Kraft Camillo Conrad Walther Scipio Freiherr (Baron) von Palombini (* 3. Dezember 1899 in Grochwitz; † 31. Dezember 1976 in Bückeburg-Petzen) war ein deutscher Gutsbesitzer und Gegner des NS-Regimes.
Leben Palombini entstammte aus der Familie von PalombiniChristoph Franke: Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon, 1999, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, Band X, Band 119 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1999, S. 147. ISBN 3-7980-0819-1. und war ein direkter Nachfahre des Joseph Friedrich von Palombini. Seine Eltern waren Auguste Marie Gräfin Wilding von Königsbrück, Tochter des August Wilding von Königsbrück, und der Landrat des alten Landkreises Schweinitz, Dr. jur.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser 1896, in: GGT. "Der Gotha", Band Wilding von Königsbrück, 69. Auflage, Justus Perthes, Gotha 1895, S. 1266. Camillo Freiherr von Palombini (1862–1918). Die Hochzeit fand 1889 in Dresden statt.E. v. Mosch: Deutsches Adelsblatt. Wochen-Schrift für die Aufgaben des christlichen Adels, Nr. 26. VII. Auflage, Aus dem Standesleben. Familien-Nachrichten. Verbindungen, Verlag G & G, Berlin 1889-06-30, S. 443. Die Mutter lebte als Witwe zweitverheiratet auch auf Schloss Grochwitz. Seine ältere Schwester GoessyAd. M. Hildebrandt: Der Deutsche Herold. Zeitschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde 1890, XXI. Auflage, Hrsg. Verein Herold, Band: Familien-Nachrichten, 6. Geburten. Eine Tochter, Selbstverlag. Druck Carl Heymanns Verlag, Berlin 1890, S. 82. von Palombini (1890–1955) blieb unvermählt und konvertierte zum katholischen Glauben. Kraft hatte noch eine weitere Schwester Jutta und einen Bruder Kamillo (1894–1918), der als Leutnant d. R. und als Vorerbe von Grochwitz an den Kriegsfolgen starb.Helden-Gedenkmappe des deutschen Adels, Hrsg. Alexis von Schoenermarck, Alex-Victor v. Frankenberg u. Ludwigsdorff, Karl Raible, Band P. Nummer Kamillo Freiherr v. Palombini 1862; Kamillo Freiherr v. Palombini 1894, Wilhelm Petri, Jung & Sohn, H. Wenneberg, Stuttgart 1921, S. 229 f.; .
Palombini erbte vom Vater zwei Güter, Anfang der 1920er Jahre betrug die Gutsgröße seiner Besitzungen für Rahnisdorf 300 ha,Oskar Köhler, Gustav Wesche, H. Krahmer: Landwirtschaftliche Güter-Adreßbuch der Provinz Sachsen (1922). Verzeichnis sämtlicher Rittergüter und Güter von ungefähr 20 ha herab mit Angabe der Gutseigenschaft, des Grundsteuerertrages, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen. Hrsg. Mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer zu Halle a. S. In: Niekammer’s Landwirtschaftlicher Güter-Adreßbücher, Band V (Reihe von Paul Niekammer Nachf.), 3. Auflage, Kreis Schweinitz, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1922, S. 212–213. Grochwitz hatte einen Umfang von 239 ha. Innerhalb der Wirtschaftskrise nach 1929 hatte Palombini enorme Schwierigkeiten die Güter zu stabilisieren und vor dem Konkurs zu bewahren.Zwangsversteigerung über die Kraft Freiherrn von Palombini gehörigen Rittergüter Grochwitz und Rahnisdorf (Akte ist unvollständig). Landesarchiv Sachsen-Anhalt, C 129 Herzberg, Nr. 191, Reg. 2 K 13/29. 1940 war der Hauptwohnsitz Grochwitz.
Palombini war Leutnant und Mitglied des Stahlhelm sowie der DNVP. Zum 1. August 1932 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 1.254.941),Bundesarchiv R 9361-II/771488 geriet dann 1934 mit dem NS-Regime in Konflikt, wurde verhaftet und Februar 1934 aus der Partei ausgeschlossen. Palombini hielt weiter Kontakt zum Widerstand und kam 1944 erneut in Haft, Zellengefängnis Lehrter Straße, Berlin. Dies stand im Zusammenhang mit dem dreitägigen Aufenthalt des auf der Flucht befindlichen Carl Friedrich Goerdeler in Rahnisdorf,21. Juli 1944. Rahnisdorf bei Herzberg, Herrenhaus. Melitta Freifrau von Palombini, geborene von Carlowitz, verhilft Carl Goerdeler zur Flucht. In: Lars-Arne Dannenberg, Matthias Donath (Hrsg.): Drei Kleeblätter. Die Familie von Carlowitz. Via Regia Verlag, Königsbrück 2022, ISBN 978-3-944104-54-6, S. 306 ff. (Adel in Sachsen, Band 16). wo sich dieser seit dem 19. Juli 1944 aufhielt.Palombini. In: Agnes und Henning von Kopp-Colomb: Schicksalsbuch II des Sächsisch-Thüringischen Adels, Band 2 (1945 bis 1989 und von der Wende bis 2005). In: Aus dem Deutschen Adelsarchiv, n. F., Band 6, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv. C. A. Starke, Limburg an der Lahn 2005, ISBN 3-7980-0606-7, S. 382 ff. Kraft von Palombini wurde zu vier Jahre Haft verurteilt.Sebastian Rick: Die Entwicklung der SED-Diktatur auf dem Lande. Die Landkreise Liebenwerda und Schweinitz in der Sowjetischen Besatzungszone 1945–1949, Band: Enteignung der Grundbesitzer. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, ISBN 978-3-647-36970-9, S. 289, Anm. 98, Titel
Ein Schreiben vom 7. Oktober 1945 des Landrates, auf Befehl des sowjetischen Kreiskommandanten von Herzberg/Elster, verweist die Familie von Palombini des Landkreises Schweinitz.
Familie 1922 heiratete Baron Palombini in Röhrsdorf Melitta von Carlowitz (1898–1956), Tochter des Viktor von Carlowitz und der Elsbeth Kuhlmey, Adoptivtochter der Frieda von Carlowitz, geborene von Schönberg auf Schloss Röhrsdorf. Diese Ehe wurde 1952 geschieden. Melitta ehelichte 1955 den Generalleutnant a. D. Curt Ebeling. Kraft heiratete 1956 Martha Maria Woldt, verwitwete Rathmann, und er adoptierte ihre beiden Töchter Barbara und Beate. Die Nachfahren des Kraft von Palombini sind die Angehörigen der Familie seines Sohnes Camillo Kraft Victor Claus Scipio Freiherr von Palombini (1924–2019),Christina von Flotow (Hrsg.): Deutsches Adelsblatt. Magazin der Deutschen Adelsverbände, 58. Jg. Nr. 4, 2019, Verlag Deutsches Adelsblatt GmbH, Kirchbrak 15. April 2019, , S. 37. der eine eigene Familie gründete und guten Kontakt zur alten Heimat der Eltern pflegte. Seit 2004 ist in Rahnisdorf eine kleine Glasgedenktafel in Erinnerung an die Geschehnisse von 1944.
Literatur Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen von Flotow, Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser. B (Briefadel / nach 1400 nobilitiert), Band III, Band 31 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv e. V., C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1963, S. 328–329. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser (1935). Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. Justus Perthes, Gotha 1934. Vorgängerbände 1927, 1925.
Weblinks Gedenktafel für den Widerstandskämpfer Carl Goerdeler in Rahnisdorf. Kultur- und Heimatverein Herzberg/E. e. V. Ausweisungsbefehl vom 7. Oktober 1945. CDU-Leipzig-Senioren
Einzelnachweise
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