Als Kölner Schule werden ehemalige Professoren der Universität zu Köln bezeichnet, welche die heute noch geltenden Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre schufen.

Allgemeines Mit einer steigenden Zahl von Forschern und der Differenzierung ihrer Lehrmeinungen zum gleichen Thema bilden sich „Schulen“ von Anhängern bestimmter, übereinstimmender Auffassungen.Klaus Brockhoff, Betriebswirtschaftslehre in Wissenschaft und Geschichte, 2012, S. 150 Beispiele sind die Freiburger Schule der Nationalökonomie, Österreichische Schule der Volkswirtschaftslehre, die École de Paris für Anthropologie oder die Chicagoer Schule für Ökonomie.

Die „Kölner Schule“ ist die begriffliche Zusammenfassung der Lehren Eugen Schmalenbachs und seiner unmittelbaren Schüler oder Schmalenbach und seine Schüler selbst, benannt nach dem langjährigen Wirkungsort Schmalenbachs, der Universität zu Köln.Reinhold Sellien, Gablers Wirtschafts-Lexikon, Band 3, 1977, Sp. 2399

Entstehungsgeschichte Als Gründer der „Kölner Schule“ gilt Eugen Schmalenbach, der 1903 seine Dozententätigkeit an der Universität zu Köln aufnahm.Hans Münstermann, Geschichte und Kapitalwirtschaft: Beiträge zur Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre, 1963, S. 27 In jenem Jahr habilitierte er sich – ohne die Voraussetzungen Abitur und Promotion zu besitzen – mit der nicht mehr auffindbaren Arbeit „Die buchhaltungstechnische Darstellung der Betriebsgebarung“,Eduard Gaugler/Richard Köhler, Entwicklungen der Betriebswirtschaftslehre: 100 Jahre Fachdisziplin - zugleich eine Verlagsgeschichte, 2002, S. 48 einem Frühwerk der heutigen Deckungsbeitragsrechnung. Die empirische und praxisbezogene Einstellung Schmalenbachs und die hohen Anforderungen, die er an Mitarbeiter und Studenten stellte, verschafften der Kölner Universität einen sehr guten Ruf.Josef Löffelholz, Repetitorium der Betriebswirtschaftslehre, 1967, S. 791 Die „Kölner Schule“ entsprang einem so genannten „Treuhand-Seminar“ (die Vorgängerinstitution des „Seminars für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und für Wirtschaftsprüfung“ der Universität zu Köln), das Schmalenbach-Schüler aus Wissenschaft und Praxis umfasste.Klaus Brockhoff, Betriebswirtschaftslehre in Wissenschaft und Geschichte, 2012, S. 150 Um Schmalenbach sammelte sich eine Reihe junger Forscher, die seine Lehre selbständig weiterentwickelten, so dass man von einer „Kölner Schule“ spricht.

Vertreter Personell gehörten zur „Kölner Schule“ im engeren Sinn seine unmittelbaren Schüler Karl Hax, Walter Mahlberg, Willy Minz, Hans Münstermann und Ernst Walb. Horst Albach – einst selbst Student der Kölner Uni bei Erich Gutenberg – engte den Begriff auf die Zeit zwischen 1919 und 1955 ein; nur wenige würden den Begriff auf Schmalenbachs Nachfolger Erich Gutenberg übertragen, obwohl dieser nicht minder bedeutend für die Entwicklung der Betriebswirtschaftslehre war als Schmalenbach.Horst Albach, Unternehmen im Wettbewerb, 1991, S. 13

Im weiteren Sinne gehören auch Theodor Beste, Walther Busse von Colbe oder Erwin Geldmacher zur Kölner Schule. Auf Geldmacher geht die Vereinheitlichung der betriebswirtschaftlichen Terminologie zurück.Erwin Geldmacher, Grundbegriffe und systematischer Grundriss des betrieblichen Rechnungswesens, in: Zeitschrift für handelswissenschaftliche Forschung, 1929, S. 1–27 Sein Werdegang ist aufs Engste mit der „Kölner Schule der Betriebswirtschaftslehre“ verbunden.Hans H. Hohlfeld, Erwin Geldmacher als Forscher und Lehrer, in: Erwin Geldmacher (Hrsg.), Industriebetrieb und industrielles Rechnungswesen, 1961, S. 95

Inhaltlich bezieht sich die „Kölner Schule“ insbesondere auf Schmalenbachs Bilanztheorie der dynamischen Bilanz, auf Kalkulation und Preispolitik und auf die „pretiale Betriebslenkung“.Reinhold Sellien, Gablers Wirtschafts-Lexikon, Band 3, 1977, S. 2399 Schmalenbach verstand unter „pretialer Betriebslenkung“, dass das oberste Management „den nachgeordneten Dienststellen weitgehende Selbständigkeit lässt und sich nur besonders wichtige Entscheidungen vorbehält, …“.Eugen Schmalenbach, Pretiale Wirtschaftslenkung, Band 2: Pretiale Lenkung des Betriebes, 1948, S. 8 Operative Entscheidungen werden von den auf unteren Ebenen angesiedelten Entscheidungsträgern getroffen.

Im Hinblick auf die Unternehmensbewertung wird ebenfalls von einer „Kölner Schule“ gesprochen, die von Busse von Colbe, Münstermann, Manfred Jürgen Matschke und Günter Sieben weiterentwickelt wurde.Volker H. Peemöller, Praxishandbuch der Unternehmensbewertung, 2008, S. 7; ISBN 978-3482511844

Institutionalisierung Durch die Institutionalisierung der Lehren Schmalenbachs im Jahre 1932 in Form der Schmalenbach-Vereinigung wurde sichergestellt, dass auch nach Emeritierung (1951) seine Lehren weiter gepflegt werden. Sie heißt seit 1979 Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft.Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft, in: Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung, 1979, S. 1

Siehe auch Kölner Steuerrechtsschule

Einzelnachweise

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