rahmenlos|rechts|Wappen derer von Scharnhorst (aus Bordenau) Scharnhorst ist der Name eines 1802 in den preußischen Adelsstand erhobenen, 1875 wieder erloschenen Adelsgeschlechts. Es geht auf den preußischen Generalleutnant und Heeresreformer Gerhard von Scharnhorst (1755–1813) zurück. Die Familie ist von den 1716 in Wien in den Reichsadelsstand nobilitierten Scharnhorst zu unterscheiden.
Geschichte mini|Gutshaus Bordenau Die Familie, als namensgebendes ursprüngliches Herkunftsdorf wird Scharnhorst in der Südheide, unweit von Celle, betrachtet,O. F. Schweder: Scharnhorsts Leben, 1865, S. 3 f. stammt aus Bordenau und beginnt ihre Stammreihe mit Gerke Scharnhorst (1599–1658), Brinksitzer zu Bordenau.Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band XII, Band 125 der Gesamtreihe GHdA, 2001, S. 336–337. Sein Nachfahre Gerdt Jürgen Scharnhorst war ebenso Brinksitzer zu Bordenau. Sein Sohn,Max Lehmann: Scharnhorst: Bis zum Tilsiter Frieden, 1886, S. 3 ff. der aus dem Militär ausgeschiedene WachtmeisterAndreas Broicher: Gerhard von Scharnhorst. Soldat, Reformer, Wegbereiter, 2005, S. 17. bzw. Quartiermeister Ernst Wilhelm Scharnhorst (1723–1782), der in sein Heimatdorf Bordenau zurückgekehrt war, heiratete 1752 in der Dorfkirche zu Bordenau Friederike Wilhelmine Tegtmeyer (1728–1796),Gerhard Johann David von Scharnhorst, Johannes Kunisch, Michael Sikora, Tilman Stieve: Private und dienstliche Schriften, Band 5, 2002, S. 798 f.Handbuch des preussischen Adels. Herausgegeben unter Förderung des Königlichen Herolds-Amtes, Band 1, Berlin 1892, S. 518. eine Tochter des Sekretärs, Freisassen und Rittergutsbesitzers Johann David Tegtmeyer (1687–1759) zu Bordenau. Der Schwiegervater, der wohlhabende Rittergutsbesitzer Tegtmeyer, der keine eigenen Söhne hatte, war anfänglich gegen die (damals standesungleiche) Verbindung mit einem Mann aus einer Brinksitzerfamilie, aus seiner Sicht eine Mesalliance. Allerdings fand die Hochzeit statt, nachdem die Tochter zuvor bei Verwandten bereits eine mit Scharnhorst gemeinsame Tochter zur Welt gebracht hatte. Ihr Großvater, der Sekretär Johann Otto Tegtmeyer (1647–1702) wurde im Jahr 1700 mit dem Rittergut Bordenau belehnt.Joachim Lampe: Aristokratie, Hofadel und Staatspatriziat in Kurhannover: Beamtenlisten und Ahnentafeln, 1963, S. 541. Vorher hatte es ein Major von Esebeck besessen. Ernst Wilhelm Scharnhorst erhielt nach einem Erbschaftsprozess (1772) das von seinem Schwiegervater Tegtmeyer hinterlassene Rittergut in Bordenau.Marion Schulte: Preussische Offiziere über Judentum und Emanzipation 1762–1815, 2018, S. 358. Nach seinem Tod 1782 wurde sein kinderloser Bruder Heinrich Caspar Scharnhorst (1720–1787), seit 1779 Hoffischer zu Hannover, Vormund der noch unmündigen Kinder aus der Verbindung Scharnhorst-Tegtmeyer.
Ein Sohn, der Heeresreformer Gerhard von Scharnhorst (1755–1813), wurde als Oberstleutnant im Feldartillerie-Korps am 16. September 1802 in Berlin in den preußischen Adelsstand erhoben.Maximilian Gritzner: Chronologische Matrikel der Brandenburgisch-Preußischen Standeserhöhungen und Gnadenacte von 1600–1873. Berlin 1874, S. 69. Sein Sohn Wilhelm von Scharnhorst (1786–1854) erfuhr als Oberst im Kriegsministerium am 5. März 1836 in Berlin eine Wappenmehrung.Maximilian Gritzner: Chronologische Matrikel der Brandenburgisch-Preußischen Standeserhöhungen und Gnadenacte von 1600–1873. Berlin 1874, S: 100. Mit des vorgenannten Sohn August von Scharnhorst (1821–1875), preußischer Rittmeister a. D. und Platzmajor in Pillau erlosch die Familie von Scharnhorst im Mannesstamm.
Angehörige mini|Gerhard von Scharnhorst, Gemälde von Friedrich Bury (vor 1813) Gerhard von Scharnhorst (1755–1813), preußischer Generalleutnant und Heeresreformer Wilhelm von Scharnhorst (1786–1854), preußischer General der Infanterie
Grablege auf dem Berliner Invalidenfriedhof Nach Überführung seiner sterblichen Überreste vom Prager Friedhof wurde Gerhard von Scharnhorst 1826 auf dem Invalidenfriedhof in Berlin-Mitte im Feld C, G1 beigesetzt. Das Grabmonument ist ein Werk Karl Friedrich Schinkels. Die zugehörige Bronzeplastik eines Schlafenden Löwen geht auf Christian Daniel Rauch und Theodor Kalide zurück, der Relieffries zur Lebensgeschichte Scharnhorsts auf Christian Friedrich Tieck. Neben Gerhard von Scharnhorst wurden später seine Söhne August und Wilhelm, seine Tochter Juliane und ihr Ehemann, der preußische Generalfeldmarschall Friedrich zu Dohna-Schlobitten, sowie zwei Enkelsöhne bestattet. Die Grablege wird als Ehrengrab der Stadt Berlin erhalten und wurde nach der deutschen Wiedervereinigung umfassend restauriert.
Wappen mini|hochkant|Wappen der Herkunftgemeinde Bordenau. Das Wappen (1802) zeigt in Blau einen silbernen Schrägrechtsbalken (= Bordenau). Auf dem blau-silber bewulsteten Helm mit blau-silbernen Decken drei silberne Straußenfedern.Otto Titan von Hefner, Alfred Grenser, George Adalbert von Mülverstedt: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 3, 2. Abt., Bd. 1, T. 2: Der blühende Adel des Königreichs Preußen: Edelleute M–Z, Nürnberg 1878, Tfl. 401.
Das Wappen (1836) entspricht dem von 1802, gehalten von zwei preußischen Adlern als Schildhalter.
Literatur Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band XII, Band 125 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 2001, , S. 336–337. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser Teil B, Justus Perthes, Gotha 1910, S. 678–679 (Stammreihe); 1916, S. 804–805 (Stammreihe). Handbuch des preussischen Adels. Herausgegeben unter Förderung des Königlichen Herolds-Amtes, Band 1, Berlin 1892, S. 518. Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, Band 8, Voigt, Leipzig 1868, S. 95–96. Deutsches Geschlechterbuch Genealogisches Handbuch Nr. 30, 1918, S. 233–254
Einzelnachweise
Kategorie:Preußisches Adelsgeschlecht