Die Unternehmenskonzentration ist in der Wirtschaft die Tendenz zur Monopolisierung von Unternehmen. In der Wirtschaft allgemein sind die Konzentration von Einkommen, Standorten, Steuerlasten, Vermögen, Verfügungsmacht oder von Anbietern und Nachfragern auf Märkten relevant.Rainer Olten, Wettbewerbstheorie und Wettbewerbspolitik, 1998, S. 127 Sinkt die Anzahl der Anbieter oder Nachfrager, so ist dies ein Anzeichen für eine Unternehmenskonzentration. In der Handelswissenschaft wird Konzentration als „die Vergrößerung und die Zusammenballung von Marktanteilen in einer Hand“ definiert,Robert Nieschlag/Gustav Kuhn, Binnenhandel und Binnenhandelspolitik, 1980, S. 42; ISBN 978-3-428-04684-3 was relativ unscharf ist und sie als für den Handel ungeeignet erscheinen lässt.Hans-Otto Schenk, Die Konzentration im Handel, 1984, S. 24

Arten John M. Blair unterscheidet horizontale, vertikale, laterale, konglomerate und aggregierte Marktkonzentration ().John M. Blair, Economic Concentration: Structure, Bahavior, and Public Policy, 1972, S. 3 ff. Horizontale Konzentration ist demnach der Zusammenschluss von Unternehmen auf gleicher Fertigungsstufe im gleichen Markt, beispielsweise mehrere Handelsunternehmen der gleichen Handelsstufe. Ziele sind Kostensenkung, Kostendegression oder Synergien. Vertikale Konzentration geschieht durch Vorwärts- oder Rückwärtsintegration auf vor- oder nachgelagerten Märkten, wenn etwa ein Automobilhersteller einen seiner Zulieferer kauft. Ziele sind geringere Transaktionskosten und Bezugskosten sowie Erhöhung der Fertigungstiefe. Laterale Konzentration findet zwischen Unternehmen verschiedener Fertigungs- oder Wirtschaftsstufen und Wirtschaftszweigen statt, wodurch ein Mischkonzern entsteht. Sie liegt beispielsweise vor, wenn ein Automobilhersteller eine Bank kauft. Ziele können Verbundeffekte oder Risikostreuung sein. Alle übrigen Konzentrationsformen werden konglomerat bezeichnet. Aggregierte Konzentration als Marktmacht durch Betriebsgröße schließlich ist das Resultat fortschreitender horizontaler, vertikaler und/oder konglomerater Konzentration.Dietrich Schönwitz, Unternehmenskonzentration, personelle Verflechtungen und Wettbewerb, 1982, S. 17; ISBN 978-3-7890-0783-5

Eine weitere Unterscheidung gibt es zwischen absoluter und relativer Unternehmenskonzentration:Hans-Otto Schenk, Die Konzentration im Handel, 1984, S. 25 f. Die absolute Konzentration sagt aus, welche prozentualen Anteile beispielsweise an den gesamten Umsatzerlösen eines Marktes auf einzelne Unternehmen entfallen; die relative Konzentration ist die Ungleichverteilung der prozentualen Anteile am Umsatz auf sämtliche Unternehmen. Ein Prozess der Unternehmenskonzentration liegt vor, wenn die Zahl der Unternehmen auf einem Markt kleiner wird (absolute Konzentration) oder sich bei gleicher Unternehmenszahl die Marktanteile zu Gunsten der größten Unternehmen verschieben (relative Konzentration) oder beides gleichzeitig auftritt.Rainer Olten, Wettbewerbstheorie und Wettbewerbspolitik, 1998, S. 127

Eine absolute Konzentration sagt aus, wie sich die Umsatzerlöse auf ein oder sehr wenige Unternehmen verteilen, eine relative Konzentration ist vorhanden, wenn die Verteilung ungleichmäßig ist.Hans Otto Lenel, Konzentration, in: Willi Albers (Hrsg.), Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft, Band 4, 1978, S. 341 Wie weit dieser Prozess fortgeschritten ist, kann durch das Konzentrationsniveau gemessen werden.

Daraus ergibt sich folgende Kombination.Rainer Olten, Wettbewerbstheorie und Wettbewerbspolitik, 1998, S. 128

keine absolute Konzentration absolute Konzentration keine relative Konzentration keine absolute Konzentration und keine relative Konzentration: auf 100 Unternehmen entfällt ein Marktanteil von jeweils 1 % absolute Konzentration, aber keine relative: auf 4 Unternehmen entfallen Marktanteile von jeweils 25 % relative Konzentration relative, aber keine absolute Konzentration: bei 100 Unternehmen entfallen auf die 3 größten 40 %, 25 % und 20 % Marktanteil absolute und relative Konzentration: auf 4 Unternehmen verteilen sich die Marktanteile nach Größe wie 50 %, 40 %, 7 % und 3 %

Unternehmenskonzentration durch internes Unternehmenswachstum ergibt sich, wenn ein Unternehmen im Markt schneller wächst als seine Mitbewerber,Dirk Piekenbrock, Gabler Kompakt-Lexikon Volkswirtschaftslehre, 2009, S. 458 durch externes Wachstum, wenn es Konzerne bildet oder fusioniert.

Konzentration nach dem Wirtschaftsraum kann regional sein (etwa Stahlhersteller oder Werften), national (innerhalb eines Staates) und international (multinationale Unternehmen, strategische Allianzen).Dirk Piekenbrock, Gabler Kompakt-Lexikon Volkswirtschaftslehre, 2009, S. 459

Kennzahlen Die Unternehmenskonzentration lässt sich anhand folgender Kennzahlen messen:Hans-Otto Schenk/Hiltrud Tenbrink/Horst Zündorf, Die Konzentration im Handel, 1984, S. 139 ff.; ISBN 978-3-428-05618-7

Art Maße Bemerkungen Hirschmann-Herfindahl-Index absolut Messung aller Unternehmen auf einem Markt Konzentrationsrate absolut Messung der größten Unternehmen auf einem Markt Rosenbluth-Index absolut Rangfolge der Unternehmen auf einem Markt Linda-Index absolut Aussagen über die Marktstellung der größten Unternehmen auf einem Markt Entropie-Maße absolut je größer der Konzentrationsgrad, desto geringer die Unsicherheit der Anbieter, mit einem zufällig ausgewählten Kunden, ein Geschäft zu machen Lorenz-Kurve relativ grafische Darstellung der relativen Konzentration Gini-Koeffizient relativ drückt die Lorenz-Kurve in einer Messziffer aus logarithmische Normalverteilung relativ der Streuungsparameter errechnet die relativen Abweichungen vom Mittelwert

Keine konzentrationsspezifischen Kennzahlen sind die Entropie-Maße, Lorenz-Kurve und logarithmische Normalverteilung.

Die Konzentrationsrate ist in der Wirtschaftsstatistik eine volkswirtschaftliche Kennzahl, welche die Marktanteile der größten Unternehmen auf einem relevanten Markt wiedergibt.

Die Konzentrationsrate besagt, wie viel Prozent einer ökonomischen Größe (Umsatzerlös, verkaufte Zeitungen) die größten Unternehmen auf sich vereinen.Thomas Cleff, Deskriptive Statistik und moderne Datenanalyse, 2008, S. 67 Wenn beispielsweise auf einem Markt fünf Unternehmen mit einem gleichen Marktanteil von 20 % agieren, dann gibt die für die zwei größten Unternehmen einen Wert von

an. In Deutschland wird in Wirtschaftsstatistiken als kleinster Wert veröffentlicht.

Insbesondere der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) findet in der kartellrechtlichen Praxis Anwendung. So gilt im US-amerikanischen Rechtsraum ein Markt kartellrechtlich als unkonzentriert, wenn der Index unter 1.500 liegt.DOJ/FTC, Horizontal Merger Guidelines, 19. August 2010. In der europäischen Praxis wird von Unbedenklichkeit ausgegangen, wenn der HHI zwischen 1.000 und 2.000 liegt und die Änderung durch einen Zusammenschluss weniger als 250 beträgt oder der Wert über 2.000 liegt aber die Änderung weniger als 150 beträgt.Leitlinien zur Bewertung horizontaler Zusammenschlüsse gemäß der Ratsverordnung über die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen (2004/C 31/03).

Bei der Konzentration im Handel ist die Besonderheit zu beachten, dass Handelsunternehmen und Verbundgruppen wegen ihrer typischen Sortimentsbildung nicht auf einem „relevanten“ Produktmarkt tätig sind. Daher müssen zur Konzentrationsmessung im Handel andere Messgrößen als Produktmarkt-Umsätze herangezogen werden, meistens Branchen-Umsätze; in Frage kommen auch Anzahl der Beschäftigten, Gesamtkapital oder Verkaufsfläche der Handelsunternehmen als Merkmale und Betriebe oder Verkaufsstellen (Arbeitsstätten) als Merkmalsträger.

Um gesamtwirtschaftliche Konzentration als Ergebnis disproportionalen Wachstums der betrachteten Unternehmensgesamtheit, das auf vielerlei Einflüssen – vor allem Struktur- und Konjunkturentwicklung sowie das Verhalten aller Marktparteien – beruht, von betriebswirtschaftlich bewusst vorgenommenen Wachstumsentscheidungen und Unternehmensverbindungen (Unternehmenszusammenschluss, Fusion) deutlicher zu unterscheiden, hat Schenk vorgeschlagen, jene als Unternehmenskonzentration und diese als Unternehmungskonzentration zu kennzeichnen.

Die Hauptproblematik der Konzentrationsmessung liegt in der begrenzten Beschaffung oder Eignung von empirischem Datenmaterial. So ist das Homogenitätserfordernis für Merkmalsträger und Merkmale nicht immer leicht, mitunter gar nicht zu erfüllen. Auch unterliegen Konzentrationsmessungen sachlichen, zeitlichen und räumlichen Restriktionen. Lassen sich die jährlichen Marktanteile von Glühlampenproduzenten in einem Staat (und ggf. steigende Konzentrationsraten) einigermaßen genau erfassen, werfen Konzentrationsmessungen im Handel größte Abgrenzungs- und Erhebungsprobleme auf. Beispielsweise setzt es die Messung der Unternehmenskonzentration bei Fachmärkten oder bei Discountern voraus, dass diese sachlich (Möbelfachmärkte? Baustofffachmärkte? Lebensmitteldiscounter? Fotodiscounter?) und räumlich („relevanter Markt“!) genau abgegrenzt und ihre Umsätze statistisch erfasst werden. Da Handelsbetriebe regelmäßig ein gemischtes Sortiment führen und nicht auf homogenen Absatzmärkten, sondern auf vielen Produktmärkten gleichzeitig konkurrieren, sind am Umsatz gemessene „Marktanteile“ praktisch nicht zu ermitteln. Da Handelsbetriebe nach dem statistischen Schwerpunktprinzip nur einer Branche zugerechnet werden, nicht aber einem Betriebstyp, ist auch die isolierte Erfassung der Unternehmenskonzentration eines Betriebstyps praktisch nicht möglich. Schließlich erfasst die Handelsstatistik nur die Umsätze im institutionellen Handel, etwa im Möbel-, Baustoff-, Lebensmittel- oder Fotohandel, nicht jedoch die entsprechenden Umsätze im funktionalen Handel (und im Online-Handel). Bei numerischen und graphischen Konzentrationsdarstellungen erwachsen zudem Probleme daraus, dass bei der absoluten Konzentration, etwa der zehn „Größten“, die übrigen Unternehmen nicht erkennbar sind, und dass bei der relativen Konzentration, etwa dargestellt durch eine Lorenzkurve, die absolute Zahl aller berücksichtigten Unternehmen nicht erkennbar ist.

Konzentrationsniveau Dem Konzentrationsniveau können folgende Konzentrationsraten zugeordnet werden, die wiederum über die Marktform entscheiden:.

Konzentrationsniveau Konzentrationsrate Bemerkungen Perfekter Wettbewerb % liegt in einer Branche vor, wenn die Konzentrationsrate beträgt geringe Konzentration 0 % – 40 % 0 % bedeutet vollkommener Wettbewerb im Polypol mittlere Konzentration 40 % – 70 % typisch für das Oligopol hohe Konzentration 70 % – 100 % bei 100 % fehlt es am Wettbewerb wegen eines Monopols

Eine Konzentrationsanalyse verlangt eine umfassende Marktanalyse, die eine Untersuchung der Marktstruktur, des Marktverhaltens und der Marktentwicklung erfordert.Dirk Piekenbrock, Gabler Kompakt-Lexikon Volkswirtschaft, 2003, S. 219 Der Wettbewerb ist umso schwächer, je weniger Marktteilnehmer vorhanden sind (absolute Konzentrationsrate) oder je ungleichmäßiger die Verteilung des Marktvolumens auf die Marktteilnehmer ist (relative Konzentrationsrate).Dirk Piekenbrock, Gabler Kompakt-Lexikon Volkswirtschaft, 2003, S. 431 Die Wettbewerbsintensität steigt bei sinkenden Konzentrationsraten und sinkt bei steigenden Konzentrationsraten. Eine geringe Marktkonzentration liegt bei einer Konzentrationsrate zwischen 0 % und 50 % vor, während von einer hohen Marktkonzentration zwischen 80 % und 100 % gesprochen werden kann.Anne-Kathrin Dimmig, Innovationsverhalten bei Risiko und fundamentaler Unsicherheit, 2010, S. 112 Der Wettbewerb nimmt zu bei Wachstumsmarkt und Zukunftsmarkt und nimmt ab bei Marktsättigung und Schrumpfmarkt.