mini|Walter Krauspe (vor 1928Die Porträtfotografie stammt aus: Festschrift zur Einweihung der neuen Göttinger Oberrealschule 1928. Unter Mitwirkung des Lehrerkollegiums der Anstalt zusammengestellt und herausgegeben im Auftrag des Vereins ehemaligen Schüler der K.W. II Oberrealschule zu Göttingen von Wilhelm Schütte. H. Lange, Göttingen 1928, Abbildung nach Seite 104.) Walter Krauspe (* 30. Juli 1895 in Meißen; † 29. Januar 1968 in Göttingen) war ein deutscher Architekt und Baubeamter in Göttingen. Er gilt als Göttingens bedeutendster Architekt der Zeit zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg.Thomas Appel: Göttinger Künstlerlexikon. Maler – Grafiker – Bildhauer – Architekten. Vom 14. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, ISBN 978-3-86395-504-5, S. 143.

Ausbildung und Wirken Nach einem Dresdner Architekturstudium war Krauspe Schüler des 1916–1920 dort als Stadtbaurat wirkenden Hans Poelzig. Eine Studienreise nach Holland mit Berührung der dem Funktionalismus verpflichteten Architektur der De-Stijl-Gruppe beeinflusste Krauspes Bauen zu einer Reduktion auf Grundformen und funktionelle Raumgestaltung.Alf Lierse: Werkspur eines Unbekannten. Der Beitrag Walter Krauspes zur „Neuen Sachlichkeit“ in Göttingen. In: Göttinger Tageblatt, 2./3. März 1968.Maren Christine Härtel: Göttingen im Aufbruch zur Moderne. Architektur und Stadtentwicklung (1866–1989). In: Göttingen, Geschichte einer Universitätsstadt, Bd. 3: Von der preußischen Mittelstadt zur südniedersächsischen Großstadt 1866–1989. Hrsg. Rudolf von Thadden, Günter J. Trittel, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1999, ISBN 3-525-36198-X, S. 761–817, hier S. 785. 1922Oder 1923 nach Alf Lierse: Werkspur eines Unbekannten. Der Beitrag Walter Krauspes zur „Neuen Sachlichkeit“ in Göttingen. In: Göttinger Tageblatt, 2./3. März 1968. kam Krauspe auf Betreiben des Göttinger Stadtbaurats Otto Frey nach Göttingen, wo er zunächst als Architekt im Stadtbauamt wirkte. 1927 wurde er Leiter des städtischen Hochbauamtes und 1929 Stadtbaumeister. 1932 unternahm Krauspe eine Studienreise in die USA, wo er die Bauten von Frank Lloyd Wright kennenlernte, die ihn beeinflussten. Verschiedentlich ist Walter Krauspe fälschlich als Stadtbaurat-Nachfolger von Otto Frey bezeichnet worden. Krauspe war über 35 Jahre lang mit der Dienstbezeichnung städtischer Baurat für die Stadt Göttingen tätig, wofür ihm 1957 eine Ehrenurkunde verliehen wurde.

1942 organisierte Krauspe den Einsatz von sowjetischen Kriegsgefangenen für den Bau eines Staubeckens im Ebertal.

Mitgliedschaften und Ehrenämter Krauspe war Mitglied des Deutschen Werkbundes (DWB). Im Ruhestand war Krauspe 1962/63 kurzzeitig 1. Vorsitzender des Göttinger Verschönerungsvereins.Walter Nissen: Bürgersinn: 100 Jahre Göttinger Verschönerungsverein e. V. Auszüge aus den Protokollen der Vorstandssitzungen des Vereins aus den Jahren 1876–1975. Selbstverlag Göttinger Verschönerungsverein, Göttingen 1976, S. 59.

Privates Walter Krauspe war Sohn des Bankvorstands Karl Ferdinand Krauspe und seiner Frau Frieda Adele, geb. Kupfer. 1948 heiratene Krauspe die Fotografenmeisterin Gunhild Ellen Triebel (1914–1999); das Paar hatte keine Kinder.

Walter Krauspe war neben seinem Architektenberuf künstlerisch aktiv: Auf Reisen durch Frankreich, Italien, Jugoslawien, Holland und Dänemark fertigte er zahlreiche Aquarelle und Zeichnungen, die 1999 aus dem Nachlass der Witwe in das Städtische Museum Göttingen gelangten. Krauspe war Kenner künstlerisch geformter Keramik; er besaß zudem eine Sammlung chinesischer Keramik.

Neubauten in Göttingen (Auswahl) Das architektonische Werk von Walter Krauspe ist nicht erforscht und die folgende Zusammenstellung vorläufig:Vgl. weitere Bauten bei Thomas Appel: Göttinger Künstlerlexikon. Maler – Grafiker – Bildhauer – Architekten. Vom 14. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, ISBN 978-3-86395-504-5, S. 368 f.

1926–1927: Schützenhaus (Hildebrandstraße 12) 1926–1927: Freibad Brauweg (Brauweg 60)Bettina Kratz-Ritter: »Manchmal ein wenig schmutzig«? Zur (Mentalitäts-)Geschichte des Flussbadens in Göttingen. In: Göttinger Jahrbuch, Bd. 62, 2014, S. 167–187 (Digitalisat, abgerufen am 4. Februar 2026), hier S. 182 f. 1926–1928: Kaiser Wilhelm II.-Oberrealschule, seit 1956 Felix-Klein-Gymnasium (Böttingerstraße 17)Maren Christine Härtel: Göttingen im Aufbruch zur Moderne. Architektur und Stadtentwicklung (1866–1989). In: Göttingen, Geschichte einer Universitätsstadt, Bd. 3: Von der preußischen Mittelstadt zur südniedersächsischen Großstadt 1866–1989. Hrsg. Rudolf von Thadden, Günter J. Trittel, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1999, ISBN 3-525-36198-X, S. 761–817, hier S. 787 f.Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Band 5,1: Landkreis Göttingen: Stadt Göttingen. Bearbeitet von Ilse Rüttgerodt-Riechmann. Braunschweig / Wiesbaden, Friedr. Vieweg & Sohn 1982, ISBN 3-528-06203-7, S. 101. (Digitalisat auf digi.ub.uni-heidelberg.de, abgerufen am 16. April 2023) - Dort mit Nennung von Otto Frey als Architekt.Klaus Wettig: Ein moderner Schulbau in der Weimarer Republik. Walter Krauspe, ein Architekt der Moderne, hat das Felix-Klein-Gymnasium in Göttingen gebaut. In: Göttinger Tageblatt, 15. November 2018, S. 19. 1929–1931: Dreigeschossige Flachdach-Siedlungsbauten (Geismar Landstraße 88–98)Maren Christine Härtel: Göttingen im Aufbruch zur Moderne. Architektur und Stadtentwicklung (1866–1989). In: Göttingen, Geschichte einer Universitätsstadt, Bd. 3: Von der preußischen Mittelstadt zur südniedersächsischen Großstadt 1866–1989. Hrsg. Rudolf von Thadden, Günter J. Trittel, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1999, ISBN 3-525-36198-X, S. 761–817, hier S. 785 f.Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Band 5,1: Landkreis Göttingen: Stadt Göttingen. Bearbeitet von Ilse Rüttgerodt-Riechmann. Braunschweig / Wiesbaden, Friedr. Vieweg & Sohn 1982, ISBN 3-528-06203-7, S. 84. (Digitalisat auf digi.ub.uni-heidelberg.de, abgerufen am 16. April 2023) 1930: EAM-Verwaltungsgebäude am Bahnhof 1938–1941: Egelsbergschule (Bebelstraße 25)Maren Christine Härtel: Göttingen im Aufbruch zur Moderne. Architektur und Stadtentwicklung (1866–1989). In: Göttingen, Geschichte einer Universitätsstadt, Bd. 3: Von der preußischen Mittelstadt zur südniedersächsischen Großstadt 1866–1989. Hrsg. Rudolf von Thadden, Günter J. Trittel, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1999, ISBN 3-525-36198-X, S. 761–817, hier S. 788.Jens-Uwe Brinkmann: Öffentliches Bauwesen 1933–1945. In: Göttingen unterm Hakenkreuz. Erich Goltze, Göttingen 1983, S. 125–141, hier S. 132 f.Geschichten und Geschichtliches. Die Bebauung des Egelsberges. In: WG aktuell, Mitgliederzeitschrift der Wohnungsgenossenschaft eG Göttingen, Nr. 36, September 2016, 23. Jahrgang (Digitalisat auf wg-goe.de, abgerufen am 31. Januar 2024), S. 11–14, hier S. 11 (Modellfoto), S. 12 (Foto von 1941), S. 14. 1957 (zusammen mit Heinrich Driehorst): Neues Gymnasium (heute Theodor Heuß-Gymnasium), GrotefendstraßeNeues Gymnasium. In: Göttingen, Planung und Aufbau, Heft 2, Verlag Edgar Hartmann, Osterode (Harz) 1966, S. 26.

Literatur (chronologisch)

Alf Lierse: Werkspur eines Unbekannten. Der Beitrag Walter Krauspes zur „Neuen Sachlichkeit“ in Göttingen. In: Göttinger Tageblatt, 2./3. März 1968. Maren Christine Härtel: Göttingen im Aufbruch zur Moderne. Architektur und Stadtentwicklung (1866–1989). In: Göttingen, Geschichte einer Universitätsstadt, Bd. 3: Von der preußischen Mittelstadt zur südniedersächsischen Großstadt 1866–1989. Hrsg. Rudolf von Thadden, Günter J. Trittel, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1999, ISBN 3-525-36198-X, S. 761–817, hier S. 785–788. (Digitalisat auf books.google.de, abgerufen am 16. April 2023)

Thomas Appel: Göttinger Künstlerlexikon. Maler – Grafiker – Bildhauer – Architekten. Vom 14. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, ISBN 978-3-86395-504-5 (Digitalisat auf univerlag.uni-goettingen.de, abgerufen am 16. April 2023), S. 143 f., 148 f., 368 f.

Einzelnachweise

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