mini|hochkant|Mansfield Lovell als General des konföderierten Heeres Mansfield Lovell (* 20. Oktober 1822 in Washington, D.C.; † 1. Juni 1884 in New York City) war ein Offizier des amerikanischen Heeres und General der Konföderierten im Sezessionskrieg. Lovell befehligte 1862 die konföderierten Truppen in New Orleans und musste die Stadt räumen, nachdem Kriegsschiffe der Union unter David Glasgow Farragut sich an den Forts entlang des Mississippi vorbeigekämpft hatten. Er führte später eine Division in der Zweiten Schlacht um Corinth, wurde jedoch bald darauf seines Kommandos enthoben und fand bis kurz vor Kriegsende keine weitere Verwendung mehr.
Leben Frühe Jahre und Mexikokrieg Lovell wurde in Washington, D.C. geboren. Sein Vater Joseph Lovell diente in der Hauptstadt als Generaloberstabsarzt des amerikanischen Heeres. Lovells Mutter stammte ursprünglich aus New York. Beide Eltern starben 1836, woraufhin Lovell zwei Jahre bei einem Vormund im Heimatstaat seiner Mutter lebte. 1838 wurde er an die Militärakademie in West Point berufen. Zu seinem Jahrgang gehörten 20 weitere spätere Generäle des Sezessionskrieges, darunter John Pope, William Starke Rosecrans, Earl Van Dorn, James Longstreet und Gustavus Woodson Smith, mit dem sich Lovell anfreundete. Arthur W. Bergeron Jr., Mansfield Lovell. In Lawrence Lee Hewitt und Arthur W. Bergeron Jr. (Hrsg.): Confederate Generals in the Western Theater Band 1. University of Tennessee Press, 2010, S. 46 Lovell schloss die Akademie 1842 ab und bekleidete dabei den neunten Rang unter 56 Kadetten. Mit seinem Abschluss am 1. Juli 1842 wurde er zum Leutnant im 4. Artillerieregiment ernannt.John H. Eicher, David J. Eicher, Civil War High Commands. Stanford University Press, 2001, S. 355
Als 1846 der Mexikanisch-Amerikanische Krieg begann, wurde Lovells Einheit Teil von General Zachary Taylors Invasionsarmee. Lovell wurde in der Schlacht von Monterrey verwundet und kurz darauf zum Chef des Stabes der von John A. Quitman befehligten Brigade ernannt. Zu seinem neuen Vorgesetzten entwickelte er sowohl beruflich als auch privat ein gutes Verhältnis, Quitman wurde für Lovell zu einem väterlichen Freund. Lovell zeichnete sich in der Schlacht von Chapultepec aus und wurde beim Angriff auf Mexico City nochmals verwundet.Arthur W. Bergeron Jr., Mansfield Lovell. In Lawrence Lee Hewitt und Arthur W. Bergeron Jr. (Hrsg.): Confederate Generals in the Western Theater Band 1. University of Tennessee Press, 2010, S. 46f Während des Krieges wurde er zum Oberleutnant befördert und erhielt für seine Verdienste bei Chapultepec außerdem den Brevet-Rang eines Hauptmanns. Nach Kriegsende diente Lovell wieder in der Artillerie und wurde 1851 nach Fort Hamilton in New York verlegt. Er heiratete Emily Plimpton, deren Vater ebenfalls im Heer diente. 1854 schied er aus dem Dienst aus und begann, für ein Eisenwerk zu arbeiten. Arthur W. Bergeron Jr., Mansfield Lovell. In Lawrence Lee Hewitt und Arthur W. Bergeron Jr. (Hrsg.): Confederate Generals in the Western Theater Band 1. University of Tennessee Press, 2010, S. 47
Lovell und sein früherer Vorgesetzter Quitman blieben auch nach dem Krieg befreundet. Quitman war an verschiedenen Filibuster-Plänen in Kuba beteiligt und versuchte, auch Lovell zur Teilnahme zu überreden. Wahrscheinlich schied Lovell (genauso wie sein Freund Gustavus W. Smith) auch aufgrund eines solchen Vorhabens aus dem Dienst aus. Die geplante Invasion Kubas kam jedoch genauso wenig zustande wie ein ähnliches Projekt 1850 und wie der Plan Lovells 1858, Benito Juarez in Mexiko mit amerikanischen Freiwilligen zu unterstützen. Im gleichen Jahr wurde Lovell in New York Leiter des Amtes für Straßenverbesserungen, und nachdem Gustavus W. Smith Straßenbaudirektor der Stadt geworden war, ernannte er Lovell zu seinem Stellvertreter. Arthur W. Bergeron Jr., Mansfield Lovell. In Lawrence Lee Hewitt und Arthur W. Bergeron Jr. (Hrsg.): Confederate Generals in the Western Theater Band 1. University of Tennessee Press, 2010, S. 48f. Während dieser Zeit wurde Lovell auch Kommandeur einer Milizkompanie, der City Guard, die vor allem aus wohlhabenden und angesehenen Bürgern der Stadt bestand.Daniel E. Sutherland, „Mansfield Lovell’s Quest for Justice“, Louisiana History: The Journal of the Louisiana Historical Association, 24(3), 1983, S. 234
Sezessionskrieg New Orleans mini|hochkant|Zeichnung von New Orleans mit der Unionsflotte vor Anker. Lovells Freundschaft zu Quitman, einem ausgesprochenen Befürworter der Ausdehnung der Sklaverei, beeinflusste Lovell wahrscheinlich auch politisch. 1860 stellte er sich gegen die Wahl Lincolns zum Präsidenten und befürwortete den Crittenden-Kompromiss, um die Sezession der Südstaaten zu verhindern. Ende 1860 und Anfang 1861 wurden er und Smith von mehreren Südstaatlern kontaktiert, die hofften, dass sich die beiden ehemaligen Offiziere den Konföderierten anschließen würden. Smith und Lovell entschieden sich schließlich im Sommer für den Süden und zogen in das von den Konföderierten besetzte Kentucky und von dort nach Richmond. Arthur W. Bergeron Jr., Mansfield Lovell. In Lawrence Lee Hewitt und Arthur W. Bergeron Jr. (Hrsg.): Confederate Generals in the Western Theater Band 1. University of Tennessee Press, 2010, S. 48ff. Lovell wurde am 7. Oktober 1861 zum Generalmajor im konföderierten Heer berufen und erhielt den Befehl über den Wehrbereich 1 (Department Number One). Dieser umfasste den Großteil von Louisiana und die Golfküste von Mississippi. John H. Eicher, David J. Eicher, Civil War High Commands. Stanford University Press, 2001, S. 876 Hauptaufgabe des Wehrbereichs war der Schutz von New Orleans. Arthur W. Bergeron Jr., Mansfield Lovell. In Lawrence Lee Hewitt und Arthur W. Bergeron Jr. (Hrsg.): Confederate Generals in the Western Theater Band 1. University of Tennessee Press, 2010, S. 51 Lovells Ernennung war nicht unumstritten. Zum einen hatten andere Offiziere wie zum Beispiel Braxton Bragg auf das Kommando gehofft, zum anderen erregte seine Herkunft aus dem Norden Misstrauen. Daniel E. Sutherland, „Mansfield Lovell’s Quest for Justice“, Louisiana History: The Journal of the Louisiana Historical Association, 24(3), 1983, S. 235f.
In New Orleans fand Lovell eine militärische Mangelwirtschaft vor – es fehlte an Waffen, Nachschub, Munition und Uniformen. Viele der Geschütze waren alt und in den wichtigen Forts St. Philip und Jackson flussabwärts von New Orleans war die Artilleriemunition so mangelhaft, dass die Reichweite der Geschütze nur halb so groß war, wie sie eigentlich hätte sein sollen. Die Forts waren außerdem zu Zeiten der Segelschiffe errichtet worden, die aufgrund ihrer Langsamkeit einfache Ziele für die Geschütze der Forts gewesen wären. Mit den modernen dampfgetriebenen Schiffen bestand jedoch die Gefahr, dass die US-Marine einfach an den Forts vorbeifuhr. Lovell wollte deswegen die Fahrrinne bei den Forts blockieren, um die gegnerischen Schiffe länger dem Feuer der konföderierten Geschütze auszusetzen. Charles L. Dufour, The Night the War Was Lost, University of Nebraska Press, 1994, S. 90–94 Ein weiteres Problem war, dass Lovell nur die Heerestruppen in New Orleans befehligte und keine Befehlsgewalt über die Kanonenboote der Marine hatte. Lovells appellierte an das Kriegsministerium, diese Situation eines zweigeteilten Befehlsbereichs aufzulösen, hatte allerdings keinen Erfolg. Trotz all dieser Schwierigkeiten gelang es ihm jedoch, die Stadt vor allem auf der Landseite gut zu schützen, 14.000 Mann zu ihrer Verteidigung zu organisieren und die Verteidigung flussabwärts bei Forts St. Philip und Jackson wenigstens teilweise zu verbessern Arthur W. Bergeron Jr., Mansfield Lovell. In Lawrence Lee Hewitt und Arthur W. Bergeron Jr. (Hrsg.): Confederate Generals in the Western Theater Band 1. University of Tennessee Press, 2010, S. 53f.
Anfang 1862 wurde Lovells Streitmacht jedoch fortwährend geschwächt. Er musste Geschütze, Schiffe und einen Großteil seiner Truppen an andere Kriegsschauplätze abgeben und hatte schließlich nur noch 3.000 schlecht ausgerüstete Milizionäre zur Verfügung. Daniel E. Sutherland, „Mansfield Lovell’s Quest for Justice“, Louisiana History: The Journal of the Louisiana Historical Association, 24(3), 1983, S. 237 Im April fuhr eine Unionsflotte unter dem Befehl von Flaggoffizier David Glasgow Farragut vom Golf von Mexiko in den unteren Mississippi und begann, die Forts St. Philip und Jackson zu bombardieren. Nachdem dies nicht die gewünschte Wirkung gezeigt hatte, ließ Farragut Breschen in die Flusssperren schneiden und fuhr am 24. April mit dreizehn Schiffen an den beiden Forts vorbei. Am nächsten Tag ankerte seine Flotte vor New Orleans. Um die Zerstörung der Stadt zu verhindern, gab Lovell sie auf und zog sich mit seinen verbliebenen Truppen zurück. Nach einer Reorganisation seiner Truppen in Camp Moore sandte er den Großteil nach Vicksburg, Mississippi, wo sie Geschützstellungen errichteten und Farraguts Flotte an einem weiteren Vorstoßen nach Norden hindern konnten. Auf Anweisung des Kriegsministeriums wurde Vicksburg jedoch Ende Mai aus dem Zuständigkeitsbereich von Lovells Wehrbereich genommen, und einen Monat später wurde er durch Generalmajor Earl Van Dorn ersetzt. Arthur W. Bergeron Jr., Mansfield Lovell. In Lawrence Lee Hewitt und Arthur W. Bergeron Jr. (Hrsg.): Confederate Generals in the Western Theater Band 1. University of Tennessee Press, 2010, S. 55–58
Die öffentliche Meinung im Süden gab Lovell die Schuld am Fall von New Orleans. Einige Kommentatoren gingen sogar so weit, ihm – unberechtigterweise – Feigheit oder Verrat vorzuwerfen.Charles L. Dufour, The Night the War Was Lost, University of Nebraska Press, 1994, S. 343f., Daniel E. Sutherland, „Mansfield Lovell’s Quest for Justice“, Louisiana History: The Journal of the Louisiana Historical Association, 24(3), 1983, S. 237f. Aus diesem Grund bat er bereits wenige Tage nach der Kapitulation der Stadt um einen militärgerichtlichen Untersuchungsausschuss. Mit diesem hoffte er, die Kritik, der er sich ausgesetzt sah, aus der Welt zu schaffen. Lovell erhielt hierauf keine Antwort, hörte jedoch im Juni von Gerüchten, wonach Präsident Davis ihm die Schuld an der Niederlage gebe. Er erneuerte seine Bitte um eine Untersuchung, erhielt jedoch wieder keine Antwort. Erst als er seinen Befehl an Van Dorn abgab, wurde ihm mitgeteilt, dass dies aufgrund der anstehenden Untersuchung geschehe. Wieder geschah jedoch nichts. Lovell reiste nach Richmond, wo ihm Davis zusagte, bald eine Untersuchung einzuleiten. Bis dahin sollte Lovell unter Van Dorn dienen. Im August erfuhr er jedoch, dass der Untersuchungsausschuss auf unbestimmte Zeit verschoben worden war. Daniel E. Sutherland, „Mansfield Lovell’s Quest for Justice“, Louisiana History: The Journal of the Louisiana Historical Association, 24(3), 1983, S. 244–247
Corinth mini|Karte der Schlacht von Corinth. Lovells Division ist auf dem rechten Flügel der Konföderierten (rot) eingezeichnet.