Der Bandiatgraben ist eine Grabenstruktur des nordöstlichen Aquitanischen Beckens.
Etymologie mini|hochkant=1.6|Winterlicher Blick vom Weiler La Côte (Gemeinde Nontron) nach Südsüdwest in den Bandiatgraben
Benannt ist der Bandiatgraben (Französisch Graben du Bandiat oder auch Fossé du Bandiat) nach dem Fluss Bandiat, der ihn in nordwestlicher Richtung entwässert. Der etymologische Ursprung des Flussnamens ist nicht geklärt, vermutet wird die vorkeltische Wurzel °ban bzw. bandā, die sich in mehreren französischen Flussnamen wiederfindet – beispielsweise im Flussnamen Banège.
Geographie mini|300px|Die Wasserscheide zwischen Charente und Dronne definiert das geomorphologische Ende des Grabenbruchs
Der Bandiatgraben erstreckt sich in nordwestlich-südöstlicher Richtung (Streichrichtung N 128) von Nontron und Saint-Martial-de-Valette bis Marthon. Die 18 Kilometer lange und durchschnittlich 3,5 Kilometer breite Struktur verliert sich dann, erscheint aber erneut als Touvregraben östlich von Angoulême.
Die Grabenstruktur wird nur von wenigen erkennbaren Verwerfungen direkt markiert, beispielsweise am nördlichen Südostende beim Weiler La Côte (Gemeinde Nontron) oder am nördlichen Nordwestende bei Marthon. Die Begrenzung auf ihrer Südwestseite erfolgt geomorphologisch über eine Aneinanderreihung von Trockentälern und Geländestufen, die Störungen des tieferen Untergrundes zum Ausdruck bringen.
Die Geomorphologie bestimmt auch das definitive Südostende der Struktur durch die Höhenrücken im Südosten und Süden von Saint-Martial-de-Valette (Gemeindegrenze zu Sceau-Saint-Angel) sowie deren nordöstliche Verlängerung in die Gemeinde Nontron. Die Höhenrücken sind über 239 Meter hoch und bilden die Wasserscheide zwischen dem Flusssystem der Charente (zu dem der Bandiat gehört) im Nordwesten und dem Flusssystem Isle-Dronne im Südosten.
Gemeinden im Bandiatgraben sind: Nontron Saint-Martial-de-Valette Saint-Martin-le-Pin Lussas-et-Nontronneau Javerlhac-et-la-Chapelle-Saint-Robert Teyjat Varaignes Souffrignac Feuillade Marthon
Hydrographie Der Grabenbruch wird vom Bandiat in nordwestlicher Richtung entwässert. Der Grabenboden befindet sich bei Saint-Martial-de-Valette auf einer Meerhöhe von 150 Meter, an seinem Ende bei Marthon liegt er auf nur noch 100 Meter, er fällt folglich mit einem Sohlgefälle von 2,7 ‰ nach Nordwesten ein. Der alluviale Talboden des Bandiats erweitert sich hierbei von 200 Meter in Saint-Martial-de-Valette auf 800 Meter in Marthon.
Rechte, in den Graben einmündende Nebenflüsse des Bandiats sind ein bei Les Iles (Saint-Martial) mündender kleiner Bach, ein von La Côte herabkommender Bach, der Ruisseau de Vergnes, der Ruisseau de Saint-Martin, die Doue, der Merlencon, die Marcourive und der Ruisseau de Varaignes. Auch einige Trockentäler sind nennenswert, beispielsweise bei Ribeyrolles (Saint-Martin-le-Pin), das große, in Feuillade öffnende Trockental Grand Ravin du Vallon de la Tricherie, bei Bancheraud (Marthon) und am Friedhof von Marthon.
Bevorzugte Richtungen der rechten Seitentäler sind vorrangig Nordost, aber auch Ost, Ostnordost und Nord.
Die linken Seitentäler sind mehrheitlich kleine Trockentäler, Ausnahmen sind das Tal von Villejalet und von Lombardière (beide Lussas-et-Nontronneau), die Wasser führen. Die Ausrichtung der linken Seitentäler ähnelt den Verhältnissen auf der rechten Seite, wobei noch die Richtungen Nordnordost und Südsüdost hinzukommen können.
Geologie Die Grabenfüllung besteht aus Sedimenten des Unteren Juras, des Mittleren Juras und aus tertiären Lockersedimenten. Am Südostende der Struktur findet sich im Grabeninnern metamorphes Grundgebirge mit Paragneisen – dem Nontron-Paragneis. Das Grundgebirge endet an einem Ostnordost-streichenden Querbruch, an dem der Bandiat seine drastische Richtungsänderung nach Nordwest vornimmt und ab jetzt dem Grabenbruch folgt.
Die Grabenschultern am nördlichen Südostende werden vom Piégut-Pluviers-Granodiorit gebildet, auf der Südwestseite bestehen diese jedoch aus Oberem Jura.
Unterer Jura Der bis zu 30 Meter mächtige Untere Jura wird nur in relativ kleinen Vorkommen im Südosten angetroffen. Vorhanden sind Hettangium, Pliensbachium und Toarcium. Der Untere Jura kann zwei transgressiven Zyklen zugeordnet werden. Der erste Zyklus besteht aus Hettangium der Formation l1-4 (Arkosen, Dolomite und Oolithkalke). Der zweite Zyklus der Formation l5-9 führt Pliensbachium (grobe und dolomitische Sandsteine) und Toarcium (graue, mergelige Tonsteine). Der Unterjura ist in den beiden rechten Seitentälern des Bandiats südlich von Montagenet (Gemeinde Saint-Martial-de-Valette) aufgeschlossen. Der zweite Zyklus findet sich in einem Zwickel bei Lombardière (Gemeinde Lussas-et-Nontronneau) und bei Le Moulin Vieux (Gemeinde Saint-Martin-le-Pin) an der Doue.
Mittlerer Jura mini|hochkant=1.6|Unterbajocium von Ribeyrolles, ältestes Schichtglied des Mittleren Juras im Bandiatgraben
Der Mittlere Jura stellt so gut wie die gesamte Grabenfüllung aus Festsedimenten. Anstehend sind Bajocium, Bathonium und Callovium. Das Bajocium beginnt mit 15 bis 20 Meter mächtigem Unterbajocium der Formation j1a. Es baut sich aus feinkörnigen, braunfarbenen, bioklastischen Kalken auf. Das Unterbajocium ist nur bei Ribeyrolles (Gemeinde Saint-Martin-le-Pin) auf der rechten Bandiatseite anstehend. Darüber folgt Mittelbajocium der Formation j1b, das gewöhnlich als grauer oder brauner, krypto- bis mikrokristallin zementierter Oolithkalk (Grainstone mit braunen Oolithen) von 20 bis 60 Meter Mächtigkeit ausgebildet ist. Das Mittelbajocium ist ab Ribeyrolles auf beiden Talseiten des Bandiats vorhanden – auf der rechten Talseite bis Marthon und auf der linken Talseite bis Feuillade. Das Bajocium endet mit dem Oberbajocium der Formation j1c. Es besteht aus weißen Oolithkalken mit zwei Ooidpopulationen und aus beigen Pelletoidkalken, die krypto- bis mikrokristallin zementiert sind. Die Formation hat eine dem Mittelbajocium ähnelnde Verbreitung, da sie aber stratigraphisch höher liegt, ist sie meist vom Fluss etwas zurückversetzt.
Das Bathonium beginnt mit dem Unterbathon (Formation j2a) und besteht vorwiegend aus braunen, lithoklastenreichen Kalken, die krypto- bis mikrokristallin zementiert sind und lignithaltige Tonlagen aufweisen. Es hebt sich von den vorangegangenen Formationen des Bajociums durch seine intensivere, dunklere Farbgebung ab. Es erscheint nördlich von Marthon sowie auf der linken Bandiatseite ab Bondazeau (Gemeinde Lussas-et-Nontronneau) bis Marthon. Auf das Unterbathon folgt die Formation j2b des Oberbathons. Dieses baut sich vorwiegend aus einem weißen kreidigen Kalk und aus weißen, gelegentlich mikritischen Kalken auf. Der kreidige, kryptokristallin zementierte Kalk enthält feinkörnige Pelletoide und Intraklasten. Seine Verbreitung folgt der des unterlagernden Unterbathons.
Die abschließende Formation der Grabenfüllung ist das Callovium (Formation j3). Es handelt sich hierbei um eine binäre Wechselfolge aus beigen Ooolithkalken mit zahlreichen Foraminiferen (sehr seltene Meyendorffinen, Textularien und häufige Trocholinen) und weißen, leicht kreidigen Kalken mit feinkörnigen Oolithen, Onkolithen und Pelletoiden (mit möglichen Pseudomorphosen von Evaporitkristallen), zu der sich beige, kryptokristalline Kalke mit Gasteropoden und Lamellibranchiern gesellen können. Aufgeschlossen ist das Callovium nördlich von Marthon und südwestlich des Bandiats, wo sein Nordostrand in etwa den Verlauf des Grabens definiert.
Der Mittlere Jura kann auch rekristallisiert und verkieselt als Formation jC auftreten. Die Rekristallisation betrifft vor allem das Bajocium und stellt sich auch in Verwerfungsnähe ein. So ist beispielsweise entlang der Randstörung bei La Côte der Mittlere Jura vollkommen zu Schuttknollen zerrüttet, die aufgeschlagen eine durchgehende radialstrahlige Rekristallisation des Calcits an den Tag legen.
Tertiäre Lockersedimente Die tertiären Lockersedimente gliedern sich in kontinentale fluviatile Schüttungen, in kolluviale Hangsedimente, in pleistozäne Flussterrassen und in holozänes Alluvium.
Die kontinentalen Flussschüttungen der Formation H-F sind zeitlich nur sehr ungenau zu fassen und werden in den Zeitraum Eozän/Pliozän gestellt. Damals zogen ausgedehnte Flusssysteme aus dem Grundgebirge in südwestlicher Richtung heraus. Ihre sandig-kiesigen Ablagerungen erscheinen in der Gemeinde Javerlhac-et-la-Chapelle-Saint-Robert bei Chauffour, nördlich von Pys und östlich von Puymoger, sie können aber auch auf die gegenüberliegenden Talseite ausgreifen (zu sehen bei Les Petites Brousses).
Die kolluvialen Hangsedimente werden der Formation HC und C zugeschrieben. Die pleistozäne Formation HC hat sich durch Umlagerung hauptsächlich aus der Formation H-F entwickelt. Sie bedeckt vor allem die höheren Anteile der Grabenfüllung beiderseits des Bandiats. Die jüngere Formation C besteht aus Sanden und Tonen. Sie begleitet seitlich die Flusstalung des Bandiats und gewinnt bei Marthon an Bedeutung. Das periglaziale Kolluvium der Formation C ist ein Umlagerungs- bzw. Auswaschungsprodukt umliegender anstehender Gesteinsformationen. Es findet sich meist in tieferen Hanglagen und in Trockentälern. Es kann auch Flussterrassen verhüllen. Seine Mächtigkeit übersteigt selten 3 Meter. Der Transportweg ist recht gering. Generell handelt es sich hierbei um ein feinkörniges Gemisch aus Tonen und Kalken bzw. Sanden, in das zahlreiche Kalkbruchstücke eingelagert sind.
Bei den Terrassen können Hochterrassen (Formation Fv) von Mittelterrassen (Formation Fw) unterschieden werden. Hochterrassen mit altpleistozänen alluvialen Kiesen und Geröllen sind nur vier bekannt – zwei westlich vom Ortskern von Javerlhac und zwei auf der rechten Bandiatseite in Feuillade bzw. Varaignes. Die Mittelterrassen aus Flusssanden und Quarzgeröllen stammen aus dem Mittelpleistozän und finden sich talauswärts von Ars (Gemeinde Saint-Martin-le-Pin) im gesamten Bandiattal.
Der moderne Fluss hat sich sodann in die Mittelterrassen eingegraben und fließt jetzt in holozänem Alluvium der Formation Fy-z.
Verkarstung Die Sedimente des Mittleren Juras sind stark von Verkarstung betroffen. Die Schichtenfolge Bajocium bis Unterbathon wird von bioklastischen Kalken oder mehr oder weniger verfestigten Oolithkalken charakterisiert. Sie bildet einen Aquifer, der von Mergeln des Toarciums nach unten und von tonlagenhaltigem Mittelbathon abgedichtet wird. Die Porosität des Gesteins wird von seiner tektonischen Beanspruchung verursacht, welche ihrerseits überhaupt die verkarstifizierenden Lösungsprozesse ermöglicht. Sehr schöne Beispiele hierfür finden sich in der Höhle von Teyjat und in der Höhle von Souffrignac.
Die Abfolge Oberbathon bis einschließlich Callovium weist eine dünnbankige Sedimentation auf. Die Kalkbänkchen sind an ihrer Oberfläche sehr stark zerrüttet. Auch sie neigt zur Verkarstung, wie an Dolinen (im Bois de la Rauque) oder an Trockentälern (beispielsweise das große, Nord-streichende Trockental Combe Falide in Saint-Martial-de-Valette) eindeutig zu erkennen ist.
Auch der rekristallisierte Mittlere Jura neigt zur Verkarstung, als Beispiel möge die kleine Schachthöhle bei Blanchetière (Saint-Martin-le-Pin) erwähnt sein. Schachthöhlen, kleine Gänge, Spalten, Risse und Schächte, die teils mit nachgestürztem Erdreich verfüllt sein können, sind eigentlich überall im Mittleren Jura anzutreffen.
Der Grad der Verkarstung gewinnt nach Nordwesten derart an Intensität, dass der Bandiat schließlich im Oxfordium des Untergrunds bei Bunzac (bereits außerhalb der Grabenstruktur) an der Flussschwinde Chez Roby zu versickern beginnt.
Tektonik mini|hochkant=1.6|Knickpunkte im Längsprofil des Ruisseau de la Côte mini|hochkant=1.6|Diagramm zur Erklärung der geodynamischen Verhältnisse im Bandiatgraben anhand von Riedel-Scherflächen mini|hochkant=1.6|Mit zwei Harnischstriemenrichtungen geschrammter Piégut-Pluviers-Granodiorit der Randstörung bei Moulin de la Côte