mini|Sitz der Familie war das Château d’Isque, das noch in seiner Gestalt aus dem 16. Jahrhundert erhalten ist, eine ehemalige Motte an der Liane gelegen und ursprünglich von ihr umflossen. Die Familie d’Isque gehörte zum alten ritterbürtigen Adel des Boulonnais. Sie war in Isques vor den Toren von Boulogne-sur-Mer ansässig, besaß hier eine Motte („le mote de Ysche“, 1302), aus der das spätere Château d’Isque hervorging, und stand vom 11. bis 14. Jahrhundert regelmäßig in den Diensten der Grafen von Boulogne.
mini|Darstellung vom Beginn der Schlacht von Bouvines im Jahre 1214, als König Philipp II. am Boden liegend von Graf Rainald von Boulogne und seinen Rittern, darunter auch von Ebrald de Isica, bedrängt wird (Chronica Majora des Matthäus Paris, 13. Jahrhundert). Zurückführen lässt sie sich lückenlos auf Ebrald de Isica (ca. 1175 bis ca. 1240), der 1208 die noch bestehende Kirche von Isques gründete und 1214 in der Schlacht von Bouvines bis zum Schluss an der Seite von Graf Rainald I. von Dammartin gegen den französischen König Phillip II. kämpfte und in Gefangenschaft geriet. Zur Familie werden auch Watier d’Isque gerechnet, der um 1160 Hauptmann der Miliz von Cambrai war,Jean-Baptiste le Carpentier: Histoire de Cambray et du Cambresis. Teil 3. Band 2. Leiden 1664, S. 708 ff. sowie Goso de Isica (ca. 1095 bis ca. 1160), der 1135 eine Schenkung des Grafen Etienne de Blois und seiner Frau Mathilda von Boulogne zugunsten der Abtei Saint-Josse-sur-Mer bezeugte. Als erstes in Erscheinung trat Amalrich de Iseca (ca. 1040 bis ca. 1105), dessen Kirche 1069 erwähnt istD. Haigneré: Quelques Chartes inédites concernant les abbayes, les prieurés, o les paroisses de l’ancien Boulonnais. In: Mémoires de la Société académique de l’arrondissement de Boulogne-sur-Mer. Band 13, Boulogne 1882–1886, S. 413 f. D. Haigneré: Arrondissement du Boulogne. Dictionaire historique et archéologique du Département du Pas-de-Calais. Band 3. Arras 1882, S. 337. und der 1084 Zeuge einer Schenkung von Gerardus de Burnulvilla (Bournonville) war anlässlich der Gründung des Klosters von Andres durch dessen Onkel Balduin I., Graf von Guînes.D. Haigneré: Arrondissement du Boulogne. Dictionaire historique et archéologique du Département du Pas-de-Calais. Band 3. Arras 1882, S. 337. L.-E. de la Gorgue-Rosny: Recherches généalogiques sur le Comtés de Ponthieu, de Boulogne, de Guînes et pays circonvoisins. Band 2. Boulogne-sur-Mer 1875, S. 798. D. Haigneré: „Dictionaire topographique de la France: Arrondissement de Boulogne-sur-Mer“ (1861). In: Mémoires de la Société Académique de l’Arrondissment de Boulogne-sur-Mer. Band 11. Boulogne-sur-Mer 1881, S. 191.
Die Hauptlinie der Seigneurs d’Isque starb mit dem Tod von Antoine-Achille d’Isque (1681–1789), Ritter, Vicomte d’Isque, Seigneur du Manoir, Marquis de Colembert et de Alembon etc. und Lieutenant der französischen Garden, aus. Es wird vertreten, dass die Familie über die Nebenlinie der d’Isque von Haudisque durch Flucht des zum Protestantismus übergetretenen Jean d’Isque, Seigneur von Rieux, der dann Kastenvogt und Oberschultheiß von Pfalzburg wurde, in der Pfälzer Familie "Disqué" fortlebt.Carl Heupel: „Forschungs-Kurzbericht über die Ursprünge der Pfälzer Hugenottenfamilien Disqué und Lenfant“, in: Pfälzisch-Rheinische Familienkunde 14 (1998–2001), H. 10 (2001), S. 525–527. Carl Heupel: „Zur Auffindung des Ursitzes der Hugenottenfamilie Disqué“, in: Hugnotten 70 (2006), H. 3, S. 128–133. Carl Heupel: „Der Märtyrer Jean Lenfant – Splitter eines ungewöhnlichen Lebens“, in: Blätter für pfälzische Kirchengeschichte 77 (2010), S. 99–111. Carl Heupel: „Der Märtyrer Jean Lenfant. Ein hoch engagierter Calvinist wird 1574 in Vic gehängt (2011)“, in: Reformationen am Oberrhein. Wahrnehmungen von Luther und Calvin in der Region, hg. v. Ulrich A. Wien, Speyer 2011 (Protestantische Reihe 2), S. 189–197. Jean d'Isque nannte sich wie bereits sein Großvater und Urgroßvater auch "Disque". Eindeutige Nachweise darüber fehlen jedoch.
Ursprung Die Familie d’Isque soll auf die Ritter von Isca zurückgehen,, auf overijse.be, abgerufen am 1. Januar 2025. (niederländisch). die im frühen und Hochmittelalter Meier der gleichnamigen Domäne und Pfalz des Herzogs von Brabant südlich von Brüssel waren (flämisch: Iske, Ische, Yssche und Ijse, französisch: Isque, heute: Overijse). Es wird angenommen, dass Amalrich de Iseca unter den Rittern war, die im Gefolge von Graf Eustach II. von Boulogne an der Eroberung Englands unter Wilhelm von der Normandie teilnahmen. Der Graf führte in der Schlacht von Hastings im Jahre 1066 den aus flämischen und französischen Kämpfern bestehenden rechten Flügel des normannischen Invasionsheeres an. Insofern wird Eustach II. auch bei seinem Schwiegervater, Gottfried III., dem Herzog von Niederlothringen, Kämpfer rekrutiert haben. Dabei wird für nicht unwahrscheinlich gehalten, dass Amalrich unter jenen Knappen und Rittern war, die sich zwar Waffen, Rüstung und Pferd leisten konnten, aber keine Erstgeborenen waren und daher weder Anspruch auf Hausgut noch Titel hatten, die aber gerade der Aussicht auf Ländereien wegen an dem Eroberungszug teilnahmen.Tobias F. Korta: Disqué – d’Isque. Geschichte einer Speyrer Hugenottenfamilie. 2., leicht gekürzte Ausgabe, Ettlingen 2021, S. 44 f., 66 f. D. Haigneré: Arrondissement du Boulogne. Dictionaire historique et archéologique du Département du Pas-de-Calais. Band 3. Arras 1882, S. 337. Zudem sind die Namen „Amalrich“ und „Goso“ in der Familie der Ritter von Isca gebräuchlich.D. Haigneré: „Dictionaire topographique de la France: Arrondissement de Boulogne-sur-Mer“ (1861). In: Mémoires de la Société Académique de l’Arrondissment de Boulogne-sur-Mer. Band 11. Boulogne-sur-Mer 1881, S. XIII. D. Haigneré: Arrondissement du Boulogne. Dictionaire historique et archéologique du Département du Pas-de-Calais. Band 3. Arras 1882, S. 337. Cartulaire de l'Hôpital Saint-Jean de Bruxelles. In: Paul Bonenfant (Hrsg.): Actes des XIIe et XIIIe Siècles. Band 4. Bruxelles 1953, S. 10, zitiert nach: Tiffany A. Ziegler: „I was sick and you visited me“. The Hospital of Saint John in Brussels and its patrons. Dissertation University of Missouri-Columbia 2010, S. 192. J. J. de Smet: Cartulaire de l’Abbay de Cambron in: Monuments pour servir de l’Histoire des Provinces de Namur, de Hainaut et de Luxemburg. Brüssel 1869, S. 738 f. Diese verfügte über umfangreiches Eigengut in der herzoglichen Pfalz von Isca, das nachweislich auf einen Aginulph zurückgeht, der im Jahre 832 von Ludwig dem Frommen 18 Höfe mit Grund, Leuten und dazugehörigen Rechten in vier Orten, darunter sieben in der „villa vocante Isca“ zu ewigem Eigen erhielt.Urkunde Ludwigs des Frommen vom 5. Februar 832, in: MGH DD LdF 2, S. 761 f. (Nr. 308), abgerufen am 1. Januar 2025.
Wappen Stammwappen der Familie d'Isque Disqué.|mini In Gold ein rotes Ankerkreuz, auf dem rot-golden bewulsteten Helm mit rot-goldenen Decken wachsend ein goldener Löwe, als Schildhalter zwei goldene Löwen.
Dieses Stammwappen teilt die Familie d’Isque mit der Nebenlinie „de Marquise“ der Herren von Ardres (bei Calais).
Das Wappen wurde von Erbfolgern oder weiteren Söhnen mit folgenden Beizeichen getragen: bewinkelt von vier Sternen ("cantonée de quatre étoiles"): Enguerran d'Isque (1306) mit einem Schrägfaden belegt ("à la bande brochant"): Enguerran d'Isque (1321), Colart d'Isque (1380, 1387, 1388), Jean d'Isque "Desrée" (1380, 1387, 1389).
Stammliste Gemeinsamer Stamm Ebrald de Isica (ca. 1175 – ca. 1240), Seigneur d’Isque, erbaute im Jahre 1208 die Kirche im Dorf Isques nahe dem Château und nahm 1214 an der Seite von Graf Rainald von Boulogne an der Schlacht von Bouvines teil, wo er gefangen und in Montreuil-sur-Mer in KerkerhaftGefangenenliste nach Auguste Molinier, MGH SS 26, S. 391 ff. (latein.), abgerufen am 1. Januar 2025. genommen wurde. Arnould I. d’Isque (ca. 1205 – ca. 1270), Seigneur d’Isque, um 1240 erwähnt. Arnould II. d’Isque (ca. 1245–1300), Seigneur d’Isque, heiratete wohl im Jahr 1284 Marguerite de Monchy († 1305), Tochter von Henry de Monchy und Catherine de Montmorency. Enguerran (Ingram) d’Isque (ca. 1285 – ca. 1350), „Engeren d’Isseke“ (Siegel: 1306/1321), Seigneur d’Isque und Ritter, 1335 Hauptmann eines Fähnleins von 100 Rittern unter den Herren von Fiennes; verheiratet mit Marguerite de Hodicq de Courteville, Tochter des Ritters Huon III. de Hodicq aus der Familie d’Ardres, Seigneur de Courteville, Rosamel etc. und Seneschall des Grafen von Boulogne sowie der Marie de Renty. Jean I. d’Isque (ca. 1310 – ca. 1355), Seigneur d’Isque, Ritter und Bannerträger des Grafen von Boulogne, Hauptmann und Gouverneur von Boulogne, verheiratet mit Jeanne de Bazentin, genannt von Bars bzw. Beure oder Bèvre, Tochter des Ecuyers (Edelknechts) Jean de Bazentin, Seigneur d’Hervilly, und der Dame Béatrix aus dem Grafengeschlecht de Guînes. Nachfolger siehe unter der Hauptlinie und den beiden Nebenlinien.
Hauptlinie der Seigneurs d’Isque (de la Motte / du Château) und Vicomtes d'Isque mini|Kirche St. Wulmer und Apolline, gegründet von Ebrald de Isica im Jahre 1208, erneuert von Pierre d'Isque nach dem Hundertjährigen Krieg. Pierre d’Isque „dit Griffon“ (genannt der Greif), ältester Sohn von Jean I. d’Isque, geb. vermutlich um 1336, erwähnt 1368, Edelknecht (Ecuyer), Seigneur de la Motte d’Isque, erbte die Lehen von Engoudesent und Boisdinghem, erwarb darüber hinaus im Jahr 1370 Le Lozeaut (Le Lo), und 1380 ein Lehen in Boulemberg, war verheiratet mit Jehanne de Longueville, die 1420 als seine Witwe erwähnt ist. Colard d’Isque, Seigneur d’Isque et de Boisdinghem, angehender Ritter („chevalier bachelier“), Capitaine (Hauptmann) von Boulogne 1400–1404, verheiratet in erster Ehe mit Jehanne d’Ordre, Tochter von Ansel, Baron d’Ordre, Sr. de Maisnil und d’Aelis de Boussin, in zweiter Ehe mit Marie de Créquy, Tochter von Arnoul, Sr. de Rimboval, und Marie d’Auxy. Pierre d’Isque, genannt „Porras“ oder „Perus“ (Sohn Colards aus zweiter Ehe), Ritter, Sr. d’Isque, de la Motte, Blacourt, Hermerangue, le Lo etc.; verheiratet mit Marie de Gouy, Dame de Blacourt en Dourrier, 1446. Er richtete die Kirche „de la Motte d’Isque“ wieder auf, die im Hundertjährigen Krieg der Engländer gegen die Franzosen zerstört wurde. Jehan d’Isque, Ritter, Sr. d’Isque, le Lo, Hermerangue etc., verheiratet in erster Ehe mit Ysabel Amouret (gestorben 1468) und in zweiter Ehe mit Sainte de Soyecourt, 1483 verwitwet. Pierre d’Isque, dit „Perrot“, Sohn des Jehan aus erster Ehe, Sr. d’Isque, de la Motte, de Hermerangue, Blacourt, le Lo etc., Hauptmann und Kastellan („capitain gouverneur“) der Burg von Hardelot im Jahre 1509, Vogt der Gewässer und Wälder des Boulonnais, heiratete 1482 Blanche de Roussel, Tochter von Louis, Seigneur de Manoir (Hesdin-l’Abbé) und der Jehanne du Fayel, gestorben 1523, begraben in Isques zusammen mit seiner 1504 verstorbenen Frau. Adrien d’Isque, Ritter, Sr. d’Isque, de la Motte, le Moustier, le Manoir etc., heiratete 1525 Françoise de la Varenne, Tochter von Antoine, Sr. d’Hermerangue et de Bazinghen, und der Jacqueline d’Incourt, Witwe aus erster Ehe mit Jehan de Roussel, Sr. de Cauchie; Testament vom 19. November 1536 und gestorben an einer Kriegsverletzung vor dem 3. Dezember 1537. Unter seinen Söhnen wurde das Erbe geteilt: Bry wurde Sr. d’Isque und Guy wurde Sr. du Manoir. (Siehe die nachfolgenden beiden Zweige der Hauptlinie.)
Hauptlinie: Zweig der Seigneurs und Vicomtes d’Isque Bry d’Isque, Edelknecht, Soldat, Hauptmann der Infanterie 1555, Sr. d’Isque, verpfändete le Moustier 1552, verheiratet in erster Ehe mit Madeleine d’Oceche und in zweiter Ehe mit Catherine de Sarcus. Gestorben 1592 und neben seinem Sohn Oudard in der Kirche von Sainte Austreberthe begraben.