Die Vickers F.B.27 Vimy war ein schwerer britischer Bomber des Ersten Weltkriegs. Das von R. K. Pierson entwickelte und bei Vickers gebaute Flugzeug war für Luftangriffe auf Ziele in Deutschland vorgesehen. Mit einer Vimy gelang zwei Piloten im Juni 1919 erstmals die Nonstop-Überquerung des Atlantiks. Sie flogen in 16 Stunden 12 Minuten 3667 km, also mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 225 km/h über Grund.
Nach dem Krieg wurde die Vimy zu einem Verkehrsflugzeug weiterentwickelt und erhielt den Namen Vimy Commercial.
Geschichte mini |Vickers Vimy Commercial, Oktober 1921 mini | Vickers Vimy, Seitenansicht, 1919 Der Erstflug erfolgte am 30. November 1917. Die ersten Flugzeuge wurden im Juli 1919 an die Staffeln geliefert, ein Einsatz im Ersten Weltkrieg fand nicht mehr statt. Die 58 Squadron – ab 1. Februar 1920 70 Squadron – flog die Vimy von Juli 1919 bis November 1922 erst in Ägypten, dann in Mesopotamien. Die 45 Squadron in Mesopotamien war nur kurze Zeit mit der Vimy ausgerüstet (Juli 1921 bis April 1922). Am längsten diente die Vimy bei der 216 Squadron in Ägypten (von Juni 1922 bis Oktober 1926).Vic Flintham: Truculent Tribes, Turbulent Skies. The RAF in the Near and Middle East 1919–1939. o. O., 2015, S. 50 ff. Sie wurde durch die Weiterentwicklung Vickers Virginia ersetzt. In Nordirland blieb sie bis 1929 im Einsatz. Hergestellt wurden verschiedene Varianten mit den Bezeichnungen Mk.I bis Mk.IV.
Die zivile Version Vimy Commercial wurde ab 1919 produziert, hauptsächlich für den Export. Sie flog zum ersten Mal vom Joy Green Airfield in Kent am 13. April 1919 mit dem militärischen Kennzeichen K107. Später bekam sie das zivile Kennzeichen G-EAAV.
Produktion Die genauen Produktionszahlen der Vimy lassen sich nicht mehr feststellen, da beim Kriegsende viele Aufträge gestrichen wurden.https://www.baesystems.com/en/heritage/vickers-vimy. BAE nennt 147 Flugzeuge, die – neben Lizenzbauten – bei Vickers Bexleyheath, Crayford and Weybridge hergestellt wurden. Nachweisbar sind folgende Produktionszahlen:
Abnahme der Vickers Vimy durch die RAF:Thompson, Dennis: Royal Air Force Aircraft J1–J9999. Tonbridge 1987.
HerstellerVersion191919201919/192019211922192319241925SummeSerialsMorgan & Co.Vimy41 41F3146–F3186Vickers Weybridge 100 100F8596–F8645; F9146–F9195RAEMk.IV64 10H651–H660Westland11 2H5081–H5082VickersMk.IV 25530J7238–J7247; J7440–J7454; J7701–J7705Vimy Commercial Ambulance 122 5J6855; J6904–J6905; J7143–J7144 Summe 485100122255188
Von der Vimy Commercial wurden 43 Flugzeuge gebaut.A.J. Jackson: British Civil Aircraft Since 1919. Volume 3, S. 201 ff., S. 592 f. China bestellte 40 Flugzeuge, die im Zeitraum April 1920 bis Februar 1921 bei Vickers hergestellt wurden. In China wurden bis 1924 20 Vimy aufgebaut, von denen bis zu diesem Zeitpunkt bereits fünf Flugzeuge verloren gegangen waren. Die restlichen 20 verblieben in ihren Transportkisten.Lennart Andersson: A History of Chinese Aviation. Taipei 2008, S. 13, S. 287.
Rekordflüge mini|Vickers Vimy von Ross Smith und Keith Smith Mit der Vimy erfolgten viele erste Fernflüge und Rekorde, inklusive der ersten Non-Stop-Atlantik-Überquerung. John Alcock und Arthur Whitten Brown starteten am 14. Juni 1919 von Neufundland und landeten am 15. Juni 1919 mit der Nase voran in einem Moor in Irland. Ihr Flugzeug steht heute im London Science Museum.
Ross Macpherson Smith und Keith Macpherson Smith flogen 1919 in mehreren Etappen als Erste von London nach Australien. Am 4. Februar 1920 flogen Pierre van Ryneveld und Quintin Brand von London nach Südafrika. Steve Fossett flog mit einer nachgebauten Vimy im Jahr 2005 über den Atlantik.
Militärische Nutzung
Royal Air Force
Technische Daten (Vimy Mk.I) mini|Dreiseitenriss Kenngröße Daten Besatzung 3 Länge 13,27 m Spannweite 20,75 m Höhe 4,76 m Flügelfläche 123,5 m² Leermasse 3222 kg Startmasse 5670 kg Höchstgeschwindigkeit 166 km/h in Höhe Dienstgipfelhöhe 2135 m Reichweite 1448 km Triebwerke zwei 12-Zylinder-V-Motoren Rolls-Royce Eagle VIII, Bewaffnung 2 × 7,7-mm-Lewis-MG (1 im Flugzeugbug, 1 in der Mitte des Flugzeugs) und bis zu 1123 kg Bomben im internen Waffenschacht
Siehe auch Junkers W 33, erste Atlantiküberquerung von Ost nach West
Literatur Enzyklopädie der Flugzeuge. Weltbild, Augsburg 1994, ISBN 3-89350-055-3, S. 11. C.F. Andrews, Eric B. Morgan: Vickers Aircraft since 1908. Second edition, Putnam, London 1988, ISBN 0-85177-815-1. A.J. Jackson: British Civil Aircraft 1919–1972. Volume III. revised second edition, Putnam, London 1988, ISBN 0-85177-818-6. Francis K. Mason: The British Bomber Since 1914. Putnam Aeronautical Books, London 1994, ISBN 0-85177-861-5. Peter McMillan: The Vimy Flies Again. National Geographic, Volume 187, No. 5, Mai 1995, S. 4–43. Jim Winchester (Hrsg.): Vickers Vimy. Biplanes, Triplanes and Seaplanes. (Aviation Factfile), Grange Books plc, London 2004, ISBN 1-84013-641-3.
Weblinks
RAF Museum Alcock und Browns Flugzeug im London Science Museum
Einzelnachweise
Kategorie:Bomber Kategorie:Flugzeugtyp des Ersten Weltkrieges (Vereinigtes Königreich) Vimy Kategorie:Erstflug 1917 Kategorie:Kurzstreckenflugzeug Kategorie:Zweimotoriges Flugzeug mit Kolbenmotoren