Chwaszczyno (deutsch Quaschin; kaschubisch Chwaszczëno) ist ein Dorf und Sołectwo (Schulzenamt) der Stadt-und-Land-Gemeinde Żukowo im Powiat Kartuski der polnischen Woiwodschaft Pommern. Es war Sitz einer gleichnamigen Landgemeinde.
Geographie Der Ort liegt im ehemaligen Westpreußen, etwa elf Kilometer südwestlich der Stadt Gdynia, 2,5 Kilometer westnordwestlich von Danzig (Stadtbezirk Osowa) und neun Kilometer westlich des Stadtzentrums von Sopot.
Geschichte mini|Ansicht der alten Kirche Ältere Ortsnamen des ehemaligen Klosterdorfs, auf das im 13. Jahrhundert sowohl das Kloster Zuckau als auch das Kloster Oliva Anspruch erhoben hatten, sind Wasino (1229) und Quassino (1283); der Streit zwischen den Klöstern wurde 1316 unter dem Hochmeister des Deutschen Ordens Karl von Trier damit beendet, dass Oliva zugunsten Zuckaus Verzicht leistete.Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreussen, Danzig 1872, S. 206 (Google Books).
Um 1783 war Quaschin oder Kwaschin ein königliches Dorf und Erbpachts-Vorwerk mit 21 Feuerstellen (Haushaltungen).Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom West-Preußischen Cammer-Departement, S. 181 (Google Books).
Die Landgemeinde Quaschin wurde am 20. Oktober 1897 mit dem gleichnamigen Gutsbezirk vereinigt. Letzterer galt als Wohnplatz der Gemeinde.westpreussen.de: Quaschin. (abgerufen am 21. April 2023)
Bis 1919 gehörte die Landgemeinde Quaschin zum Kreis Neustadt in Westpreußen im Regierungsbezirk Danzig der Provinz Westpreußen des Deutschen Reichs.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Quaschin aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags am 10. Januar 1920 zum Zweck der Einrichtung des Polnischen Korridors an Polen abgetreten,Amtsbezirk Großkatz (Territorial.de) wo das Dorf am 1. Januar 1927 in den Powiat morski eingegliedert wurde. Nach dem Überfall auf Polen 1939 wurde das Gebiet des Korridors völkerrechtswidrig vom Deutschen Reich annektiert, und am 26. Oktober 1939 wurde das bisher polnische Dorf Chwaszczyno wieder in Quaschin umbenannt; am 25. Juni 1942 erfolgte die erneute Umbenennung in Quassendorf.
Bis 1945 bildete Quaschin dann eine Landgemeinde im Kreis Neustadt i. Westpr. im Reichsgau Danzig-Westpreußen des Deutschen Reichs.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Region und diese kam wieder zu Polen. Der deutsche Bevölkerungsteil wurde in der Folgezeit von der polnischen Administration aus Quaschin vertrieben.
In den Jahren von 1975 bis 1998 gehörte Chwaszczyno administrativ zur Woiwodschaft Danzig, der Powiat war in diesem Zeitraum aufgelöst.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1818 273 davon 122 im königlichen Dorf, 96 auf dem Erbpachtgut und 55 auf sieben Einödhöfen;Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 4: P–S, Halle 1823, S. 99, Ziffer 41–43 (Google Books). davon 122 (ein Lutheraner, 121 Katholiken) im königlichen Dorf, 96 (fünf Lutheraner, 91 Katholiken) auf dem königlichen Erbpachtgut und 55 (13 Lutheraner, 42 Katholiken) auf dem königlichen Quaschiner Einödhof-SiedlungskomplexDanziger Regierungs-Departement, Verzeichniß der in den einzelnen Kreisen befindlichen Ortschaften, veröffentlicht ca. 1820 (enthält statistische Angaben von 1818), S. 176–177, Ziffer 231–233 (Google Books). 1852 532 davon 287 im Dorf und 245 auf dem VorwerkKraatz (Hrsg.): Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Decker, Berlin 1856, S. 491 (Google Books). 1864 716 am 3. Dezember, davon 296 im Gutsbezirk und 420 im GemeindebezirkPreußisches Finanzministerium: Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Danzig. Danzig 1867, Abschnitt 7. Kreis Neustadt in Westpreußen, S. 18–25, Ziffer 143–144 ( Google Books). 1867 780 am 3. Dezember, davon 457 im Dorf und 323 im Gutsbezirk 1871 778 am 1. Dezember, davon 466 (38 Evangelische, 428 Katholiken) im Dorf und 312 (17 Evangelische, 294 Katholiken, ein sonstiger Christ) im Gutsbezirk Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt, Berlin 1874. Abschnitt VIII. Kreis Neustadt in Westpreußen, S. 390–391, Ziffer 74 (Google Books), und S. 394–395, Ziffer 166 (Google Books). 1985 789 davon 474 im Dorf und 315 im Gutsbezirk 1905 942 1910 1003 am 1. Dezember Von 1998 bis 2021 wuchs die Einwohnerzahl des Orts um 172,4 Prozent.polskawliczbach.pl: Wieś Chwaszczyno w liczbach. (polnisch, abgerufen am 21. April 2023)
+ Einwohnerzahlen seit 1945 Jahr 1998 2002 2009 2011 2021 Einwohner 1692 2538 2937 3396 4609
Gmina Chwaszczyno Die Landgemeinde Chwaszczyno bestand von 1934 bis 1939 und von 1945 bis 1954. Sie umfasste die Orte Bojano, Chwaszczyno, Dobrzewino, Kielno, Koleczkowo, Kolonja, Osowa, Wiczlino und Wielki Kack.
Verkehr In Chwaszczyno befindet sich ein bedeutender Knoten des Straßenverkehrs der Dreistadt (Trójmiasto), hier kreuzen sich die Schnellstraßen S6/S7 mit der Landesstraße DK20 und der Woiwodschaftsstraße DW218.
Fernbahnhöfe können in Gdynia, Sopot und mehreren Danziger Stadtteilen erreicht werden.
Der nächste internationale Flughafen Danzig ist nur wenige Kilometer entfernt.
Literatur Quaschin, Dorf, Kreis Neustadt Westpr., Provinz Westpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Quaschin (meyersgaz.org) Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreussen, Danzig 1872, S. 206 (Google Books). Franz Schultz: Geschichte der Kreise Neustadt und Putzig. Danzig 1907 (pbc.gda.pl). Paul Niekammer: Westpreussisches Güter-Adressbuch, Niekammer, Stettin 1903, S. 52–53 (digitale-bibliothek-mv.de)
Weblinks
Amtsbezirk Großkatz (Territorial.de)
Fußnoten
Kategorie:Ort der Woiwodschaft Pommern Kategorie:Gmina Żukowo