Hans Walter Schmidt-Polex (* 2. Oktober 1900 in Frankfurt am Main; † 8. März 1978 in München) war ein deutscher Jurist und Manager in der Versicherungswirtschaft.
Leben Hans Walter Schmidt-Polex entstammte der Frankfurter Kaufmanns- und Bankiersfamilie Schmidt-Polex und war der Sohn des Carl Schmidt-Polex (1853–1919) und dessen Ehefrau Melly Andreae (* 1861). Er studierte Rechtswissenschaften an der Universität Heidelberg und wurde dort wie schon sein Vater Mitglied des Corps Rhenania.Gerhard Müller: Mitgliederverzeichnis des Corps Rhenania Heidelberg einschließlich seiner Vorverbindungen 1802-1999. Heidelberg 1999, S. 140. 1922 schloss er seine Studien mit der Dissertation Das parlamentarische System in den deutschen Landesverfassungen als Dr. jur. ab und trat als Regierungsassessor in das Preußische Landwirtschaftsministerium ein.
Zum 1. Mai 1933 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 1.930.669).Bundesarchiv R 9361-VIII KARTEI/19610053Die Allianz, Geschichte des Unternehmens 1890–2015 google books, Vorschau In den Jahren von 1934 bis 1937 war er Reichskommissar an der Berliner Börse. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde er als Offizier zur Abwehrstelle Wien eingezogen. Dort kam er mit dem Leiter Rudolf von Marogna-Redwitz (Widerstandskämpfer) in Kontakt. Dieser forderte ihn auf, ihn mit Leuten aus der Wirtschaft, die dem Regime feindlich und ablehnend gegenüberstehen, in Verbindung zu bringen. Bürger gegen Hitler, Vorgeschichte, Aufbau und Wirken des bayerischen »Sperr-Kreises« google books, Vorschau Marogna-Redwitz wurde am 12. Oktober 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Schmidt-Polex wurde in diesem Zusammenhang 1944 im Rahmen der Aktion Gitter verhaftet und bis 1945 interniert.
Er war Vorstandsvorsitzender der Wiener Allianz-Versicherungs-AG und später Vorstand der Allianz-Versicherungs-AG mit ihrem Sitz in München. Zugleich war er Vorstandsmitglied der Frankfurter Versicherungs-AG und von 1959 an Generaldirektor der Europäischen Güter- und Reisegepäck-Versicherung mit Sitz in München. Er war Direktor der Bayerischen Versicherungsbank, Tochtergesellschaft der Allianz.
Obwohl sein Tätigkeitsfeld in München lag, nahm er sich die Zeit, um ehrenamtliche Arbeit im Vorstand der Freunde und Förderer der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt e. V. zu leisten. Der Verein legte den Grundstock für die Paul-Ehrlich-Stiftung. Dank seines Einsatzes förderte die Bundesregierung von 1960 an den Paul-Ehrlich-Preis mit 100.000 DM jährlich.Goethe-Universität Frankfurt am Main, Paul Ehrlich-Stiftung-Digitalisat
Dafür wurde Schmidt-Polex 1953 zum Ehrenbürger und 1957 zum Ehrensenator der Universität ernannt.
Anfang Mai 1945 spielte er in Schliersee (Oberbayern), wo er ein Sommerhaus besaß, eine prominente Rolle bei den Bemühungen, den Ort in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs vor der Zerstörung zu bewahren. Der Widerstand der in Schliersee stehenden Waffen-SS hatte die Amerikaner am 3. Mai 1945 zu einem taktischen Teilrückzug gezwungen. Um den somit drohenden Luftangriff auf Schliersee zu verhindern, erklärte er sich nach seinen gescheiterten Kapitulationsverhandlungen mit der Waffen-SS auf Bitten einer kleinen Gruppe Schlierseer Honoratioren um Pfarrer Adalbert Obermayr bereit, mit den Amerikanern zu verhandeln. Zu diesem Zweck ließ er sich unter Lebensgefahr am frühen Morgen des 4. Mai 1945 unter Rotkreuz-Flagge durch die Kampflinien nach Miesbach fahren, wo er den kommandierenden US-Hauptmann um Schonung der Marktgemeinde bat. Dabei konnte er immerhin glaubwürdig zusagen, dass die Zivilbevölkerung die US-Truppen freundlich erwarteten und die Waffen-SS sich an den südlichen Ortsrand zurückgezogen hatte. Zwar kostete der militärisch sinnlose Widerstand gegen den unmittelbar folgenden amerikanischen Durchmarsch mehrere Dutzend überwiegend ziviler Todesopfer, aber die vollkommene Zerstörung von Schliersee war damit erfolgreich verhindert.
Auszeichnungen Kommandeurskreuz des Italienischen Verdienstordens. Kommandeurskreuz des päpstlichen Gregoriusordens.
Veröffentlichungen Unser Orber Revier, Erinnerungen an ein Jägerparadies, 1987
Literatur Sabine Hock: (Stand des Artikels: 3. Juli 1995), auch in :
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Einzelnachweise
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