Die Kathedrale des Meeres (Originaltitel: La catedral del mar) ist ein 2006 erschienener historischer Roman des spanischen Autors Ildefonso Falcones. Die deutsche Übersetzung von Lisa Grüneisen erschien erstmals 2007 im Scherz Verlag. Kurzbeschreibung Verflochten mit der Bautätigkeit an der Kathedrale Santa Maria del Mar schildert der Roman den sozialen Aufstieg und die mit Liebe, Krieg, Pest, Hungersnot, Hexerei, Judenverfolgung und Inquisition durchsetzte Lebensgeschichte des ehemaligen Leibeigenen Arnau Estanyol, der es „mit Hilfe eines Juden, dessen Kinder er vor den christlichen Verfolgern gerettet hat, und eines menschlichen Mauren aus bitterster Armut zu großem Reichtum“ bringt.Manfred Tietz: Die literarische Erinnerung an das trikulturelle Spanien im Mittelalter in deutschen und spanischen historischen Romanen der Gegenwart. In: Klaus Herbers, Nikolas Jaspert (Hg.): Integration - Segregation - Vertreibung. Religiöse Minderheiten und Randgruppen auf der Iberischen Halbinsel (7. bis 17. Jahrhundert). LIT, Berlin 2011. S. 363–383. Hier S. 377. Inhaltsangabe Erster Teil „Diener der Erde“ Der katalanische Bauer Bernat Estanyol heiratet. Sein Feudalherr Llorenç de Bellera nimmt jedoch das Ius primae noctis mit Bernats Ehefrau Francesca in Anspruch.Ildefonso Falcones: Die Kathedrale der Meeres. 4. Auflage. Scherz, Frankfurt/Main 2008. ISBN 978-3-502-10097-3. S. 18. Damit Llorenç später kein Bastard präsentiert werden kann, zwingt er nach der Vergewaltigung Francescas deren Ehemann zum sofortigen Geschlechtsverkehr mit seiner Frau; ansonsten werde das gleiche Ziel dadurch erreicht, dass ein Soldat Llorençs über Francesca herfalle. Bernat handelt wie ihm befohlen,Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 23. die anschließende Ehe ist ebenso kaltFalcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 24. wie Francescas Verhältnis zum gezeugten Sohn Arnau, der sich durch ein erbliches Muttermal eindeutig als Bernats Sohn ausweist.Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 31. Dieses eindeutige Merkmal hat zur Folge, dass Llorenç von anderen Adligen wegen mangelnder Manneskraft verspottet wird. Fast ein Jahr nach der Vergewaltigung Francescas holt er sie und Arnau auf seine Burg: Francesca soll als Amme von Llorençs Sohn Jaume dienen,Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 34. der kleine Arnau wird in einem Verschlag eingesperrt. Wenn Francesca zu ihm gehen will, wird sie von Llorençs Leuten vergewaltigt, so dass sie sich letztlich nicht mehr um Arnau kümmert, dem daher der Hungertod droht.Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 36–37. Als Bernat das während eines Aufenthalts auf der Burg zufällig erfährt, befreit er Arnau spontan, erschlägt dabei einen Schmiedegesellen, sieht keine Möglichkeit, Francesca mitzunehmen, flieht zunächst in die Berge.Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 37–40. Llorenç verweist Francesca als „Hure“ seiner Burg. Da Francesca wegen dieses Rufs von ihrer Familie öffentlich verstoßen wurde und daher zu ihren Eltern nicht zurückkehren kann, wird Francesca aus schierer Not tatsächlich zur Prostituierten.Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 41. Bernat flieht derweil mit Arnau weiter nach Barcelona, wo er sich aufgrund des Stadtluft macht frei eine neue Zukunft erhofft.Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 42. Er kommt bei seinem Schwager Grau Puig unter, dessen Geschäftsgründung er einst finanziell förderte.Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 49. Grau strebt eine politische Karriere an, weswegen er einen flüchtigen Leibeigenen nicht offen unterstützen kann; er mag aber auch nicht riskieren, dass Bernat festgenommen wird und plaudert, und lässt Bernat daher als Handlanger in seiner Töpferei arbeiten, wo Bernat sich durch seine große Sorgfalt auszeichnet.Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 59.

Zweiter Teil „Diener des Adels“ Von seiner Cousine Margarida Puig verlockt, gehen Arnau und Margaridas jüngster Bruder zu den winterlichen Ankerplätzen der vor Barcelona liegenden Schiffen, werden ertappt, fliehen durchs kalte Wasser, was Margaridas Bruder eine tödliche verlaufende Krankheit einbringt.Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 73. Margarida bezichtigt Arnau, Ideengeber für den winterlichen Hafenausflug gewesen zu sein,Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 71. weswegen Grau Puig befiehlt, Arnau dürfe nie wieder über seine Hausschwelle treten. Von der Puig-Familie isoliert, freundet sich Arnau mit Joan an, dessen Mutter wegen Ehebruchs eingekerkert ist, was Arnau auf seine eigene Mutter neugierig macht. Bernat fragt sich: „Was soll ich ihm sagen? Dass sie ihre Jungfräulichkeit unter den Stößen eines betrunkenen Adligen verlor? Dass aus ihr die öffentliche Frau auf der Burg des Herrn von Bellara wurde? […] ‘Kindern wie dir, die keine Mutter haben, schenkt Gott eine neue Mutter: die Jungfrau Maria‘“, belügt Bernat daher seinen Sohn,Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 88. der eine innige Marienfrömmigkeit entwickelt, die sich auf der Baustelle von Santa Maria del Mar verortet.Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 96. Dem dortigen Pater stellt Joan, der von seinem Vater verboten bekommen hat, dessen Nachnamen zu nennen, sich als Joan Estanyol vor und Bruder Arnaus.Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 100. Auf der Baustelle machen Arnau und Joan die Bekanntschaft der Bastaixos (Lastenträgern des Barceloneser Hafens, die auf ihren Schultern die Steine zur Baustelle schleppen), bewundern deren Kraft, dienen sich den schwitzenden Steinträgern als unbezahlte Wasserträger an.Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 113. Währenddessen heiratet Grau Puig nach dem Tod seiner ersten Frau, Bernats Schwester, erneut: eine Adlige namens Isabel, die Grau Puig einen Baron-Titel einbringt.Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 130. Der frischgebackene Baron stößt die Töpferei ab, in der Bernat bisher arbeitete. Bernat und Arnau sind anschließend Graus Stallknechte, wohnen zusammen mit der Sozialwaise Joan außerhalb von Graus Stadtpalast zur Untermiete,Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 132–134. während Joan durch den Pater von Santa Maria del Mar gefördert und in der Domschule zum Klassenbesten wird.Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 153. Bei der Stall-Arbeit geraten Bernat und Arnau derweil in Konflikt mit jenen Stallknechten, die Isabel mit in die Ehe nahm, fallen einer Intrige durch diese Konkurrenz zum Opfer, werden von Baronin Isabel gedemütigt, die Arnau zwingt, ihre seidenen Pantoffel zu küssen.Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 154. Zu den Demütigungen soll auch zählen, dass Isabel die von einer allgemeinen Hungersnot betroffenen Bernat und Arnau zwingt, Kostgeld für in Pressionshaft einsitzende Schuldner Grau Puigs durch Barcelona zu tragen,Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 168. wobei Bernat und Arnau in einen Hungeraufstand geraten, in dessen Verlauf der durch seine Situation frustrierte Bernat unverhofft zum Wortführer wirdFalcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 170. – und nach Niederschlagung des Aufstands als solcher aufgehängt.Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 172. Baronin Isabel taucht mit ihren Stiefkindern an der Richtstätte auf und verhöhnt den gehenkten Bernat, woraufhin Arnau ihr Rache schwörtFalcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 178. und in einer nächtlichen Aktion mit Hilfe Joans seinen toten Vater am Strang verbrennt, damit Bernat nicht weiter verhöhnt werden kann.Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 182–183. Während Arnau vor den Richtstätten-Wächtern flieht, klärt er zufällig einen versuchten Diebstahl aus der Zunftkasse der Bastaixos auf und wird zur Belohnung in deren Zunft aufgenommen.Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 194. Da nach dem Tod Bernats und durch das geringe Bastaix-Gehalt die Untermiete nicht mehr vollständig gezahlt werden kann, bekommen Arnau und Joan neue Mitbewohner: eine Gerbersfamilie, von der die junge Aledis Arnau „in ihren Bann“ zieht,Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 235. deren Vater allerdings ehrgeizigere Pläne für seine Tochter hat und daher Arnaus Heiratsabsichten ablehnt.Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 237. „Wenige Monate später war Aledis mit einem alten Gerbermeister verheiratet worden, einem Witwer, der lüstern über die fehlende Mitgift des Mädchens hinwegsah.“Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 241.

Dritter Teil „Diener der Leidenschaft“ Nach dem Scheitern bei Aledis will der liebesresignierte Arnau vom Thema Ehe nichts wissen, redet sich heraus, er müsse Joan für dessen kirchliche Karriere finanziell den Rücken frei halten.Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 242. Joan allerdings koppelt seinen Ordens-Eintritt am gleichen Abend, an dem Arnau mit der Zunftmeisters-Tochter Maria verkuppelt werden soll, an Arnaus Heirats-Einwilligung, die Arnau daher erteilt,Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 258. um gleich darauf in eine Affäre mit Aledis zu trudeln, die ihren Ehemann als „aufdringlichen, tattrigen Schlappschwanz“ empfindet.Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 264. Während Joan sich im Jahre 1342 zum Studium gen Bologna einschifft, setzt Aledis ihrem Liebhaber Arnau „immer heftiger zu“, wird fordernder, droht damit, die Affäre auffliegen zu lassen.Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 277. Arnau fühlt sich ausweglos, bittet die Heilige Jungfrau in Santa Maria del Mar, „ihn von dieser Spinne zu befreien, die ihn verfolgte“,Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 278. sieht im Zwist seines Königs mit König Jaume el Temerari einen leichten Ausweg, zieht daher 1343 in den Krieg.Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 285. Im Widerspruch dazu steht die Zeitangabe auf S. 521, dass Aledis in 1367 nach fünfundzwanzig Jahren erstmals wieder in Barcelona ist; demzufolge wäre der Kriegszug in das Jahr 1342 gefallen. Die leidenschaftliche Aledis allerdings hat Arnau nachgesetzt, wird von einem Fährmann vergewaltigt,Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 293. gerät im Tross des Heerzugs an Arnaus Mutter Francesca, die inzwischen von der Hure zur Zuhälterin geworden ist und die aufgrund des erblichen Muttermals erkennt, dass es sich bei der von Aledis beschriebenen Person um ihren Sohn handeln muss.Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 302. Nach Rücksprache mit Arnau, dem sie sich allerdings nicht zu erkennen gibt, sorgt Francesca durch die Lüge, dass Arnau in einem Duell getötet worden sei, dafür, dass Aledis Francescas Sohn nicht mehr nachstellt: Francesca teilt Arnau mit, „Aledis wird dich nicht mehr behelligen“,Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 326. und nimmt die durch Ehebruch und Vergewaltigung sozial stigmatisierte Aledis in ihren Prostituierten-Trupp auf.Falcones, Die Kathedrale des Meeres, S. 322.