mini|Eckart Schuster bei Herstellung des Fotos mit Sohn Michael im Bootsscheinwerfer, 1973 Eckart Schuster (* 8. November 1919 in Elmen/Tirol; † 15. September 2006 in Graz) war ein österreichischer Fotograf und Künstler. Seine Fotografiken der 1950er und 1960er Jahre weisen ihn als Pionier der konkreten und generativen Fotografie in Österreich aus.
Leben mini|Eckart Schuster, Langzeitbelichtung Lichtpendel, Luminogramm 1960er Jahre (Generative Fotografie) Eckart Schuster wurde als der erste von fünf Geschwistern in Elmen in Tirol / Österreich geboren. Sein Vater Georg Schuster war Lehrer, seine Mutter Isabella Schuster (geb. Lechleitner) stammte aus einer Bauernfamilie. Eckart Schusters Interesse am Technischen, am Experimentieren und Improvisieren sowie seine Leidenschaft für die Fotografie wurde vom Großvater väterlicherseits, der auch selbst fotografierte, geweckt. Der Großvater war von Beruf Schlosser. Sein Großvater mütterlicherseits führte ihn bereits in seiner Kindheit in die Kunst der Holzschnitzerei und Tischlerei ein, die Eckart Schuster als Teil seiner kreativen Arbeit sein ganzes Leben begleiteten. Da er seine Kindheit und Jugend oftmals am Bauernhof der Familie seiner Mutter verbrachte, ist er in enger Verbindung zur Natur aufgewachsen. Die enge Beziehung zur Natur prägte Schusters fotografische Arbeiten nachhaltig. Seinen Wunsch nach einer eigenen Kamera konnte er erstmals mithilfe der finanziellen Unterstützung seiner Geschwister – ein Jahr vor seiner Matura 1938 an der Bundesoberrealschule in Innsbruck – realisieren. Seine erste Kamera war eine Welta-Weltax-Klappkamera mit dem Doppelformat 4,5 × 6 cm und 6 × 6 cm von der Firma Foto Porst in Nürnberg.Schiffer-Ekhart, Armgard: Eckhart Schuster – Ein Leben für die Fotografie. Landesmuseum Joanneum Jahresbericht 1997, Folge 27, Graz 1998, S. 77. Schuster begann 1939 in München Elektrotechnik zu studieren. Allerdings wurde er 1940 zur Wehrmacht eingezogen. Seine ersten Fotografien stammen aus der Zeit knapp vor dem Krieg und aus den Kriegsjahren – nur ein Teil davon ist erhalten. Schaukal, Barbara: Eckart Schuster. Ein Leben mit der Fotografie. In: Peer, Peter / Christa Steinle: ECKART SCHUSTER (1919-2006) Fotografie zwischen Experiment und Dokument. Neue Galerie Graz, AutorInnen, Archiv Eckart Schuster, 2008, ISBN 3-902241-28-4, 8-17. https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/75TWDKXNLDSXM46KKX4WTB4LEFM6RWYG (Abgerufen am 16. März 2023). Der Kriegsdienst führte Schuster quer durch Europa bis nach Russland und letztendlich in ein englisches Kriegsgefangenenlager in Ägypten. Schließlich kam er 1948 nach Graz, um Architektur zu studieren. Vgl. Schiffer-Ekhart, 1998, S. 86. Hier lernte er seine Frau Elisabeth, geb. Fuhrmann (* 8. November 1929; † 2. November 2018) kennen, die gerade ihr Lehrerinnenabitur absolvierte. Im August 1951 fand die Hochzeit statt. Da Elisabeth in Wettmannstätten in der Südweststeiermark als Lehrerin arbeitete, lebte das Ehepaar ebenfalls dort. Sie hatten drei Kinder: Evelyn (* 1952), Michael (* 1956) und Angelika (* 1959). Der Sohn Michael Schuster ist ein mit der Fotografie sowie anderen Medien und Techniken konzeptionell und experimentell arbeitender sowie international positionierter Künstler. Mit seinem Vater stand Michael bereits im Alter von 5 Jahren in der Dunkelkammer und erlernte von ihm auch schon als Kind den professionellen Umgang mit der Kamera. Eckart Schusters Enkel, der Sohn seiner jüngsten Tochter Angelika, David Auner, ist ebenfalls im Bereich der Kunst tätig. Von seinem Großvater erlernte er von früher Kindheit an die „Kunst des Sehens“, wie er es formulierte.
Beruflicher Werdegang alternativtext=Eckart Schuster, Humanic Werbesport Schwimmbardfüller, 1969–70, solarisiertes Portrait v. Marisa Mell, Doppelbelichtung auf Fotopapier|mini 1954 legte Schuster trotz seiner vielseitigen Tätigkeit als Fotograf die Erste Staatsprüfung an der Architektur in Graz ab; er brach sein Studium aber bald danach ab. Um zum Familienerhalt beizutragen, der durch seine Frau Elisabeth (Lehrerin und später Direktorin an einer Volksschule) unterstützt wurde, arbeitete er zunächst als Fotograf für den Katalogbereich bei der Firma Moden Müller, als freier Mitarbeiter in einem Grazer Fotolabor und übernahm Aufträge für Werbefotos.Vgl. Schiffer-Ekhart, 1998, S. 87; vgl. Haselsteiner, Jasmin: Zur Steirische Fotografie. Von den Anfängen bis in die sechziger Jahre, Forschungsberichte. Kunstgeschichte Steiermark 1/2002, S. 107. 1956 erhielt Schuster Goldmedaillen bei der VII. Internationalen Fotoausstellung in Wien, der VIII. Internationalen Fotoausstellung in Hamburg und bei der Österreichischen Vereinsmeisterschaft in Wien.Künstler/innen-Glossar der Ausstellung "Kunst-Kontroversen. Steirische Positionen 1945–1967 (Eckart Schuster)" https://www.museum-joanneum.at/neue-galerie-graz/sammlung/kuenstlerinnen?char=S&word=496&cHash=15a5ab52a63ec9b2fab220b570ea4ab3 (Abgerufen am 28. März 2023). 1956 wurde er vom Fachvorstand der Kunstgewerbeschule Peter Richard Oberhuber (1906–1985) eingeladen, Fotografie im Fachbereich Gebrauchsgrafik zu unterrichten. Nach einem Jahr musste er diese Tätigkeit abbrechen, da ihm die Meisterprüfung in Fotografie fehlte. Von 1957 bis 1962 arbeitete Schuster aufgrund des Angebots von André Diehl (1900–1987), Intendant der Vereinigten Bühnen Graz, als Theaterfotograf für Oper und Schauspielhaus. „Aus dieser Zeit stammen eine Vielzahl interessanter Arbeiten, die Schuster als einen Meister sowohl der spontanen als auch der tiefgehenden Fotoarbeit ausweisen. Es sind technisch wie formal erstklassige Fotos, unter denen besonders die Aufnahmen der Balletttänzer durch ihre bestechende Art der Wiedergabe der Bewegungsphasen der Tänzer auffallen“, schrieb die Fotografiehistorikerin und Kuratorin Barbara Schaukal in der Kunstzeitschrift Sterz 85/2000.Bildsammlung steirischer Fotografen (Eckart Schuster), Sammlung Kees, https://sammlungkees.kulturserver-graz.at/mappe/05%3Fthema=4.html (Abgerufen am 27. März 2023). Ab 1955 knüpfte Schuster enge Kontakte zur Fotogruppe TVN (1949 gegründet)Mitglieder:innen bei der Fotogruppe TVN waren außerdem: Branko Lenart, Elisabeth Kraus, Erwin Pohl, Max Puntigam, Erwin Schwab, Manfred Willmann, vgl. dazu Club der Amateurfotografen Graz: ‚Klub der Amateurphotographen in Graz, 125 Jahre Clubgeschichte‘. Redaktion: Gerhard Moderitz, CDA, Graz 2015. und ihrem Mentor Erich KeesZu Erich Kees Einfluss auf die Fotografie vgl. Haselsteiner-Scharner 2006, In: Aufischer, Max, Werner Fenz et al. (Hg.) Erich Kees: In mir. In: Camera Austria, Graz, 2006, 1. Aufl., S. 106-116. (128 S.) Der Bildteil dokumentiert die fotografische Arbeit von Erich Kees von 1952 bis 2006. sowie zur „Jungen Gruppe“, die 1953 von Günter Waldorf gegründet wurde und der er als einziger Fotograf angehörte. Nach Kees waren Eckart Schuster und Felix Weber die ersten, die neue Bildauffassungen in Österreich realisierten.Vgl. Haselsteiner-Scharner, 2002, S. 108. Kees schrieb in der Kunstzeitschrift Sterz 85/2000 über Eckart Schuster: „Während wir anderen in der Gruppe (Anm. TVN Fotogruppe) uns noch um ein Profil bemühten, hattest Du schon eines. Deine Arbeiten überzeugten. Sie waren stets aufrichtig, ehrlich, Manifeste Deines Sehens und Erlebens, verbunden mit dem feinen intuitiven Gefühl für eine bildwirksame Visualisierung. Dem Aufdringlichen, Effektvollen, Gewaltsamen bist Du stets aus dem Weg gegangen. Vielmehr stand das Behutsame, Feinnervige im Vordergrund Deines Schaffens“.Bildsammlung steirischer Fotografen (Eckart Schuster), Sammlung Kees, https://sammlungkees.kulturserver-graz.at/kuenstler/05.html (Abgerufen am 27. März 2023). Bald folgten Beteiligungen an Ausstellungen und Fotowettbewerben. 1960 leitete Schuster gemeinsam mit Herbert Rosenberg das Referat für Film und Fotografie des Forums Stadtpark, an dessen Gründung er mitbeteiligt war.Vgl. Portrait, Session Graz, http://www.sezession-graz.at/eckart.schuster/ (Abgerufen am 27. März 2023); Schiffer-Ekhart, 1998. S. 90. Er war dort nicht nur als Referatsleiter und Fotokünstler vertreten, sondern übernahm auch die Dokumentation aller wichtigen Ereignisse.Vgl. Haselsteiner-Scharner, 2002, S. 108. So dokumentierte Schuster das Forum Stadtpark mittels eine Plakataktion von 1959-1960 sowie die dort stattfindenden Jazzkonzerte, die dort neben der avantgardistischen Literatur eine wichtige Rolle spielten.Vgl. Forum Stadtpark, Heimstätte des Jazz, Fotodokumente v. Eckart Schuster, Museum Joanneum, https://www.museum-joanneum.at/kulturgeschichte-online/populaere-musik-in-der-steiermark-1900-2000/1945-1960er#c98389 (Abgerufen am 11. April 2023). Der Künstler und Medientheoretiker Richard Kriesche schrieb über Schuster: „gezeichnet von den außergewöhnlichen erlebnissen als soldat sucht und findet er seine neue zugehörigkeit in der seinerzeitigen avantgarde um das ‚forum stadtpark‘. eckart schuster war der mann der ersten stunde, der günter waldorf – den legendären gründer – auf ein leerstehendes cafe im grazer stadtpark als ausstellungsraum für kunst aufmerksam machte“. Und Kriesche fügte hinzu: „aber was zählt es heute noch, wenn es kollektiv vergessen wurde“.Kriesche, Richard: eckart schuster. In: Peer, Peter / Christa Steinle: ECKART SCHUSTER (1919-2006) Fotografie zwischen Experiment und Dokument. Neue Galerie Graz, AutorInnen, Archiv Eckart Schuster. 2008, ISBN 3-902241-28-4, S. 17. https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/75TWDKXNLDSXM46KKX4WTB4LEFM6RWYG (Abgerufen am 16. März 2023). Weiters beschrieb er die Bedeutung Eckart Schusters folgendermaßen: „mit seinem wirken als künstlerfotograf rund um das forum stadtpark und seiner lehrtätigkeit an der höheren technischen bundeslehranstalt in Graz bereitete eckart schuster den boden für eine veritable steirische fotoszene auf.“Kriesche, 2008, S. 19. 1963 übernahm Schuster eine Stelle als Lehrer an der Höheren Technischen Lehranstalt (davor Ortweinschule) in Graz und arbeitete dort, nachdem er 1964 die Meisterprüfung ablegte, bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1984. Außerdem arbeitete er weiterhin als freier Fotograf u. a. in der Werbung (z. B. für Humanic mit Horst Gerhard Haberl) sowie für die Kleine Zeitung und für Ausstellungskataloge der Neuen Galerie Graz.Schaukal, 2008, S. 10. alt=|mini|Eckart Schuster, Fotogramm mit Seifenwasser zwischen Glasplatten, 1957 alt=|mini|Eckart Schuster, Zweig mit Tautropfen Makrofotografie, 1980er jahre (Konkrete Fotografie)
Werk und Techniken