mini|hochkant|Selmar Spier nach seiner Emigration in das Mandatsgebiet Palästina, 1938 165px|zentriert|rahmenlos

Selmar Spier (; geboren am 8. März 1893 in Frankfurt am Main;Selmar Spier, Geburtsregister Nr. 935/1893, Standesamt I Frankfurt am Main gestorben am 11. November 1962 im Moschaw (hebr. מוֹשָׁב) Ramot Ha’Shavim (hebr. רָמוֹת הַשָּׁבִים), Israel)Traueranzeige Dr. Selmar Spier. In: The Jerusalem Post, 13. November 1962. – Zitat: „Dr. Selmar Spier (formerly Frankfort-Main) died in his home in Ramot Hashavim on November 11, 1962. The Family“. war ein deutsch-israelischer Jurist, Auslandskorrespondent, Landwirt, Historiker, Vortragsredner und Autor.Spier, Selmar. In: Deutsches Literatur-Lexikon, Bd. 18 Siff–Spoerri, Walter de Gruyter, Berlin 1998, ISBN 978-3-907820-23-0.Reinhard Frost: (Stand des Artikels: 26. August 1995), auch in: Prof. Dr. Barbara Dölemeyer/Dr. Simone Ladwig-Winters: Kurzbiographien der Anwälte jüdischer Herkunft im Oberlandesgerichtsbezirk Frankfurt. In: 125 Jahre Rechtsanwaltskammer Frankfurt am Main – Oberlandesgericht Frankfurt am Main, Rechtspflege, Ausstellung Anwalt ohne Recht – Festveranstaltung 1.10.2004, Paulskirche, Frankfurt am Main. Rechtsanwaltskammer Frankfurt am Main, Oberlandesgericht Frankfurt am Main, Dr. Rudolf Lauda (Hrsg.), Frankfurt am Main 2004, S. 137–205 (Zitatstelle: S. 191f.). Er setzte sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges aktiv für die Wiedergutmachung der durch den Nationalsozialismus, den Antisemitismus und die damit verbundene Rassenpolitik erlittenen Schäden ein. Mit seiner Heimatstadt Frankfurt am Main emotional auf das Engste verbunden, engagierte er sich in der seitens der Stadt einberufenen Historikerkommission für die Erforschung der Geschichte der Frankfurter Juden und publizierte.aj: Selmar Spier gestorben. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, undatierter Zeitungsausschnitt, [November 1962].Dokumente zur Geschichte der Frankfurter Juden 1933–1945. Kommission zur Erforschung der Geschichte der Frankfurter Juden (Hrsg.), Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1963, . Von den Nationalsozialisten 1933 an seiner weiteren Berufsausübung gehindert und nach Emigration expatriiert,Elfte Verordnung zum Reichsbürgergesetz, RGBl. I, S. 722. erhielt er seine deutsche Staatsbürgerschaft und seine anwaltliche Zulassung Ende der 1950er Jahre wieder.Der Hessische Minister der Justiz, AZ: IIb S 285. Wiesbaden, den 16. Dezember 1959. Im Auftrag [Unterschrift] (Dr. Puttfarcken) Ministerialrat Dennoch blieb der Multibegabte ein innerlich Zerrissener zwischen alter und neuer Heimat, ein Zustand, der sich situations- und altersbedingt sowie familiär nicht mehr auflösen ließ. Den Frankfurtern hat er ein publizistisches Werk hinterlassen, das die Stadt in ihrem baulichen Zustand vor den Weltkriegen liebevoll preist und seine persönlichen Eindrücke jener Zeitspanne schildert, insbesondere vor 1914.Selmar Spier: Vor 1914 – Erinnerungen an Frankfurt geschrieben in Israel, Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1961, , 2. Auflage 1968 ebda.,

Familie mini|hochkant|Ab 1891 war Selmar Spiers Vater Simon an der überregional expandierenden Leder- und Schuhwarenfirma Louis Spier beteiligt, Werbeanzeige 1888 mini|hochkant|Der aus Kurhessen stammende Unternehmer Simon Spier (1859–1929), um 1910 mini|hochkant|Flora, Thea und der etwa 10-jährige Realschüler Selmar Spier, etwa 1903 mini|hochkant|Die Medizinstudentin Ully „Marlene“ Herrmann, 1930

Selmar Spier war das erste Kind und der einzige Sohn des deutschen Unternehmers und Firmengründers Simon Spier (geboren am 31. Dezember 1859 in Schrecksbach, Kurhessen; gestorben am 23. Januar 1929 in Frankfurt am Main) und dessen Ehefrau Bertha, geb. Kaufmann (geboren am 27. Februar 1868 in Hilbringen bei Merzig; gestorben am 13. April 1946 in Ramot Ha’Shavim, Mandatsgebiet Palästina).Simon Spier wurde am 31. Dezember 1859 im nordhessischen Schrecksbach als achtes von neun Kindern des Nathan Spier (1816–1897) und der Frika, geborene Zilberberg (1824–1863), geboren. Er heiratete am 9. Dezember 1891 im Hotel Zum weißen Roß, Vorstadt 40/42, in Bingen am Rhein die am 27. Februar 1868 im saarländischen Hilbringen (heute Stadtteil von Merzig) geborene Bertha Kaufmann. Diese war eines von zehn Kindern des Chajim/Chaim (Kain) Kaufmann (1831–1899) und dessen Ehefrau Johanna Brünette, geborene Lazar (1841–1928). Simon Spier verstarb am 23. Januar 1929 in Frankfurt am Main, seine 1936 emigrierte Witwe am 13. April 1946 im Moschaw (hebräisch מוֹשָׁב) Ramot Ha'Shavim (hebräisch רָמוֹת הַשָּׁבִים) im britischen Mandatsgebiet Palästina. Selmars Brit Mila fand am 16. März 1893 statt.Einladungsklappkarte mit frontseitigem Bildmotiv eines auf einem Kissen ruhenden Kleinkindes mit aufgedrucktem Text: „Zu der Donnerstag den 16. d. Mts., Vormittags 10 Uhr stattfindenden ברית מילה beehren wir uns, Sie ergebenst einzuladen. Simon Spier u. Frau, Grünestraße 40II. Frankfurt a. M., im März 1893“.

Er hatte zwei jüngere Schwestern, Flora (geboren am 25. Juni 1894; gestorben am 18. März 1983, verheiratet mit dem Stuttgarter Kaufmann Max Stettiner, geboren am 16. August 1887 in Stuttgart; gestorben 1963 in Israel)Die Eheschließung des Kaufmanns Max Stettiner (geboren am 16. August 1887 in Stuttgart) mit Flora Spier (geboren am 25. Juni 1894 in Frankfurt am Main) wurde am 4. Februar 1925 im Standesamt I Frankfurt am Main (Heiratsregister I, Nr. 62) vollzogen und beurkundet. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor, Ernst Manfred, geboren am 1. März 1926 in Stuttgart (Geburtsregister Nr. 916/1926), Gerhard Walter, geboren am 9. Dezember 1927 in Stuttgart (Geburtsregister Nr. 5217/1927) und Hanna Traute, geboren am 17. März 1930 in Stuttgart (Geburtsregister Nr. 1193/1930). und Thea (geboren am 10. November 1898 in Frankfurt am Main; gestorben am 11. August 1990 in Charleston, South Carolina, USA, verheiratet mit dem oberfränkischen Kaufmann Ludwig Bamberger).Dr. Herbert Loebl OBE: The Holocaust – 1800 Years in the Making. Exemplified since ca. 1030 by the Experience of the Jewish Community of Bamberg in Franconia. A course of 9 lectures. Department of Religious Studies, University of Newcastle upon Tyne, Winter Term 1989. Selbstverlag, Newcastle upon Tyne 1989. . Darin nicht enthalten: Chapter IV – The Bamberger Families of Burgkunstadt and Mitwitz, unvollendet, unveröffentlicht, 80 Seiten (Zitatstelle: S. 62–66).

Sein Vater Simon eröffnete 1887/88 eine Schuhwaarenhandlung in Frankfurts Große Friedbergerstraße 7.Spier Simon, Kfm (s. S. Spier). In: Adreßbuch von Frankfurt a. M. 1888, S. 539, Spalte 1.Christa Fischer: Deep in my heart, was I really ready to visit Germany?. In: Projekt Jüdisches Leben Frankfurt am Main, auf: juedisches-leben-frankfurt.de 1891 wurde er Teilhaber seines bereits seit 1884 als Schuhhändler in der Fahrgasse 111 (Ecke Börnestraße) ansässigen Bruders,Stadtchronik 1900 (15. März 1900: Eröffnung eines neuen [sechsstöckigen] Warenhauses der hier vor sechzehn Jahren gegründeten Schuhwarenfirma Louis Spier in der Fahrgasse Ecke Börnestraße). In: Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main, auf: stadtgeschichte-ffm.deStadtchronik 1909 (5. Januar 1909: 25-jähriges Jubiläum der Schuhfirma Louis Spier). In: Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main, auf: stadtgeschichte-ffm.de des Kaufmanns Louis Spier (geboren als Liebmann Spier am 17. Januar 1857 in Schrecksbach, Kurhessen; gestorben am 24. November 1930 in Frankfurt am Main),Sdr: Frankfurt vor 1914. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 115 (1961), Freitag, 19. Mai 1961.Der hauptamtliche Frankfurter Bürgermeister Eduard Gräf hielt Ende November 1930 die Trauerrede für den verstorbenen Louis Spier, in der er dessen Verdienste um die Armenfürsorge (vor 1900: Armen- und Waisenamt) hervorhob. – Zitiert nach: Selmar Spier: Vor 1914 – Erinnerungen an Frankfurt geschrieben in Israel, Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1961, , S. 48. unter dessen angenommenem Namen das Geschäft firmierte.Firma Louis Spier, Schuhwaren engros. In: Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main, Signatur: ISG FFM Bestand S3 Nr. 962. Beide eröffneten weitere Filialen, beispielsweise in der Neuen Kräme 9, in der Töngesgasse 32/34, im Steinweg 2, in der Fahrgasse 144, Fahrgasse 109, Fahrgasse 85 sowie am Roßmarkt 7,Spier Simon, Kfm (s. L. Spier Strafanstalts-Schuhmagazin). In: Adreßbuch von Frankfurt a. M. 1892, S. 682, Spalte 1.Spier Simon, Kfm (s. L. Spier Strafanstalts-Schuhmagazin). In: Adreßbuch von Frankfurt a. M. 1895, S. 733, Spalte 1.Neues Adressbuch für Frankfurt am Main und Umgebung 1904, Verlag August Scherl, I. Teil, S. 322, Spalte 3.Adreßbuch für Frankfurt am Main und Umgebung 1905. Verlag August Scherl, Deutsche Adreßbuch-Gesellschaft m.b.H., I. Teil, S. 336, Spalte 2.Adreßbuch für Frankfurt am Main und Umgebung 1906. Verlag August Scherl, Deutsche Adreßbuch-Gesellschaft m.b.H., Teil I, S. 347, Spalte 3.Adreßbuch für Frankfurt am Main und Umgebung 1907. Verlag August Scherl, Deutsche Adreßbuch-Gesellschaft m.b.H., I. Teil, S. 354, Spalte 4.Adreßbuch für Frankfurt am Main und Umgebung 1908. Verlag August Scherl, Deutsche Adreßbuch-Gesellschaft m.b.H., I. Teil, S. 374, Spalte 4. und entwickelten ihr Geschäft zu einem Großhandel, der auch in anderen deutschen Mittel- und Großstädten Filialbetriebe unterhielt.Selmar Spier: Vor 1914 – Erinnerungen an Frankfurt geschrieben in Israel, Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1961, , S. 47–48. Als Geschäftsführer leiteten beide um 1910 zudem die Frankfurter Niederlassung der Chasalla-Schuhgesellschaft m.b.H., die in der Schillerstraße 1 residierte.Adreßbuch für Frankfurt am Main und Umgebung 1910. Verlag August Scherl, Deutsche Adreßbuch-Gesellschaft m.b.H., Abteilung I. Einwohner, S. 57, Spalte 1.

Am 20. März 1933 heiratete der 40-jährige Selmar Spier in Frankfurt am Main die 22-jährige Medizinstudentin Ully Herrmann (geboren am 6. April 1910 in Luckenwalde, Kreis Jüterbog-Luckenwalde, Provinz Brandenburg; gestorben am 29. März 1974 in Ramot Ha’Shavim, Israel),Heiratsurkunde für den Rechtsanwalt und Notar, Doktor der Rechte Selmar Spier, und die Studentin der Medizin, Ully Herrmann. Standesamt Frankfurt am Main I, Nr. 181, 20. März 1933. die er 1930 kennengelernt und sich mit ihr im November 1932 verlobt hatte.In Versalien gedruckte Danksagung: Zitat: „Vielen Dank für Ihr herzliches Gedenken zu unserer Verlobung. Sie haben uns eine grosse Freude gemacht[.] Marlene Herrmann[,] Dr. Selmar Spier[,] Luckenwalde, Frankfurt a. M.[,] November 1932[.]“ Sie war eine Tochter des mit dem Architekten Erich Mendelsohn befreundeten Fabrikanten und Mitbesitzers der Hutfabrik Friedrich Steinberg, Herrmann & Co., Gustav Jakob Herrmann (geboren am 4. April 1879 in Luckenwalde; gestorben am 18. Dezember 1932 ebenda), und dessen Ehefrau Marianne, geb. Isay (geboren am 9. April 1887).Ully Herrmann, Geburtsregister Nr. 131/1910 Standesamt LuckenwaldeThomas Drachenberg: Die Hutfabrik von Erich Mendelsohn in Luckenwalde (PDF-Datei; 631 kB). Erschienen auf: kunsttexte.de, Nr. 2/2002. In: Humboldt-Universität zu Berlin, auf: hu-berlin.de Aus der Ehe gingen die Tochter Miriam Maria (nach Emigration: Maria Miryam; geboren am 13. Juni 1935 in Frankfurt am Main, verheiratete Liver) und die Söhne Gustav Simon (Shimon Gustav; geboren am 2. Dezember 1937) und Johannes (Yohanan) hervor.