Rothe ist eine wüste Feldmark, die nördlich oder nordöstlich von Jüterbog im Landkreis Teltow-Fläming in Brandenburg liegt.

Geografische Lage Die genaue Lage der Feldmark ist bislang archäologisch nicht gesichert. Sie könnte in der Nähe der wüsten Feldmark Heinsdorf bei Werder und Ruhlsdorf gelegen haben, vielleicht aber auch wie diese in den Feldmarken von Werder und Jänickendorf aufgegangen sein. Möglich ist auch, dass sie in Jüterbog aufgegangen ist. Die Suche nach der Feldmark erstreckt sich bis in das 16. Jahrhundert, als ein Geschichtsschreiber 1534/1543 schrieb: Rothe ist das Dorf davon im Privileg Wichmann meldung geschieht ist der Nonnenacker so auf Radeland bey Hans Zechen Hufen und stößt an den Lütkenbochoischen Hufen bis an das Frauenthor. Dies würde auf eine Lage südlich der historischen Stadtgrenzen von Jüterbog hinweisen. Experten schätzen dies jedoch als unrealistisch ein. Aufgrund der neueren Forschung gilt jedoch als wahrscheinlich, dass Rothe im Gebiet nordöstlich von Jüterbog, vermutlich innerhalb der ausgedehnten Jänickendorfer Heide, lag. Diese Lokalisierung ergibt sich aus dem engen Zusammenhang mit den ebenfalls wüst gefallenen Dörfern Heinsdorf und Ruhlsdorf. Da diese in der Nähe von Werder und Jänickendorf verortet werden können, ist auch Rothe in diesem Raum zu suchen. Ältere Lokalisierungsversuche, die Rothe in der Nähe von Luckenwalde oder im Bereich der Stadt Jüterbog selbst ansiedelten, gelten heute als überholt.Peter P. Rohrlach: Ältere Ortsnamenbelege und das Problem ihrer Zuordnung im alten Kreis Jüterbog-Luckenwalde In: Friedrich Beck, Klaus Neitmann (Hrsg.): Brandenburgische Landesgeschichte und Archivwissenschaft. Festschrift für Lieselott Enders zum 70. Geburtstag, 1997, S. 12–15.

Geschichte Rothe wurde erstmals in den Jahren 1164/1174 urkundlich als „eines von zwei Dörfern (villa), von denen das andere Rothe heißt“ (in duabus villis, quarum …alterna vocatur Rothe) erwähnt und gehörte zu dieser Zeit dem Stift Gottesgnaden in Calbe (Saale). Seine Größe wurde zusammen mit dem Dorf Dieke mit 50 Hufen angegeben. Eine weitere Erwähnung des Dorfes existiert aus dem Jahr 1183, in der Dieke als Kirchdorf fungiert, in das unter anderem Heinsdorf und Ruhlsdorf eingepfarrt waren (1173/1180). Daraus ergibt sich ein enger räumlicher Zusammenhang aller genannten Orte, zu denen auch Rothe zu rechnen ist. Der Bischof Siegfried I. hatte den Zehnt der vermutlich bereits wüst liegenden Dörfer Dieke und Rothe zusammen mit sechs Hufen aus Jüterbog der Marienkirche übertragen.10C Marienkirche Jüterbog U 1; Bischof Siegfried [I.] von Brandenburg überträgt der [Marien]kirche den Zehnten von 6 Hufen zu Jüterbog und von 50 Hufen in den Dörfern Dieke und Rothe (beide wüst) sowie 1/3 des Zehnten aus Jüterbog und den Dörfern Ruthenitz, Rothwiensdorf, Broitz und Hohengörsdorf.;, Online-Recherche im Bestand des Brandenburgischen Landeshauptarchivs (), abgerufen am 28. März 2023. Nach diesen wenigen Erwähnungen verschwindet Rothe vollständig aus der schriftlichen Überlieferung. Der Ortsname ist weder in späteren Urkunden noch in Flurnamen erhalten, was darauf hindeutet, dass die Siedlung bereits im Hochmittelalter aufgegeben wurde.

Rothe und Luckenwalde Seit dem 19. Jahrhundert wurde Rothe häufig gemeinsam mit Dieke in die Diskussion um die Frühgeschichte von Luckenwalde einbezogen. Ausgangspunkt war die Interpretation der Urkunde von 1183 durch Carl Christian Heffter (1851), der annahm, zwischen beiden Orten habe ein enger Zusammenhang bestanden und sie seien mit der Entstehung Luckenwaldes verknüpft gewesen. Heffter deutete Rothe als Rodungssiedlung (Rode) in der Nähe von Dieke und nahm an, dass beide Orte möglicherweise identisch oder eng miteinander verbunden gewesen seien. Er brachte Rothe auch mit Flurnamen und topographischen Gegebenheiten im Raum Luckenwalde in Verbindung und vermutete, dass die Siedlung später wüst gefallen und in anderen Strukturen aufgegangen sei. Diese Thesen wurden von späteren Autoren wie Hermann Hahn (1930) und Oskar Liebchen (1960) übernommen und weiterentwickelt. Dabei wurde Rothe regelmäßig als kleinere Siedlung neben dem angeblich größeren Dieke interpretiert und mit konkreten Bereichen innerhalb Luckenwaldes (etwa der Baruther Straße) identifiziert. Auch archäologische Funde und urkundliche Hinweise wurden in diese Deutungen einbezogen. Die neuere Forschung weist diese Interpretationen jedoch als unbegründet zurück. Insbesondere wird darauf verwiesen, dass Rothe (ebenso wie Dieke) nach dem 12. Jahrhundert weder urkundlich noch als Flurname nachweisbar ist. Dies spricht gegen eine kontinuierliche Entwicklung oder ein Aufgehen in der späteren Stadt Luckenwalde. Ausschlaggebend für die Neubewertung ist die Klärung der Lage der Wüstungen Heinsdorf und Ruhlsdorf. Da diese eindeutig im Raum südlich bzw. südöstlich von Jüterbog lokalisiert werden können, ergibt sich für Rothe aufgrund des belegten Zusammenhangs eine entsprechende Lage in diesem Gebiet. Eine Verbindung zur Stadtentwicklung Luckenwaldes ist damit auszuschließen.

Literatur Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 451–452.

Einzelnachweise

Kategorie:Wüstung im Landkreis Teltow-Fläming Kategorie:Ersterwähnung 1164 Kategorie:Geographie (Jüterbog)