mini|Muster einer kanadischen Geburtsurkunde in französischer Sprache. (2006). Sie dient als Nachweis des Erwerbs der Staatsangehörigkeit ab Geburt. mini|Staatsangehörigkeitsausweis: “Certificate of citizenship”, 2018.

Die kanadische Staatsbürgerschaft (; ) ist die rechtliche Zugehörigkeit einer natürlichen Person zum Staatsverband Kanadas, welches im engeren Sinne seit 1947 existiert.

Wie in allen Ländern des Common-Law-Rechtsraums mit einer starken Geburtsortskomponente im Staatsangehörigkeitsrecht ist die Geburtsurkunde das wichtigste Nachweisinstrument der Staatsbürgerschaft ab Geburt (im InlandHierzu rechnet auch die Geburt an Bord eines kanadischen Schiffes oder Flugzeugs. Neuere Regeln im Canada Shipping Act, 2001, bzw. Aeronautics Act (R. S. C., 1985, c. A-2).) oder „durch Abstammung“ () bei Geburt im Ausland. Entscheidend ist die korrekte Anmeldung der Geburt. Für gebürtige Bürger war eine Entziehung bis vor wenigen Jahren unmöglich, Einbürgerungen können gemäß britischer Tradition vergleichsweise leicht widerrufen werden.

Ein Nachweis der Staatsangehörigkeit ist normalerweise nur nötig bei Ausstellung eines ReisepassesWas bis 1970 per Post an eine zentrale Behörde in Ottawa erfolgte. Seit 1996 wird sehr viel genauer kontrolliert. oder der Ausübung bestimmter Berufe, die für Inländer reserviert sind.Adams, Tracey L.; When “citizenship is indispensable to the practice of a profession”: Citizenship Requirements for Entry to Practise Professions in Canada; Journal of historical sociology, Vol. 29 (2016), № 4, S. 550-577.

Historisches Kanada sah sich schon als Dominion im 19. Jahrhundert als Einwanderungsland, weswegen die dauerhafte Einreise als Vorstufe zur Einbürgerung verstanden wird. Die Ausländergesetzgebung spielt deshalb eine wichtige Rolle im Staatsbürgerschaftsfragen.

mini|Nova Scotia („Neuschottland“), New Brunswick, Prince Edward Island, Kap Breton. Vor der Vereinigung hatten einzelne Regionen lokale Vorschriften erlassen. Die Grenzen der östlichen Seeprovinzen wurden mehrfach neu gezogen, Nova Scotia („Neuschottland“),Bereits seit 1775 mussten Zuwanderer „aus dem Süden“ d h. die 1776–83 aufständischen Kolonien die zu den USA wurden, einen Treueeid leisten. Neue Vorschrift dazu 1847 (11 Vict. c. 27). Einbürgerungen erfolgten danach per Einzelgesetz (). Act of the Privileges and Naturalization of Aliens, 1858 (26 Vict. c. 45); 1848–9 kurzfristige Änderung: 3 Jahre Wartezeit vor Einbürgerung, ab 1861 dann 1 Jahr Wartezeit (24 Vict. c. 34). Naturalization Act, 1850 (13 Vict. c. 41). New BrunswickNaturalization Act, 1841 (4 Vict. c. 24) und Prince Edward IslandNaturalization Law, 17. Apr. 1862 (25 Vict. c. 24). sind seit 1867 Provinzen.

Die Hudson’s Bay Company trat 1849 Vancouver ab, was in die Kolonie British Columbia eingegliedert wurde,Naturalization Proclamation, 14. Mai 1859; Aliens Act, Vancouver 1861; Naturalization Ordinance, № 37, 1867, aufgehoben durch Bundesgesetz am 30. Juni 1874. 1869 erklärte sich die Gesellschaft bereit, ihr kanadisches Gebiet, vor allem Rupertsland, in der so genannten an Kanada abzutreten.

Einwanderungskontrollen 1867–1946 mini|Entwicklung der kanadischen Provinzen. Man war im 19. Jahrhundert und nach einer restriktiven Phase ab 1910 seit 1946 politisch gewollt Einwandererland.128px|Canada - a hand-book of information for intending emigrants128px|Immigration Handbook for Scandinavian Settlers Die Erlaubnis zum Daueraufenthalt wird als Vorstufe zur Einbürgerung gesehen. Die zeitgenössischen Immigration Laws verunmöglichten für Personenkreise, denen durch diese die Einreise verboten war, die Erfüllung der Wartefrist für Einbürgerungen.Stacey, Charles P.; Nationality: The Experience of Canada; Historical papers - Canadian Historical Association, Vol. 2 (1967), S. 10-19; doi:10.7202/030665ar

Der Immigration Act, 1869 und die Ergebnisse der “Royal Commission on Italian Immigration 1904/5” zielten eher auf den Schutz vor allzu grober Ausbeutung. Bis 1892 war das Department of Agriculture zuständig, danach das neu geschaffene Department of the Interior. Ab 1897 begann man, nicht-landwirtschaftlichen Zuwanderern die Einreise zu erschweren. Gezielte Anwerbung von weißen Landarbeitern und Fachkräften in Europa organisierte die North Atlantic Trading Company.

Gewisse Personengruppen wurden von der Einreise ausgeschlossen. Dies begann 1872 mit Kriminellen, 1897 Armen und nach 1885 Chinesen, von denen eine große Zahl für den Eisenbahnbau angeheuert worden waren.

Der Immigration Act 1906 fasste die Regeln neu.Schon der British North America Act, 1867 hatte dem Parlament die ausschließliche Kompetenz in Staatsangehörigkeitssachen zugesprochen. Wer innerhalb von zwei Jahren nach Ankunft straffällig oder bedürftig wurde, konnte abgeschoben werden.

Der Immigration Act 1910 erlaubte auch Abschiebung aus politischen oder „moralischen“ Gründen. Nachdem 1905–1913 gut eine Million Einwanderer gekommen waren, fiel die Zahl im Jahr 1915 auf 36.000, vor allem US-Amerikaner, und blieb bis zum Zweiten Weltkrieg niedrig.

Weitere Einschränkungen zur Möglichkeit der Einbürgerung ergaben sich aus anderen Gesetzen über die Möglichkeit, dauerhaft einzureisen.Immigration Act, 1906 und Immigration Act, 1910 – in beiden Fällen erleichterte Abschiebung und Einreiseverbote; Continuous Journey Regulation, 1908, gerichtet gegen Inder und Japaner. Order-in-Council PC 1911-1324, erschwerte die Zuwanderung von Neger-Farmern aus den USA. Dagegen förderte der Empire Settlement Act, 1922 die Zuwanderung weißer, vor allem britischer Landarbeiter, es kamen 165.000. Um die durch die Weltwirtschaftskrise verursachte Massenarbeitslosigkeit nicht durch Zuwanderung zu verschlimmern, erging die strenge Order-in-Council PC 1931-695, 1931.Evolution der Regeln: 鈴木健司; カナダ国籍・市民権の史的展開:進化と自立; 総合文化研究所紀要 [ISSN 0910-0105], Vol. 38 (2021), S. 142-57.

Um vor 1914 eingebürgert werden zu können, genügte es, nach drei Jahren Aufenthalt bei Gericht um ein certificate of naturalization anzusuchen, das gewährt wurde, wenn „guter Charakter“ offensichtlich war.

In Kanada lebende Personen waren britische Untertanen () wie alle Bürger des Empire gemäß dem British Nationality and Status of Aliens Act 1914.4&5 Geo. c.17, in Kraft 1. Jan. 1915.

Die Bestimmung, dass Personen „unsuited to the climate or requirements of Canada“ abgewiesen werden durften, richtete sich vor allem gegen indische britische Untertanen.Vgl. Walker, James; Uma campanha por direitos iguais: A diáspora indiana e a cidadania canadense; Esboços, Vol. 16, № 22 (2009); doi:10.5007/2175-7976.2009v16n22p11 Sie wurde durch eine Gesetzesänderung 1919 ausgeweitet auf Staatsbürger der vormaligen Feindstaaten des Ersten Weltkriegs und politisch Unerwünschte, d. h. vor allem Kommunisten. In diesem Immigration Act 1919 fand sich auch eine Verordnungsermächtigung für das Kabinett Personen wegen ihrer Herkunft, Klasse oder Berufs von der Einreise auszuschließen, die man für ungeeignet hielt aufgrund: “peculiar customs, habits, modes of life and methods of holding property.”

Diskriminierung von Asiaten mini|Bereits durch den Chinese Immigration Act begann man, 1885 gegen asiatische Zuwanderer zu diskriminieren. Sie mussten seit 1903 500 Dollar Gebühr zahlen, worüber die gezeigte Urkunde ausgestellt wurde. Von Indern verlangte man 50 und seit 1908 200 Dollar.

Der Chinese Immigration Act, 1885 versuchte, die Einwanderung der Angehörigen dieser Rasse durch eine hohe Kopfsteuer die bei Ankunft fällig war zu beschränken. Man verlangte anfangs c$ 50, ab 1900 c$ 100 und von 1903 an c$ 500 (2022 ≙ c$ 8512 bzw. € 6124).

Analoge Bestimmungen ergingen in Neufundland am 10. Mai 1906.6 Edw. VII, c. 2: Chinese Immigration Act. 6 Edw. VII, c. 3: An Act to regulate the Law with regards to Aliens (geändert 1914).

Durch ein “Gentlemen’s Agreement” zwischen dem japanischen Außenminister Hayashi Tadasu und dem kanadischen Arbeitsminister Rodolphe Lemieux einigte man sich darauf, nur 400 japanische Zuwanderer jährlich ins Land zu lassen.Dazu Verordnung P. C. 1378 (17. Juni 1931) für die Einbürgerung von Japanern (bzw. deren in Kanada lebenden Nachfahren), nur wenn diese ihre japanische Staatsbürgerschaft aufgaben, was nach japanischem Recht auch bei Auslandsgeburt wegen der vom 17.–40. Geburtstag dauernden Wehrpflicht für Männer nicht möglich war. Diplomatischer Notenwechsel führte zu Erleichterungen 1934 (P. C. 1760, 13. Aug.; betraf alle „Asiaten“). Zur Verordnung 1931: Angus, H. F.; Legal Status in British Columbia of Residents of Oriental Race and Their Descendants; Canadian Bar Review, Vol 9 (1931), S. 1–12. 1934: Japan–Canada: Naturalization Agreement; University of Toronto Law Journal, Vol. 1 (1935/6), S. 137 ff.

Durch den Chinese Immigration Act, 1923 blieb bis 1967 fast jede Art von langfristigem Aufenthalt von neu ankommenden Chinesen verboten, außer sie waren sehr wohlhabend.

Während des Pazifikkriegs kam es de facto zur Ausbürgerung Japanischstämmiger, die zwangsweise umgesiedelt wurden.Madokoro, Laura; “From Citizens to Refugees”: Japanese Canadians and the Search for Wartime Sanctuary; Journal of American Ethnic History, Vol. 39 (2020), № 3, S. 17-48.

Im Jahr 1947 war der Chinese Immigration Act dahingehend geändert worden, dass chinesischstämmige Einwohner Kanadas die nun entstandene kanadische Staatsbürgerschaft beantragen durften. Erst 1962 wurden die allerschlimmsten Rassenschranken aufgehoben, auch wenn Europäer, Amerikaner und die Einwohner einiger Staaten des Nahen Ostens privilegiert blieben.Immigration Regulations, Order-in-Council PC 1962-86. Erst 1967 wurden alleine die Fähigkeiten der Einwanderer einziges Zuwanderungskriterium.Immigration Regulations, Order-in Council PC 1967-1616, 1967. Die ist zu sehen in Verbindung mit der US-amerikanischen analogen Gesetzesänderung 1965 sowie der südkoreanischen Gestattung Bürger auswandern zu lassen. Auch die im Inland praktizierte Diskriminierung gegen französischstämmige vor allem in Quebec endete erst durch die “Canadian Multiculturalism Policy, 1971” auf die erst 1988 der Canadian Multiculturalism Act folgte.1973 schloss man ein Abkommen mit der VR China über Familienzusammenführung. Weiterführend: Madokoro, Laura; Family reunification as international history: Rethinking Sino-Canadian relations after 1970; International Journal (Toronto), Vol. 68 (2013), № 4, S. 591-608; doi:10.1177/0020702013511192

Eine ähnliche Tendenz zur rassistischen Diskriminierung findet sich nach dem Jahr 2000 wieder bei der Auswahl und Behandlung von Zuwanderern muslimischen GlaubensVgl. Winter, Elke; Previsic, Ivana; The politics of un-belonging: lessons from Canada's experiment with citizenship revocation; Citizenship studies, Vol. 23 (2019), № 4, S. 338–355; doi:10.1080/13621025.2019.1616450 unter einer sehr weitgehenden Definition von (unterstelltem) „Terrorismus“.Die von der UNO eingeführte Definition des Befreiungskampfes als „Terrorismus“ entstand 2004; vgl. John, I. P.; Reconceptualising the legal response to foreign fighters; International and Comparative Law Quarterly, Vol. 69 (2020), № 1, S. 103-134. Verschärft konkret ausgeformt wurde dies durch Bill C‐31 “Protecting Canada’s Immigration System Act”.Dazu kritisch: Huot, Suzanne [et al.]; Constructing undesirables: A critical discourse analysis of ‘othering’ within the Protecting Canada’s Immigration System Act; International Migration, Vol. 54 (2016), № 2, S. 131-143.Cassese, Antonio; International Community’s “Legal” Response to Terrorism; International and Comparative Law Quarterly, Vol. 38, № 3, S. 589-608; doi:10.1093/iclqaj/38.3.589.

Britische Untertanen