Das Bergkloster in Worms war zuletzt ein Dominikanerinnenkloster in Worms, das 1802 säkularisiert wurde. Durch verschiedene Nachnutzungen des Areals ist baulich davon nichts mehr erhalten. Das Bergkloster ist nicht zu verwechseln mit der Bergkirche in Worms-Hochheim.

mini|300px|Bergkloster von Nordwesten, 1690

Geografische Lage mini|Ehemaliger Standort des Bergklosters, heute: Verwaltungsgebäude der EWR

Das Kloster lag vor dem Andreastor der (inneren) Stadtbefestigung Worms, also an der alten, schon in römischer Zeit bestehenden Fernstraße nach Westen, Richtung Alzey.Kranzbühler, S. 80. Südlich davon erstreckte sich der jüdische Friedhof. Das Klostergebäude lag auf dem Gelände, das heute das Verwaltungsgebäude der EWR AG einnimmtHeute: Lutherring 5., an der Westseite der mittelalterlichen Stadt: sancti Andree de monte in suburbio Wormaciensi.Schmidt/Fuchs, S. 505 (aus einer Urkunde von 1243). Das Klostergelände erstreckte sich zwischen der heutigen Andreasstraße, dem Lutherring, der Berggartenstraße und der Rathenaustraße.Schmidt/Fuchs, S. 523.

Die Bezeichnung „Bergkloster“ rührt daher, dass entlang der Ostseite der Stadt der Rhein fließt, das Gelände auf der Westseite also anstieg, es also „bergauf“ ging, und hier zudem ein Hügel lag. Von dieser topografischen Situation ist heute nur noch wenig zu merken.

Geschichte Stift Zu einem unbekannten Zeitpunkt im Früh-Die Hinweise auf eine frühmittelalterliche Gründung des Stifts, die in älterer Literatur angeführt werden, gelten heute nicht mehr als tragfähige Belege (Schmidt/Fuchs, S. 507). oder Hochmittelalter wurde an der Stelle, an der sich später das Bergkloster befand, das Andreasstift gegründet. Es war eines von fünf Stiften in Worms. An seiner Spitze stand ein Propst. Über die Einrichtung ist sonst nicht viel bekannt, da das Stift erst kurz vor dem Verlegen seines Sitzes aus dem Bereich vor den Mauern in die Stadt hinein (um 1020Schmidt/Fuchs, S. 506.) dokumentiert ist: Die älteste erhaltene Erwähnung stammt aus einer Urkunde von 1016.Schmidt/Fuchs, S. 505, 507. Die Lebensbeschreibung Bischof Burchard I. von Worms reklamiert den Vorgang als Sanierung einer heruntergekommenen Einrichtung. Aus diesem Neuanfang wurde das „moderne“ Andreasstift in Worms. Im Bereich des Bergklosters stand deshalb eine dem Apostel Andreas geweihte Kirche, in der auch einige Bischöfe von Worms begraben worden sein sollen.Die Informationen stammen im Wesentlichen aus frühneuzeitlicher Literatur. Urkundliche oder archäologische Belege existieren nicht – ganz im Gegenteil: Weder bei den Bauarbeiten für die Villa des Industriellen Nikolaus Andreas Reinhart 1874 noch bei denen für den Vorgänger des heutigen EWR-Verwaltungsgebäudes 1959 wurden Reste von Bestattungen freigelegt (Schmidt/Fuchs, S. 507). Die Kirche hieß – um sie von der „neuen“ Andreaskirche innerhalb des Mauerrings unterscheiden zu können, nun sancti Andreae extra muros. Nach dem Umzug des Stifts in die Stadt befand sich das Gelände in der Verfügungsgewalt des Bischofs, die Kirche diente als Pfarrkirche.Schmidt/Fuchs, S. 507.

Dominikaner 1226 ließen sich Dominikaner in der Stadt Worms nieder. Deren Kloster befand sich in der Sattlergasse. 1231 schlossen sie zwei Verträge mit Bischof Heinrich II., die auch einen Grundstückstausch beinhalteten: Der Bischof übertrug ihnen das Bergkloster, die Dominikaner dem Bischof ihre Liegenschaften in der Stadt. Das Projekt aber zerschlug sich, die Dominikaner verblieben innerhalb der Stadt.

Reuerinnen 1243 überließ das Andreasstift die Anlage des Bergklosters den Magdalenerinnen (Reuerinnen), die zuvor in einem Haus in der Stadt an heute unbekannter Stelle ihren Konvent hatten.Zu dieser frühen Phase des Konvents vgl.: Peter Schmidt: Reuerinnenkonvent, S. 732. Als Gründer des Ordens gilt Rudolf von Worms, Hildesheimer Stiftsherr und Kaplan des Kardinals Konrad von Urach. Rudolf von Worms etablierte 1226 in Worms ein Haus als Kloster für die Magdalenerinnen.Karl Suso Frank: Magdalenerinnen. In: Walter Kasper (Hg.): Lexikon für Theologie und Kirche Band 6. 3. Auflage. Herder, Freiburg im Breisgau 1997, Sp. 1182; Martin Armgart: Reuerinnen. In: Historisches Lexikon Bayerns; abgerufen am 15. April 2023. Mit den Magdalenerinnen trat – zu einem unbekannten Zeitpunkt – das Patrozinium der heiligen Maria Magdalena für die Kirche des Bergklosters hinzu.Schmidt/Fuchs, S. 508. Zur Kirche gehörte auch ein Friedhof, auf dem ein Bestattungsrecht für die Angehörigen der Gemeinde von St. Magnus bestand.Schmidt/Fuchs, S. 521.

Die Nonnen stammten – soweit das überhaupt belegbar ist – überwiegend aus bürgerlichen Familien, vor allem aus Worms, aber auch aus umliegenden Gemeinden.Schmidt/Fuchs, S. 513. Eine Reihe von ihnen sind namentlich bekannt.Gelistet bei: Schmidt/Fuchs, S. 514f.Zum sozialen Umfeld der Nonnen vgl. insbesondere: Christine Kleinjung: Frauenklöster als Kommunikationszentren und soziale Räume. Das Beispiel Worms vom 13. bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts = Mechthild Dreyer, Cordula Nolte, Jörg Rogge (Hg.): Studien und Texte zur Geistes- und Sozialgeschichte des Mittelalters Bd. 1. Didymos, Korb 2008. ISBN 978-3-939020-21-9, S. 119–163. Der Prior des Klosters nahm zugleich die Funktion des Priesters für die zur Kirche gehörende Pfarrgemeinde wahr. Das Kloster prosperierte und errichtete in der zweiten Hälfte der 1260er Jahre eine Klausur auf dem Gelände. Kurz darauf aber geriet der Orden in eine Krise, was an vielen Orten sogar zur Aufgabe von Klöstern führte, in Worms aber 1286 zur Unterstellung unter und 1287 zur Inkorporation in den Dominikanerorden führte. Aber bereits 1291 restituierte Papst Nikolaus IV. den Orden wieder. Der Wormser Prior, Heinrich von Siegen († 1320), wurde zum Generalpropst des Ordens gewählt und nach seinem Tod im Kloster bestattet.

Ab dem Ende des 14. Jahrhunderts nahm der Einfluss der Dominikaner erneut zu, die das Kloster ab 1390 wieder betreuen. Auch sollen im 15. Jahrhundert die Prioren durch den Dominikanerorden eingesetzt worden sein. Allerdings ist die Quellenlage diesbezüglich unklar. Im Spätjahr 1479 kam es zu einer Reform des Klosters, was sowohl das Spirituelle als auch dessen Wirtschaftsführung betraf. Beteiligt daran waren Bischof Reinhard I. von Worms und Schwestern aus den Reuerinnenkloster in Straßburg.

An der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert gelangte die Vogtei des Klosters an die Stadt Worms. Diese versuchte in der Folge der Reformation – die Bevölkerung der Stadt wurde weitgehend lutherisch – während des gesamten 16. Jahrhunderts wiederholt, das Kloster zu ihren Gunsten zu säkularisieren. Die Nonnen leisteten Widerstand, appellierten an Kaiser Karl V., Reichshofrat und Reichskammergericht intervenierten, ebenso die Bischöfe Dietrich von Bettendorf und Georg von Schönenberg. Die Stadt versuchte sich in den Besitz von mobilem Eigentum des Klosters zu setzen und beschlagnahmte dessen Archiv. Letztendlich musste sie das Vorhaben aber doch aufgeben – es verstieß zu offenkundig gegen den Augsburger Religionsfrieden von 1555.Schmidt/Fuchs, S. 509.

Die Reformation förderte in der nun gemischtkonfessionellen StadtDie Bürgerschaft wurde weitestgehend lutherisch, das Umfeld von Bischof, Domkapitel und Klöstern dagegen verblieb römisch-katholisch. Hinzu trat die Jüdische Gemeinde Worms und ab dem 17. Jahrhundert noch eine reformierte Gemeinde (vgl. dazu: Carolin Katzer: Konflikt – Konsens – Koexistenz. Konfessionskulturen in Worms im 18. Jahrhundert = Gesellschaft für mittelrheinische Kirchengeschichte / Christoph Nebgen: Quellen und Abhandlungen zur mittelalterlichen Kirchengeschichte 146. Aschendorff, Münster 2022. ISBN 978-3-402-26631-1). weitere Konflikte: Die Angehörigen der – nun lutherischen – Magnusgemeinde besaßen das verbriefte Recht, sich auf dem Friedhof des Bergklosters bestatten lassen zu dürfen. Daran konnten auch die Reformation und die Reuerinnen nicht rühren. Letztere verboten allerdings den lutherischen Geistlichen, dort eine Leichenpredigt zu halten.

Dominikanerinnenkloster Die geistliche Betreuung des Klosters lag im 17. Jahrhundert in den Händen der Dominikaner. Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde das Kloster zwar – vor allem in seinen auswärtigen Besitzungen – schwer geschädigt, die Nonnen blieben allerdings weiter im Kloster. Die Assimilation an den Dominikanerorden ging so weit, dass das Bergkloster als Dominikanerinnenkloster geführt wurde und auch die Nonnen selbst sich als solche bezeichneten. Formal und offiziell scheint das aber nie vollzogen worden zu sein. In der Praxis lagen die Aufsicht und Jurisdiktion über das Kloster beim Bischof von Worms, der Aufsicht über die Klausur, Bestätigung der Priorinnen und Amtsenthebung von Funktionsträgerinnen durchführte. Diese Rechte hatte der Bischof vom Generalpropst des Magdalenen-Ordens übernommen, ein Amt das zuletzt 1562 belegt ist. Eine Zugehörigkeit des Bergklosters zum Magdalenen-Orden ist letztmals 1629 erwähnt.Schmidt/Fuchs, S. 510. Das Verhältnis zwischen Nonnen und Dominikanern war aber nicht spannungsfrei. Sie warfen den Dominikanern Pflichtvernachlässigung vor und bemühten sich um geistlichen Beistand der Jesuiten.Schmidt/Fuchs, S. 510f.

Die Klosteranlage blieb bei der planmäßigen Zerstörung der Stadt Worms im Pfälzischen Erbfolgekrieg verschont, nicht aber dessen Immobilienbesitz in der Stadt und im ebenfalls zerstörten Rheindürkheim. Der folgende Geldmangel erstreckte sich bis weit ins 18. Jahrhundert hinein: Bauarbeiten am Kloster konnten nicht abgeschlossen werden, wodurch die Klausur nicht den Vorschriften entsprach. Auch mit der Stadt wurde zäh um Abgaben prozessiert, wobei das Kloster von Kurmainz und Kurpfalz gegen die Stadt unterstützt wurde. Das Wirtschaften des Klosters scheint in der Mitte des 18. Jahrhunderts mangelhaft gewesen zu sein. Mehrfach beanstandeten Visitatoren eine völlig unzureichende Buchführung. Auch die Absetzung der Priorin Maria Josepha Kalder brachte keine Besserung, so dass der kaiserliche Notar Peter Friedrich Schnell 1763 zum Schaffner (Wirtschaftsverwalter) eingesetzt wurde. Auch 1776 war in dieser Funktion noch ein externer Kommissar tätig. Das Kloster hatte 1777 Schulden von mehr als 6000 Gulden. Nach diesem Tiefpunkt scheint sich die wirtschaftliche Lage gebessert zu haben: Die letzte Klosterrechnung von 1802 weist einen Überschuss aus.Schmidt/Fuchs, S. 511.

Den wirtschaftlichen Schwierigkeiten im 18. Jahrhundert korrespondierte eine nachlässige Disziplin, Verstöße gegen die Klausur, Schweigegebot und Bekleidungsvorschriften, Nachlässigkeit beim Chorgebet und Intrigen. Im Konvent gab es zwei Fraktionen, die sich – stadtbekannt – befehdeten. Der Priorin Antonia Müller wurde ein Alkoholproblem vorgeworfen, außerdem habe sie Tanzen, Spielen und Küssen erlaubt. Alle seitens der bischöflichen Aufsicht getroffene Anordnungen – einschließlich einer neuen Klosterordnung – änderten an den Zuständen nichts.

Ende In den Revolutionskriegen wechselte die Besatzung in Worms mehrfach. Die preußischen Besatzer brachten im Kloster ein Lazarett unter, Franzosen und Österreicher zogen auch vom Kloster Kontributionen ein. Die französische Besatzung endete 1797 mit dem Frieden von Campo Formio in der Annexion auch von Worms durch Frankreich. Schrittweise wurde den 10 verbliebenen Nonnen die Verfügungsgewalt über das Vermögen des Klosters entzogen und das Kloster schließlich mit dem Säkularisierungsdekret vom 22. Juli 1802 aufgelöst. Zwei Nonnen, die im Linksrheinischen geboren waren, erhielten eine kleine Abfindung, die übrigen acht wurden über den Rhein ausgewiesen. Sie erhielten letztendlich eine Rente aus einem im Rechtsrheinischen gelegenen Gut bei Lampertheim.Schmidt/Fuchs, S. 511f.

1935 unternahm Friedrich Maria Illert eine archäologische Ausgrabung im Bereich des ehemaligen Chores der Kirche des BergklostersFriedrich Maria Illert: Zur Frage der Embede, Warbede und Wilbede. In: Der Wormsgau 2, 3. Heft (1938), S. 189f. (190)., deren Ergebnisse aber wohl nie publiziert wurden.