Wesendorf ist eine Gemeinde im Landkreis Gifhorn in Niedersachsen.
Geographie Im Westen der Ortsgemarkung erstreckt sich die mit Sanden überzogenen Grundmoränenhochfläche der Ringelahs Heide und der Brutlohsheide. Sie geht von West nach Ost in die Niederungszone des Großen Moores und speziell des kleineren Heestenmoores über. Hier hatte sich die Schmelzwasserabflussrinne des Isetales gebildet. Der größere westliche Teil der Gemarkung besitzt ein schwaches Kleinrelief. Es fällt nach Osten von 67 auf 58 Meter ü. NN ab. Der kleinere Ost-Teil im Heestenmoor hat eine Höhe von 56 bis 57 Meter ü. NN. Der Ort liegt am Ostrand der Brutlohsheide mit seinem Kern in einer flachen süd-exponierten Hanglage von 63 bis 65 Meter ü. NN. Die neuen Ortsteile ziehen sich in geringer Neigung nach Osten bis auf 62 Meter und nach Süden bis 60 Meter ü. NN herab. Die Ortschaft mit seinen Gemarkungsgrenzen liegt am südöstlichen Rand des Naturparks Südheide und hat keine auffällige Topografie.
Gemeindegliederung Die beiden Ortsteile der Gemeinde sind Wesendorf und Westerholz. Zum Ortsteil Wesendorf gehören mehrere Siedlungen einige Kilometer westlich des Dorfes an der B4 (Lüneburger Straße), darunter die Hammerstein-Siedlung, das Wochenendhausgebiet Am Pilz (Brutlohsheide) sowie Teile der besiedelten Bereiche am Annenhof und Wendelberg an der Krümme. Zum Ortsteil Westerholz gehört die einige Kilometer nördlich der beiden Dörfer gelegene Siedlung Hasenberg, die sich überwiegend östlich der Kreisstraße 7 befindet.
Geschichte Rechts- und Verwaltungszugehörigkeit Die Gemeinde entstand erst im 16. Jahrhundert. Der Raum gehörte jedoch im 12. Jahrhundert zum Besitz der Welfen und fiel bei der Teilung unter die Söhne Heinrichs des Löwen 1202 an Otto IV. und danach seinen Neffen Otto das Kind. Er fasste alle welfischen Gebiete in einer Hand zusammen, trug sie 1235 dem Kaiser auf und erhielt sie als Reichslehen Herzogtum Braunschweig-Lüneburg zurück. Durch die welfische Teilung von 1267 kam der Raum an die Lüneburger Linie mit dem Fürstentum Lüneburg. Ab 1885 kam das Gebiet an den Regierungsbezirk Lüneburg. Innerhalb dieses größeren Raumes gehörte die spätere Gemarkung von Wesendorf, da der Ort noch nicht bestand, 1489 wahrscheinlich zur Gogräfschaft Hankensbüttel. Ihr Name erscheint im Schatzregister von 1489 zwar nicht, aber unter deren Orten sind die Nachbargemeinden Betzhorn, Wahrenholz und Westerholz hinter Emmen und vor Langwedel und Lingwedel aufgeführt. Später war es, wie die ganze Gogräfschaft Hankensbüttel, Teil des Amtes Gifhorn bzw. 1539 bis 1549 der Sekundogenitur Gifhorn. Darin gehörte es spätestens seit dem 16. Jahrhundert zur Vogtei Wahrenholz, die außer Wesendorf, das um 1548 entstand, noch die Orte Wahrenholz, Westerholz und Betzhorn umfasste. Wahrscheinlich ist die Vogtei Wahrenholz jedoch älter oder geht auf ältere Vorläufer zurück.
Im Jahr 1799 wurden die Gogräfschaft Hankensbüttel und die Vogtei Steinhorst vom Amt Gifhorn getrennt und verwaltungsmäßig wurde das Amt Isenhagen geschaffen. Die Vogtei Wahrenholz und damit auch Wesendorf verblieb beim Amt Gifhorn bis 1841. Am 1. Juli 1841 kam die Vogtei an das Amt Knesebeck und wurde am 1. Oktober 1852 ihm wieder getrennt. Die Vogtei kam an das Amt Isenhagen, die mit ihm am 1. Juli 1859 mit dem Amt Knesebeck vereinigt wurde. Diese Veränderungen der Zugehörigkeit betrafen auch Wesendorf. Während der Zeit des Königreiches Westphalen war es 1810 bis 1813 dem Canton Gifhorn im Departement der Aller eingegliedert. 1867 bis 1885 bildeten die Ämter Gifhorn, Isenhagen, Fallersleben und Meinersen die Kreishauptmannschaft Gifhorn. Aus ihr entstanden bei der Einführung der preußischen Kreisverfassung am 1. April 1885 die Kreise Isenhagen und Gifhorn. Wesendorf kam als südwestlichste Gemeinde zum Kreis Isenhagen.
Die Kreisreform von 1932 vereinigte mit Wirkung vom 1. April 1933 beide Kreise zum Kreis Gifhorn. Seither gehört Wesendorf wieder zum Kreis Gifhorn. Die Grundherrschaft lag einheitlich beim Landesherren, übertragen an das Amt Gifhorn. 1678 war das Amt Gifhorn Grundherr für alle elf Stellen in Wesendorf, ebenso bei der Ablösung 1842 für alle 16 Stellen. Dazu zählten vier Vollhöfe, vier Kötner, ein Brinksitzer, vier Anbauer, zwei Abbauer und die Schule.
Besiedlung Im Gemeindegebiet von Wesendorf lebten bereits in vorgeschichtlicher Zeit Menschen. Davon zeugen Hügelgräber der ausgehenden Stein- und beginnenden Bronzezeit rund 1300 Meter südlich von Wesendorf.Overbeck, 1952.
Der Ortsteil Westerholz wurde 1275 erstmals urkundlich erwähnt und im Rahmen der Gebietsreform am 1. März 1974 eingemeindet. Wesendorf gehört zu den jungen „-dorf-Siedlungen“ und ist erst im 16. Jahrhundert entstanden. Es gibt keine urkundliche Erwähnung.
Wesendorf ist eine Ausbau-Siedlung, die von Westerholz ausging. 1548 soll sich nach der Überlieferung der Kuhhirte Gries aus Westerholz im „Stuebusche“ angesiedelt haben. Bald folgte ein zweiter Ansiedler namens Meyer und 1568 waren vier Ansiedler mit dem Namen auf dem heutigen Gebiet von Wesendorf wohnhaft.
Im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts siedelten sich vier Kötner und ein Brinksitzer an. 1777 werden neun abgabepflichtige Feuerstellen für den Ort genannt. Die Karte der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1779 nennt für Wesendorf insgesamt 13 Feuerstellen. Nach dem Rezess von 1865 hatte Wesendorf vier Vollhöfe, vier Kötner, einen Brinksitzer, drei Anbauern und eine Schule. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs das Dorf auf 22 Wohngebäude an.
Der allgemeine Aufschwung der Landwirtschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch Fruchtfolgen sowie Kunstdünger führten zu einer raschen Vergrößerung des Dorfes durch Abbauer. 1895 hatte der Ort 40 Wohngebäude. Die Ortsform als Haufendorf blieb erhalten.
In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts vergrößerte sich Wesendorf kaum noch. Erst die Abtretung von Moorflächen und Ödland am Heestenmoor, die die Hannoversche Siedlungsgesellschaft 1924/25 an Einzelpersonen zur Kultivierung vornahm, bewirkte eine leichte Vergrößerung des Dorfes.
Bevölkerungsentwicklung Wesendorf entwickelte sich als kleine Ansiedlung mit ca. 40 bis 50 Einwohnern im 16. Jahrhundert zu einem Kleindorf von 80 bis 100 Einwohnern im 17./18. Jahrhundert. Für 1804 sind 103 Einwohner gemeldet. Die erste Volkszählung von 1811 registrierte 130 Bürger. Nach 1821 nahm die Bevölkerung zu. Begünstigt wurde dies durch die Generalteilung des Großen Leu, Achterbruchs und Depensieks 1854 und die Teilung der Koppelhuden zwischen Wesendorf, Wahrenholz und Westerholz 1864/65 sowie die Verkopplung in Wesendorf 1865/70. Im Jahr 1848 hatte der Ort 179 Bewohner und 1885 waren es 242 Bewohner.
In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung langsam weiter. 1933 hatte der Ort 310 Bewohner. Durch den Bau des Fliegerhorstes stieg die Einwohnerzahl 1939 sprunghaft auf 1496 Personen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Bevölkerungszunahme auf Kriegsflüchtlinge und Heimatvertriebene zurückzuführen. 1950 hatte Wesendorf 2039 Bewohner.
Auch in den folgenden Jahren steigende Einwohnerzahlen, was bis heute durch neue Baugebiete andauert. Für den Anstieg waren der Garnisonsstandort Wesendorf mit der Hammerstein-Kaserne und die Ölindustrie (DEA) wesentlich verantwortlich. Die Bevölkerungspitze hatte Wesendorf 1967 mit 2403 Einwohnern. Als in Niedersachsen, am 1. April 1974, durch die Gebietsreform Westerholz ein Ortsteil der Gemeinde Wesendorf wurde, stieg die Zahl der Einwohner auf etwa 2650 an. Anfang der 1990er-Jahre folgte der zweite Zuzug aus Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion nach Wesendorf. Ein Bauboom folgte zeitnah in Nord-Wesendorf und es entstand das „Blumenviertel“ mit zahlreichen Ein- und Mehrfamilienhäuser. Am 31. Dezember 2022 zählt die Gemeinde 5900 Einwohner mit Haupt- und Nebenwohnsitz.
Die Berufsstruktur in Wesendorf wurde von den nicht landwirtschaftlichen Erwerbspersonen bestimmt. 1961 zählten 44 Prozent aller Erwerbspersonen zum produzierenden Gewerbe, zwölf Prozent zu den Wirtschaftsbereichen Handel und Verkehr und 27 Prozent zu den sonstigen Bereichen. 1961 war fast die Hälfte (48 Prozent) der 772 nicht landwirtschaftlichen Erwerbspersonen Auspendler, die vor allem in Gifhorn und Wolfsburg arbeiteten. 1970 erhöhte sich die Zahl der Auspendler auf insgesamt 431, von denen zwei Fünftel in Gifhorn beschäftigt waren, 35 Prozent in Wolfsburg, je drei Prozent in Hohne und Sassenburg, je zwei Prozent in Wahrenholz und Hannover.
1970 verfügte Wesendorf auch über zivile Arbeitsplätze in der ehemaligen Hammerstein-Kaserne mit über 170 Einpendlern. Die Einpendler stammten aus allen umliegenden Dörfern und den Städten; die meisten kamen aus Wahrenholz (15 Prozent), Gifhorn (zwölf Prozent) und Hankensbüttel (elf Prozent). Zur Land- und Forstwirtschaft gehörten 1961 nur noch 17 Prozent der insgesamt 814 Erwerbspersonen. 1939 fand noch ein Viertel aller Erwerbspersonen darin ihren Unterhalt. 2022 sind nur noch zwei vollerwerbstätige landwirtschaftliche Betriebe mit Agrar-, Milchvieh-, Forst- und Fleischwirtschaft vor Ort tätig.
Jahr 1974 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2020 2022 Einwohner 2778 2826 3044 3296 4552 4847 5013 4949 5213 5464 5637 Das Sprachrohr. Mitteilungsblatt für die Samtgemeinde Wesendorf vom April 2023
Garnison
Stationierte Truppen und Dienststellen Von 1936 bis Mitte 2006 war Wesendorf Garnisonsstadt. In der Hammerstein-Kaserne waren von 1957 bis 2006 Einheiten und Dienststellen der Bundeswehr stationiert.
Hammerstein-Park Seit der Konversion wird die ehemalige Hammerstein-Kaserne mit ihren Liegenschaften und ihrer Infrastruktur von zahlreichen Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben nachgenutzt. Die ehemalige militärische Anlage erhielt den neuen Namen Hammerstein-Park. Für die Umgestaltung bzw. Umstrukturierung hatte der Gemeinderat Wesendorf Zuschüsse bewilligt. Vor den Umbau- und Baumaßnahmen wurde die ehemalige Kaserne vom Kampfmittelräumdienst Niedersachsen untersucht. Dabei wurden mehrere Blindgänger von Fliegerbomben entschärft, die vom Bombenangriff am 4. April 1945 durch B-24-Bomber der 446th Bombardment Group stammten.
Ortsausdehnung, Ortsbild und Wochenendhausgebiete Kriegsflüchtlinge und Heimatvertriebene des Zweiten Weltkrieges, die 1945 zum Teil in Baracken des ehemaligen Fliegerhorstes untergebracht worden waren, bewirkten eine rege Bautätigkeit in Wesendorf, sodass bis 1968 die Zahl der Wohngebäude auf 406 angewachsen war. Dabei dehnte sich der Ort vor allem nach Süden aus. Es entstand eine Besiedlung an der K7 (ehemalige L 286) und den ehemaligen Sandwegen zum Heestenmoor. Der Flächennutzungsplan sieht eine Auffüllung der Baulücken zwischen diesen südlichen Ausläufern der Bebauung und der Oppermann-Siedlung an der Wittinger Straße vor und evtl. eine Erweiterung nach Süd-West bis zur geplanten Umgehungsstraße der L 286.