mini|Rainald Grebe 2008

Rainald Grebe (* 14. April 1971 in Köln) ist ein deutscher Liedermacher, Schauspieler, Kabarettist, Theaterregisseur und Autor.

Leben Rainald Grebe wuchs in einer evangelisch-bürgerlichen Familie in Frechen bei Köln auf. Sein Vater Werner Grebe war Professor für Bibliothekswesen, seine Mutter Englisch- und Französischlehrerin am Gymnasium der Stadt Frechen.; Florentin Schumacher: Irgendwo da bei Köln. In: Die Zeit. Nr. 31, 20. Juli 2023, S. 55.

Ausbildung Nach dem Abitur am Gymnasium der Stadt Frechen im Juni 1990 leistete Grebe seinen Zivildienst in der psychiatrischen Abteilung Gilead IV des Evangelisches Krankenhaus Bielefeld der Von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel ab – eine Zeit, die er später in seinem Stück Gilead festhalten sollte. Im Anschluss begab er sich nach Berlin mit der Absicht, Straßenkünstler zu werden, was er allerdings bereits nach dem ersten Auftritt ernüchtert wieder aufgab. Ab dem Wintersemester 1993 studierte er an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin. 1997 schloss er das Studium mit einem Diplom im Fach Puppenspiel ab und arbeitete 1999 als Puppenspieler am Puppentheater Halle. Im Jahr 2000 nahm er den Beruf des Dramaturgen, Schauspielers und Regisseurs am Theaterhaus in Jena auf.

Karriere als Künstler Thomas Hermanns produzierte 2002 mit Grebe eine eigene Varietéshow namens Immer wieder sonntags im Hamburger Schauspielhaus. Seither trat Grebe regelmäßig in Fernsehsendungen wie dem Quatsch Comedy Club in Berlin oder der Comedysendung Nightwash auf. Währenddessen fand im Theatercafé Jena oft Die Falkenhorst-Show von und mit Rainald Grebe und Gästen statt. Das Programm wurde später unter dem Namen Cinehorst ins „Kassablanca“ verlegt, wo Schauspieler unter Moderation von Grebe „Live-Kino“ vorführten.

2004 erschien sein erstes Album Das Abschiedskonzert auf zwei CDs mit Liedern, in denen Grebe allein mit Klavier und Gesang auf zum Teil bizarre Art meist alltägliche Themen behandelt. Im Januar 2007 fand die Premiere seines zweiten Solo-Programms Das Robinson-Crusoe-Konzert im Theater der Berliner Wühlmäuse statt. 2005 tourte Grebe zudem mit der Berliner Kapelle der Versöhnung, bestehend aus Martin Brauer (Schlagzeug) und Marcus Baumgart (Gitarre). 2008/09 traten Grebe und die Kapelle der Versöhnung mit dem Programm Alle reden vom Wetter – Die Klimarevue im Leipziger Centraltheater auf. Außerhalb seiner regulären Programme war Grebe Autor und Regisseur einer zweistündigen Revue, die die Gefahren des Klimawandels thematisierte. Dort kamen sämtliche Mitglieder der Kapelle der Versöhnung als Sänger zum Einsatz.

Mit seinem dritten Solo-Programm Das Hongkongkonzert war Grebe 2009 auf Tour. Der Name entstand anlässlich eines im Hotel InterContinental Grand Stanford in Hongkong abgehaltenen Auftritts vor deutschen Geschäftsleuten.

Am Centraltheater in Leipzig hatte am 16. Dezember 2009 Grebes neues Theaterstück Die Karl-May-Festspiele Leipzig Premiere. Für die Darstellung der Indianer kamen dabei 20 Laiendarsteller zum Einsatz. Am 21. Januar 2010 stellte Grebe am Maxim-Gorki-Theater in Berlin unter Mitwirkung einiger Schauspieler des Ensembles seine neue Produktion Zurück zur Natur. Ein Konzert für Städtebewohner vor. 2010 erweiterte Grebe die Kapelle der Versöhnung durch weitere Musiker, darunter Buddy Casino und ein Streichquartett, zum Orchester der Versöhnung. Das Stück Die WildeWeiteWeltSchau feierte am 27. Januar 2011 am Leipziger Centraltheater Premiere. Am 18. Juni 2011 spielte Grebe in der Berliner Waldbühne vor 15.000 Besuchern ein dreistündiges Konzert mit dem Waldbühnenorchester, bestehend aus dem Orchester der Versöhnung und Gästen, darunter die ehemalige Bolschewistische Kurkapelle schwarz-rot.

Am 31. August 2011 hatte Grebes Stück Völker schaut auf diese Stadt – Berlin wählt und Rainald Grebe kann sich nicht entscheiden am Maxim-Gorki-Theater in Berlin Premiere. Im Vorfeld der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2011 hatte Grebe im Wahlkampf Kandidaten, Werber, Bürgerinitiativen und Bürger getroffen und daraus ein Stück geschrieben. Von 2012 bis 2014 war Grebe mit seinem Soloprogramm Das Rainald Grebe Konzert auf Tour. Die Premiere fand am 9. Januar 2012 im Theater Die Wühlmäuse in Berlin statt. 2013 unterschrieb Grebe am Schauspielhaus Hannover einen Vertrag für drei Jahre. Er inszenierte dort unter dem Titel Das Anadigi Ding ein Projekt zum digitalen Leben als theatrale Langzeitstudie.

Am 9. Dezember 2014 trat Grebe in der Sendung Die Anstalt auf und behandelte die Themen Sanifair und Monsanto. Am 20. Juni 2015 führte er in der Berliner Wuhlheide sein einmaliges Programm Halleluja Wuhlheide auf. Das fünfstündige Konzert auf der Parkbühne Wuhlheide wurde am 12. September 2015 bei 3sat als gekürzter Mitschnitt gezeigt. An dem Projekt wirkten Thomas Quasthoff, Gotthilf Fischer, Olaf Schubert, Buddy Casino, Martin Neuhaus, René Marik und weitere 200 Statisten in verschiedenen Rollen mit.

Im Dezember 2015 wurde an zwei Tagen die BrandenburgSchau für den RBB in Frankfurt (Oder) aufgezeichnet. Diese Sendung wurde am 23. Januar 2016 als Zusammenschnitt ausgestrahlt. Mitwirkende waren die Punkband Die Bockwurschtbude, der Politiker Martin Patzelt, der Aktionskünstler Michael Kurzwelly und die Schauspielerin Maria Simon. Im Theater Neumarkt in Zürich führte Grebe unter anderem mit Valeri Scherstjanoi am 24./25. Juni 2016 das Programm Dada Berlin auf. Am 21. Oktober 2016 spielte er in Köln die Premiere seines Solo-Programms Das Elfenbeinkonzert, mit dem er danach durch Deutschland tourte. Am 14. Januar 2018 inszenierte er an der Schaubühne in Berlin fontane.200 und gab dabei Einblicke in die Vorbereitungen des Jubiläums des zweihundertsten Geburtstags Theodor Fontanes im Jahr 2019 auf einer „Wanderung durch die Sandflächen, Sumpflandschaften, Kleinstädte und Dörfer der Mark Brandenburg“.

Grebe trat mehrfach im Rahmen des 3satfestivals in Mainz auf, zuletzt im September 2023 mit seiner Band.

Ab Mai 2024 war Grebe mit dem "Das Foreveryoung Konzert" solo unterwegs. Ab Juni bis Oktober 2024 trat er mit der Kapelle der Versöhnung mit dem Programm "Die Band" auf. Die weiteren Touren wurden krankheitsbedingt am 24. Oktober 2024 bis auf Weiteres abgesagt.

2025 trat er beim 3sat Festival mit dem Programm "Ich erinnere mich - glaube ich" auf.

Persönliches Grebe lebt in Berlin und in der Uckermark: „Früher habe ich mich noch über ältere Kabarettisten gewundert, wenn sie über ihre Häuser auf dem Lande erzählten[,] und habe Witze darüber gerissen. Jetzt hat mich das Schicksal ereilt. Jeder Mensch braucht einen Ort, an den er immer wieder zurückkehren möchte.“ Er ist liiert und hat eine Tochter.Florentin Schumacher: Irgendwo da bei Köln. In: Die Zeit. Nr. 31, 20. Juli 2023, S. 55.

Am 26. März 2017 erlitt Grebe in der Pause eines Konzerts im Düsseldorfer Zentrum für Aktion, Kultur und Kommunikation einen ischämischen Schlaganfall, der ihn zu einer mehrmonatigen Pause zwang. Im Jahr 2021 machte er öffentlich, dass er an Vaskulitis erkrankt ist. Anfang 2022 erlitt er einen weiteren Schlaganfall. Inzwischen hatte er mindestens 17 Schlaganfälle (Stand: Oktober 2024).

Die Kunsthistorikerin und Hochschullehrerin Anja Grebe ist seine Schwester.

Rezeption mini|Grebe beim Zelt-Musik-Festival 2014

Der Literaturwissenschaftler Gerrit Lembke verglich die Popularität des Kabarettisten Grebe mit der von Bodo Wartke und Gerhard Polt. Seine werden von Lembke als in einer Traditionslinie mit Bertolt Brecht, Wolf Biermann oder Franz-Josef Degenhardt stehend beschrieben. Bei Grebe

Grebe wurde wiederholt dafür kritisiert, bei Auftritten gelegentlich einen Warbonnet zu tragen und dadurch kulturelle Aneignung zu betreiben. „Ich wurde als Rassist beschimpft, weil es ein Symbol einer unterdrückten Bevölkerung ist“, sagte er 2020. Grebe verteidigte das Tragen des Federschmucks zunächst in verschiedenen Interviews, 2023 kündigte er aber an, künftig keinen Warbonnet mehr zu tragen.

Bekannt sind Grebes Bundeslandhymnen, insbesondere die Lieder Thüringen (2004), Brandenburg (2005) und Doreen aus Mecklenburg (2007).

Werke Alben Solo 2001: Solo 2004: Das Abschiedskonzert (Live-Doppelalbum) (25. Oktober 2004) 2007: Das Robinson Crusoe Konzert (Live-Album) (14. September 2007) 2009: Das Hongkongkonzert (Live-Album) (28. August 2009) 2012: Das Rainald Grebe Konzert (Studio-Album) (12. Oktober 2012) 2017: Das Elfenbeinkonzert (Live-Album) (10. März 2017) 2021: Popmusik (Studio-Album) (5. Februar 2021)

mit Band 2005: Rainald Grebe & die Kapelle der Versöhnung (18. November 2005) 2007: Volksmusik (mit der „Kapelle der Versöhnung“) (11. Mai 2007) 2008: 1968 (mit der „Kapelle der Versöhnung“) (Live-Album) (26. September 2008) 2011: Rainald Grebe & das Orchester der Versöhnung (4. Februar 2011) 2011: Zurück zur Natur (mit der „Kapelle der Versöhnung“) (2. September 2011) 2014: Berliner Republik (mit dem „Orchester der Versöhnung“) (Live-Album) (4. April 2014) 2019: Albanien (mit der „Kapelle der Versöhnung“) (19. Juli 2019)

(Hör-)Bücher Die Vogelwelt von Frechen. Selbstverlag, Frechen 1983, ohne ISBN. Global Fish. Roman. S. Fischer, Frankfurt am Main 2006, ISBN 978-3-596-16916-0. Global Fish. Hörspiel in 7 Wellen. (Hörbuch, 6 CDs). Versöhnungsrecords ElfenArt, Stadthagen 2007, ISBN 978-3-9811597-2-1. Das grüne Herz Deutschlands. Mein Gesangbuch. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-596-17536-9. Rheinland Grapefruit. Mein Leben. Mit Zeichnungen von Chrigel Farner. Voland & Quist, Berlin und Dresden 2021, ISBN 978-3-86391-314-4.

Hörspiel Fallada. Ein Leben im Rausch Dreiteiliges Hörspiel zusammen mit Tilla Kratochwil, Komposition: Steffen Schleiermacher, Regie: Ulrich Lampen, Produktion: RBB Kultur 2022 Ach Sisi – Was ist denn eigentlich geschehen? Hörspiel, Produktion: WDR / ORF 2023

Videoalben Live im Admiralspalast – Die besten Lieder meines Lebens (16. April 2010)

Sonstiges Die Lieder der Falkenhorst-Show Ich bin der Präsident Bin in Jena (Kurzfilm) Anfang der Selbstfindung und Anfang des Wahnsinns (Kurzfilme im Rahmen des Projekts Apartment666.com vom Schauspiel Frankfurt)Apartment666.com; Projektbeschreibung auf www.kulturportal-hessen.de Regisseur im Staatsschauspiel Dresden mit unter anderem: „Circus Sarrasani“, „The greatest show on earth“, „Einmeterfünfzig“ und „Baron Münchhausen“

Auszeichnungen 2001: Ostdeutscher Kabarett-Preis der Leipziger Lachmesse ZDFtheaterkanal, 27. März 2001 2003: Prix Pantheon: Jurypreis Frühreif & Verdorben 2004: Das große Kleinkunstfestival: Publikums- und Jurypreis 2004: Der Wesemann – Preis für Ereignisproduzenten, Berlin 2005: Cabinet-Preis in der Kategorie Chanson, Leipzig 2005: Preis für junge Songpoeten der Hanns-Seidel-Stiftung, München 2006: Deutscher Kleinkunstpreis: Förderpreis der Stadt Mainz 2008: Salzburger Stier: Radio-Kabarettpreis„Salzburger Stier“ an Rainald Grebe, salzburgerstier.org, abgerufen am 18. Juli 2019. 2008: Der Titel 1968 war im November 2008 Sieger der Liederbestenliste 2009: Bayerischer Kabarettpreis: MusikpreisBayerischer Kabarettpreis 2009, Bayerischer Rundfunk, abgerufen am 18. Juli 2019. 2011: 39. Deutscher Kleinkunstpreis in der Sparte Chanson/Musik/Lied 2012: Deutscher Kabarett-Preis 2014: Ruth (Musikpreis)RUTH des TFF-Teams 2014, weltmusikpreis.de, abgerufen am 18. Juli 2019. 2023: Göttinger Elchgoettinger-elch.de Abgerufen am 3. März 2023. 2023: Berlinpreis der Berliner Kabarett-Bühne Die Wühlmäuse im Rahmen der Veranstaltung Das große Kleinkunstfestival 2024: Sondermann-Preis für Komische Kunsthttps://caricatura-museum.de/veranstaltungen/sondermann-grosse-preisverleihungs-gala-2024

Klage gegen gebührenpflichtige Autobahntoiletten