Dieke ist eine in wenigen hochmittelalterlichen Urkunden belegter, später wüst gefallener Ort im Raum Jüterbog im Landkreis Teltow-Fläming in Brandenburg. In der Forschung wurde Dieke seit dem 19. Jahrhundert wiederholt irrtümlicherweise mit der Entstehung von Luckenwalde in Verbindung gebracht.Peter P. Rohrlach: Ältere Ortsnamenbelege und das Problem ihrer Zuordnung im alten Kreis Jüterbog-Luckenwalde In: Friedrich Beck, Klaus Neitmann (Hrsg.): Brandenburgische Landesgeschichte und Archivwissenschaft. Festschrift für Lieselott Enders zum 70. Geburtstag, 1997, S. 12–15.
Geografische Lage Die genaue Lage der Feldmark ist bislang nicht archäologisch gesichert. Sie könnte auf der wüsten Feldmark Heinsdorf bei Werder und Ruhlsdorf gelegen haben, vielleicht aber auch wie diese in den Feldmarken von Werder und Jänickendorf aufgegangen sein. Möglich ist auch, dass sie in Jüterbog aufgegangen ist. Die Suche nach der Feldmark erstreckt sich bis in das 16. Jahrhundert, als ein Geschichtsschreiber 1534/1543 schrieb: Digke ist ein Dorf gewest an den orth der ietzundt die Nonnen den Acker haben, auffm Storenbergk vorn Frauentor gelegen. Diese Zuordnung dürfte jedoch von der damals noch unklaren Lage der zugehörigen Wüstungen beeinflusst gewesen sein. Auf Grundlage der gesicherten Lokalisierung von Heinsdorf und Ruhlsdorf gilt es als wahrscheinlich, dass auch Dieke (ebenso wie Rothe) im Gebiet nordöstlich von Jüterbog, vermutlich innerhalb der ausgedehnten Jänickendorfer Heide, lag.
Geschichte Dieke wurde erstmals in den Jahren 1164/1174 urkundlich als „eines von zwei Dörfern (villa), von denen eines Dike heißt“ (in duabus villis, quarum una vocatur Dike) erwähnt und gehörte zu dieser Zeit dem Stift Gottesgnaden in Calbe (Saale). Seine Größe wurde zusammen mit dem Dorf Rothe mit 50 Hufen angegeben. Eine weitere Erwähnung gab es als Kirchdorf in den Jahren 1173/1180 in der Schreibweise Dike. Die Dörfer Rothe, Heinsdorf und Ruhlsdorf waren zu dieser Zeit nach Dieke eingekircht. Der Bischof Siegfried I. hatte den Zehnt der vermutlich bereits aufgegebenen Dörfer Dieke und Rothe zusammen mit sechs Hufen aus Jüterbog der Marienkirche übertragen.10C Marienkirche Jüterbog U 1; Bischof Siegfried [I.] von Brandenburg überträgt der [Marien]kirche den Zehnten von 6 Hufen zu Jüterbog und von 50 Hufen in den Dörfern Dieke und Rothe (beide wüst) sowie 1/3 des Zehnten aus Jüterbog und den Dörfern Ruthenitz, Rothwiensdorf, Broitz und Hohengörsdorf.;, Online-Recherche im Bestand des Brandenburgischen Landeshauptarchivs (), abgerufen am 28. März 2023. Eine letzte Erwähnung existiert in einer Urkunde aus dem Jahr 1183 als vocatur Dicke. Anschließend verliert sich die Spur der Siedlung; auch spätere Flurnamenüberlieferungen fehlen. Dies spricht dafür, dass es sich um eine sehr frühe Wüstung handelt.
Dieke und Luckenwalde Seit dem 19. Jahrhundert wurde wiederholt versucht, Dieke mit der Entstehung der Stadt Luckenwalde in Verbindung zu bringen. Ausgangspunkt des vermuteten Zusammenhangs war eine Interpretation der Urkunde von 1183 durch den Chronisten und Jüterboger Bürgermeister[Heffter, Carl Christian, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd104318473.html#indexcontent [03.06.2026]] Carl Christian Heffter (1851), der annahm, Dieke sei der ursprüngliche Name von Luckenwalde gewesen. Er leitete diesen Namen unter anderem von landschaftlichen Gegebenheiten ab und verband ihn mit weiteren, ebenfalls spekulativ gedeuteten Ortsnamen (u. a. Liester-Diek). Zudem nahm er an, dass das ebenfalls wüst gefallene Rothe mit Dieke identisch oder eng verbunden gewesen sei. Diese Thesen wurden später von Autoren wie Hermann Hahn (1930) und Oskar Liebchen (1960) aufgegriffen, weiter ausgeführt und mit zusätzlichen Hypothesen zur Siedlungstopographie Luckenwaldes verknüpft. Dabei wurde etwa behauptet, Dieke habe als größeres Dorf den Kern des späteren Ortes gebildet, während Rothe als kleinere Rodungssiedlung gedeutet wurde. Auch archäologische und urkundliche Hinweise (z. B. Dorfhufen oder Lehmberghufen im Gebiet von Luckenwalde) wurden in diese Deutungen einbezogen.
Die neuere Auswertung der Quellen weist diese Interpretation jedoch als unbegründet zurück. Insbesondere fällt auf, dass Dieke und Rothe außer in den beiden genannten Urkunden nirgendwo mehr erscheinen, was gegen eine kontinuierliche Entwicklung zum späteren Luckenwalde spricht.
Die von Heffter ausgewertete Urkunde von 1183 ist dennoch von zentraler Bedeutung: Sie nennt Dieke als Pfarrort, in den die Dörfer Heinsdorf (Hinrikestorp sive Waltrikesdorp) und Ruhlsdorf eingepfarrt waren. Daraus ergibt sich ein enger räumlicher Zusammenhang zwischen diesen Siedlungen. Da Heinsdorf und Ruhlsdorf durch andere Quellen eindeutig als Wüstungen im Bereich südlich bzw. südöstlich von Jüterbog (in der Nähe von Werder und Jänickendorf) lokalisiert werden können, ist auch Dieke in diesem Raum zu suchen.
Literatur Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 114–115.
Einzelnachweise
Kategorie:Wüstung im Landkreis Teltow-Fläming Kategorie:Ersterwähnung 1164 Kategorie:Geographie (Jüterbog)