Haltungsjournalismus ist ein komplexer, oft unklarer Begriff für eine journalistische Arbeitsweise, bei welcher der Journalist eine bestimmte Haltung oder Perspektive zu einem Thema einnimmt und diese auch offen ausdrückt. Dies kann durch die Auswahl von Themen, die Art der Berichterstattung, die Wortwahl und die Betonung bestimmter Aspekte geschehen. Manchmal nehmen Journalisten offen eine politische, soziale oder kulturelle Position ein und nutzen ihre Plattform, um für bestimmte Werte oder Überzeugungen einzutreten. Der Fokus liegt darauf, eine klare Position zu vertreten (advocacy journalism), ohne notwendigerweise eine erkennbare Meinung wie im Kommentar auszudrücken.
In der Diskussion darüber verschwimmen oft die Grenzen zum davon eher abzugrenzenden Meinungsjournalismus (opinion journalism), der die persönliche Meinung und Überzeugung des Autors in den Mittelpunkt stellt, und zum Gesinnungsjournalismus (partisan journalism), bei dem eine bestimmte, oft einseitige politische oder ideologische Betrachtung von Ereignissen oder Themen zum Ausdruck kommt.
Die Verwendung des Begriffes Haltungsjournalismus ist entsprechend ungenau und umstritten und dient oftmals als politisches Schlagwort, um einem Autor bzw. einem Medium mangelnde Objektivität und/oder Neutralität zu unterstellen. Daher wird alternativ auch der Begriff „werteorientierter Journalismus“ vorgeschlagen.Etwa Georg Restle: In: WDRprint Juli/August 2018, S. 44 f. - Online verfügbar unter https://twitter.com/georgrestle/status/1014133298245853184/photo/1 Stand: 7. Oktober 2023.
Haltung und journalistische Ethik Der Begriff betrifft auch die von der Journalistin Karoline Kuhla erörterte Frage: „Welche Regeln gelten für Journalisten?“Karoline Kuhla: Fake News. Carlsen Klartext, Carlsen Verlag, Hamburg 2017, ISBN 978-3-551-31731-5, S. 109 ff. Für Kuhla gilt, dass Medien „unparteiisch und unabhängig“ informieren. „Sie können natürlich in Kommentaren bestimmte Meinungen präsentieren, diese gut argumentativ darlegen, aber sie sollten nicht tendenziös berichten, auch nicht, wenn sie damit einem guten Zweck dienen oder zu dienen meinen.“Karoline Kuhla: Fake News. S. 115. Ein berühmtes, Hanns Joachim Friedrichs zugeschriebenes Zitat, wonach sich ein Journalist nicht mit einer Sache, auch nicht einer guten, gemein machen soll, gibt Anlass zu Missverständnissen. In seinem Essay anlässlich der Verleihung des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises an Katrin Eigendorf erklärt das der Journalist Rüdiger Jungbluth und zitiert dazu den Spiegel-Redakteur Cordt Schnibben mit der Aussage: „Daraus zu machen, dass ein Journalist quasi ein haltungsloser, emotionsloser Journalist sein sollte, dem man seine Haltung nicht anmerkt, ist eine Pervertierung.“Rüdiger Jungbluth: Mit keiner Sache gemein? Die Wahrheit über das Hanns-Joachim-Friedrichs-Zitat auf Übermedien.de vom 2. November 2021.
Begriffsgeschichte Einige Journalisten sprechen selbst von Haltungsjournalismus.
Weiterhin könnten Debatten und Beiträge über „Haltung im Journalismus“ zur Entstehung dieses Begriffs beigetragen haben: So wird der Begriff „Haltungsjournalismus“ auf einer Webseite des MDR Fernsehens ausführlicher erörtert.Wo bleibt die Ausgewogenheit? Haltung im Journalismus. auf MDR.de, abgerufen am 11. April 2023.
„Der partielle Vertrauensverlust in die Medien drückt sich spätestens seit 2014 durch laute, teils sehr emotionale Medienkritik auf der Straße aus, hinzu kommen wüste Töne in den sozialen Netzwerken.“Alexis von Mirbach: Medienträume. S. 12, 2023, Herbert von Halem Verlag, Köln ISBN 978-3-86962-635-2. Ein aufsehenerregender Fall, der dem Begriff Substanz geben soll, war 2018 die Enthüllung, dass der Spiegel-Autor Claas Relotius weite Teile seiner wiederholt preisgekrönten Reportagen frei erfunden hatte.Wenn „Haltung“ mehr zählt als Wahrhaftigkeit. auf Cicero.de, abgerufen am 11. April 2023.
Siehe auch Einordnung (Journalismus) Tendenzschutz Sendungsbewusstsein
Einzelnachweise
Kategorie:Journalismus Kategorie:Ethische Haltung