francesco d’Angelo de Ponti entworfene 70-Kanonen-Linienschiff Leon Trionfante. Dieses hatte sich während einiger Gefechte bewährt und daher wurde 1719 entschieden es zum neuen Typschiff zu machen. Da aber nach dem Krieg Finanzmittel nicht überreichlich vorhanden waren, wurde entschieden die Linien der Leon Trionfante auf vier bereits im Arsenal liegende Rümpfe – welche aber 4 Fuß (Kiellänge) kürzer waren – anzuwenden. Des Weiteren wurden vier neue Schiffe dieser verkürzten Version geordert. Diesem folgte 1732 (4) und 1739 (2) eine Order für weitere sechs Schiffe, diesmal komplett der Leon Trionfante entsprechend.

Auf Grund des geringen Bedarfs an neuen Linienschiffen und der Baubedingungen des Arsenal von Venedig – die Schiffe wurden in Hallen gebaut und waren daher vor Witterungseinflüssen geschützt – sind Liegezeiten der unfertigen Rümpfe von bis zu 50 Jahren nichts Außergewöhnliches.

Einheiten Name Bauwerft(Baunummer) Kiellegung Stapellauf Indienststellung Verbleib Typschiff Leon Trionfante Arsenal von Venedig(Bau-Nr. 58) 1714 16. Mai 1716 Am 21. Mai 1740 Beschluss zum Abbruch Adria-in-Pace-Gruppe(Kurze Version) Adria in Pace Arsenal von Venedig(Bau-Nr. 71) 1716 3. August 1739 Am 9. Oktober 1753 gestrandet und verloren gegangen Europa Arsenal von Venedig(Bau-Nr. 72) 1716 23. Oktober 1739 Am 29. Dezember 1763 Beschluss zum Abbruch San Ignazio Arsenal von Venedig(Bau-Nr. 74) 1745 24. Juli 1745 Am 12. März 1763 im Sturm bei der Insel Pellestrina gesunken San Iseppo Arsenal von Venedig(Bau-Nr. 75) 1718 1746 4. Juni 1746 Am 5. Oktober 1764 Beschluss zum Abbruch Order 1719(Kurze Version) San Giacomo Arsenal von Venedig(Bau-Nr. 85) 19. Juli 1719 26. März 1761 29. April 1761 Am 26. September 1776 Beschluss zum Abbruch Buon Consiglio Arsenal von Venedig(Bau-Nr. 86) 15. Januar 1720 26. März 1761 29. Mai 1761 Am 26. Februar 1776 Beschluss zum Abbruch Fedeltà Arsenal von Venedig(Bau-Nr. 87) 14. Januar 1720 22. Februar 1770 14. April 1770 Am 24. November 1783 Beschluss zum Abbruch,anschließende Nutzung als Ponton Corriere Veneta Arsenal von Venedig(Bau-Nr. 88) 26. April 1722 24. Februar 1770 26. April 1770 Am 19. Dezember 1771 im Sturm bei Kap Matapan (Peloponnes) gesunken Order 1732 Forza Arsenal von Venedig(Bau-Nr. 91) 24. Dezember 1772 10. Mai 1774 Am 19. November 1784 im Sturm vor Trapani (Sizilien) gesunken Diligenza Arsenal von Venedig(Bau-Nr. 92) 21. Dezember 1772 10. Mai 1774 Am 10. Mai 1790 Beschluss zum Abbruch, 1797 als Spantengerippe noch vorhanden Stapelnummer 14 Arsenal von Venedig 1732 – – Am 16. Mai 1797 auf Stapel durch die Franzosen erbeutet;Rumpf an Österreich übergeben, Nutzung als Ponton Stapelnummer 15 Arsenal von Venedig 1736 – – Am 16. Mai 1797 auf Stapel durch die Franzosen erbeutet;Rumpf an Österreich übergeben, Nutzung als Ponton Order 1739 Vittoria Arsenal von Venedig(Bau-Nr. 99) 2. Oktober 1742 16. Dezember 1784 27. Februar 1785 Anfang 1797 verkauft, das im Giudecca Kanal liegende Schiff wurde im Mai 1797bei Besetzung von Venedig durch die Franzosen durch diese verbrannt Eolo Arsenal von Venedig(Bau-Nr. 100) 4. Februar 1745 23. Dezember 1784 9. März 1785 Anfang 1797 Reserveschiff, am 20. Mai 1797 durch die Franzosen übernommen,als Éole in Dienst, später Robert und 1798 Ausrüstung mit franz. Waffen,ab Oktober 1801 Nutzung als Hulk in Toulon, dort 1817 gesunken und im Folgejahr abgebrochen

Technische Beschreibung Die Klasse war als Batterieschiff mit zwei durchgehenden Geschützdecks konzipiert und hatte eine Länge von 138 Fuß [47,99 Metern] (Geschützdeck) bzw. 126 Fuß [43,81 Metern] (Kiel), eine Breite von 37 Fuß [12,87 Metern] und einen Tiefgang von 17,4 Fuß [6,05 Metern].Bei der Berechnung der Länge kann es zu unterschieden kommen. Da in der damaligen Zeit ein Fuß, je nach Land, unterschiedliche Längenwerte hatte. Der venezianische Fuß (Piede veneto) hatte z. B. eine Länge von 34,7735 Zentimeter während der französische Fuß (pied de roi) eine Länge von rund 32,48 Zentimeter hatte. Sie war ein Rahsegler mit drei Masten (Fockmast, Großmast und Kreuzmast). Der Rumpf schloss im Heckbereich mit einem Heckspiegel, in den Galerien integriert waren, die in die seitlich angebrachten Seitengalerien mündeten. An der obersten Position des Heckspiegels befanden sich traditionell bis zu drei Hecklaternen. Die Beplankung des Schiffes war kraweel ausgeführt, das heißt, die Kanten der Planken stießen stumpf aufeinander, sodass eine glatte Außenfläche entstand.

Die Bewaffnung der Klasse bestand aus 70 Kanonen. UnteresBatteriedeck OberesBatteriedeck Backdeck Achterdeck Kanonen Design 28 × venez. 40-Pfünder 28 × venez. 30-Pfünder – 14 × venez. 14-Pfünder 70 KanonenDie verwendeten Kanonen und ihre französische Entsprechung:venezianischer 40-Pfünder ≈ französischer 24-Pfünder,venezianischer 30-Pfünder ≈ französischer 18-Pfünder,venezianischer 14-Pfünder ≈ französischer 8-Pfünder 1798(Robert) 22 × franz. 18-Pfünder 26 × franz. 12-Pfünder – 12 × franz. 6-Pfünder 60 Kanonen

Bemerkungen

Siehe auch Rangeinteilung der Kriegsschiffe Bourbon – französisches 74-Kanonen-Linienschiff (1721–1741) Slawa-Rossii-Klasse – russische Klasse von 66-Kanonen-Linienschiffen (1733–1791) Norske Løve – dänisch-norwegisches 70-Kanonen-Linienschiff (1735–1764) Burford-Klasse – britische Klasse von 68-Kanonen-Linienschiffen (1757–1785)

Literatur

Weblinks Leon-Trionfante-Klasse auf threedecks.org (englisch)

Einzelnachweise Karl Klaus Körner: Das Erbe der Serenissima., S. 12–15. Karl Klaus Körner: Das Erbe der Serenissima., S. 17. Karl Klaus Körner: Das Erbe der Serenissima., S. 18.

Kategorie:Militärschiffsklasse (Italien) Kategorie:Linienschiffklasse