Die Frauenfußballabteilung des FC Schalke 04 nahm zwischen 1975 und 1987 am Spielbetrieb teil und erreichte während dieser Zeit fünf Westfalenmeisterschaften und zwei Westfalenpokalsiege. Nach ihrer Neugründung zur Saison 2020/21 spielt sie mit ihrer höchsten Seniorinnen-Fußballmannschaft aktuell in der Regionalliga West.
Geschichte Die erste Ära: 1975–1987 Vorläufer DJK Eintracht Erle (1974) Das vom DFB 1955 erteilte Frauenfußballverbot wurde 1970 aufgehoben, es galten allerdings noch teils andere Regeln, wie längere Winterpausen, keine Stollenschuhe, kleine und leichtere Bälle sowie eine Spielzeit von weniger als 90 Minuten. Gleich ein Jahr später, im Jahr 1971, gründete die DJK Eintracht Erle eine Frauenfußballmannschaft. Das Team erreichte bereits in der ersten Frauen-Fußballmeisterschaft 1974 das Finale. Die Deutsche Frauenmeisterschaft wurde, anders als die bereits gegründete Bundesliga, noch im Gauligen- bzw. Oberligen-Modus ausgetragen, wie es heute noch im Juniorenfußball zu sehen ist. So musste sich die Eintracht erst als Westfalenmeister für die Endrunde qualifizieren. Erle verlor das Finale vor 4000 Zuschauern gegen TuS Wörrstadt mit 4:0.
1975: Start des Frauenfußballs auf Schalke Günter Siebert, der Präsident vom FC Schalke 04, konnte sich aufgrund des Erfolges der Fußballerinnen in Erle eine Frauenabteilung bei Schalke gut vorstellen, auch weil der Verein aufgrund des Bundesliga-Skandals Erfolgserlebnisse und gute Nachrichten gebrauchen konnte. Siebert wirbt bei Erle erfolgreich um die Damenabteilung. Der Unterhalt der Damenmannschaft, zum Beispiel durch überregionale Spiele, war für die DJK Eintracht Erle mit hohen Kosten verbunden, sodass man einer Übernahme durch den Nachbarn Schalke 04 zustimmte. Die „Ablösesumme“ beinhaltete ein Gastspiel des FC Schalke 04 bei der Eintracht, wobei jegliche Einnahmen in die Vereinskasse von Erle gehen sollte. Dieses Spiel wurde schließlich von knapp 2000 Zuschauern geschaut. Beim Westdeutschen Fußballverband erwirkt Siebert, dass die erste Mannschaft der nunmehr königsblauen Damen in der damaligen höchsten Liga, der Bezirksliga, starten durfte. Das anfängliche Budget für die Abteilung betrug zunächst überdurchschnittliche 300 DM, wurde dann auf 600 DM erhöht.
Die Frauenabteilung sollte beim Heimspiel der Herrenmannschaft den Anhängern vorgestellt werden, sodass die erste Frauenmannschaft im Parkstadion gegen den SC 07 Bad Neuenahr vor dem Bundesligaspiel der Herrenmannschaft spielen durfte. Die Frauen spielten in alten Herrentrikots der Hauptmannschaft, die deutlich zu groß waren. Vereinsintern hatte sich niemand um die Beschaffung einer passenden Ausrüstung gekümmert, in königsblau sollte dennoch gespielt werden. Für die Frauen bedeutete der Wechsel zum FC Schalke 04 ein beträchtlicher Prestigezuwachs. Bei Turnieren, wo die Frauenabteilung des FC Schalke 04 auftrat, steigerte sich das Zuschaueraufkommen. Die Ernsthaftigkeit gegenüber der Frauenabteilung war zu Beginn allerdings noch nicht immer vorhanden. Im Schalker-Kreisel, der internen Vereinszeitung des Fußballclubs, wurden zumindest die Ereignisse der Abteilung thematisiert.
1976–1986: Frauenfußball in Königsblau 1977, 1980, 1981, 1984 und 1985 konnten die Frauen des FC Schalke 04 die Westfalenmeisterschaft gewinnen. Ansonsten landete man auf dem zweiten Platz hinter dem TSV Siegen. Beide Mannschaften, Schalke und Siegen, dominierten in den späten 1970ern und frühen 1980ern den westfälischen Fußball. Mit der Westfalenmeisterschaft qualifizierte man sich zudem für die deutsche Meisterschaft, welche man jedoch nicht gewinnen konnte. Unter dem Namen FC Schalke 04 kam man nie über das Viertelfinale, das man fünf Mal erreichte, hinaus. Auch qualifizierte sich der Verein zwei Mal über den Westfalenpokal für den DFB-Pokal, doch auch hier kam Schalke nie über die erste Runde hinaus.
Der Erfolg ließ das Interesse an der Abteilung des Vereins wachsen, sodass insbesondere die zweite Damenmannschaft stetig wuchs und auch eine Schülermannschaft für Nachwuchsspielerinnen eingerichtet wurde. Die Frauenabteilung wuchs infolgedessen auf 100 Mitglieder an. Das Einzugsgebiet wuchs in der Folgezeit weiter an, sodass auch Spielerinnen aus anderen Städten des Ruhrgebietes angezogen wurden. Der größte Konkurrent der Schalkerinnen war zu der Zeit der ETuS Gelsenkirchen, gefolgt von Borussia Scholven. Durch den wachsenden Kader stiegen jedoch auch die Kosten. Eine teilweise knappe Kasse der Abteilung wurde durch internationale Freundschaftsspiele ausgebessert. Hier stand im Laufe der Zeit schließlich der sportliche Reiz im Vordergrund. Auch wenn die Frauenabteilung – abgesehen von der nicht gewonnen deutschen Meisterschaft – in dieser Zeit erfolgreich war, war die Tätigkeit finanziell gesehen nicht lukrativ. Die Fahrtkosten schöpften das zur Verfügung stehende Budget bereits vollständig ab. In der Zeit machten sich Klaus Lewandowski als Abteilungsleiter Frauenfußball, Lother Dembinski als Trainer und Luise Grochowski als Betreuerin einen Namen.
Eintracht Erles Bezirkssportanlage an der Oststraße war bis 1979 die Spielstätte der Frauenabteilung, bis diese auf die Platzanlage der SSV Buer 07/28 umzog. Auf dem Vereinsgelände des FC Schalke 04 spielten die Damen zu der Zeit nicht. Zeitweise mussten die königsblauen Spielerinnen nach Gelsenkirchen-Heßler ausweichen, sobald es zu Spielen um die deutsche Meisterschaft kam. Die Bezirkssportanlagen Oststraße und Löchterheide genügten den Statuten des DFBs nicht, so fehlte zum Beispiel eine überdachte Tribüne. Der Umzug nach Buer hatte negative Auswirkungen auf das Interesse an den Frauen, da insbesondere in Erle Nachbarn, Freunde und Familie der Spielerinnen zu den Heimspielen kamen. In Buer war es vielen zu weit und die Buerer hatten keinen sonderlichen Bezug zur Frauenabteilung des S04.
1987: Auflösung der Abteilung Durch die Abstiege der ersten Herrenmannschaft in den 1980ern spitzte sich die finanzielle Situation des FC Schalke 04 zu, sodass Günter Siebert zu drastischen Sparmaßnahmen greifen musste. Teil der Maßnahmen war die Auflösung der Damenmannschaft. Die Spielerinnen blieben in Gelsenkirchen und schlossen sich der SSV Buer 07/28 an, auf dessen Vereinsgelände man bereits aktiv war. Sowohl DJK Eintracht Erle als auch der SSV Buer 07/28 existieren heute noch.
2020: Neugründung der Abteilung Zur Saison 2020/21 begann die zweite Ära des Frauenfußballs auf Schalke. Grund auch hier, wie zu Beginn der ersten Ära, in der für die Senioren sportlich schwierigen Zeiten positive Akzente zu setzen. Der Verein strebt dabei eine geduldige und langfristige Entwicklung an. Ein kurzfristiger und schneller Aufstieg in die Bundesliga ist dabei kein priorisiertes Ziel. Der Verein hatte laut Schalke-Sportvorstand Peter Knäbel eine Übernahme einer höherklassigen Mannschaft geprüft, jedoch abgelehnt.
Der Verein bietet Sichtungseinheiten für junge Frauen und Mädchen ein, die die Abteilung der Frauen beim FC Schalke 04 verstärken sollen. Neben mehreren Seniorinnen-Mannschaften betreibt der Verein auch einige Juniorinnen-Mannschaften. Organisiert wird der Spielbetrieb im FLVW. Abteilungsleiter war zunächst Bodo Menze und seit der Saison 2024/25 Boris Liebing.
Team I
mini|Westfalenliga: Schalke I und Dortmund (1. Mannschaft) trennen sich im Parkstadion 0:0 (Saison 2024/25). Im Seniorinnenbereich startete Team I (die erste Mannschaft, ehemals Team Blau). Als Trainer konnte Stefan Colmsee gewonnen werden, der zuvor bei der Viktoria in Resse Trainer und zuvor Spieler war. Das erste Heimspiel der Saison 2020/21 fand am 27. September 2020 in der Glückauf-Kampfbahn statt. Die Saison wurde aufgrund der COVID-19-Pandemie auf Platz 1 liegend abgebrochen. In der Saison 2021/22 belegte Schalke dann mit der zweiten Mannschaft, die punktgleich aufgrund besserer Tordifferenz Meister wurde, die ersten beiden Plätze, so dass eine Mannschaft aufsteigen konnte. Auch in der folgenden Bezirksliga-Saison 2022/23 stieg Team I direkt in die Landesliga auf. In der Saison 2023/24, nun mit Kununu für zwei Jahre Trikotsponsor, wurde Schalke Meister und stieg in die viertklassige Westfalenliga auf. Schalke lieferte sich in der Saison 2024/25 lange Zeit ein Kopf-an-Kopf rennen mit Borussia Dortmund um den einzigen Aufstiegsplatz. Die Revierderbys selbst endeten Unentschieden und mit einer Niederlage. Das 0:0 im Heimspiel im Parkstadion war mit 2999 Zuschauern ausverkauft. Das Rückspiel in Dortmund fand im Stadion Rote Erde vor einer Rekordkulisse von 10000 Fans statt. Am Ende wurde Schalke hinter Aufsteiger Dortmund Tabellenzweiter. Auch im Westfalenpokalfinale 2024/25 traten die königsblauen Seniorinnen erneut auf den BVB und unterlag auch dort.
mini|Der 2:1-Sieg gegen Dortmund (1. Mannschaft) im Westfalenpokal (Saison 2025/26). mini|Westfalenliga: Schalke I gewinnt 6:0 gegen DJK/VfL Billerbeck, auf Kunstrasenplatz 6 (Saison 2025/26). Zur Saison 2025/26 wurde das Umfeld weiter professionalisiert. So wurden feste Verträge eingeführt und infrastrukturelle Rahmenbedingungen verbessert. Zudem wurde in Kooperation mit 11teamsports und adidas ein eigenes Trikot und mit Flaconi ein neuer Haupt- und Trikotsponsor eingeführt. Der Aufstieg wurde als Ziel ausgegeben. Dazu wurden einige neue Spielerinnen verpflichtet, die bereits in höheren Ligen spielten, wie Pauline Dallmann, Jule Dallmann, Lea Wilting und Jolina Opladen, alle zuvor mit VfR Warbeyen als Meister der Regionalliga West in die 2. Bundesliga aufgestiegen, sowie Pia Rybacki (für VfL Bochum), Maja Hünnemeyer (für VfL Bochum), Lucy Karwatzki (für VfL Bochum), Alessandra Vogel (für VfL Bochum), Nele Schmidt (für FSV Gütersloh 2009), Demi Pagel (für FSV Gütersloh 2009) und Lilly Stojan (für FSV Gütersloh 2009), die in der Vorsaison in der 2. Bundesliga spielten. Die in der Vergangenheit auch schon für die Erstligisten SGS Essen und Turbine Potsdam spielende Laura Radke stoß von Borussia Mönchengladbach (ebenfalls 2. Bundesliga) hinzu. Zudem setzte Mandy Islacker ihre sportliche Karriere bei Schalke fort, nachdem die Olympiasiegerin, Champions-League-Siegerin und zweifache Bundesliga-Torschützenkönigin zunächst ausschließlich administrative Aufgaben im Bereich Frauenfußball übernehmen sollte. Der mit Neugründung der Abteilung eingeschlagene Weg wird dabei weiter fortgesetzt. So wird kurzfristige Wettbewerbsfähigkeit (zum Beispiel durch Verpflichtung von Sarah Grünheid zur Rückrunde der Saison 2025/26) stets gepaart mit der Verpflichtung von Perspektiv-Spielerinnen (zum Beispiel durch Verpflichtung von Joelle Wanhoff und Mariella Münster, beide von der SGS Essen, zur Saison 2026/27). Im Westfalenpokal dieser Saison besiegte man erstmalig die Nachbarinnen aus Dortmund, die zu dem Zeitpunkt eine Spielklasse höher, in der Regionalliga West, spielten. Den Treffer zum 2:1-Sieg erzielte Mandy Islacker. Gespielt wurde vor 2300 Zuschauern im Parkstadion. Der Wettbewerb konnte schließlich durch ein 3:0-Sieg im Finale gegen Arminia Bielefeld gewonnen werden. Am 21. Spieltag sicherten sich die königsblauen Damen mit einem 9:0-Heimspielerfolg gegen FC Iserlohn 46/49 den Aufstieg in die Regionalliga West. In der Summe haben die Damen die Saison somit mit einem Double aus Meisterschaft und Pokal abgeschlossen. Inklusive Kreispokal konnten in dieser Saison sogar alle Wettbewerbe gewonnen werden – ein Triple.
mini|DFB-Pokal, 1. Runde: Schalke spielt zu Hause gegen die SGS Essen (2026/27).