Der Giro d’Italia hat in seiner über 100-jährigen Geschichte 20 Länder außerhalb Italiens besucht. Die Auslandsetappen des Giro d’Italia sind unten aufgeführt. Die Liste ist auf dem aktuellen Stand nach dem Giro 2026.

Hintergründe

mini|Route des Giro 2010 mit Start in den Niederlanden. Auf der vorletzten Etappe wurde das schweizerische Puschlav durchfahren.

Vor dem Zweiten Weltkrieg überschritt der Giro d’Italia nur selten die Grenzen zum Ausland. Ausnahmen waren das grenznahe französische Roya-Tal (1910 und 1911), San Marino (1932) und der schweizerische Kanton Tessin, der mehrmals durchquert wurde. Locarno war 1938 Haltepunkt zwischen zwei Halbetappen. Wiederholt wurden Gebiete besucht, die nach 1945 an Jugoslawien verlorengingen und heute zu Slowenien und Kroatien gehören.

In der Nachkriegszeit wurden Auslandsbesuche zum Regelfall, wenngleich nicht mit derselben Häufigkeit wie bei der Tour de France. Einen Sonderfall bildete Triest, das nach 1945 zunächst getrennt verwaltet wurde und zeitweilig ein so genanntes Freies Territorium bildete. 1946 setzte der Giro eine Etappe nach Triest ins Programm, die an der Grenze aufgrund gewaltsamer Proteste pro-jugoslawischer Demonstranten gestoppt wurde. Einige Fahrer setzten die Etappe in Eigeninitiative fort.O’Brien, S. 73 1951 konnte eine reguläre Etappe nach Triest stattfinden.

1961, zum 100-jährigen Bestehen Italiens, waren Besuche aller vier alpinen Nachbarländer geplant.La Stampa, Ausgabe vom 23. April 1961, Seite 11 (Digitalisat) Aus verschiedenen Gründen durchquerte der Giro jedoch letztlich nur Frankreich. 1973 entfernte sich der Giro mit einem Start im belgischen Verviers erstmals von Italien und seinen Nachbarländern. Die auch als Giro d’Europa titulierte Ausgabe besuchte neben Belgien auch die Niederlande, Deutschland, Luxemburg, Frankreich und die Schweiz,L’Unità, Ausgabe vom 6. März 1973, Seite 10 (Digitalisat) was zur Einführung des Euros beim Giro 2002 in ähnlicher Form wiederholt wurde. Seit 1996 wurden weit entfernte Starts alle paar Jahre zum Regelfall, wobei der Giro im Gegensatz zur Tour de France auch weniger traditionelle Radsportländer wie Griechenland (1996), Israel (2018), Ungarn (2022), Albanien (2025) oder Bulgarien (2026) aufsuchte.

Statistiken

Bis einschließlich der Austragung 2026 hat der Giro 20 Länder außerhalb Italiens besucht und damit mehr als die Tour de France. Am häufigsten waren die Schweiz und San Marino Gastgeber des Giro, jeweils über 25 Mal. Der Auftakt des Giro fand bislang 16 Mal im Ausland statt, und zwar in 13 verschiedenen Ländern; mehrfach berücksichtigt wurden lediglich die Niederlande (dreimal) und Belgien (zweimal). Die meisten Länder bei einem Giro (sechs außer Italien) wurden 1973 besucht; der Giro d’Europa durchquerte die ursprünglichen EG-Partnerländer Italiens sowie die Schweiz.

Von bisher 109 Austragungen des Giro fanden 67 mit Auslandsbeteiligung statt. Dabei lassen sich drei Phasen unterscheiden: Vor 1945 wurden bei 28 Austragungen nur 7 Mal die damaligen Grenzen Italiens überschritten. Von 1946 bis 2000 gab es bei 55 Austragungen 38 mit Auslandsbeteiligung. Seit 2001 gab es 26 Austragungen, von denen sich nur eine (2003) von vornherein auf Italien beschränkte. Bei drei weiteren (2005, 2020, 2024) mussten Auslandsbesuche kurzfristig gestrichen werden.

Insgesamt gab es bei allen bisherigen Ausgaben 2137 Etappen, inklusive Prologen und Halbetappen. Von diesen verliefen 49 Etappen ganz und 118 Etappen teilweise im Ausland (ohne Freies Territorium Triest).

Die Etappen mit den häufigsten Grenzüberquerungen waren die 11. Etappe von 2001 (neunmal) und die 15. Etappe 2021 (achtmal), die beide in der zwischen Italien und Slowenien geteilten Stadt Gorizia bzw. Nova Gorica endeten und mehrfach zwischen den Stadtteilen wechselten. Drei verschiedene Länder in derselben Etappe gab es mehrfach, davon zweimal (1973, 2002) ohne italienische Beteiligung.

Häufigster Etappenort im Ausland war bei weitem San Marino (13 Mal). Bei vier verschiedenen Giros waren Briançon und Lienz Etappenort. Neben San Marino ist das Tessin, davon insbesondere das Sottoceneri, die am häufigsten durchquerte ausländische Region.

Liste der Auslandsetappen

Die untenstehende Liste führt diejenigen Giro-Etappen auf, die sich ganz oder teilweise außerhalb Italien abspielten. Sie ist nach Ländern gegliedert; Etappen, an denen mehrere Länder außerhalb Italiens beteiligt waren, sind daher mehrfach aufgeführt.

Auf eine detaillierte Darstellung des Etappenverlaufs wurde verzichtet, dieser ist besser in den Artikeln zu den einzelnen Giro-Ausgaben bzw. -Etappen bzw. in den einschlägigen Quellen ersichtlich. Die Spalte Bemerkungen enthält insbesondere folgende Angaben: Spezielle Austragungsformen: Prolog, Einzelzeitfahren oder Mannschaftszeitfahren So eine Etappe den Auftakt zum Giro bildete, ist dies mit Grande Partenza vermerkt. Bei identischem Start- und Zielort ist angegeben, ob und wie weit die Etappe über diesen Ort hinaus ging. Bei mehrfachen Grenzüberschreitungen sind die markantesten Orte in den durchquerten Ländern angegeben.

Im Abschnitt über ein gegebenes Land A kennzeichnet die Hintergrundfarbe einer Zeile folgende Eigenschaften:

Etappenziel in Land A nach Start in einem anderen Land. Etappenstart in Land A, Ziel in einem anderen Land. Die gesamte Etappe war in Land A. Start und Ziel, aber nicht die gesamte Etappe waren in Land A. Teile der Etappe, aber weder Start noch Ziel waren in Land A.

Albanien

2025 fand der Start des Giro in Albanien statt. Die Durchführung der drei Etappen stand zwischenzeitlich in Frage, nachdem die Präsentation des Giro-Parcours im Herbst 2024 kurzfristig abgesagt worden war, was Beobachter auf Meinungsverschiedenheiten bezüglich der italienisch-albanischen Flüchtlingspolitik sowie die Berichterstattung der RCS MediaGroup über dieselbe zurückführten.

Jahr Etappe Start Ziel Bemerkung 2025 1 Grande Partenza 2 Einzelzeitfahren vor Ort 3 über Llogara-Pass

Belgien

mini|Die 3. Etappe 2006 in Namur

Belgien veranstaltete 1973 und 2006 den Start des Giros. Außerdem wurde das Land 2002 durchquert. Die Giros von 1973 und 2002 besuchten die sechs ursprünglichen EG-Partnerländer. Die Giro-Auftakt 2006 war hingegen auf Belgien konzentriert, mit vier statt der sonst üblichen drei Etappen bei solchen Anlässen. Alle bisherigen Etappen fanden im wallonischen Landesteil statt. Das Ende der 2. Etappe 2002 war identisch mit dem damaligen Finale von Lüttich–Bastogne–Lüttich.

Jahr Etappe Start Ziel Bemerkung 1973 P Grande Partenza, Prolog als Paarzeitfahren 1 über 2002 2 3 2006 1 Grande Partenza, Einzelzeitfahren vor Ort 2 3 4

Bulgarien

mini|Das Peloton beim Sprint in den Straßen von Sofia

2026 begann der Giro an der Schwarzmeerküste in Nessebar und führte von dort nach Sofia. Nach einem Ruhetag mit Transfer ging das Rennen in Süditalien weiter. Dies war nach dem Start in Albanien 2025 der zweite Giro-Auftakt in Folge in einem nicht an Italien grenzenden Land, was nach den Regeln des Weltverbands UCI nur alle vier Jahre vorgesehen ist.Artikel 2.6.007 der UCI-Regeln Die Giro-Organisatoren erhielten eine Ausnahmegenehmigung, was zum Streit mit den teilnehmenden Mannschaften um die Kostenübernahme führte.

Jahr Etappe Start Ziel Bemerkung 2026 1 Grande Partenza 2 3

Dänemark

mini|Passage in Holstebro auf der 2. Etappe 2012 2012 war Dänemark Ausgangspunkt des Giro. Die drei Etappen wurden in der Region Midtjylland ausgefahren, nach einem Pausentag wurde der Giro in Verona fortgesetzt.

Jahr Etappe Start Ziel Bemerkung 2012 1 Grande Partenza, Einzelzeitfahren vor Ort 2 Etappe über Ringkøbing, Lemvig und zurück 3 zwei Schleifen im Norden und Süden der Stadt

Deutschland

Deutschland war bislang mit je zwei Etappenstarts und -ankünften im Giro vertreten, als das Rennen in Belgien oder den Niederlanden gestartet wurde. Zuletzt machte der Giro 2016 auf der 2. Etappe einen winzigen Abstecher auf deutsches Gebiet beim Ort Wyler.

Jahr Etappe Start Ziel Bemerkung 1973 1 über 2 2002 1 2 4 über 2016 2 über

Frankreich

mini|Ein Bildnis von Fausto Coppi in der Casse Déserte erinnert unter anderem an seine Leistung beim Giro 1949.

Frankreich war das erste Land außerhalb Italiens, das vom Giro durchquert wurde, und zwar bereits 1910, in der zweiten Ausgabe. Dieser Abstecher galt dem Dorf Tenda auf der Südseite des Colle di Tenda, das seinerzeit zu Italien gehörte, während die weiter talwärts gelegenen Orte Saorge und Breil-sur-Roya französisch waren. Der Routenverlauf wiederholte sich 1911. Unter dem Namen Tende gehört der Ort seit 1947 zu Frankreich.

Die nächste Etappe durch Frankreich fand erst 1949 statt und ging in die Legende des Giro ein: Fausto Coppi setzte sich auf dem ersten von fünf Pässen vom Feld ab und erreichte Pinerolo mit 12 Minuten Vorsprung auf Gino Bartali und 20 Minuten Vorsprung auf alle anderen Fahrer.O’Brien, S. 76f Die Etappe wurde 1964 wiederholt, zu Ehren des zuvor verstorbenen Coppis, und nochmals 1982. Eine erneute Wiederholung 2009 musste wegen Lawinengefahr abgesagt werden, stattdessen wurde eine Etappe auf italienischem Boden angesetzt.

Beim Giro 1959 drehte der Luxemburger Charly Gaul das Blatt auf der vorletzten, fast 300 Kilometer langen Etappe über den Großen St. Bernhard, Col de la Forclaz und den Kleinen St. Bernhard noch zu seinen Gunsten und errang den Gesamtsieg.

Die Giro-Etappen nach Frankreich beschränkten sich bislang auf die Westalpen, ausgenommen die „Europa-Giros“ 1973 und 2002, die mit Straßburg den Sitz des Europäischen Parlaments aufsuchten. Wiederholt sorgten Wetterkapriolen für kurzfristige Änderungen an der Strecke. Neben der schon erwähnten Absage 2009 konnte die 19. Etappe 1995 nicht wie vorgesehen nach Briançon fahren, sondern musste wegen Sperrung des Col Agnel in Chianale enden. Die 20. Etappe wurde aber wie vorgesehen in Briançon gestartet. Die 15. Etappe 2013 sollte auf dem Col du Galibier enden, wurde aber wegen Schnee um wenige Kilometer verkürzt und endete am Pantani-Denkmal. 2020 spielte hingegen die Corona-Pandemie eine Rolle, als die französischen Behörden kurzfristig die geplante Etappe über Agnel, Izoard und Montgenèvre untersagten.

Von den Grenzpässen zwischen beiden Ländern wurde, wie auch bei der Tour de France, am häufigsten der Col de Montgenèvre (sechsmal) überquert. Noch häufiger (siebenmal) stand der innerfranzösische Col d’Izoard auf dem Programm. Der Col de Larche wurde viermal vom Giro befahren, aber noch nie von der Tour de France. Die Fahrt durch den Mont-Blanc-Tunnel beim Giro 1973 war ein Unikum in der Geschichte beider Rundfahrten.

Jahr Etappe Start Ziel Bemerkung 1910 9 über La Stampa, Ausgabe vom 4. Juni 1910, Seite 4 (Digitalisat) 1911 4 über La Stampa, Ausgabe vom 22. Mai 1911, Seite 5 (Digitalisat) 1949 17 über und Col d’Izoard 1955 2 3 über und 1959 21 über und 1961 2 über 1964 20 über und Col d’Izoard 1966 1 über 1973 3 4 über 1982 21 über und Col d’Izoard 1994 20 21 1995 20 1996 14 15 1998 P Grande Partenza, Prolog 1 über und 2000 19 20 Einzelzeitfahren 2002 4 über 2007 12 2013 15 Etappe aus Witterungsgründen verkürzt 16 2016 19 20

Griechenland

1996 wurde der Giro erstmals nach über 20 Jahren wieder im Ausland gestartet, und zwar zum 100-jährigen Jubiläum der modernen Olympischen Spiele in Athen. Nach drei Etappen und einem Pausentag wurde das Rennen in Apulien fortgesetzt.

Jahr Etappe Start Ziel Bemerkung 1996 1 Grande Partenza, Rundkurs durch die Region Attika 2 3

Irland

Die bisher einzige Etappe in Irland fand im Rahmen des Giro-Starts in Nordirland 2014 statt. Nach einem Pausentag für den Transfer wurde das Rennen im Süden Italiens fortgesetzt.

Jahr Etappe Start Ziel Bemerkung 2014 3

Israel

mini|Einzelzeitfahren in Jerusalem 2018