mini|400px|Ein typischer Wrestling-Ring, auch Squared Circle genannt.|alternativtext= Wrestling (englisch für Ringen, Aussprache eigentlich [ˈʁɛslɪŋ], im Deutschen aber oft [ˈvʁɛslɪŋ] oder [ˈvʁɛstlɪŋ]) ist eine besonders in Japan, den USA und Mexiko populäre Schaukampf-Sportart. Im deutschen Sprachraum wird Wrestling in Anlehnung an das Catch Wrestling auch Catchen und im englischen Sprachraum auch professional wrestling genannt.

Wrestling kombiniert Sport und Dramaturgie; die Kämpfe und Fehden folgen einem Drehbuch, der Sieger steht vor dem Match fest. Neben den Matches spielen Storylines eine bedeutende Rolle, weshalb nicht nur das Beherrschen der Kampftechniken zählt, sondern auch das schauspielerische und rhetorische Talent der Wrestler. Kommerzielle Wrestling-Shows werden im Fernsehen ausgestrahlt und sind mit Seifenopern vergleichbar. Wrestling ist von einem Gut-Böse-Schema geprägt; in der Regel treten Helden (Face für Babyface) gegen Bösewichte (Heel) an. Es gibt zahlreiche Matchvarianten und neben Einzel- auch Team-Bewerbe (Tag Team). Es gibt verschiedene Titel (etwa World Championship), wofür ähnlich wie im Boxen Gürtel vergeben werden.

Innerhalb der Show wird der fiktionale Charakter nicht gebrochen. Dieser im Wrestling „Kayfabe“ genannte fiktionale Rahmen hat sich jedoch seit Aufkommen des Internets verschoben, und reale und fiktive Elemente werden im zeitgenössischen Wrestling häufig vermischt.

Die weltweit größte Promotion ist seit den 1980er-Jahren World Wrestling Entertainment (WWE, vormals WWF), die Wrestling maßgeblich zu einem Massen- und multimedialen Entertainmentformat geformt hat.

Infolge von Doping und dem Missbrauch von Drogen und Schmerzmitteln kam es zu zahlreichen Todesfällen von Wrestlern. In Kritik steht hier etwa die WWE, in der das Doping gefördert worden sein soll. Es kommt zudem regelmäßig zu Verletzungen sowie Langzeitschäden, etwa in Folge häufiger Gehirnerschütterungen.

Begriff und Überblick „Wrestling“ bedeutet auf Deutsch zunächst einfach „Ringen“. Im englischen Sprachraum werden jedoch das olympische Freistilringen und griechisch-römische Ringen „Amateur Wrestling“ genannt, während das in diesem Artikel beschriebene Wrestling eine Sonderform ist und dort mit „Professional Wrestling“ (deutsch: Berufsringen) bezeichnet wird. Auch im deutschen Sprachraum ist der Begriff Professional Wrestling (kurz Pro Wrestling) geläufig.

Wrestling ist eine Mischung aus Show und Sport. Das Ziel ist nicht der Wettkampf, sondern die Zuschauer bestmöglich zu unterhalten (Entertainment). Die Storylines, die um das Matchgeschehen und um die Akteure herum erfunden werden, kann man mit Seifenopern vergleichen. Man versucht, die Zuschauer so zu fesseln, dass sie die Show auf Dauer verfolgen. In der Anfangszeit des modernen Wrestlings wurde von Seiten der verschiedenen Promoter versucht, das Wrestling dem Publikum als „echt“ zu verkaufen. Deswegen inszenierte man im Ring immer wieder den „Kampf“ zwischen „Gut“ und „Böse“, wobei die Wrestler niemals von ihrer Rolle abweichen durften. Ähnlich wie bei einem Zauberer war es ungeschriebenes Gesetz, die Geheimnisse nicht nach außen zu tragen. Diesen Verhaltenskodex des Wrestling-Geschäfts bezeichnet man mit „Kayfabe“. Im modernen Wrestling wird das Kayfabe jedoch zunehmend aufgebrochen. Wrestler treten etwa in Interviews und in Sozialen Medien nicht in ihrer Rolle auf und sprechen offen über den fiktionalen Charakter. Seit den 2020er Jahren finden nach den Veranstaltungen Pressekonferenzen statt (etwa bei WWE und All Elite Wrestling), und innerhalb der Stories werden reale und fiktive Ereignisse vermischt. Fakt bleibt, dass Wrestling inszeniert ist. Die Abläufe der Matches werden zuvor mehr oder weniger detailliert abgesprochen, wobei der Detaillierungsgrad unter anderem vom Talent und der Erfahrung der Kontrahenten abhängt. Sogenannte Money-Spots werden vor den Matches mit der jeweiligen TV-Crew abgesprochen. Man bezeichnet mit diesem Begriff entscheidende Aktionen und Geschehnisse im Ring, die bestmöglich von den Kameras aufgezeichnet werden sollen.

Geschichte des US-amerikanischen Wrestlings Anfänge (1860er–1940er Jahre) mini|Wrestlers, Gemälde von George Benjamin Luks, 1905 Die Anfänge dieser Art des Wrestlings liegen noch im 19. Jahrhundert. Zur damaligen Zeit wurde Wrestling hauptsächlich als Belustigung auf Jahrmärkten und kleineren Festen betrieben. Hierbei versuchten Besucher, deutlich überlegene und trainierte Athleten zu besiegen, jedoch verloren sie meistens. Um die Angelegenheit weiterhin spannend zu gestalten, bekamen die Herausforderer andere Wrestler zur Seite gestellt, die ihnen meistens zum Sieg verhalfen. Viele Jahre blieb das Wrestling auf Jahrmärkten beliebt; jedoch bildeten sich die ersten kleinen Wrestling-Ligen, und der Erfolg wuchs im frühen 20. Jahrhundert immer mehr. Wrestling wurde innovativer und professioneller. Der erste Titel im amerikanischen Pro-Wrestling war der am 18. Januar 1880 durch den Chefredakteur der New Yorker Police Gazette Richard Karl Fox eingeführte „American Greco-Roman Title“. Als erster American-Greco-Roman-Champion gilt demnach William Muldoon. Der Titel wurde ihm zuerkannt, da er am 18. Januar 1880 den Franzosen Theobaud Bauer in „Gilmore’s Garden“ besiegte. Ein zweiter Titel, der „American Catch-As-Catch-Can Title“, entstand 1881 in England, als Resultat des Matches Tom Cannon vs. Joe Acton. Acton siegte und bekam den oben genannten Titel. Acton überführte ihn in die USA und verlor ihn 1887 in Chicago an Evan Lewis. Den „American Greco-Roman Title“ betrachtete man bis dato als „World Title“. Er galt jedoch nicht für Europa. Hinter diesem Titel stand stets die Police Gazette, die größere Meisterschaften im damaligen Pro-Wrestling durchführte.

1901 wurde in San Francisco das sogenannte Tag Team Wrestling als offizielle Wrestling-Match-Art eingeführt. In den späten 1920er Jahren wurde Wrestling innerhalb der USA als internationaler Sport anerkannt, nachdem es auch in Australien und England populärer geworden war.

Im August 1929 wurde die Promotion National Wrestling Association (NWA) im Rahmen der National Boxing Association gegründet. Bereits im Oktober 1930 machte sich die National Wrestling Association von der NBA unabhängig und wurde ab 1935 zielstrebig zum ersten Wrestling-Marktführer ausgebaut. Die Promotion wandelte sich nun in eine Federation.

Bereits um 1931 bildete sich die erste der späteren beiden großen US-amerikanischen Ligen heraus: die von Jim Crockett geführte Jim Crockett Promotions (JCP). Anfang der 1950er Jahre kam noch die Capitol Wrestling Corporation (CWC) hinzu, geführt von Vincent J. McMahon. Beide Ligen waren an der US-amerikanischen Ostküste ansässig. Aus diesen beiden Promotionen gingen die späteren Promotionen World Championship Wrestling (WCW) und World Wrestling Federation (WWF) hervor.

1934 wurde Wrestling in Südafrika mit der Begründung verboten, es sei „brutal und erniedrigend“, und ein Jahr darauf (1935) wurde das sogenannte „Schlamm-Wrestling“ eingeführt.

Zuerst wurde dies nur unter Männern praktiziert, doch Ende der 1930er Jahre auch von Frauen. Ab 1935 wurde in der National Wrestling Association eine Territorialstruktur eingeführt, in der in der Regel eine regionale Wrestling-Promotion ein bestimmtes Gebiet kontrollierte. Ab 1940/41 wurde dieses System von der späteren National Wrestling Alliance (NWA) übernommen und ausgebaut.

Gründung der NWA und First Golden Age (1950er–1970er Jahre) mini|NWA-Champion Lou Thesz, ca. 1950 Im Sommer 1948 wurde bei einem Treffen von Promotoren, die fast ausschließlich der National Wrestling Association angehörten, in Iowa die National Wrestling Alliance gegründet. Bei einem zweiten Treffen im September des gleichen Jahres einigte man sich dort darauf, einen einheitlichen – das heißt, einen von allen Mitgliedsverbänden anerkannten – World Title einzuführen, der global zu verteidigen sei. Aus diesem Grund einigten sich die Anwesenden auf Orville Brown, der als erster NWA World Heavyweight Wrestling Champion in die Geschichte einging. Man beschloss, auch den einstigen Mutterverband einzugliedern, und es wurde zwischen den Promotoren der beiden NWAs eine Storyline für eine Titelvereinigung ausgearbeitet. Doch eine Unfallverletzung Browns vereitelte diese, und der World Title der National Wrestling Alliance wurde am 27. November 1949 kampflos dem amtierenden Schwergewichtsweltmeister der National Wrestling Association, Lou Thesz, zugesprochen. An diesem Tag ging die alte NWA in der neueren auf. Die erste Titelregentschaft von Thesz dauerte über sechs Jahre. mini|Stilprägend: Gorgeous George, 1954 Das so genannte „erste goldene Zeitalter im Wrestling“ (First Golden Age) begann in den 1950er Jahren. Die Idee der Veranstalter wurde es nun, ihre Shows auf das Hauptmatch zu konzentrieren, um somit mehr Spannung und Interesse zu wecken. In dieser Zeit wurde der Begriff „Main Event“ das tragende Wort. Die NWA führte dazu wieder das Territoriensystem ein, jedoch war es diesmal viel besser geplant und koordiniert. Einige bekannte Wrestler wurden von Gebiet zu Gebiet geschickt, um dort mit den jeweiligen Wrestlern zusammenzuarbeiten und diese bekannt zu machen. Auch das Fernsehen wurde für die Promoter immer interessanter, zugleich war das Abfilmen von Wrestling-Veranstaltungen für das Fernsehen billig zu produzieren. Wrestling zählte schnell zu den populärsten Sendungen des noch jungen Massenmediums. Einer der größten Stars dieser Zeit neben Lou Thesz war Gorgeous George (George Raymond Wagner), dessen Stil die Entwicklung des modernen Wrestlings maßgeblich prägte. Sein Auftreten als extravaganter und dekadenter Bösewicht wurde von zahlreichen späteren Wrestlern imitiert, etwa von Ric Flair. George übte auch auf die Unterhaltungs- und Sportindustrie Einfluss aus, etwa auf Muhammad Ali.Martin Hoffmann: Der Wrestler, der Alis Vorbild war, sport1.de, 26. Dezember 2020, abgerufen am 1. Februar 2023. Neben der NWA bildeten sich die American Wrestling Association sowie die World Wide Wrestling Federation. Die AWA wurde zur beliebtesten Liga. Der damalige Chef der Promotion war Verne Gagne. Ab 1963 verließen immer mehr Wrestler die NWA und wechselten zur WWWF. Das war der erste Schritt dieser Liga zur Dominanz auf dem amerikanischen Wrestling-Markt.

Golden Era (1980er–1990er Jahre) mini|Der sechsfache WWF World Heavyweight Champion Hulk Hogan Die NWA verlor immer mehr an Bedeutung, da ihr Konzept nicht mehr der Zeit entsprach, und die World Wrestling Federation (WWF) (heute: WWE) wurde immer einflussreicher. Federführend war dabei Vince McMahon, der die WWF 1983 von seinem Vater übernahm. Durch gezieltes Marketing avancierte Hulk Hogan zum Aushängeschild des Wrestlings und machte es landesweit populär; es wurden auch erstmals im Wrestling Merchandising-Artikel produziert.

„WrestleMania“