Krankenhaus weiblicher Ärzte e. V. (1908–1914 Vereinigung weiblicher Ärzte zur Gründung eines Frauenkrankenhauses in Groß-Berlin) war ein Verein in Berlin von 1908 bis nach 1921.
Geschichte 1908 wurde die Vereinigung weiblicher Ärzte zur Gründung eines Frauenkrankenhauses in Groß-Berlin gegründet. Ihr Ziel war es, ein öffentliches Krankenhaus für Frauen zu schaffen, wie es in Zürich das Frauen- und Kinderkrankenhaus war. Dazu sollten die nötigen Geldmittel eingeworben und die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Zu diesem Zeitpunkt bestand in Berlin nur eine Chirurgische Klinik weiblicher Ärzte als Privatklinik, die vor allem auf gynäkologische operative Eingriffe spezialisiert war. Ärztinnen konnten nur dort und in Privatpraxen arbeiten und nur Frauen und Kinder behandeln. Eine Anstellung in öffentlichen Krankenhäusern und für männliche Patienten war in dieser Zeit für sie nicht möglich. Das Projekt wurde von führenden Frauenrechtlerinnen unterstützt.
In den folgenden Jahren konnten zwar beträchtliche Geldsummen gesammelt werden, ein eigenes neues Krankenhaus wurde aber nicht geschaffen. Das Geld wurde vor allem zum Unterhalt der Privatklinik verwendet, die immer mehr minderbemittelte Patientinnen kostenlos versorgte und zu wenige vermögende Privatpatientinnen hatte.
1914 wurde einige Strukturveränderungen vorgenommen.Hoesch, S. 112–120 Der Name wurde in Verein Krankenhaus weiblicher Ärzte umbenannt und dem Lyceum-Club angeschlossen. Dies bot eine sichere strukturelle Einbindung in diesen vermögenden Verein angesichts der veränderten äußeren gesellschaftlichen Bedingungen nach Beginn des Ersten Weltkriegs. Die Privatklinik weiblicher Ärzte wurde nun als Eigentum gekauft. Diese wandelte sich in der folgenden Zeit zu einer überwiegenden Geburtsklinik.
Die weitere Entwicklung des Vereins Krankenhaus weiblicher Ärzte ist unbekannt.Es wurden nur die Jahresberichte von 1910 und 1914 ausgewertet, weitere Informationen sind bisher nicht untersucht worden 1921 bestand er noch. Ein öffentliches Frauenkrankenhaus wurde auch in den folgenden Jahren nicht gegründet.
Mitglieder Allgemeines Anfangs konnten nur Ärztinnen ordentliche Mitglieder mit Stimmrecht werden. Daneben gab es für Spenderinnen (und einige Spender) die Möglichkeit einer außerordentlichen Mitgliedschaft. Ab 1914 konnten auch Laien ordentliche Mitglieder werden. Die Satzung gab allerdings den Ärztinnen anteilmäßig zusammen den gleichen Stimmenanteil wie allen Laien. Dies war bei einem Verhältnis von etwa 20:80 dann auch sinnvoll.
1908–1914 Vorsitzende Agnes Hacker (1860–1909), Gründerin
Vorstandsmitglieder Anna Kuhnow (1859–1923), Schatzmeisterin Franziska Tiburtius (1843–1927), Mitgründerin
Weitere ordentliche Mitglieder Emilie Lehmus (1841–1932), erste niedergelassene Ärztin in Deutschland Martha Wygodzinski (1869–1943), Ärztin und Politikerin (SPD)
Außerordentliche Mitglieder Gertrud Bäumer (1873–1954), Schriftstellerin, FrauenrechtlerinHoesch, S. 99f., mit Liste von außerordentlichen Mitgliedern Wetterer, S. 487, mit einigen Namen Minna Cauer (1841–1922), Frauenrechtlerin Hedwig Dohm (1831–1919), Frauenrechtlerin Ottilie von Hansemann (1840–1919), Spenderin Hedwig Heyl (1850–1934), Vorsitzende des Lyceum-Cluubs Eliza Ichenhaeuser (1869–1932), Frauenrechtlerin Louise Marelle (1857 oder 1859–1940), Vorstandsmitglied im Lyceum-Club, Schriftstellerin Anna Pappritz (1861–1939), Frauenrechtlerin Anna Plothow (1853–1924), Frauenrechtlerin Alice Salomon (1872–1948), Frauenrechtlerin Franz von Liszt (1851–1919), Jurist Karl Schrader (1834–1913), Mitglied des Reichstags, Sozialförderer Theodor Weyl (1851–1913), Chemiker und Mediziner
1914–1921 Vorsitzende Irma Klausner-Cronheim (1874–1959), 1914–, 2. Vorsitzende, Ärztin Eliza Ichenhaeuser (1869–1932), 1921, Frauenrechtlerin, PublizistinWer ist's?, 1922, S. 707, letzte bisher bekannte Erwähnung des Vereins
Weitere Mitglieder Ethel Blume (1875–1918), Ärztin Maria Gleiss (1865–1940), Ärztin
Publikationen Bericht der Vereinigung weiblicher Ärzte zur Gründung eines Frauenkrankenhauses in Gross-Berlin, 1910 Jahresbericht des Verein Krankenhaus weiblicher Aerzte e.V. , angeschlossen an den Deutschen Lyceum-Club e.V. 1914, 1915
Literatur Kristin Hoesch: Ärztinnen für Frauen. 1995. S. 94–102, 112–120, grundlegende Darstellung Angelika Wetterer: Arbeitsteilung und Geschlechterkonstruktion. Metzler, Stuttgart 2017. S. 486–494, kurze Darstellung nach Hoesch
Einzelnachweise
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