Die Angerlinde in Bernsdorf ist ein ausgewiesenes Naturdenkmal im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis. Sie steht in der ehemaligen Ortsmitte von Bernsdorf, dem westlichsten der beiden kleinen Vorgängerorte der im Jahr 1936 gebildeten Gemeinde Vierbach. Das Pflanzdatum des Baumes ist unbekannt. Sein Alter wird auf mehr als 170 Jahre geschätzt.Thomas Wiegand: Dorfanger im Werra-Meißner-Kreis. In: Bäume aus dem Werraland. S. 165 f.

Lage Vierbach liegt im Vierbachtal, durch das die Landesstraße 3243 verläuft. Im frühen Mittelalter reihte sich im Tal Dorf an Dorf. Nach der alten Wüstung Vierbach am Taleingang, kamen Brausdorf, Wipperode, Bernsdorf und bis Germerode im Meißnervorland noch weitere untergegangene Dörfer. Die Linde steht in Bernsdorf an dieser Hauptstraße auf dem Anger, der in früheren Jahren Versammlungsort und Gerichtsstätte war.Gerichtsplatz in Vierbach (Bernsdorf) In: Gerichtsstätten in Hessen auf der Webseite des Landesgeschichtlichen Informationssystems Hessen (LAGIS) ; abgerufen am 1. April 2023. In der naturräumlichen Gliederung Deutschlands, die auf der Geografischen Landesaufnahme des Instituts für Landeskunde Bad Godesberg basiert, wird das untere Vierbachtal, zu dem Bernsdorf gehört, dem Wernersbergzug (358.24) und der obere nordwestliche Bereich dem Meißnervorland (358.03) zugeordnet. Sie sind Teileinheiten des Unteren Werraberglands (358). Südlich grenzt der Finkenberg-Dachsberg-Zug (357.82) des Fulda-Werra-Berglands (357) unmittelbar an das Tal.Hans-Jürgen Klink: Blatt 112 Kassel. In: Naturräumliche Gliederung nach der Geographischen Landesaufnahme des Instituts für Landeskunde Bad Godesberg.

ohne|mini|Angerlinde und ehemalige Pfarrkirche Bernsdorfs Geschichte Bernsdorf wurde im Jahr 1195 als Berharsdorp erstmals erwähnt. In dieser Zeit gehörte es zu den Besitzungen der Grafen von Bilstein, die es im 13. Jahrhundert an das Kloster Germerode abtraten. Mit der Einführung der Reformation, vermutlich um 1527, gelangte Bernsdorf an die Landgrafschaft Hessen.Bernsdorf, Werra-Meißner-Kreis. In: Historisches Ortslexikon auf der Webseite des Landesgeschichtlichen Informationssystems Hessen (LAGIS) ; abgerufen am 1. April 2023.

Nach der Zusammenlegung mit dem östlich angrenzenden Wipperode im Jahr 1936 bildeten beide Orte das langgezogene Straßendorf Vierbach, das 1971 an die Gemeinde Reichensachsen angeschlossen und zum Ortsteil von Wehretal wurde. Die Kirche des ehemaligen Wipperode wurde nun zum Gotteshaus für die gesamte Vierbacher Gemeinde, während die kleine ehemalige Pfarrkirche von Bernsdorf in den 1930er Jahren entweiht und als Lagerschuppen genutzt wurde, bevor in den 2010er Jahren die neuen Besitzer begannen, sie zu einer Art Loftwohnung umzubauen.Vierbach. In: Peer Zietz in Zusammenarbeit mit Thomas Wiegand: Denkmaltopographie Werra-Meißner-Kreis I. Altkreis Eschwege. S. 634 f.Stefanie Salzmann: Kirchlein wird zun Wohnloft. Mainzer Familie mit Vierbacher Wurzeln rettet alte Kirche. In: Werra-Rundschau vom 29. November 2019.

Schutz Anlässlich der Neuregelung des Naturschutzes durch ein Gesetz vom 26. Juni 1935 wurde die „Linde vor der Kirche auf dem Anger“, mit Zustimmung der höheren Naturschutzbehörde, unter der laufenden Nummer 22 in das Naturdenkmalbuch des Kreises Eschwege eingetragen und erhielt mit dem Inkrafttreten der „Verordnung zur Sicherung von Naturdenkmalen in den Stadt- und Landkreisen des Regierungsbezirks Kassel“ am 1. November 1936 den Schutz des Reichsnaturschutzgesetzes.Verordnung zur Sicherung von Naturdenkmalen in den Stadt- und Landkreisen des Regierungsbezirks Kassel vom 21. Juli 1936. In: Beilage zum Amtsblatt der Regierung Kassel. Nr. 44 vom Sonnabend, 31. Oktober 1936. Mit der Einführung des Bundesnaturschutzgesetzes, das das bis dahin geltende Reichsnaturschutzgesetz ablöste, wird der Baum als „rechtsverbindlich festgesetzte Einzelschöpfung der Natur“ durch den § 28 des Bundesnaturschutzgesetzes besonders geschützt.Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz - BNatSchG). § 28 Naturdenkmäler. Website des Bundesministeriums der Justiz; abgerufen am 8. Mai 2026. In der Liste der Naturdenkmale des Werra-Meißner-Kreises hat die Linde die Nummer ND 636.600.

In Vierbach wurde eine zweigeteilte Gesamtanlage mit der schützenswerten Bausubstanz der ehemaligen Orte Wipperode und Bernsdorf ausgewiesen. Die Linde vor der ehemaligen Pfarrkirche von Bernsdorf gehört mit einer ortsbildprägenden Reihung schutzwürdiger Hofanlagen zu dem nordwestlichen Teil. Die Gesamtanlage wurde nach § 2 Absatz 1 des Hessischen Denkmalschutzgesetzes aus geschichtlichen Gründen in das Denkmalverzeichnis des Landes Hessen unter der Nummer 39188 eingetragen.Gesamtanlage Vierbach. In: Kulturdenkmäler in Hessen. Website des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen; abgerufen am 29. August 2026.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Naturdenkmal im Werra-Meißner-Kreis Kategorie:Geographie (Wehretal) Kategorie:Individuelle Linde oder Baumgruppe mit Linden Kategorie:Einzelbaum in Hessen Kategorie:Einzelbaum in Europa