mini|Logo des Steinmetzzentrums Königslutter Das Bildungszentrum für das Steinmetz- und Bildhauerhandwerk Königslutter, auch kurz Steinmetzzentrum genannt, war von 1981 bis 2022 ein überregionales Ausbildungszentrum für die Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU), Meistervorbereitung, Ausbildung zum Restaurator im Handwerk und Erwachsenen- und Weiterbildung für Steinmetze und Steinbildhauer. Das Steinmetzzentrum in Königslutter am Elm in Niedersachsen, das sich in der Trägerschaft der Handwerkskammer befand, kooperierte in seiner Tätigkeit mit dem Bundesinnungsverband, den Landesinnungen und dem bundesweiten Steinmetz-Berufsbildungswerk.

Die frühere Handwerkskammer Braunschweig, heute Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade, errichtete das Steinmetzzentrum im Einvernehmen mit dem Berufsbildungswerk des Steinmetz- und Bildhauerhandwerks e.V. im Jahr 1981. Ausgelastet wurde das Steinmetzzentrum wesentlich durch die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung. In den ersten 25 Jahren seit seiner Gründung beschulte es knapp 43.000 Steinmetz- und Steinbildhauerlehrling.

Standort und Steinmetztradition Die Handwerkskammer Braunschweig bezog sich in den 1970er Jahren bei der Standortsuche für ein Steinmetzzentrum ausdrücklich auf die regionale Steinmetztradition, die ihren Ursprung im Kaiserdom Königslutter habe. Die Handwerkskammer habe damit eine „Handwerks- und Steinbildhauertradition fortgesetzt“, die mit seiner „bemerkenswerten niederdeutschen Baukunst“ gegründet sei. Dieses romanische Bauwerk bilde eine „einmalige Synthese lombardischer Steinbildhauerkunst und romanischer Steinbautechnik“. Die kunstgeschichtlich bedeutsamen Steinbildwerke des Kaiserdoms von europäischem Rang, sowohl Jagdfries als auch Kreuzgang und Löwenportal, legen Zeugnis einer Handwerkskunst ab, an die das Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk im nordwest-, mittel- und ostdeutschen Raum stets angeknüpft habe.

Deshalb sei auch in den 1940er Jahren die Steinmetzschule in den Mauern der Stadt Königslutter entstanden und wurde im Jahr 1984 vom Landkreis Helmstedt und Berufsbildungswerk in unmittelbarer räumlicher Nähe zum Steinmetzzentrum neu gebaut. Ferner sei deutlich, dass sich diese Steinmetzeinrichtungen inmitten des alten deutschen Kaiserreichs befinden, das von Goslar über Braunschweig, Königslutter, Quedlinburg, Hamersleben bis Magdeburg mit seinen kunstgeschichtlich bedeutsamen Bauwerken reicht.Handwerkskammer Braunschweig (Hrsg.): Festschrift 10 Jahre Bildungszentrum Königslutter, Eigenverlag Königslutter 1991, S. 1.

Die Stadt Königslutter ist sich seiner Steinmetztradition und der im Ort befindlichen Steinmetz-Bildungsstätten bewusst, so befindet sich in der Stadt nicht nur das „Dom- und Steinmetzmuseum“ neben dem Kaiserdom, sondern es gibt auch ein Informationszentrum „Geopark Harz. Braunschweiger Land. Ostfalen“, ein Teil des UNESCO Global Geoparks.Informationszentrum Geopark ohne Datum, abgerufen am 15. April 2023. In: Informationszentrum Geopark In diesem Informationszentrum befindet sich des Weiteren ein Teil der Gesteinssammlung von Otto Klages, ein Bürger aus Königslutter, der sich mit seiner umfangreichen Sammlung von Gesteinen und gesteinsbildenden Mineralen aus seiner heimatlichen Umgebung und der ganzen Welt auch in der Wissenschaft einen Namen verschafft hat.Otto-Klages-Dammlung, ohne Datum, abgerufen am 15. April 2023. In: Stadt Königslutter Diese in der Stadt befindlichen Einrichtungen werden von den aus dem gesamten Bundesgebiet kommenden Steinmetzen zu Fortbildungszwecken aufgesucht.

Gründung Bau mini|Haupteingang (Mitte) des Steinmetzzentrums Königslutter, rechts Unterrichtsräume, weiter rechts schließen sich die Werkhallen an 1975 wurde der Bauantrag zur Errichtung des Steinmetzzentrums von der Handwerkskammer Braunschweig bei den zuständigen Stellen eingereicht. Im Jahr 1978 wurde zwischen der Handwerkskammer und dem Berufsbildungswerk ein Kooperationsvertrag über das Betreiben des Steinmetzzentrums Königslutter geschlossen. Das Berufsbildungswerk, das die laufenden Kosten der Überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung (ÜLU), abzüglich der Zuschüsse von Bund und Ländern zuständig war, war auch für den Bauerhalt und die Modernisierung der Bauten, Gerätschaften und Maschinen finanziell zuständig. Das 1976 gegründete Berufsbildungswerk setzt sich paritätisch aus dem Bundesinnungsverband der Steinmetze und der IG BAU zusammen.Das Berufsbildungswerk, ohne Datum. In: Berufsbildungswerk des Steinmetz- und Bildhauerhandwerks, abgerufen am 9. April 2023 Der Bau des Steinmetzzentrums, nebst Ausstattung für das Internat, die Mensa, Maschinen, Gerätschaften und Werkzeuge kostete bis zur Fertigstellung etwa 10,3 Mio. DM. Die Kosten wurden anteilig vom Bundesinstitut für Berufliche Bildung, dem Land Niedersachsen und dem Steinmetz-Berufsbildungswerk finanziert. Das Berufsbildungswerk trug 10 Prozent der gesamten Kosten.

mini|links|Blick in eine Werkhalle mit Steinstaub-Absaugung (links Absaugvorrichtung, oben rechts Frischluftzufuhr) Der neue Baukomplex entstand auf einem Grundstück von 12.500 m² Größe, auf dem sich die bebauten Flächen über 4.600 m² erstreckten. An Gebäuden wurden vier Werkhallen errichtet, darunter eine Maschinenhalle, zwei Hallen mit Steinstaub-Absaugungsanlagen mit je 16 Arbeitsplätzen und eine Bauhalle. Außerdem entstanden zwei Unterrichtsräume, eine Mensa mit etwa 100 Plätzen und ein Gästehaus für Lehrlinge.Handwerkskammer Braunschweig (Hrsg.): 25 Jahre Bildungszentrum für das Steinmetz- und Bildhauerhandwerk Königslutter. Eigenverlag, Königslutter 2005. S. 8 1984 wurde in unmittelbarer Nähe zum Steinmetzzentrum die staatliche Steinmetzschule Königslutter gebaut, eine Berufs- und Technikerschule mit einem eigenen Berufsschul-Internat. Dieses Internat betrieb das Steinmetzzentrum in Kooperation mit dem Träger der Steinmetzschule, dem Landkreis Helmstedt. Gästehaus-Bau mini|Gästehaus-Eingang (links), rechts schließt sich die Mensa an Im Jahr 2002 wurde eine Modernisierung des Internats des Steinmetzmetzzentrums abgeschlossen. Der Altbau mit den vorhandenen 4-Bett-Zimmern wurde zu 2-Bett-Zimmern umgestaltet. Auf dem bisher unbebauten Freibereich zwischen Werkhallen, Verwaltungstrakt mit Theorieräumen, Internatsgebäude mit Mensa war ein neues Gästehaus mit einer großen Sporthalle entstanden, das den Lehrlingen des Steinmetzzentrums und den Berufsschülern weitere und neue Freizeitmöglichkeiten anbot. Die Halle ließ sich auch für große Veranstaltungen nutzen. Weiterhin fanden wie bisher auch fachliche Freizeitveranstaltungen wie Modellieren mit Ton und Freihandzeichnen für die SteinmetlLehrlinge statt. Die neue Unterbringungskapazität betrug 89 Betten.

Im Rahmen der Modernisierung wurden die Eindeckung der Flachdächer erneuert. Der provisorisch eingerichtete EDV-Raum, der zu klein war, wurde zu einem Umkleide- und Duschraum für die weiblichen Lehrlinge umgebaut, da die diesbezüglichen Teilnehmerzahlen gestiegen waren. Der bisherige Umkleideraum wurde zum Umkleideraum der Ausbilder. Ein neuer EDV-Raum konnte errichtet und mit Gerätschaften ausgerüstet werden. Die Kosten der Baumaßnahmen beliefen sich auf etwa 4,3 Mio. €. Sie wurden wie in der Gründungszeit vom Bundesinstitut für Berufliche Bildung, dem Land Niedersachsen und dem Berufsbildungswerk getragen.Handwerkskammer Braunschweig (Hrsg.): 25 Jahre Bildungszentrum für das Steinmetz- und Bildhauerhandwerk Königslutter. Eigenverlag, Königslutter 2005. S. 8.

Ausbildungsgänge im Steinmetzzentrum Meistervorbereitungslehrgänge mini|hochkant|Meisterprüfung Königslutter: Ein Prüfling arbeitet mit einem Drucklufthammer an seinem Meisterstück, einem Brunnen aus Anröchter Dolomit Die einjährige Meistervorbereitung im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk in Vollzeit führte bis ins Jahr 1981 die Steinmetzschule Königslutter im Auftrag der Handwerkskammer durch, die alle vier Hauptteile der Meisterprüfung mit einer Zeitdauer von einem Jahr umfasste. Die Meisterprüfung umfasst die Fachtheorie, -praxis, Berufs- und Arbeitspädagogik sowie wirtschaftliche und rechtliche Kenntnisse. 1986 wurde der erste Lehrgang mit der Dauer von 1½ Jahren durchgeführt. Die Verlängerung dieser Ausbildung wurde erforderlich, da sich die Aufgaben von Steinmetzen in Neu- und Altbau, Steinrestaurierung und Denkmalpflege an historischen Bauwerken und Baudenkmälern aus Naturstein in der Folgezeit dynamisch entwickelt hatte. Später kamen berufsbegleitende Lehrgänge hinzu, die lediglich die zwei Hauptteile der Meisterprüfung umfassten, die Fachtheorie und Fachpraxis. Die Lehrgänge waren, wegen großer Nachfrage, in den frühen 1990er Jahren teilweise bis zu fünf Jahre im Voraus ausgebucht.Handwerkskammer Braunschweig (Hrsg.): Festschrift 10 Jahre Bildungszentrum Königslutter, Eigenverlag, Königslutter 1991, S. 2 Nach der Wende gab es teilweise bis zu drei Meistervorbereitungslehrgänge, zwei duale und einen Lehrgang in Vollzeit. Ab etwa 2010 sanken die Teilnehmerzahlen in den Vollzeitlehrgängen und die Nachfrage nach berufsbegleitenden Lehrgängen stieg an.

Nach der Schließung des Steinmetzzentrums führt die Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade als Träger weiterhin Meistervorbereitungslehrgänge für das Steinmetz und Steinbildhauerhandwerk fort.Meistervorbereitung Steinmetz*in und Steinbildhauer*in, abgerufen am 4. Januar 2024. In: Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade Dozenten im Kunst- und Gestaltungsunterricht Klaus Kriebel, Akad. Bildhauer Hans PieneHans Piene, ohne Datum, abgerufen am 5. Januar 2023 Prof. Dr. Bärbel Schlüter Magnus Kleine-Tebbe, Akad. Bildhauer Wolfgang Roßdeutscher, Steinmetz und Akad. Bildhauer

Ausbildung zum Restaurator im Handwerk Der erste bundesweite berufsbegleitende Lehrgang zum „Staatl. geprüften Restaurator im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk“ überhaupt wurde im Steinmetzzentrum Königslutter im November 1984 begonnen und im Dezember 1986 erfolgreich abgeschlossen. Anschließend fanden weitere derartige Lehrgänge statt.Handwerkskammer Braunschweig (Hrsg.): Festschrift 10 Jahre Bildungszentrum Königslutter, Eigenverlag Königslutter 1991, S. 8 In dieser Fortbildung handelt es sich um einen Lehrgang, der als Zugangsvoraussetzung eine Meisterqualifikation oder eine abgelegte gleichwertige Qualifikation voraussetzt. Das Konzept der Naturstein-Restaurierung an historischen Bauwerken wurde von der Bundesinnung der Steinmetze in einem bundesweit einheitlichen Lehrplan entwickelt und die Teilnehmer durch das BBW finanziell unterstützt. Es ist eine Ausbildung im Spannungsfeld zwischen moderner Technik, überkommener Arbeitstechnik und wissenschaftlich begründeter Restaurierung.Handwerkskammer Braunschweig (Hrsg.): Festschrift 10 Jahre Bildungszentrum Königslutter, Eigenverlag Königslutter 1991, S. 4.

Überbetriebliche Ausbildung Der erste Überbetriebliche Lehrgang im Steinmetzzentrum Königslutter begann am 18. Mai 1981 mit Lehrlingen aus dem Bundesland Niedersachsen.

Eine Gesellenausbildung im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk dauert grundsätzlich drei Jahre, Ausbildungszeitverkürzungen sind unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Die ÜLU untergliedert sich fachlich im 1. Ausbildungsjahr in die Grundfertigkeiten und im 2. und 3. Jahr an die erforderliche Anpassung an die Technik. Die Dauer der Lehrgänge beträgt insgesamt 14 Wochen, unterschiedlich verteilt auf die dreijährige Ausbildung. Die Unterweisung erfolgt in der Form Wochenblöcken. Die zu vermittelnden Unterweisungsinhalte sollen Lehrlingen unabhängig von seiner betrieblichen Spezialisierung qualifizieren und die Vermittlung aller Fertigkeiten und Kenntnisse des vielschichtigen Berufsbildes und gewährleistet. Das Ziel ist ein bundesweit einheitlich hohes Ausbildungsniveau.Überbetriebliche Ausbildung, ohne Datum. In: Berufsbildungswerk des Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerks e.V. Abgerufen am 9. April 2023.

Überbetriebliche Lehrgänge