mini|Ortseingang Schönewörde ist eine Gemeinde im Landkreis Gifhorn in Niedersachsen mit Einwohnern (Stand: ). Die Gemeinde Schönewörde ist Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Wesendorf.
Geographie Geographische Lage Schönewörde liegt zwischen der Ise im Westen und dem Elbe-Seitenkanal im Osten im Bereich der Südheidemoore, Gose-Ise-Sandebene und südlichen Ostheide. Durch das Dorf fließt die Riet, ein linker Nebenfluss der Ise.
Mehr als die Hälfte der Gemarkung Schönewörde befindet sich im zentral zwischen den Naturparks Südheide und Elm-Lappwald gelegenen Landschaftsschutzgebiet Ostheide und den darin eingeschlossenen Naturschutzgebieten Ise mit Nebenbächen und Großes Moor bei Gifhorn. Davon ausgenommen sind lediglich das Siedlungsgebiet mit den unmittelbar angrenzenden Acker-, Wiesen- und Weideflächen, der Elbe-Seitenkanal sowie kleinere, unbewohnte Teile des Gemeindegebiets östlich des Elbe-Seitenkanals im Malloh.
Nachbargemeinden Schönewörde grenzt an die Stadt Wittingen und die Gemeinde Wahrenholz.
Geschichte Die Gemeinde wurde 1318 als Sconenworden erstmals urkundlich erwähnt. Sie gehört zu den Siedlungen der jüngeren Rodeperiode (800–1200). In der Entwicklung wurde sie wahrscheinlich durch den Zuzug aus Wüstungen, wie Große Wöhrde und Kleine Wöhrde, beeinflusst, die in der Gemarkung lagen.
Während der Franzosenzeit gehörte Schönewörde von 1810 bis 1813 zum Kanton Wittingen im Distrikt Salzwedel, im Departement der Elbe des Königreiches Westphalen. Schönewörde blieb lange Zeit eine kleine, nur langsam wachsende Siedlung, die 1811 erst 30 Höfe bzw. abgabepflichtige Feuerstellen hatte. Die erste Volkszählung im gleichen Jahr ergab 233 Einwohner. Allerdings schätzen einige Chronisten die Bevölkerung aufgrund alter Steuerlisten nur auf 180 bis 190 Personen.
Ein Aufschwung kam mit der Aufteilung des Großen Moores 1849 und der Verkoppelung 1853/72. Dadurch standen 616 ha Heideboden und 513 ha Moorboden zur Kultivierung zur Verfügung, wodurch sich neue Existenzmöglichkeiten boten. 1859 wurde das Amt Knesebeck aufgehoben, zu dem auch Schönewörde gehörte, und seine Gemeinden dem Amt Isenhagen zugeordnet, aus dem 1885 der Kreis Isenhagen entstand. mini|Eisenbahnbrücke Günstig auf die Ortsentwicklung wirkte sich der Anschluss an die Bahnstrecke Braunschweig–Wieren aus, den Schönewörde 1900 bekam. 1972 musste der Haltepunkt einige hundert Meter nach Süden versetzt werden, da an der ursprünglichen Stelle der Damm der Brückenrampe über den Elbe-Seitenkanal (Baubeginn in der Gemarkung Schönewörde 1968) entstehen sollte.
1932 wurde der Kreis Isenhagen aufgelöst und dem Kreis Gifhorn angeschlossen, zu dem Schönewörde heute noch gehört.
Für die Ortsentstehung und -entwicklung dürfte der Waldreichtum eine Rolle gespielt haben. Der Laubwald war als Viehweide geeignet und seine nährstoffreichen Böden konnten nach der Rodung zu Äckern werden. Noch für die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg wurde die Walddichte für das alte Amt Isenhagen mit 35 % angegeben. Schönewörde gehörte zur Oberförsterei Wahrenholz, Oberforstamt Celle, und sein erster 1778 im Hannoverschen Staatskalender erwähnter Forstbeamte war der gehende Förster Johann Christoph Hölsen. Wenige Jahre später wird für Schönewörde auch ein Forsthaus aufgeführt mit dem gehenden Förster Nickel (obwohl Forsthäuser anfänglich nur reitenden Förstern zur Verfügung standen).
Aufgaben der Förster waren die Zuweisung von Brenn- und Bauholz (gebührenpflichtig), Jagd und Wildhege sowie die Verhinderung von Wilddiebereien. Davon zeugt auch der Gedenkstein für den 1863 ermordeten Schönewörder Hilfs-Forstaufseher Ernst Sander.
Für die heutige Gemeinde Schönewörde haben die Forsten nur noch eine Bedeutung als Quelle für Pachteinnahmen. Die Attraktivität der Jagd nahm 1967 durch die Aussetzung von Damwild zu.
Als einzige Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Wesendorf hatte Schönewörde stets eine enge Verbindung zu Knesebeck – ob als Lehen im Besitz der Familie von dem Knesebeck oder dem Amt, der Vogtei, dem Kirchspiel Knesebeck zugeordnet bzw. von 1969 bis 1974 als Teil der Samtgemeinde Knesebeck. Übrig geblieben ist davon die Zugehörigkeit zur evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Knesebeck.
Einwohnerentwicklung Jahr 1910 1925 1933 1939 1974 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2020 2022 Einwohner 612 658 630 604 716 744 719 827 925 968 973 919 912 923 933Das Sprachrohr. Mitteilungsblatt für die Samtgemeinde Wesendorf vom April 2023
Religionen mini|hochkant|Glockenturm Trotz eines 1966 erbauten Glockenturmes hat Schönewörde keine Kirche. Hin und wieder finden jedoch Gottesdienste in der kommunalen Friedhofskapelle statt. Die evangelisch-lutherischen Einwohner gehören zur Kirchengemeinde Knesebeck, die Katholiken zur Pfarrei St. Marien in Wittingen mit der nähergelegenen Kirche Mariä Himmelfahrt in Wesendorf.
Politik Rat Der Rat der Gemeinde Schönewörde setzt sich aus derzeit noch acht, künftig wieder neun Mandatsträgern zusammen. In der auslaufenden Wahlperiode 2021–2026 sind von den neun Sitzen im Rat nur acht besetzt, da der Einzelbewerber Gerald Flohr nur einen seiner zwei Sitze besetzen konnte. Die Ratsmitglieder werden im Turnus bei einer Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt.
Bei der Kommunalwahl 2026 ergab sich folgende Sitzverteilung:
Die letzten Kommunalwahlen ergaben die folgenden Sitzverteilungen: WahljahrGfSCDUSPDparteilosGesamt202142118 Sitze2016–4419 Sitze
Bürgermeister Der ehrenamtliche Bürgermeister Heinrich Buchholz wurde am 24. Mai 2023 von den Ratsmitgliedern mehrheitlich gewählt. Sein Vorgänger Gerald Flohr, der bei der konstituierenden Ratssitzung am 12. November 2021 von den Ratsmitgliedern mehrheitlich gewählt worden war, hatte sein Amt am 3. Mai 2023 niedergelegt.
Ehemalige Bürgermeister
1968–1996 Helmuth Gries 1996–2001 Horst Schermer (CDU). 2001–2006 Walter Bischoff (SPD). 2006–2016 Horst Schermer (CDU). 2016–2023 Gerald Flohr (CDU, später Einzelbewerber)
Wappen Das Wappen der Gemeinde Schönewörde zeigt einen silbernen Kiebitz vor einem stehenden Eichenblatt über dem von silbernem Wellenband getrennten roten Schildfuß. Der Kiebitz weist auf die Wiesenlandschaften hin, das Eichenblatt auf die Waldflächen im Norden von Schönewörde. Der Wellenbalken stellt die Ise und die Riet dar, die rote Farbe im Schildfuß symbolisiert die blühende Heidelandschaft. Das Wappen wurde am 26. Oktober 1988 durch den Landkreis Gifhorn genehmigt.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Die Region ist landschaftlich von Heide, Mooren und Weihern und der Ise geprägt. Südlich liegt mit dem Großen Moor eines der größten Naturschutzgebiete Niedersachsens. Die wassernahe Natur ist bei Radwanderern, Wasserwanderern und Ausflüglern ein beliebtes Ziel.
Im Waldgebiet des südlich von Schönewörde gelegenen Espenleus steht ein großer Granitblock mit der Inschrift:
Der Stein berichtet vom gewaltsamen Tod eines Forstaufsehers, der einen Wilderer auf frischer Tat ertappte und von diesem durch zwei Kopfschüsse getötet wurde. Nach seiner Festnahme leugnete der Mörder zunächst die Tat, wurde aber vor Gericht des Verbrechens überführt und zum Tode verurteilt. Es erfolgte jedoch eine Umwandlung in eine lebenslange Haftstrafe mit Zwangsarbeit im Lüneburger Kalkberg. Nachdem der Mörder dort 28 Jahre seine Tat gebüßt hatte, wurde er entlassen und starb im Armenhaus in Wunstorf. Der Dichter Hermann Löns nahm die Geschichte dieses Verbrechens als Vorlage für seinen Roman Der dritte Damm.
mini|Das Mönchskreuz im Leu Im Emmer Leu steht rund drei Kilometer nordwestlich von Schönewörde das Mönchskreuz. Es erinnert an das Sterben eines Mönchs im Jahr 1528.
Bauwerke Noch heute ist Schönewörde ländlich geartet und im Dorfbild mit seiner aufgelockerten Bebauung sind viele historische Fachwerk- und Backsteinhäuser zu sehen.
Grünflächen und Naherholung Die Königseichen am Sportzentrum entstammen der Tradition, dass ein Schützenkönig nach seiner Proklamation eine Eiche pflanzt. Nahe Schönewörde liegen ausgedehnte Waldflächen sowie das Große Moor.
Sport mini|Sportzentrum Zum Sportzentrum gehören der Fußballplatz, Tennisplätze, ein Schießstand und eine Grillhütte sowie ein Jugendtreff und eine Gaststätte. Der TSV Schönewörde e. V. (Turn- und Sportverein) von 1928 bietet neben Fußball und Tennis auch eine Reihe weiterer Sportarten an.TSV Schönewörde e. V., abgerufen am 26. Mai 2021. Der Schützenverein Schönewörde e. V. von 1912 widmet sich dem Sportschießen.Schützenverein Schönewörde e. V., abgerufen am 26. Mai 2021. Aus der 1969 gegründeten Angelinteressengemeinschaft Schönewörde entwickelte sich der heutige Verein für Fischerei und Gewässerschutz Schönewörde und Umgebung e. V.Verein für Fischerei und Gewässerschutz Schönewörde und Umgebung e. V., abgerufen am 26. Mai 2021.
Wirtschaft und Infrastruktur Unternehmen mini|Ehemaliger Gasthof „Deutsches Haus“ Vermilion Energy betreibt bei Schönewörde ein Ölwerk. Die zum Erdölwerk führende Straße, die Preussagstraße, erinnert noch heute an die frühere Zugehörigkeit des Ölwerks zur Preussag. 1952 begann im Ölfeld Vorhop die Erdölförderung, 1956 wurde der Betriebsplatz Schönewörde gegründet. Das im Ölfeld Vorhop geförderte Erdöl wird über Rohrleitungen zum Betriebsplatz Schönewörde transportiert, dort von Begleitgas und Wasser getrennt und über eine Pipeline nach Hannover-Misburg geführt.Christian Franz: Mehr Öl aus Deutschland - neue Bohrungen im Kreis Gifhorn. In: Gifhorner Rundschau. Ausgabe vom 8. September 2022.
Prägend für das Ortsbild sind insbesondere die landwirtschaftlichen Betriebe. Die Lebensmittelgeschäfte und die Bäckerei wurden geschlossen, sodass in Schönewörde heute außer landwirtschaftlicher Direktvermarktung (wie beispielsweise dem Hofladen einer Straußenfarmhttps://www.straussig.de/hofladen/) keine Einkaufsmöglichkeit des täglichen Bedarfs mehr besteht. An größeren Gewerbebetrieben gibt es ein Bauunternehmen, ein Unternehmen für Baumpflege und eine Autowerkstatt, deren angeschlossene Tankstelle aufgegeben wurde. Geschlossen wurden auch die drei Dorfgaststätten sowie die Poststelle I, die dem Postamt Gifhorn zugeordnet war. Im Ladenlokal eines der ehemaligen Lebensmittelgeschäfte, in dem zwischenzeitlich auch die Post ihren Standort hatte, befindet sich noch eine Versicherungsagentur.
Öffentliche Einrichtungen mini|Feuerwehrhaus Die Gemeindeverwaltung ist im ehemaligen Schulgebäude untergebracht. Nahe dem Feuerwehrhaus steht der Maibaum sowie das Kriegerdenkmal, das an die Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege erinnert. Der Friedhof mit der Kapelle befindet sich in Trägerschaft der Samtgemeinde Wesendorf.
Die Freiwillige Feuerwehr wurde 1927 gegründet. Das heutige Feuerwehrhaus von 2010 ersetzt ein Vorgängergebäude aus dem Jahr 1958.Private Internetseite der Freiwilligen Feuerwehr Schönewörde, abgerufen am 26. Mai 2021.
mini|Wasserwerk Der Wasserverband Gifhorn betreibt in Schönewörde eines seiner sieben Grundwasserwerke, mit denen er den Großteil des Landkreises Gifhorn mit Trinkwasser versorgt. Auch die Haushalte in Schönewörde selbst sind an das Leitungsnetz des Wasserverbands angeschlossen. Zum Schutz des Grundwassers wurde im Jahr 2000 ein Trinkwasserschutzgebiet ausgewiesen, das den überwiegenden Teil des Schönewörder Gemeindegebiets sowie angrenzende Bereiche der Nachbargemeinden umfasst.
Bildung mini|Ehemalige Schule Die Kindertagesstätte wird im Auftrag der Samtgemeinde Wesendorf vom Deutschen Roten Kreuz betrieben. 1991 wurde in Schönewörde eine Kindergartengruppe als Außenstelle der Kindertagesstätte Wesendorf eingerichtet. Zunächst wurde diese Kindergartengruppe im ehemaligen Schulgebäude untergebracht. 1992 wurde der Kindergarten in Schönewörde selbständig, 1993 wurde das heutige Kindergartengebäude am Sportzentrum errichtet. Auch die ehemalige Schule wird seit 2021 wieder als Kindertagesstätte genutzt.
Verkehr Schifffahrt