Werner Friedrich Theodor Bartz (* 28. April 1895 in Stettin; † 9. September 1967 in Flensburg)Heiratsregister Nr. 85/1936 des Standesamts Berlin-Schöneberg IISterberegister Nr. 1130/1967 des Standesamts Flensburg war ein deutscher Luftwaffenoffizier und -analytiker vor und in der Zeit des Nationalsozialismus.
Karriere Bartz war „ursprünglich“ Feldartillerist, erinnerte sich der Flugzeugträger-Konstrukteur Wilhelm Hadeler.Wilhelm Hadeler: Der Flugzeugträger. Sein Wesen und sein Werden von 1911 bis zur Gegenwart. Lehmann, München 1968, S. 146. Als Leutnant zur See war Bartz in der Seetransportabteilung der Reichsmarine zuständig für Aufklärung.Lawrence Paterson: Eagles Over the Sea. Luftwaffe Maritime Operations 1936–1942. Seaforth, Barnsley 2019, ISBN 978-1-5267-4002-1, Leseprobe online 1927 veröffentlichte er als Oberleutnant a. D. das Heft Deutsche Luftrechtspolitik seit Versailles. Als „besonders kritisch“ gegenüber dem Pariser Luftfahrtabkommen von 1919 bewertete 2014 der Rechtswissenschaftler Marcus Schladebach diese Schrift.Marcus Schladebach: Lufthoheit. Kontinuität und Wandel. Tübingen 2014, ISBN 978-3-16-153442-3, S. 66, Anm. 193
Seit dem 1. Juni 1933 Oberleutnant zur See, oblag Bartz die Redaktion der von der Reichsdruckerei verlegten Marine-Luftflotten-RundschauDas Blatt erschien von 1925/26 bis 1933; Eintrag in der ZDB und eine Sammelstelle allen publizierten technischen und militärischen Materials über ausländische Luftflotten.Gerhard Hümmelchen: Die deutschen Seeflieger 1935–1945. Lehmann, München 1976, ISBN 3-469-00306-8, S. 12. Hadeler hielt ihn für „eine(n) der besten Kenner der Entwicklung der Seeluftstreitkräfte“ und erwähnt eine „Sammlung Bartz“.Wilhelm Hadeler: Der Flugzeugträger. Sein Wesen und sein Werden von 1911 bis zur Gegenwart. Lehmann, München 1968, S. 58, 146. Bartz gehörte der Anti-Douhet-Fraktion an, die im Reichsluftfahrtministerium in der Minderheit war,Ladislas Farago (Hrsg.): The Axis Grand Strategy. Blueprint for the Total War. Farrar and Rinehart, New York, NY 1942. Nachdruck Stackpole Books, Lanham, MD 2017, S. 591, Leseprobe, ISBN 978-0-8117-3761-6. und veröffentlichte eine entsprechende Schrift.Werner Bartz: Einsatz der Luftstreitkräfte (Kritik des Douhetismus). Deutsche Gesellschaft für Wehrpolitik und Wehrwissenschaften, Berlin 1934 (= Abhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Wehrpolitik und Wehrwissenschaften,) Nr. 17 Der italienische General und Luftkriegstheoretiker Giulio Douhet setzte auf die Luftwaffe als kriegsentscheidende Waffengattung.
1934 leitete Bartz als Major die Auslandspressegruppe, Teil der „Presse-Zentrale“ des Reichsluftfahrtministeriums in Berlin-Nikolassee, formal Teil des Generalstabs der Luftwaffe.Heinz Höhne: ptx ruft moskau. Die Geschichte des Spionagerings „Rote Kapelle“. In: Der Spiegel. Heft 25/1968, S. 106, (online). – Norman Ohler, Harro & Libertas, Köln 2019, ISBN 978-3-462-05267-1, S. 103. 1935 wurde Bartz als Fliegerkapitän mit einem Vortrag über Flugzeugmutterschiffe angekündigt.23. Ordentliche Mitgliederversammlung der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt e.V. (WGL), Programm vom 20.–23. Januar 1935, in: Flugsport Heft 1, 1935, S. 14. „Fliegerkapitän“ war eigentlich die Zivilbezeichnung für Luftwaffenoffiziere im militärischen Rang eines Hauptmanns. Vgl. Karl-Heinz Völker: Dokumente und Dokumentarfotos zur Geschichte der deutschen Luftwaffe. Stuttgart 1968, S. 385.
Ein 41-jähriger Offizier Werner Bartz mit Herkunftsangabe Stettin nahm vom 5. bis 8./9. Oktober 1936 an einem Hin- und Rückflug der Hindenburg von Frankfurt am Main nach Lakehurst bei New York mit etwa 54 Passagieren teil.Schilderung der Reise in Collier’s, 8. Mai 1937, zwei Tage nach der Explosion der Hindenburg, (online)
Im September 1939 war Bartz Oberstleutnant,Karl-Heinz Völker: Die deutsche Luftwaffe 1933–1939. Aufbau. Führung und Rüstung der Luftwaffe sowie die Entwicklung der deutschen Luftkriegstheorie. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1967, S. 296. Kürschners deutscher Gelehrtenkalender Jahrgang 6, 1940/41, Gruyter, Berlin 1941, s. v. 1941 Oberst,Nachrichten des Deutschen Auslandswissenschaftlichen Instituts, Folge 4, April 1942, S. 286. 1943 Oberst im Generalstab.Wilhelm Hadeler: Der Flugzeugträger. Sein Wesen und sein Werden von 1911 bis zur Gegenwart. Lehmann, München 1968, S. 146. 1943 erkrankte er, wurde an die Kriegswissenschaftliche Abteilung der LuftwaffeBundesarchiv, BArch RL 2-IV, Datenbanknachweis versetzt und dann dem Luftwaffenpersonalamt unterstellt;Henry L. deZeng IV, Douglas G. Stankey, Luftwaffe Officer Career Summaries, 2023 updated version, (online) das Amt regelte die Entlassung versorgungsberechtigter Offiziere mangels Verwendungsmöglichkeit. 1944 schied der etwa 49-Jährige ausJohannes Asen: Gesamtverzeichnis des Lehrkörpers der Universität Berlin von 1810–1945. Harrassowitz, Leipzig 1955, S. 9. und wurde Wehrmachtspensionär.
Ab Dezember 1940 war Bartz Lehrbeauftragter für Luftpolitik des Auslandes am Deutschen Auslandswissenschaftlichen Institut in Berlin.Johannes Asen: Gesamtverzeichnis des Lehrkörpers der Universität Berlin von 1810–1945. Harrassowitz, Leipzig 1955, S. 9. Publikationen oder Vorträge von Bartz sind in den vom Institut herausgegebenen Bänden des Jahrbuchs der Weltpolitik nicht aufgeführt.Jahrbuch der Weltpolitik. Berlin 1942–44, jeweils mit ausführlichem Teil über das Institut selbst Für 1941 ist eine Vorlesung über Luftkrieg belegt, für 1942 nichts.Nachrichten des Deutschen Auslandswissenschaftlichen Instituts. Folge 4, April 1942, S. 286, und Folge 5, Dezember 1942, S. 327, 333 ff. Nach seiner Erkrankung löste ihn 1943 General der Flieger Wilhelm Haehnelt ab.Gideon Botsch: Politische Wissenschaft im Zweiten Weltkrieg. Die "Deutschen Auslandswissenschaften" im Einsatz 1940–1945. Schöningh, Düsseldorf 2006, ISBN 3-506-71358-2, S. 267. – Nachrichten des Deutschen Auslandswissenschaftlichen Instituts, Folge 6, Juni 1943, S. 358. – Jahrbuch der Weltpolitik, Jahrgang 1944, S. 1115.
In einer hessischen Versorgungsakte mit Laufzeit von 1946 bis 1986 ist das Geburtsdatum des in Kassel wohnenden Oberst a. D. Werner Bartz mit dem 28. April 1895 angegeben.Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Landespersonalamt, Fallakte Bartz, Werner Datenbanknachweis Das gleiche Datum nennt ein Eintrag in einer „Forscherkartei“ des 1937 gegründeten Reichsforschungsrates.Bundesarchiv, BArch R 26-III/8, Datenbanknachweis Das Adressbuch von Kassel weist für 1949 einen Angestellten Werner Bartz aus,Kasseler Adressbuch 1949, (online) unter der gleichen Adresse 1951 als Oberst a. D.Kasseler Adressbuch 1951. 2. Teil, S. 13, (online)
Harro Schulze-Boysen über Bartz Der im Reichsluftfahrtministerium arbeitende Widerstandskämpfer Harro Schulze-Boysen war ab 1934 Adjutant von Bartz. In den Briefen an seine Eltern erwähnte Schulze-Boysen seinen direkten Vorgesetzten oft. Schulze-Boysens Biograf Norman Ohler schloss aus der Durchsicht der Briefe, dass Bartz und dessen Vorgesetzter Hilmer Freiherr von Bülow „keine fanatischen Nazis“ waren, „sondern Fliegerleute mit Leib und Seele“, die sich, wie Schulze-Boysen 1934 schrieb, „geradezu rührende Mühe“ um den Neuankömmling in der kleinen Dienststelle mit nur wenigen Personen machten.Norman Ohler: Harro & Libertas. Köln 2019, ISBN 978-3-462-05267-1, S. 103.
Schulze-Boysen bezeichnete Bartz später als „auch weiterhin riesig nett“.Hans Coppi, Geertje Andresen (Hrsg.): Dieser Tod passt zu mir. Harro Schulze-Boysen - Grenzgänger im Widerstand. Briefe 1915 bis 1942. Aufbau, Berlin 1999, ISBN 3-351-02493-2, S. 198. Bartz förderte ihn 1937 mit einer „sehr“ ehrenden Beurteilung zur Auswahl als Reserveoffizieranwärter.Hans Coppi, Geertje Andresen (Hrsg.): Dieser Tod passt zu mir. Harro Schulze-Boysen - Grenzgänger im Widerstand. Briefe 1915 bis 1942. Aufbau, Berlin 1999, ISBN 3-351-02493-2, S. 234. „Mit Bartz verstehe ich mich sehr gut. Ich kann eigentlich im Dienst machen, was ich will“, schrieb er 1940.Hans Coppi, Geertje Andresen (Hrsg.): Dieser Tod passt zu mir. Harro Schulze-Boysen - Grenzgänger im Widerstand. Briefe 1915 bis 1942. Aufbau, Berlin 1999, ISBN 3-351-02493-2, S. 311. Nach Schulze-Boysens Versetzung 1941 sei Bartz darüber „verbittert“ gewesen, dass man ihm sein „langjähriges Gehirn einfach so wegholte.“Hans Coppi, Geertje Andresen (Hrsg.): Dieser Tod passt zu mir. Harro Schulze-Boysen - Grenzgänger im Widerstand. Briefe 1915 bis 1942. Aufbau, Berlin 1999, ISBN 3-351-02493-2, S. 321. Noch im Mai 1942, kurz vor seiner Verhaftung und Hinrichtung, notierte Schulze-Boysen nette Unterhaltungen „um den guten alten Bartz herum“.Hans Coppi, Geertje Andresen (Hrsg.): Dieser Tod passt zu mir. Harro Schulze-Boysen - Grenzgänger im Widerstand. Briefe 1915 bis 1942. Aufbau, Berlin 1999, ISBN 3-351-02493-2, S. 360. Er erwähnte Erholungsaufenthalte Bartz' in Warnemünde 1935 und in Bad Ems 1936, und 1937, dass sich Bartz mit Verabschiedungsgedanken trage.Hans Coppi, Geertje Andresen (Hrsg.): Dieser Tod passt zu mir. Harro Schulze-Boysen - Grenzgänger im Widerstand. Briefe 1915 bis 1942. Aufbau, Berlin 1999, ISBN 3-351-02493-2, S. 204, 227, 245. In den gedruckt vorliegenden Briefen Schulze-Boysens wird Bartz' Gesundheitszustand nicht erwähnt.
Verwechslungen und Namensgleichheiten Geburtsdaten Im Standardwerk Gesamtverzeichnis des Lehrkörpers der Berliner Universität gab der Bibliothekar Johannes Asen 1955 an, der von 1940 bis 1944 als Lehrbeauftragter für Luftpolitik des Auslands tätige Werner Bartz sei am 4. Februar 1903 in Leichholz im Landkreis Weststernberg, Provinz Brandenburg geboren.Johannes Asen: Gesamtverzeichnis des Lehrkörpers der Universität Berlin. Band 1: 1810–1945. Harrassowitz, Leipzig 1955, S. 9. Ein Geburtsjahr 1903 des Offiziers nennen auch die Forscher Karl-Heinz DomdeyKarl Heinz Domdey: Weltbild, Weltwirtschaft und Weltfrieden im Spiegel Berliner Universitätslehrer. Lehren der Geschichte, Aufgaben der Gegenwart, Ziele für die Zukunft. Humboldt-Universität, Berlin 1988, S. 345. und Gideon Botsch.Gideon Botsch: Politische Wissenschaft im Zweiten Weltkrieg. Die "Deutschen Auslandswissenschaften" im Einsatz 1940–1945. Schöningh, Düsseldorf 2006, ISBN 3-506-71358-2, S. 267. Einem zeitgenössischen Studentenverzeichnis zufolge studierte Werner Bartz aus Leichholz in Brandenburg im Wintersemester 1922/23 Medizin an der Universität München.Universität München: Studentenverzeichnis. Winter 1922/23, (online) Es handelt sich auch nicht um den 1926 von der Humboldt-Universität Berlin promovierten Mediziner Werner Bartz; dieser wurde am 11. Februar 1898 in Berlin-Lichtenberg geboren.Werner Bartz: Beitrag zur Kasuistik der vorzeitigen Lösung der normal sitzenden Plazenta. Hoffmann, Charlottenburg 1926, (= Diss. Berlin 1926), S. 35. Der Offizier Werner Bartz führte keinen akademischen Titel.
Karl Bartz