Heil, Vater! Dir zum hohen Feste!, WAB 61, ist eine Kantate von Anton Bruckner aus dem Jahr 1852.
Entstehung und Stellung im Gesamtwerk Bruckner komponierte die Kantate für den Namenstag von Michael Arneth, dem Prior des Stifts St. Florian. Das Stück wurde am 29. September 1852 am Vorabend von Arneths Namenstag aufgeführt.C. van Zwol, S. 713.
Die Originalhandschrift wird im Archiv des Stifts St. Florian aufbewahrt. Ein Faksimile der Kantate wurde erstmals in Band II/1, S. 116–128 der Göllerich/Auer-Biografie veröffentlicht. Es ist in Band XXII/1 Nr. 3a der Gesamtausgabe eingefügt.Gesamtausgabe – Kantaten und Chorwerke mit Orchester
Es gibt zwei weitere Fassungen dieser feierlichen Komposition: Auf Brüder! auf zur frohen Feier!, eine gekürzte, 111-taktige Fassung in fünf Teilen, nach einem anderen Text von Marinelli, komponiert 1857. Sie wurde am 17. Juli 1857 als zweite Namenstagskantate für Friedrich Mayer aufgeführt.U. Harten, S. 66–67. Das Originalmanuskript dieser zweiten Fassung wird im Archiv des Stifts St. Florian aufbewahrt. Sie ist in Band XXII/1 Nr. 3b der Gesamtausgabe eingetragen. Heil dir zum schöne Erstlingsfeste. In ca. 1870 wurde ein weiterer Text von Beda Piringer auf die ursprüngliche siebenteilige Fassung der Kantate für ein Primitzfeier von einem neu geweihten Priester in Kremsmünster. Die Originalpartitur ist verschollen, Kopien davon werden jedoch im Archiv des Stifts Kremsmünster aufbewahrt. Ob Bruckner an der Realisierung der neuen Vertonung beteiligt war, ist nicht bekannt.U. Harten, S. 192. Diese Fassung wird nicht in die Gesamtausgabe aufgenommen.
Erste Fassung Text Die erste Fassung der Kantate basiert auf einem Text von Franz Ernst Marinelli.
Aufbau und Besetzung Das 123 Takte lange Werk, zuzüglich einer 18-taktigen Wiederholung in D-Dur ist für gemischten Chor und Blechblasinstrumente (3 Hörner, 2 Trompeten und Bass-Posaune). Die Posaune fungiert meist als Bassstimme des Blechquartetts.
Die erste Fassung der Kantate (WAB 61a) besteht aus sieben Teilen: Heil Vater! Dir zum hohen Feste: sechsstimmiger gemischter Chor (24 Takte) – Bewegt An dreißig Jahre mögen's sein: Männerchor a cappella (16 Takte) – Mit Gefühl Drum bringen wir mit Jubel heut: sechsstimmiger gemischter Chor (18 Takte) – Bewegt Des Herren Ruhm, des Hauses Kraft: Männerchor a cappella (16 Takte) – Mit Gefühl Drum bringen wir mit Jubel heut: sechsstimmiger gemischter Chor (18 Takte) – Teil 3 da capo Du wirktest treu und bieder hier: Männerchor a cappella (19 Takte) – Andante Abschlusschor Sie bringen dir mit Jubel heut’: Sechsstimmiger gemischter Chor (30 Takte) – Nicht zu geschwindU. Harten, S. 192–193.
Diese Kantate, die erste von drei größeren GelegenheitskompositionenC. Howie, Kapitel II, S. 22–23. ist meist konventionell diatonisch und basiert auf einfachen Strukturen. Teile zwei und drei werden als Teile vier (mit einem anderen Text) und fünf (exakte Wiederholung) wiederholt. Das Werk weist bereits einige Merkmale von Bruckners Stil auf. Zwei häufig wiederkehrende Hornpassagen sorgen wie in späteren Werken für eine musikalische Einheit.
Zweite Fassung Text Die zweite Fassung der Kantate verwendet einen neuen Text von Franz Ernst Marinelli.
Aufbau und Besetzung Die zweite Fassung der Kantate (WAB 61b) besteht aus fünf Teilen: Auf, Brüder auf zur frohen Feier!: sechsstimmiger gemischter Chor (25 Takte) – Bewegt Wo ist das Herz, das Ihn nicht kennt: Männerchor a cappella (19 Takte) – Mit Gefühl Nein, nein die Hoffnung täuschet nicht: sechsstimmiger gemischter Chor (18 Takte) – Bewegt Drum schlägt das Herz in froher Brust: Männerchor a cappella (19 Takte) – Andante Abschlusschor O Herr im Himmel siehe hier: sechsstimmiger gemischter Chor (30 Takte) – Nicht zu geschwind Die Wiederholung der Teile zwei und drei entfiel. Der Anfangsteil des ersten Chores wurde von dreizehn auf vierzehn Takte erweitert, und die letzte Hälfte des zweiten Teils wurde neu komponiert.W. K. Kinder, S. 38. Die gekürzte, zweite Fassung ist 111 Takte lang, zuzüglich einer 11-taktigen Wiederholung.
Diskografie Es gibt bis heute keine kommerzielle Aufnahme der Kantate.
Literatur August Göllerich: Anton Bruckner. Ein Lebens- und Schaffens-Bild. Ca. 1922 – posthum herausgegeben von Max Auer bei G. Bosse, Regensburg 1932. Anton Bruckner – Sämtliche Werke, Band XXII/1: Kantaten und Chorwerke I (1845–1855). Musikwissenschaftlicher Verlag der Internationalen Bruckner-Gesellschaft, Franz Burkhart, Rudolf H. Führer und Leopold Nowak (Hrsg.) Wien 1987 (Verfügbar auf IMSLP Neue Gesamtausgabe, XXII/1. Kantaten und Chorwerke Teil 1: Nr. 1-5). Uwe Harten: Anton Bruckner. Ein Handbuch. Residenz Verlag, Salzburg 1996, ISBN 3-7017-1030-9. Keith William Kinder: The Wind and Wind-Chorus Music of Anton Bruckner. Greenwood Press, Westport Conn. 2000. Cornelis van Zwol: Anton Bruckner 1824–1896 – Leven en werken. Thoth, Bussum 2012, ISBN 978-90-6868-590-9. Crawford Howie: Anton Bruckner – A documentary biography. Online überarbeitete Auflage.
Weblinks
Heil, Vater! Dir zum hohen Feste D-Dur, WAB 61a, Auf, Brüder! auf zur frohen Feier D-Dur, WAB 61b und Heil Dir zum schönen Erstlingsfeste D-Dur, WAB 61c – Kritische Diskografie von Hans Roelofs
Einzelnachweise
Kategorie:Kantate von Anton Bruckner Kategorie:Musik 1852 Kategorie:Musik 1857