Das Castello di Corigliano Calabro ist eine Festung aus dem 11. Jahrhundert in Corigliano Calabro, einem Teil der Gemeinde Corigliano-Rossano in der italienischen Region Kalabrien. Sie wurde als „eine der schönsten und besterhaltenen Burgen in Süditalien“ bezeichnet.

Die Burg ist seit 1927 ein Nationaldenkmal und wurde zu einem historisch-künstlerisch-kulturellen Museum. Das Obergeschoss der Burg wird für Gemälde- und Fotoausstellungen, Konferenzen und andere Veranstaltungen genutzt.

Geschichte Ursprünge mini|links|Normannischer Turm aus dem Jahre 1073 Der Ursprung der Burg von Corigliano Calabro ist mit der Figur von Robert Guiskard (Roberto d’Altavilla), dem normannischen Condottiere von riesenhaften Aussehen, verbunden. Laut seinem Biographen Gaufredus Malaterra war er es, der 1073 den Bau einer Festung bei Rossano im Zuge des Aufbaus einer Verteidigungslinie im Cratital zwischen 1064 und 1080 anordnete. Rossano war damals stark von Religiosität und byzantinischer Kultur durchdrungen und Episoden der Rebellion gegen die neuen Eroberer waren häufig. Das benachbarte Corigliano, das nur eine kleine Siedlung, die auf einem Hügel namens „Del Serratore“ thronte, war, hätte davon beeinflusst werden können und Robert Guiskard wollte dieses Risiko nicht eingehen. Daher die Entscheidung, eine Burg erbauen zu lassen, die der normannischen Tradition nach weniger das Ziel hatte, das Territorium vor Gefahren von außen zu schützen, sondern eher, die Gemeinschaft das Gewicht der herrschaftlichen Macht spüren zu lassen.

Der erste Herr des Castello di Corigliano Calabro war ein Vasall Robert Guiskards, Framundo, der aus L’Oudon in Frankreich kam und dem dann sein Bruder Rinaldo und später sein Neffe Guglielmo nachfolgten.

Die Garnison des Castello di Corigliano Calabro zusammen mit der des Castello di San Mauro, das auf Klöstern errichtet war, gewährte Kaiser Friedrich II. dem Erzbischof Cicala in Fideikommiss.

Die Sanseverinos mini|links|Familienwappen der Sanseverinos Nach einem Jahrhundert Bauzeit der Festung gewährte der König Tankred von Lecce 1192 Corigliano Calabro und all seine Territorien Ruggero Sanseverino aus Bisignano als Lehen. Die Sanseverinos, die zu einer der reichsten und mächtigsten Familien des Königreichs Neapel werden sollten, behielten ihre Macht über Corigliano Calabro bis 1616.

Es war Roberto Sanseverino, Graf von Corigliano, der zwischen 1339 und 1361 Eingriffe veranlasste, die das Aussehen der Burg radikal zu verändern begannen, sodass das einfache, militärische Bild gemildert wurde und die Burg teilweise für die Aufnahme von Familienmitgliedern während ihres Aufenthaltes in Corigliano geeignet machten. Aus dieser Zeit stammt der Umbau im Inneren des Südflügels des Gebäudes zu einigen bedeutenden und bequemen Herrenzimmern. Geronimo Savseverino, der um 1447 geboren wurde, wurde 1472 Conte di Corigliano. Er war eine ambivalente Persönlichkeit von schwachem Charakter, beeinflusst von Antonello Sanseverino, dem Prinzen von Salerno, seinem Verwandten, und nahm an der sogenannten „Verschwörung der Barone“ teil, die 1485 gegen Ferdinand I. von Aragón angezettelt wurde.

Die Revolte scheiterte und zwei Jahre später, im Juli 1487, wurde Geronimo Sanseverino zusammen mit anderen Baronen aus dem Süden wegen Hochverrats verhaftet und in den Gefängnissen von Castelnuovo eingesperrt, wo er starb. Seiner Gattin, Giovanna Gaetani, gelang es nur dank einer abenteuerlichen Flucht ins französische Exil, sich zu retten. Geronimo Sanseverino wurden auch alle seine Besitzungen konfisziert, einschließlich dem Castello di Corigliano Calabro, das dem Kommandanten von Castrovilla, Sansonetto Musitano, anvertraut wurde.

Nach diesen schwerwiegenden Ereignissen war der König aus dem Haus Aragón umso mehr von der Notwendigkeit der sich bereits in Durchführung befindenden Stärkung des Verteidigungs- und Unterdrückungssystems des Königreiches überzeugt, mit besonderem Augenmerk auf die Festungen, die Türme und die Burgen. Der Sohn von Ferdinand, Alfons, Herzog von Kalabrien und später König von Neapel, führte vom 2. Januar bis zum 22. April 1489 eine Inspektionsreise durch Kalabrien durch, begleitet vom Architekten Antonio Marchesi da Settignano, einem Schüler von Francesco di Giorgio Martini, dem größten Militärarchitekten seiner Zeit. Die große königliche Partie weilte von 20. bis zum 22. März in Corigliano Calabro und bei dieser Gelegenheit beschloss man Umbau- und Reparaturarbeiten, die dem Castello di Corigliano Calabro sein charakteristisches, „aragónesisches“ Gepräge verliehen: Der mächtige Bergfried wurde mit der Burg durch eine Zugbrücke verbunden, der Burggraben, auf dem die Anschrägungen der Türme ruhten, von denen drei kleiner und in die viereckige Struktur eingelassen waren, wurde verbreitert und vertieft; auch wurde die Hauptzugbrücke verstärkt, die durch ein Ravelin, ein kleines Gebäude, das zur Verteidigung der Brücke nötig war, geschützt war. Die Arbeiten wurden 1490 abgeschlossen.

Nach der siegreichen Eroberung des Königreichs Neapel durch den französischen König Karl VIII. wurden den Sanseverinos ihre Ferdinand von Aragón nach der berühmten Verschwörung der Barone konfiszierten Güter (die Grafschaft und die Burg von Corigliano Calabro) am 1. Mai 1495 zurückgegeben. Es war Bernardino Sanseverino, der erstgeborene Sohn von Geronimo, der vom königlichen Dekret der Rückgabe der Güter profitierte. Anfang des 16. Jahrhunderts begann für Corigliano Calabro eine Zeit konstanten Bevölkerungswachstums.

mini|Castello di San Mauro, Corigliano Pietro Antonio Sanseverino ging wegen seiner außergewöhnlichen Verschwendungssucht in die Geschichte ein. Ihm und seiner Gattin, Elena Kastrioti, der Großnichte des albanischen Helden Georg Kastrioti „Skanderbeg“, ist der Empfang des Kaisers Karl V. von Habsburg auf seiner Rückkehr vom Tunisfeldzug von 9. bis 12. November 1535 auf dem Castello di San Mauro zu verdanken.

1538 richtete der fürchterliche Pirat Barbarossa im Zuge einer seiner Überfälle in Kalabrien auf der Suche nach Sklaven und Reichtümern seinen Angriff auf Corigliano. Die Bewohner von Corigliano waren nach einem fruchtlosen Widerstand an dem Punkt, aufzugeben, als Pietro Antonio Sanseverino, der 16. Graf von Corigliano, die Information durchsickern ließ, dass einer seiner Diener vom Heiligen Franz von Paola geträumt hätte, der einen sicheren Sieg gegen die fremden Eindringlinge vorausgesagt hätte. Durch diese Vorhersage versichert, versammelten sich die Bürger in der Burg um die Tore der Stadtmauer und es gelang ihnen nach einem anstrengenden Widerstand, die Korsaren unter der Führung von Barbarossa zu besiegen.

Um 1540 ließ Pietro Antonio Sanseverino nach teilweisem Abriss und teilweisem Umbau des teilweisen Überbaus, den sein Vorfahr Roberto Sanseverino hatte anbauen lassen, auf Initiative seiner zweiten Gattin, Elena Kastrioti größere und verschwenderischere Räume bauen. Nach seinem Tod 1559 hinterließ Pietro Antonio Sanseverino ein stark schuldenbelastetes Erbe. Nicola Bernardino Sanseverino, der ihm nachfolgte, gelang es nicht, wieder Ordnung in die Finanzen zu bringen. Er verschwendete weiterhin ohne jede Bescheidenheit und verschleuderte das Familienvermögen mit vollen Händen bis zu seinem Tod 1606 in Neapel.

Die Saluzzos mini|links|Wappen der Familie Saluzzo 1616 wurde das Lehen von Corigliano und San Mauro, das größte des Hauses Sanseverino, das bereits vom Königshaus wegen ausstehender Schulden konfisziert worden war, zum Verkauf angeboten, um wenigstens einen Teil der ungeheuren Schulden zu begleichen.

Die Käufer waren die Barone Agostino und Giovan Filippo Saluzzo, die Söhne des reichen Kaufmanns Giacomo Saluzzo aus Genua, die, jeder für seine Hälfte, die Gesamtsumme von 315.000 Dukaten bezahlten. Der Kauf wurde von einem Strohmann, Vincenzo Capece, durchgeführt, um das „Vallimento“ zu vermeiden, eine Steuer, die Ausländer, die Eigentümer eines Lehens im Königreich Neapel wurden, an den königlichen Hof zahlen mussten.

Den neuen Lehensherren gelang es nicht, den Verfall und die fortschreitende Verarmung der Gegend aufzuhalten. Die sumpfigen Gebiete in der Ebene nahmen zu, die Malaria wütete weiter, während die übermäßige, steuerliche Ausbeutung durch die Spanier Unzufriedenheit und soziale Unruhen verursachte.

1647 versammelte sich die Bevölkerung von Corigliano in Waffen um die Burg, der feudalen Macht der Saluzzos müde, die besonders lästig und habgierig geworden waren. Es war am 18. Juli, nur knapp einen Tag nach dem Beginn der Rivolte gegen die Spanier, die in Cosenza ausgebrochen war, und zehn Tage nach dem Ausbruch der Revolution in Neapel, die von Masaniello angeführt wurde. Grund war die Ablehnung des Gouverneurs der Stadt, ein vizekönigliches Dekret anzuwenden, das die Steuer auf Mehl abschaffte. An die Spitze des Aufstandes setzte sich der Bürgermeister von Corigliano, Alessandro Mezzotero, flankiert von den örtlichen Adligen, die damit einen zu teuer gewordenen Feudalherrn loszuwerden hofften. Der Protest hatte Erfolg und der Gouverneur unterzeichnete drei Tage später das Statut, mit dem er unter anderem die Veruntreuung von öffentlichem und privatem Vermögen durch den Lehensherrn anerkannte und die Gewerbefreiheit und die wirtschaftliche Initiative garantierte. Aber Agostino II. Saluzzo, der in Corigliano festgehalten wurde, weigerte sich, die Vereinbarung zu unterzeichnen. Eine neue Welle der Unruhe änderte dann der Charakter der Revolte, sodass die Volksfraktion unter der Führung von Pompeo Perrone die Kontrolle über die Stadt erlangte. Saluzzo verbarrikadierte sich in der Burg und es gelang ihm, einige Monate lang zu widerstehen, auch als er lange Zeit von den rebellischen, republikanischen Truppen unter der Führung von Marcello Tosardo angegriffen und belagert wurde.

Nach diesen Vorkommnissen gewährte König Philipp IV. von Spanien Agostino II. und seinen Nachfolgern den Fürstentitel über das Gebiet von Corigliano, beeindruckt von der Loyalität, die dieser der spanischen Sache gegenüber gezeigt hatte.

mini|Der ursprüngliche Turm der Burg mini|links|Spiegelsalon mini|links|Kapelle des Heiligen Augustinus Es waren die Saluzzos, die das Aussehen der mächtigen Burg von Grund auf verändern und verbessern ließen, sodass sie bald zu ihrer Wohnstatt wurde. Auf sie sind die Arbeiten zum Bau des achteckigen Türmchens zurückzuführen, das den Bergfried überragt, ebenso wie der Umbau des Innenhofes durch den Einbau von zwei Treppenzugangsrampen, die Neuanordnung und die Ausschmückung zahlreicher Innenräume und der Anbau des breiten Balkons an die Fassade, mit dem der Spiegelsalon versehen wurde. Von diesem Balkon aus kann man über zwei eiserne Stufen zu einer Terrasse hinaufsteigen, die auf dem Dach eines ausgerüsteten und funktionsfähigen Stallgebäudes liegt.

Agostino II. ist auch der Bau der Kapelle zu verdanken, die dem Heiligen Augustinus geweiht, mit wertvollen Möbeln und Kunstwerken bereichert ist und amtiert werden sollte, wie er es in seinem Testament geschrieben hinterlassen hat.

Im 18. Jahrhundert verbesserte sich die wirtschaftliche Situation der Gegend. Die Saluzzos ließen umfangreiche Rekultivierungsarbeiten durchführen, investierten entschieden in die Entwicklung des großen Landgutes, kurbelten den Handel mit Getreide und Öl an und konzentrierten sich auf die Herstellung von Teigwaren und Lakritze.

mini|Tafel zum Gedenken an Pietro Malena und Vincenzo Marrazzo, die auf dem Platz vor der Burg erschossen wurden Die Ereignisse von 1799 und ihre Folgen, die mit der französischen Vorherrschaft im Königreich Neapel verbunden waren, hatten auch für Corigliano große Auswirkungen. Die Saluzzos wurden eingesperrt.