mini|Rheinpromenade mit Pegelhaus Emmerich am Rhein (, kleverländisch Emmerik) ist eine Hansestadt am rechten Niederrhein im Nordwesten des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Als mittlere kreisangehörige Stadt gehört sie zum Kreis Kleve im Regierungsbezirk Düsseldorf. Die Mittelstadt ist Mitglied der Euregio Rhein-Waal sowie der Rheinischen Hanse.

Geographie Geographische Lage

Emmerich gehört geographisch zur Unteren Rheinniederung, einem Teil des Niederrheinischen Tieflands. Die Innenstadt liegt auf einer Höhe von 17 Metern über NN. Der tiefste Punkt des Stadtgebietes liegt im Rheinvorland mit 13 Metern. Der Eltenberg mit einer Höhenlage bis zu 82 Metern wird der naturräumlichen Haupteinheit Eltener Höhen zugeordnet.Wilhelm von Kürten (Bearbeiter): Geographische Landesaufnahme. Naturräumliche Gliederung Deutschlands. Blatt 95/96. Kleve, Wesel. Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen 1977, 75 Seiten, ISBN 3-87994-323-0.Wilhelm von Kürten: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 95/96, Kleve/Wesel. Kartenblatt, 1977 ( geographie.giersbeck.de PDF, Navigation mit kompletter Naturraumliste, ca. 6,9 MB).

Ausdehnung des Stadtgebiets

Das Emmericher Stadtgebiet wird im Süden durch den Rhein (Rheinmitte) begrenzt, im Westen und Norden durch die Staatsgrenze zu den Niederlanden. Im Osten grenzt es an das Reeser Stadtgebiet.

Die Gesamtfläche des Stadtgebiets beträgt 8040 Hektar.

Bei einer Aufteilung der Katasterfläche in der amtlichen Statistik nach der tatsächlichen Art der Nutzung ergeben sich 61,3 % landwirtschaftliche Nutzung, 8,1 % Waldfläche, 7,2 % Wasserfläche, 1,9 % Erholungs- und Friedhofsfläche, 13,8 % Gebäude-, Frei- und Betriebsfläche, 7,4 % Verkehrsfläche sowie 0,4 % sonstige Flächen (Stand: 31. Dezember 2015)., Landesdatenbank NRW, S. 3

Ein leicht anderes Bild der Flächennutzung ergibt sich bei einer Auswertung von Satellitenbildern. Von der Gesamtfläche des Stadtgebietes werden danach 43,16 % als Wiese und Weide und 27,81 % als Acker genutzt. 14,17 % sind versiegelt (4,28 % geringer Versiegelungsgrad (< 40 %), 7,27 % mittlerer Versiegelungsgrad (40–80 %), 2,62 % hoher Versiegelungsgrad (> 80 %)). Aus Wald bestehen 10,42 % der Fläche (Nadelwald 1,38 %, Mischwald 2,93 %, Laubwald 6,11 %). 4,2 % sind Wasserflächen, 0,24 % sind Kiesgruben/Abbaugebiete oder Baustellen. flaechennutzung.nrw.de

Stadtgliederung mini|Verwaltungsgliederung der Stadt Emmerich am Rhein Räumlich ist das Stadtgebiet in folgende zehn Ortsteile gegliedert (Einwohnerzahlen Stand: 1. Februar 2023)

drei Ortsteile auf historischem Gebiet (20.054 Einwohner): Altstadt Leegmeer Speelberg sieben Ortsteile aus früher selbständigen Gemeinden: Borghees (364 Einwohner) Dornick (464 Einwohner) Elten (4709 Einwohner) Hüthum (3260 Einwohner) Klein-Netterden (788 Einwohner) Praest (1650 Einwohner) Vrasselt (1592 Einwohner)

Die Differenz der Einwohnerzahlen zur obengenannten Gesamteinwohnerzahl beruht auf der differierenden Zählweise zwischen LDS und KRZN.

Nachbargemeinden

Die Stadt Emmerich am Rhein grenzt im Norden an die Gemeinden Montferland und Oude IJsselstreek (beide in der Provinz Gelderland (NL)), im Osten an die Stadt Rees, im Süden in der Rheinmitte an die Städte Kleve und Kalkar sowie im Nordwesten an die Gemeinde Zevenaar (in der Provinz Gelderland (NL)).

Geschichte mini|hochkant|Christophorus-Statue auf der Rheinpromenade

Mittelalter

Um 700 gründete Willibrord die Missionsstation Emmerich im Bistum Utrecht und weihte die erste Martinskirche. Etwas östlich des heutigen Stadtkerns wurden 1963 einige frühmittelalterliche Gräber entdeckt, die für ihre Zeit (frühes 8. Jahrhundert) ziemlich reich ausgestattet waren.Frank Siegmund: Merowingerzeit am Niederrhein. Rheinische Ausgrabungen Band 34. Rheinland-Verlag, Köln 1998, ISBN 3-7927-1247-4, S. 288–292 Beim Martinistift entstand eine Lateinschule, eine der ersten Schulen im heutigen Deutschland. Die erste urkundliche Nennung unter dem Namen Villa Embrici ist aus dem Jahr 828 überliefert.Samuel Muller, Arie Cornelis Bouman (Hrsg.): Oorkondenboek van het Sticht Utrecht tot 1301. Band 1, Utrecht 1920, Nr. 59 Nach dem Normannensturm im 9. Jahrhundert beherrschte der Propst des Kollegiatstiftes den Ort. 1040 wurde die Stiftskirche St. Martini errichtet.

Am 31. Mai 1233 erhob Graf Otto von Zutphen und Geldern mit Ermächtigung des römischen Kaisers Friedrich II. und des deutschen Königs Heinrich (VII.) (Vater und Sohn) Emmerich zur Stadt. Verfassung und Vorrechte entsprachen denen der Stadt Zütphen.Theodor Joseph Lacomblet, in: Urkundenbuch/Urkunde Nr. 191, 1846, Band 2, S. 100.Digitalisierte Ausgabe der ULB Bonn Im Jahre 1355 wurde Emmerich an Graf Johann von Kleve verpfändet und verblieb bei der Grafschaft, beziehungsweise beim Herzogtum Kleve. Zwischen 1307 und 1570 stand Emmerich in enger Verbindung zur Hanse. Handel und Handwerk blühten. Neben der Brauerei begründete vor allem die Wollweberei, deren Gilde in der Stadt bis in das Jahr 1299 zurückreichte, den Wohlstand. Seit dem 14. Jahrhundert war Emmerich von Mauern umgeben und mit Toren gesichert. Die Aldegundiskirche stammt aus dem 15. Jahrhundert.

mini|Stadtansicht 1647(Stich von Matthäus Merian)

Neuzeit

Emmerich erlebte bis zum 16. Jahrhundert seine Blütezeit und wurde wegen seiner weltlichen und kirchlichen Bauten Embrica decora (= prächtiges Emmerich) genannt.Stadtgeschichte, Stadt Emmerich Im Jahre 1567 fand im Emmericher Kreuzherrenkloster der Hansetag statt. Das während des Zweiten Weltkrieges gesprengte Christoffeltor zum Rheinufer war bekannt durch eine überlebensgroße, eichene Figur eines Christophorus in der Nische über dem feldseitigen Portal. Die dem Meister Dries Holthuys zugeschriebene Skulptur vom Anfang des 16. Jahrhunderts befindet sich seit 1964 im Rheinmuseum in Emmerich. Ein Abguss dieser Christophorusfigur steht heute auf einer Stele am Christoffeltor.Herbert Kleipaß: Emmerich in alten Ansichten. Europäische Bibliothek, Zaltbommel 1978, ISBN 978-90-288-4575-6

Der Kölner Domherr und Emmericher Propst des Kollegiatstiftes St. Martin, Graf Moritz von Spiegelberg (1406/07–1483), reformierte die Lateinschule zur Gelehrtenschule: Lehrer wie Alexander Hegius (1439–1498), Peter Homphaeus (1480–1556), Matthias Bredenbach (1499–1559) und Heinrich Uranius (1492–1572) lehrten dort. Von weither kamen Schüler, unter Rektor Bredenbach sollen 2000 Jungen das Gymnasium besucht haben. Nach einem starken Rückgang übernahmen 1592 die Jesuiten aus Köln den Unterricht, den sie nach einem regionalen Abzug beider Kriegsparteien im niederländisch-spanischen Krieg nach 1600 wieder für bis zu 500 Schüler gaben. Für katholische Niederländer war die Ausbildung attraktiv. 1614 besetzten die antikatholischen Niederländer unter Moritz von Oranien von Schenkenschanz aus die Stadt erneut im Bund mit Brandenburg, dem das Herzogtum Kleve zugefallen war. 1609 wurde an der Wollenweberstraße ein neues Schulgebäude errichtet. Das alte Gebäude (seit 1505) auf dem Geistmarkt, ein länglicher, dreistöckiger Backsteinbau mit einem Dachreiter, das zwischen dem Rathaus und der Evangelischen Kirche lag, diente von 1673 bis 1715 als eine französisch-reformierte Kirche. Das Gymnasium in Kleve nahm evangelisch-reformierte Schüler auf. Daneben gab es auch eine kleine, doch angesehene jüdische Gemeinde, bekannt war die Familie Gomperz. Das Jesuitengymnasium wurde 1788 durch das Ordensverbot aufgelöst, darauf übernahmen Kreuzherren den Unterricht. Mit Napoleons I. Verbot endete der Unterricht vorläufig im Jahr 1811.Städtisches Willibrord-Gymnasium Emmerich (Hrsg.): Festschrift zur 150-Jahrfeier der Wiedereröffnung 1832, Emmerich 1982.

Im Dreißigjährigen Krieg hatte Emmerich wegen der niederländischen Besatzung wenig zu leiden. Der Niedergang Emmerichs begann 1672 mit der Besetzung der Stadt durch französische Truppen unter König Ludwig XIV. Kriegsverwüstungen, Überschwemmungen und Seuchen ließen die Stadt verarmen. Es folgten die Drangsale im Zusammenhang mit dem Spanischen Erbfolgekrieg, der Siebenjährige Krieg, die militärischen Folgen der Französischen Revolution und die napoleonischen Unterwerfungen. Nach der Annexion durch Frankreich wurde im Kanton Emmerich des Département Lippe nach französischem Vorbild die Mairie Emmerich eingerichtet.GenWiki: Kanton Emmerich

Erst 1815 gelangte Emmerich wieder zum Königreich Preußen und wurde durch die Rheinschifffahrt und die Industrialisierung wirtschaftlich gestärkt. Aus der Mairie Emmerich der Franzosenzeit wurde die preußische Bürgermeisterei Emmerich, die 1816 zum neuen Kreis Rees kam. Im Mai 1832 ließ der König ein Humanistisches Gymnasium neu eröffnen, das heutige Willibrord-Gymnasium. Am 24. August 1857 wurde der Stadt die Rheinische Städteordnung verliehen.

Am 20. Oktober 1856 wurde die Hollandstrecke der Köln-Mindener Eisenbahn eröffnet, die ursprünglich nicht über Emmerich führen sollte, doch hatte die Stadt Emmerich dagegen Einspruch erhoben. Im Jahre 1865 wurde eine Eisenbahnfähre über den Rhein in Betrieb genommen. Das Trajekt Spyck–Welle wurde bis 1912 betrieben.

Die Stadt Emmerich nahm 1857 die Rheinische Städteordnung an. Seitdem wurde zwischen der Stadtbürgermeisterei Emmerich und der Bürgermeisterei Emmerich-Land unterschieden, die die Gemeinde Klein-Netterden umfasste und weiterhin von Emmerich aus verwaltet wurde.Otto v. Mülmann: Statistik des Regierungsbezirks Düsseldorf , 1867, S. 1000Die Gemeinden und Gutsbezirke der Rheinprovinz (1874)

Im Jahre 1890 wurde der Telefonverkehr eingerichtet.

20./21. Jahrhundert

Im Juli 1901 hatte Emmerich erstmals über 10.000 Einwohner. 1905 erzeugte das städtische Elektrizitätswerk den ersten elektrischen Strom für die Stadt.

Im Ersten Weltkrieg war Emmerich Garnisonsstadt. Der Post- und Eisenbahnverkehr wurde eingeschränkt, die bisher in Emmerich ausgeübten Grenzkontrollen wurden nach Elten verlegt. Emmerich war Anfangs- und Endstation für die preußischen Züge. Während des Ersten Weltkrieges war in Emmerich die größte Postüberwachungsstelle des Kaiserreiches.Norbert Kohnen: . NRZ, 30. Juli 2014 Am 20. November 1918 wurde in Emmerich ein Arbeiter- und Soldatenrat gegründet. Am 17. Dezember besetzten belgische Truppen Emmerich, sie verließen die Stadt im Jahre 1921. Im Ruhrkampf kam es am 13. Februar 1923 zu einer erneuten Besetzung der Stadt.

Zwischen dem 6. November 1914 und dem 24. Februar 1945 verkehrten in der Stadt Straßenbahnen der Kleinbahn Wesel–Rees–Emmerich und zwischen dem 4. Juni 1903 und dem 18. September 1944 die Züge der niederländischen Kleinbahn Straßenbahn Zutphen–Emmerich.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg Anfang 1933 gab es 120 Nazis in Emmerich und die Partei bekam in der Reichstagswahl März 1933 nur 27,2 % der Stimmen, trotzdem geschah die NS-Machtübernahme wie überall im Deutschen Reich.Wolfgang Urbach: Der Bote: Nationalsozialismus und Gleichschaltung in Emmerich im Spiegel des „Bote vom Niederrhein“ (= Beiträge zur Geschichte der Stadt Emmerich). 2019. Zur nationalsozialistischen Verfolgung der Juden siehe unter Religionen und Liste der Stolpersteine in Emmerich am Rhein. Der Pfarrer an Adelgundis, Gerhard Storm, verteilte antinazistische Flugblätter und starb 1942 im KZ.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Emmerich am 7. Oktober 1944 zu 91 % durch einen Luftangriff der britischen Royal Air Force zerstört.Helmut Schnatz: . in: Bernd Heidenreich, Sönke Neitzel, Hessische Landeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Der Bombenkrieg und seine Opfer, Polis Nr. 39, Frankfurt am Main 2004, S. 44, PDF

1949 wurde Elten im Rahmen der Niederländischen Annexionspläne nach dem Zweiten Weltkrieg an die Niederlande angegliedert. Die Rückgliederung an die Bundesrepublik Deutschland wurde mit Vertrag vom 8. April 1960 beschlossen und am 1. August 1963 vollzogen. Landtag NRW

Wiederaufbau nach 1945