Die Energiewirtschaft hat innerhalb der Wirtschaft Russlands eine herausragende Bedeutung, der Schwerpunkt liegt sowohl hinsichtlich der Gewinnung als auch des Verbrauchs auf den fossilen Energieträgern. Zur gesamtwirtschaftlichen Produktion Russlands steuert sie zusammen mit den übrigen Rohstoffsektoren nach Schätzungen der Weltbank rund ein Fünftel bei.From Transition Economy to Development Economy, World Bank Group 2005, S. 36. Der Anteil der Energieexporte an den gesamten Warenexporterlösen liegt bei rund zwei Dritteln. Zu den föderalen Staatseinnahmen trägt die Energiewirtschaft etwa die Hälfte bei.

Russland verfügt über Gebiete innerhalb eines als strategische Ellipse bezeichneten geographischen Bereiches mit reichen fossilen Lagerstätten und besitzt daher relativ große Vorkommen an Kohle und Erdgas sowie in geringerem Umfang auch an Erdöl. Die Fördermengen machen etwa ein Fünftel der weltweiten Erdgasförderung und ein Zehntel der weltweiten Ölförderung aus. Russland ist damit derzeit (Stand 2/2019) weltweit größter Exporteur von Erdgas und Erdöl und seine Wirtschaft in erheblichem Maße vom Ölpreis abhängig. Daneben besitzt Russland bedeutende Vorkommen an Uran und Torf. Das Land verfügt über vielfältige Möglichkeiten zur Nutzung erneuerbarer Energien, insbesondere von Wasserkraft.

Russlands Bedeutung als Öl- und Gaslieferant ist neben seiner Position als Atommacht Grundlage seines Anspruchs, wieder als Weltmacht anerkannt zu werden. Will Russland seine Position als „Energie-Supermacht“ bewahren und ausbauen, muss es für eine nachfragegerechte Steigerung seiner Öl- und Gasförderung sorgen. Da die Förderung aus den Feldern in Westsibirien bald zurückgehen dürfte, müssten dazu neue Vorkommen in klimatisch noch schwieriger zu erschließenden Regionen, zum Beispiel auf der Halbinsel Jamal, in Ostsibirien, in der Barentssee und bei der Insel Sachalin erschlossen werden.

Bereits 2019 gehörte Russland zu den Nationen, die durch ihren Umgang mit Energie dem Weltklima am meisten schaden; der Germanwatch-Report zum Klimaschutz führte das Land an 52. Stelle auf. Mittlerweile ist Russland auf den 64. Platz abgerutscht, nur noch gefolgt von Saudi-Arabien, USA und Iran.CCPI 2026

Energiewirtschaft Russlands insgesamt Energieproduktion wächst nach tiefem Einbruch kräftig Erdöl-, Erdgas- und Kohleförderung

Nach dem Zerfall der Sowjetunion ging auch die russische Energieproduktion jahrelang drastisch zurück. Insbesondere die Erdöl- und Kohleförderung brachen ein.

Die Produktion von Erdöl halbierte sich fast von ihrem Ende der 1980er-Jahre – mit rund 575 Millionen Tonnen – erreichten Höhepunkt bis Mitte der 1990er-Jahre. In der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre stagnierte sie bei rund 300 Millionen Tonnen pro Jahr. Seither stieg sie dank kräftig erhöhter Investitionen und dem Einsatz moderner Technologien in den mittlerweile weitgehend privatisierten Ölunternehmen bis 2004 um rund die Hälfte. Der rasche Anstieg des Ölpreises schuf dafür die finanzielle Basis.

2005 schwächte sich der Anstieg der Förderung allerdings auf nur noch 2,4 % ab, deutlich weniger, als die Förderung in den fünf Jahren zuvor gestiegen war (rund + 8 Prozent jährlich). 2006 blieb das Wachstum ähnlich schwach (+ 2,1 %). Mit rund 480 Millionen Tonnen war die Förderung 2006 noch knapp ein Fünftel niedriger als Ende der 80er Jahre

2006 hatte Russland Probleme damit, Deutschland mit Öl zu versorgen.

Die russische Erdgasförderung stieg 2005 noch schwächer als die Ölförderung um 0,5 % auf 636 Mrd. Kubikmeter. 2006 nahm sie jedoch um rund 3 % auf rund 656 Mrd. Kubikmeter zu. Davon förderte OAO Gazprom mit 556 Mrd. m³ rund 85 %.

Die Erdgasförderung ist seit 1998 zwar deutlich schwächer gestiegen als die Erdölproduktion. Sie war aber zuvor nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Vergleich mit der Erdöl- und Kohleproduktion auch nur wenig gesunken. Seit 2003 überschreitet sie ihren bisherigen Anfang der 90er Jahre erreichten Höchststand wieder.

Die Förderung von Kohle, die ähnlich stark wie die Ölproduktion von rund 400 Millionen Tonnen in den 80er Jahren auf nur noch 233 Millionen Tonnen im Jahr 1998 einbrach, erholt sich zwar ebenfalls, lag 2006 mit rund 315 Mio. t aber noch gut ein Fünftel unter dem Niveau der 80er Jahre.

Russische Kohle hat allerdings für den internationalen Energiemarkt auch weitaus geringere Bedeutung als russisches Erdgas und Erdöl. Bei Berücksichtigung der russischen Kohleimporte wird netto nur rund ein Zehntel der Kohleförderung exportiert.

Stromproduktion

Die Produktion von elektrischem Strom liegt seit 2010 auf annähernd konstantem Niveau von rund 1100 Terawattstunden (TWh) jährlich, mit relativ geringen Schwankungen zwischen 1037 TWh (2010) und 1109 TWh (2018). Nachdem sie seit 1999 gewachsen war, erreichte sie bereits 2008 rund 1040 TWh. Sie war damit noch etwas niedriger als 1990 (1080 TWh).

Mit Öl, Erdgas, Kohle und verfeuertem Torf betriebene Wärmekraftwerke stellten 2018 rund 64 % der gesamten Stromproduktion. Auf Kernkraftwerke entfielen rund 18,5 %, auf Wasserkraftwerke rund 17,5 % der Stromerzeugung. Den stärksten Zuwachs im Zeitraum 2010–2018 verzeichnete mit +35 TWh die Kernenergie, gefolgt von der Wasserkraft mit +25 TWh. Die Verbrennungskraftwerke legten seit 2010 um +11 TWh zu.

Die russische Regierung plant, den Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung bis 2020 auf etwa ein Drittel zu verdoppeln, um noch mehr Erdöl- und Erdgas exportieren zu können. Auch der Kohleanteil soll steigen.

Energieverbrauch: hoher Erdgasanteil; große Einsparmöglichkeiten Der mit Abstand wichtigste Energieträger zur Deckung des russischen Primärenergieverbrauchs ist Erdgas, dessen Anteil bei gut der Hälfte liegt. Er ist in den letzten 15 Jahren gestiegen, während der Anteil des Erdöls als zweitwichtigster Primärenergieträger auf rund ein Fünftel zurückging.

Die Energieintensität der russischen Wirtschaft, also die Energiemenge, die zur Produktion einer Einheit der gesamtwirtschaftlichen Produktion erforderlich ist, ist mehr als dreimal so hoch wie im EU-Durchschnitt, obwohl sie von 2000 bis 2004 um 21 % gedrückt wurde. Wirtschaftszweige mit hoher Energieintensität wuchsen langsamer als solche mit niedriger Energieintensität.

Durch Maßnahmen für einen effizienteren Energieeinsatz könnten aber noch rund 30 bis 40 % der in Russland verbrauchten Energie eingespart werden, erklärte Industrie- und Energieminister Wiktor Christenko anlässlich eines deutsch-russischen Energieforums im Frühjahr 2007. Allerdings benötige Russland dafür den Zugang zu modernen Technologien, Materialien und Ausrüstungen. Gründe für die hohe Energieintensität der russischen Wirtschaft seien die ungünstigeren klimatischen Bedingungen in Russland (strenge Winter), der höhere Anteil der Industrie an der Entstehung des Bruttoinlandsproduktes (60 %) und die technisch veralteten Stromerzeugungskapazitäten. Das reicht zur Erklärung aber nicht aus.

Wichtigster Schritt zu mehr Energieeffizienz in Russland wäre nach Meinung von Johannes Voswinkel eine Anhebung der Binnenmarktpreise für Strom und Wärme. Die niedrigen Energiepreise in Russland, die aus der Preispolitik in der Zeit der Sowjetunion herrühren, spiegeln nicht die tatsächlichen Kosten wider.

Für mögliche Einsparungen bietet zum Beispiel der Gebäudesektor reichlich Möglichkeiten. Unzureichende Wärmedämmung, undichte Fenster und ineffiziente Lüftungssysteme sind bislang Schwachpunkte vieler Häuser. Bei staatlichen Wohnungsbauprogrammen in den Jahren der Sowjetunion ging es in erster Linie um die Zahl der gebauten Quadratmeter und die Einhaltung von Terminen, nicht um die Qualität der Wohnungen. Die Wärmedämmung wurde vernachlässigt, Heizungen nicht regelbar ausgeführt. Man findet in russischen Plattenbauwohnungen oft gar keine Heizkörper. Ihre Funktion erfüllen Rohre, die in die Wände einbetoniert sind. Die Wassertemperatur in den Heizungsrohren wird zentral für alle Wohnungen in einem Heizwerk der Wetterlage angepasst. Da es bei diesem System kaum möglich ist, die Wärme gleichmäßig über alle Wohnungen zu verteilen, müssen einige Familien chronisch frieren, bzw. mit elektrischen Geräten oder dem Backofen zuheizen, während andere den ganzen Winter mit geöffneten Fenstern leben.

Mangels Messgeräten bezahlen auch heute noch viele Haushalte Wasser, Gas, Heizwärme und manchmal sogar Strom mit Monatspauschalen. Da Letztere von den meisten Menschen als „sowieso zu hoch“ empfunden werden, möchte jeder dann wenigstens möglichst viel davon haben, was wiederum den Verbrauch in die Höhe treibt und zu steigenden Pauschalen führt: Ein Teufelskreis der Energieverschwendung wird in Gang gesetzt.

Energieexport: Herausragende Bedeutung Russlands für die internationale Energieversorgung Beim Erdgas lag Russland 2006 als Produzent im internationalen Vergleich mit Abstand an erster Stelle. Trotz des hohen inländischen Erdgasverbrauchs und einer Exportquote von nur rund 30 Prozent der Erdgasförderung war Russland weltweit größter Erdgasexporteur.

Beim Erdöl war Russland 2006 nach Saudi-Arabien weltweit zweitgrößter Produzent und Exporteur. Rund 51 Prozent der Rohölförderung wurden exportiert, einschließlich des Exports von Mineralölprodukten gingen 73 Prozent der Rohölförderung ins Ausland.

Russland verfügt mit rund einem Drittel der weltweiten Erdgasreserven im internationalen Vergleich mit Abstand über die höchsten sicher gewinnbaren Erdgasreserven. Russland wird deswegen auch künftig eine führende Position im weltweiten Erdgashandel einnehmen.

Die sicher gewinnbaren Erdölreserven Russlands sind international nicht von so herausragender Bedeutung. Sie machen „nur“ rund 5 % der weltweiten Reserven aus. Künftige Steigerungen der Ölproduktion, mit denen einigen Prognosen zufolge zumindest noch bis etwa 2015 zu rechnen ist, dürften aber weitgehend in den Export fließen können und so weiterhin zur Deckung der wachsenden weltweiten Nachfrage beitragen können. Der Mineralölverbrauch im Inland wird voraussichtlich trotz starken Wirtschaftswachstums und rasch zunehmender Motorisierung aufgrund der großen Einsparmöglichkeiten kaum steigen. Er hat schon während der zurückliegenden Phase der Produktionserholung seit Mitte der 1990er Jahre kaum zugenommen, sondern auf gedrücktem Niveau annähernd stagniert.

Die russische Erdölförderung dürfte künftig jedoch deutlich weniger stark zunehmen als in den letzten Jahren. Auch die Erdölexporte werden voraussichtlich langsamer wachsen, nachdem sie in den letzten 5 Jahren fast verdoppelt wurden. Russland hat damit einen großen Teil des Wachstums des weltweiten Ölverbrauchs gedeckt. Sein Anteil an den weltweiten Ölexporten ist gestiegen. Mittel- und langfristig dürfte dieser Anteil aber wieder sinken, während das Gewicht der OPEC-Staaten, die über wesentlich höhere Reserven verfügen, im weltweiten Ölhandel zunehmen wird.

Eine wichtige Rolle beim internationalen Vertrieb von russischem Öl und Gas spielte das in der Schweiz registrierte Unternehmen Gunvor.

Energieexport: Ausbau der Exportmöglichkeiten, Diversifizierung der Abnehmer bis zur russischen Invasion der Ukraine 2022 Bis Anfang des Jahres 2022 baute Russland die Möglichkeit zum Export fossiler Energieträger nach Europa permanent aus. Gleichzeitig wurden auch Exportrouten zu alternativen Abnehmern (v. a. China) erschlossen und Kapazitäten zum Export von Flüssigerdgas (LNG), womit Erdgas per Schiff exportiert werden kann, wurden erhöht. Laut CREA entfielen zwischen 24. Februar und 3. Juni 2022 61 Prozent der Exporte fossiler Energieträger Russlands auf die EU. Dies entspricht demnach 57 Milliarden Euro. Unter den Einzelstaaten war China mit 12,6 Milliarden Euro wichtigster Kunde vor Deutschland mit 12,1 Milliarden und Italien mit 7,8 Milliarden Euro.93 Milliarden Euro mit Öl und Gas verdient