Löwenberger Land ist eine amtsfreie Gemeinde im Norden des Landes Brandenburg. Sie entstand 1997 durch den Zusammenschluss von zehn Gemeinden und wurde später mehrfach erweitert. Die Gemeinde gehört zum Landkreis Oberhavel. Sitz der Verwaltung ist der Ortsteil Löwenberg.

Geographie Die Gemeinde Löwenberger Land wird naturräumlich eingenommen durch die Granseer Platte im Norden, die Zehdenick-Spandauer Havelniederung im Südosten und die Rüthnicker Heide im Südwesten. Die Gemeindefläche von 244,8 km² umfasst sechs Prozent Siedlungs- und Verkehrsflächen, 58 % landwirtschaftliche Flächen, 33 % Wald, 2 % Wasserflächen und 1 % sonstige Flächen.Flächenerhebung nach Art der tatsächlichen Nutzung im Land Brandenburg 2004. (PDF) Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik Land Brandenburg, Potsdam, 2005. Die größten Seen in der Gemeinde sind der Dreetzsee, der Große Lankesee und der Lindesee.

Die Gemeinde umfasst historische Gebiete des Landes Löwenberg und des Ruppiner Landes. Sie gehört zum Weiteren Pendlerverflechtungsraum der Großstadtregion Berlin. Die Stadt Oranienburg bildet das landesplanerische Mittelzentrum für die Gemeinde.

Das Gemeindegebiet grenzt im Norden an die Gemeinde Sonnenberg und die Städte Gransee und Zehdenick, im Osten die Stadt Liebenwalde, im Süden die Städte Oranienburg und Kremmen sowie im Westen an die Gemeinden Rüthnick, Herzberg (Mark) und Vielitzsee im Landkreis Ostprignitz-Ruppin.

Gemeindegliederung Die Gemeinde gliedert sich in 17 Ortsteile. Innerhalb der Ortsteile sind 21 Wohnplätze ausgewiesen. Ortsteil(Eingemeindung) Einwohner(2020) Vorwahl Wohnplätze HistorischeLandschaft Falkenthal 610 033088 Ausbau FalkenthalExin Uckermark Glambeck 112 033086 – Ruppin Grieben 501 033086 – Ruppin Großmutz 216 033084 – Ruppin Grüneberg 1135 033094 PappelhofSandbergeWeiße VillaZollkrug Löwenberg Gutengermendorf 254 033084 Birkhalde Ruppin Häsen 253 033084 – Ruppin Hoppenrade 165 033084 – Löwenberg Klevesche Häuser 50 033084 – Ruppin Liebenberg 203 033094 HertefeldLuisenhof Löwenberg Linde 213 033094 GrundmühleLindesee Ruppin Löwenberg 1266 033094 Ausbau Mon-Caprice Löwenberg Nassenheide(26. Okt. 2003) 1838 033051 BirkhorstBirkhorstsiedlungMühlensiedlungWaldsiedlung Niederbarnim Neuendorf(31. Dez. 2001) 239 033051 Forsthaus KerkowNeuhofNeuhof-Siedlung Löwenberg Neuhäsen 59 033084 – Ruppin Neulöwenberg 336 033094 – Löwenberg Teschendorf 829 033094 Ausbau WackerbergeBlumenhof Löwenberg

Geschichte

Im Zuge der Ämterbildung im Land Brandenburg schlossen sich 1992 die zehn Gemeinden Glambeck, Grieben, Großmutz (mit Hoppenrade), Grüneberg, Gutengermendorf, Häsen (mit Klevesche Häuser und Neuhäsen), Löwenberg (mit Linde), Neulöwenberg (mit Liebenberg), Falkenthal und Teschendorf zum Amt Löwenberg zusammen.

Am 31. Dezember 1997 wurde das Amt Löwenberg aufgelöst, und die zehn Gemeinden schlossen sich zu einer Großgemeinde zusammen, der neuen Gemeinde Löwenberger Land. 2001 sprachen sich in einem Bürgerentscheid in Neuendorf 73 % der Abstimmenden für eine Eingliederung in die Gemeinde aus. Sie erfolgte am 31. Dezember 2001; zugleich schied Neuendorf aus dem Amt Oranienburg-Land aus. Am 26. Oktober 2003 erfolgte die Eingliederung der Gemeinde Nassenheide, die damit ebenfalls aus dem Amt Oranienburg-Land ausschied. Zuvor hatten sich 60 % der Abstimmenden in Nassenheide in einem Bürgerentscheid für die Eingliederung entschieden.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1997 6 854 2000 6 884 2005 8 425 2010 8 072 2015 8 101 Jahr Einwohner 2020 8 460 2021 8 548 2022 8 490 2023 8 505 2024 8 508 2025 8 482 Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oberhavel (PDF) S. 14–17Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis Zensus 2022Bevölkerungsfortschreibung auf Basis Zensus 2022

Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Löwenberger Land besteht aus 18 Gemeindevertretern und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 71,4 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 AfD 9,8 % 2 25,4 % 5 Freie Wähler Löwenberger Land – – 18,9 % 3 Bürger für das Löwenberger Land 22,0 % 4 16,3 % 3 CDU 23,9 % 4 11,4 % 2 Landwirtschaft Gartenbau Umwelt 5,8 % 1 9,7 % 2 SPD 17,4 % 3 8,1 % 1 Die Linke 8,6 % 2 3,3 % 1 Bündnis 90/Die Grünen – – 3,2 % 1 Einzelbewerber Matthias Brandenburg – – 1,9 % – FDP 1,9 % – 1,0 % – Einzelbewerberin Anouk Brandenburg – – 0,8 % – Landleben muss Zukunft haben 5,8 % 1 – – Familien stärken, Demokratie leben 3,5 % 1 – – NPD 0,9 % – – – Einzelbewerber Thomas Hauptmann 0,5 % – – – Insgesamt 100 % 18 100 % 18

Bürgermeister 1997–2022: Bernd-Christian Schneck (SPD) seit 2022: Pieter Schneider (BVB/Freie Wähler)

Seit dem 16. November 2022 ist Pieter Schneider Bürgermeister der Gemeinde. Er wurde in der Stichwahl am 9. Oktober 2022 mit 50,5 % der gültigen Stimmen und nur 39 Stimmen Vorsprung gegenüber seinen Herausforderer Stephan Richter (BLL) gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 9. Oktober 2022 Seine Amtszeit beträgt acht Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 74

Wappen

Flagge „Die Flagge ist Gelb - Rot (1:1) gestreift und mittig mit dem Gemeindewappen belegt.“

Dienstsiegel Das Dienstsiegel zeigt das Wappen der Gemeinde mit der Umschrift .

Sehenswürdigkeiten und Kultur Bauwerke Schloss Liebenberg mini|Schloss Liebenberg

Das Schloss Liebenberg wurde 1745 erbaut und später durch Theodor Fontane beschrieben. Es umfasst neben dem Herrenhaus das Seehaus am Große-Lankesee, Gutsanlagen und einen Landschaftspark nach Entwürfen von Peter Joseph Lenné. Ein bekannter früherer Hausherr war Philipp zu Eulenburg (1847–1921), der in Liebenberg Kaiser Wilhelm II. zur mehrmaligen Kaiserjagd empfing und später in die Harden-Eulenburg-Affäre verwickelt war. Unter seiner Enkelin Libertas Schulze-Boysen traf sich während des Zweiten Weltkriegs die Widerstandsgruppe Rote Kapelle im Seehaus.

Nach 1945 wurde Liebenberg Mustergut und Erholungsstätte der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Heute beherbergt das von der Stiftung für gesellschaftliches Engagement der Deutschen Kreditbank restaurierte Schloss ein Tagungszentrum. Die Hauskapelle des Schlosses erhielt 1994 den Namen Libertas-Kapelle. Zwei Gedenktafeln erinnern dort an ihre Ermordung 1942.

Schloss Hoppenrade mini|Schloss Hoppenrade Schloss Hoppenrade ist eine der bedeutenden barocken Anlagen in Brandenburg. Es wurde auf den Fundamenten einer Wasserburg errichtet, die vermutlich Hans von Bredow in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts bauen ließ. 1460 kam die Burg in den Besitz der Familie von Bredow. Seit spätestens 1541 war Hoppenrade Rittersitz derer von Bredow und verfügte über eine Kapelle. 1723 wurde der Vorgängerbau abgetragen und anschließend das Herrenhaus als eingeschossige Dreiflügelanlage erbaut. Im rechten Seitenflügel wurde die Dorfkirche untergebracht. 1800 wurde dem Corps de Logis ein zweites Stockwerk aufgesetzt.Eine alte Wasserburg dient als Fundament. In: Berliner Morgenpost, 7. März 1999.

1788 kam Hoppenrade, zusammen mit dem Bredow’schen Schloss Löwenberg, in den Besitz der Familie von Arnstedt, und zwar unter erheblichen Erbstreitigkeiten durch Charlotte von Kraut, verehlichte von Arnstedt. Das Leben und die Skandale der Krautentochter Charlotte von Kraut (1726–1819) behandelt Theodor Fontane in seinem Werk Fünf Schlösser.Erik Lorenz, Robert Rauh: Fontanes Fünf Schlösser. Alte und neue Geschichten aus der Mark Brandenburg. be.bra verlag 2017, S. 13–70. 1861 besuchte Fontane erstmals das Schloss. 2007 wurde auf dem Schloss Fontanes Roman Effi Briest verfilmt.

1860–1872 gehörte das Gut den von Heyden-Linden, danach bis zur Enteignung 1945 den Freiherren von Werthern. In der DDR beherbergte das Schloss den Rat der Gemeinde, Konsum, Jugendclub, Gemeindesaal, die Kneipe und eine Obstannahmestelle. 2012 erwarben es Julian Graf von Hardenberg und seine Frau Donata.

Kirche Löwenberg mini|Kirche Löwenberg

Die Kirche Löwenberg gehört zum Evangelischen Kirchenkreis Oberes Havelland der evangelischen Landeskirche. Sie ist ein frühgotischer Feldsteinbau mit einem eingezogenen Chor und einem Breitturm (Höhe 19,5 m, Grundfläche 86,4 m²) an der Westseite. Die ältesten Teile der Kirche stammen aus dem 13. Jahrhundert. Im Dreißigjährigen Krieg verwüstet, wurde die Kirche erst 1730 wieder ausgebessert und weitgehend umgestaltet. Ein Feuer im Jahr 1808 zerstörte die Kirche vollständig, einschließlich eines Großteils der Kirchenbücher. Die finanzielle Situation Löwenbergs erlaubte vorerst keinen Wiederaufbau, so dass die ausgebrannte Ruine über Jahrzehnte die Dorfmitte prägte. Erst 1832 konnte die Kirche wieder aufgebaut werden. Der Breitturm wurde mit einem Satteldach ausgestattet, die Fenster verkleinert und der Chor mit einer Notdecke versehen. Der mit einer hohen Feldsteinmauer umschlossene Kirchhof, der zuvor 600 Jahre lang als letzte Ruhestätte der Löwenberger gedient hatte, wurde nach dem erfolgten Wiederaufbau geschlossen. 1853 erhielt die Kirche eine neue Orgel, gefertigt von Friedrich Hermann Lütkemüller. Während des Ersten Weltkrieges mussten die Kirchenglocken eingeschmolzen werden. Die letzte Restaurierung erfolgte von 1987 bis 1992.

Weitere Bauwerke und Denkmale mini|Schloss Löwenberg Schloss Löwenberg ist ein einfaches, barockes Herrenhaus, das im 18. Jahrhundert auf den Resten der mittelalterlichen Burg Löwenberg errichtet wurde. In Teschendorf befindet sich die Ruine der mittelalterlichen Burg Schrabsdorf. Die Kirche Falkenthal ist eine Feldsteinkirche mit einem laternenartigen Turmaufsatz. Die Dorfkirche Gutengermendorf entstand in der Mitte des 13. Jahrhunderts aus Feldsteinen. Am Turm sind zwei Schachbrettsteine eingearbeitet. Auf einer Halbinsel im Großen Lankesee in Liebenberg liegt der Burgstall des slawischen Burgwalls Liebenberg. In Hoppenrade finden sich mehrere Hügelgräber. In Grüneberg erinnert ein Denkmal an die Häftlinge des KZ-Außenlagers Grüneberg. Für die Opfer der Todesmärsche im Frühjahr 1945 wurden in mehreren Ortsteilen Denkmale errichtet.

Schutzgebiete In der Gemeinde liegen die Naturschutzgebiete Harenzacken, Häsener Luch, Liebenberger Bruch, Moddersee und Moncapricesee. Sie hat Anteil an den Landschaftsschutzgebieten Liebenberg und Obere Havelniederung. Teile der Gemeinde sind in das Europäische Vogelschutzgebiet Obere Havelniederung einbezogen oder als FFH-Gebiete ausgewiesen (Exin, Liebenberger Bruch, Moncapricesee).

Regelmäßige Veranstaltungen Im Waldstadion Löwenberg finden regelmäßig im September die Löwenspiele statt, ein internationales Sportfest der Leichtathletik. Gastgebender Sportverein ist der Löwenberger SV. An den 22. Löwenspielen 2015 nahmen 600 Sportler aus Norddeutschland, Schweden und Dänemark teil. Die Wettkämpfe erstreckten sich über zwei Tage.

mini|Bahnhof Löwenberg (Mark) im Ortsteil Neulöwenberg mini|Drehfunkfeuer Löwenberg im Ortsteil Hoppenrade

Wirtschaft und Infrastruktur Unternehmen Refresco betreibt hier eine Getränkeabfüllbetrieb.

Verkehr In der Gemeinde kreuzen sich die Bundesstraßen 96 zwischen Gransee und Oranienburg und 167 zwischen Neuruppin und Liebenwalde. Falkenthal wird von der Bundesstraße 109 nach Zehdenick durchquert. Die Ortsteile werden von Bussen der Oberhavel Verkehrsgesellschaft bedient.

Eine Ortsumgehung B96 der Ortsteile Teschendorf und Löwenberg ist planfestgestellt.